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Tron: Legacy - Soundtrack Drucken E-Mail
Review zum Soundtrack von Daft Punk Kategorie: Audio - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 27 Januar 2011
 

Image
Titel: "Tron: Legacy"
Komponist: Daft Punk
Bewertung:
Label: Walt Disney Records
Veröffentlicht: 10. Dezember 2010
Länge: ca. 58 Minuten
Kaufen: CD, Special Edition
 


Titelverzeichnis:
01. Overture (2:28) 12. End of Line (2:36)
02. The Grid (1:37) 13. Derezzed (1:44)
03. The Son of Flynn (1:35) 14. Fall (1:23)
04. Recognizer (2:38) 15. Solar Sailer (2:42)
05. Armory (2:03) 16. Rectifier (2:14)
06. Arena (1:33) 17. Disc Wars (4:11)
07. Rinzler (2:18) 18. C.L.U. (4:39)
08. The Game Has Changed (3:18) 19. Arrival (2:00)
09. Outlands (2:42) 20. Flynn Lives (3:22)
10. Adagio for Tron (4:11) 21. Tron Legacy (3:18)
11. Nocturne (1:42) 22. Finale (4:23)

Exklusive Bonus Tracks (Track 23-27: Special Edition, Track 28 & 29: iTunes, Track 30: Amazon.com, Track 31: Ovi Music Store):

23. ENCOM Part I (3:53) 28. Father and Son (3:10)
24. ENCOM Part II (2:18) 29. Outlands Part II (2:54)
25. Round One (1:41) 30. Sea of Simulation (2:42)
26. Castor (2:19) 31. Sunrise Prelude (2:51)
27. Reflections (2:42)


Vorwort: Bevor ich den Soundtrack an sich bespreche möchte ich auf die – meines Erachtens eher kundenfeindliche – Veröffentlichungspolitik von Walt Disney Records eingehen, die zwar da Daft Punk dafür nicht verantwortlich sind nicht in die Wertung und/oder das Review eingeflossen ist, mir aber dennoch erwähnenswert erscheint. So löblich es auch sein mag, dass man zu "Tron: Legacy" nicht nur eine, sondern gleich zwei CD-Editionen veröffentlicht hat (die meisten Soundtracks der letzten Jahre aus der Walt Disney-Sphäre, wie z.B. Michael Giacchino’s oscarprämierte Filmmusik zu "Oben", waren nur mehr digital erhältlich), wird die Freude darüber angesichts einiger Entscheidungen des Labels etwas getrübt.

Während das normale Soundtrack-Album mit einen Preis von ca. € 15,- und einer Laufzeit von knapp einer Stunde noch ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis bietet und die "casual"-Soundtrack-Käufer zufriedenstellen wird, müssen Filmmusik-Liebhaber und Daft Punk-Fans deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die – mittlerweile vergriffene – Special Edition wird momentan zu Preisen gehandelt, die weit über dem doppelten der normalen CD liegen. Selbst Erstkäufer dieser Sonderedition dürften trotz des damals noch akzeptablen Preises von rund € 20,- etwas enttäuscht sein. Gerade mal 5 Tracks mit einer Gesamtlaufzeit von 13 Minuten befinden sich auf der 2. CD; das hätte auch problemlos auf der regulären Soundtrack CD Platz gefunden. Wer nun meint, die Auslagerung bzw. eher mickrige akustische Ausstattung der 2. CD wäre auf das umfangreiche Bonusmaterial zurückzuführen, der irrt: Sowohl auf der 1. als auch auf der 2. CD sind lt. Explorer nur die Audiodateien und keine Extras vorhanden. Die CD wird offenbar lediglich dazu benötigt, um diese Inhalte online abrufen zu können – etwas, dass bei mir zudem bisher nicht funktioniert hat (sachdienliche Hinweise werden gerne angenommen)! Damit erweist sich die Special Edition leider als Mogelpackung – wenn auch zugegebenermaßen in schickem Digipack-Gewand.

Die eigentliche Frechheit ist aber, dass man selbst als Käufer der "Special Edition" nicht sämtliches Material erhält, das vom "Tron: Legacy"-Soundtrack veröffentlicht wurde. So sind auf iTunes, Amazon und dem Nokia Ovi Music Store separate Bonustracks erhältlich, die jeweils nur im entsprechenden Online Store verfügbar sind. Während Amazon und Nokia/Ovi immerhin die Güte haben, die Bonustracks einzeln anzubieten, sind die beiden iTunes-Stücke nur gemeinsam mit dem gesamten Album erhältlich. Wer sämtliches veröffentlichtes Material besitzen will, ist daher dazu gezwungen, den Soundtrack doppelt zu erwerben. Ausgehend vom Erstverkaufspreis der Special Edition, dem iTunes-Album und den separat erhältlichen Tracks auf Amazon und Ovi schlägt der komplett erhältliche Soundtrack demnach mit rund € 33,- zu Buche – angesichts einer Gesamtspielzeit aller Tracks von knapp über 82 Minuten eine stolze Summe. Mir ist natürlich klar, dass das Filmstudio mit "Tron: Legacy" ein großes Risiko eingegangen ist und die Investition auch wieder hereingebracht werden will – aber wie hier Daft Punk-Fans und Soundtrack-Liebhaber geschröpft werden, stößt mir persönlich schon etwas sauer auf.

Nun aber genug gelästert, widmen wir uns lieber der Filmmusik von Daft Punk!

Review: Der erste Track, „Overture“, überrascht mit seinem erstaunlich klassisch-orchestralen Klang. Daft Punk setzen scheinbar bewusst für die Szenen in der realen Welt auf eine eher gewöhnliche Untermalung („Overture“ ist der einzige Track auf dem regulären Soundtrack-Release aus diesem Teil des Films), und erst nach Sam’s Ankunft in der Welt von Tron verstärkt auf Synthesizer und peitschende Techno-Klänge. Damit wird die Fremdartigkeit dieser Welt nicht nur optisch (durch den einsetzenden 3D-Effekt), sondern auch akustisch vermittelt. „The Grid“ ist dann bereits unser erster Vorgeschmack, der mit einer Dialogzeile aus dem Film von Jeff Bridges eingeleitet wird und eines der musikalischen Hauptthemen vorstellt. Hier besticht bereits der äußerst originelle, individuelle und einzigartige Klang, der uns bis auf wenige Ausnahmen nun bis zum Rest des Albums begleiten wird: Eine Mischung aus Synthesizer, E-Gitarre und Techno-Sounds, die "Tron: Legacy" bzw. dem Soundtrack eine beeindruckende Unverwechselbarkeit verleiht.

Bei „The Son of Flynn“ dominieren Töne, die an die gute alte Arcade-Zeiten bzw. Midi-Klänge aus grauer PC-Vergangenheit erinnern, und musikalisch eine Brücke zu Wendy Carlos‘ Komposition zum ersten "Tron" schlagen. Untermalt werden diese Klänge mit einer orchestralen Begleitung, die ihre Fremdartigkeit erfolgreich unterstreicht. „Recognizer“ lässt bei den tief-peitschenden Klängen leichte Erinnerungen an Hans Zimmer’s Soundtrack zu "Inception" aufblitzen und hätte sich auch in diesem gut gemacht, kratzt aber gegen Ende hin dank des eingängigen Hauptthemas doch noch die Kurve. „Armory“ ist eher ein atmosphärisches Stück, welches die Stimmung der jeweiligen Szene zwar perfekt unterstreichen dürfte, jedoch für sich genommen ohne die entsprechenden Bilder mangels einer eingängigen Melodie zu den weniger auf-(und ge-)fälligen Titel des Albums gehört „Arena“ ist vor allem dank des peitschenden, rudimentär an Brad Fiedel’s "Terminator"-Thema erinnernden Schlagzeug-Einsatzes, das den Eindruck einer kurz bevorstehenden Konfrontation vermitteln, wieder gelungener.

„Rinzler“ ist mit der Mischung aus Synthesizer und Orchester typisch für den "Tron: Legacy"-Soundtrack, beeindruckt aber nicht ganz so wie andere Tracks. „The Games Has Changed“ war bereits in einigen Trailern zu hören, ist aber nicht nur wegen der damit einhergehenden Vertrautheit eines der Highlights des Albums: Ein genialer, peitschender, mitreißender und sehr abwechslungsreicher Track. „Outlands“ beginnt mit vereinzelten Streichern und legt auch sonst wieder mehr Wert auf die orchestrale Untermalung, lässt es aber dennoch nicht gänzlich an jenen Synthesizer-Klängen vermissen, die einfach zum guten Ton dieser Filmmusik gehören. „Adagio for Tron“ setzt Cello und Streicher für eine wehmütig-traurige (und wunderschöne) Melodie ein, reichert diese jedoch ebenfalls ab ca. der Hälfte wieder vermehrt mit sanften Synthesizer-Tönen an. Definitiv ein weiteres Highlight des Albums! „Nocturne“ bietet dann eher wieder atmosphärische Untermalung, die zumindest ohne die dazugehörigen Bilder keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

„End of Line“ ist eine der "dance"-igsten Nummern (wenig überraschend, untermalt der Track doch die Szenen im Cyber-Club desselben Namens); hier fehlte es mir persönlich etwas am Orchester, da gerade die Mischung aus Klassik und Synthesizer für mich den Reiz der Filmmusik ausmacht. Gleiches könnte man über „Derezzed“ sagen, da dieser jedoch wieder über eine einprägsame Melodie verfügt, gefällt er mir ungleich besser. Sicherlich jener Track, der am ehesten für den DJ der nächstgelegenen Disco geeignet ist um die Leute zum Tanzen zu bringen. „Fall“ beinhaltet dann das wohl einprägsamste Stück aus dem Trailer, ist jedoch hier mit einem schrägen Sound hinterlegt der vage an einen kochenden Teekessel erinnert und zumindest meine Ohren daran gehindert hat, die dadurch in den Hintergrund gedrängte geniale Melodie so richtig zu genießen. Schade drum! Ohne diesen Wehrmutstropfen wäre „Fall“ mein absolutes Highlight des Albums gewesen. „Solar Sailer“ schlägt wieder deutlich ruhigere Töne an und bot nach den Techno-lastigen Stücken zuvor eine nette Abwechslung, ist jedoch erneut ein eher atmosphärischer und daher nicht ganz so einprägsamer Track.

„Rectifier“ untermalt wohl eine der spannenderen Szenen des Films, erzielt diese Wirkung jedoch ohne die dazugehörigen Bilder nur bedingt. „Disc Wars“ droht aufgrund der sich ständig wiederholenden Melodie mit der Zeit etwas eintönig zu werden, kann diese Gefahr jedoch durch das gegen Ende hin aufkommende Orchester gerade noch umschiffen. „C.L.U.“ ist ein sehr spektakulärer, abwechslungsreicher Track der wohl eine der wichtigsten Szenen des Films untermalt, ohne Kenntnis der Szenen jedoch für mich nicht ganz zu den Höhepunkten des Albums gezählt werden kann. „Arrival“ überrascht dafür mit einem selbst für "Tron: Legacy" ungewohnt klingenden, jedoch sehr gefälligen Einstieg, und steigert sich nicht zuletzt dank der schönen Melodie, die das Herzstück des Tracks bildet, zu einem der schönsten Stücke des Albums; wenn es auch vergleichsweise ruhig ausgefallen ist und daher einigen vielleicht sogar fast schon wieder zu unspektakulär sein mag.

„Flynn Lives“ dürfte dann den Höhepunkt des Films unterstreichen, und kann als solcher durchaus überzeugen, wenngleich hier nur mehr ein Orchester zu hören ist und damit der besondere Charakter der Filmmusik fehlt (ich vermute mal dies liegt daran, dass diese Szenen wieder in der realen Welt spielen). Nichtsdestotrotz ist es ein schöner Track, der für einen klassischen Ausklang des Films sorgt. Mit „Tron Legacy“ und „Finale“, der Musik zum Abspann, kehrt der Synthesizer jedoch noch einmal zurück, und bietet gemeinsam mit dem Orchester und dem Titelthema des Films einen passenden Abschluss.

Kommen wir nun zu den Bonus-Tracks der Special Edition: „Encom Part I“ vermittelte mir sofort den Eindruck, dass hier jemand in den Büro’s von Encom herumschnüffelt und fürchtet entdeckt zu werden – ob dies stimmt, werde ich nach der Sichtung des Films beurteilen können; falls ja, wurde die Musik jedenfalls perfekt gewählt. „Encom Part II“ ist ein guter atmosphärischer Track, nett anzuhören, aber nicht so begeisternd wie andere Stücke. Der Titel des nächsten Tracks, „Round One“, lässt vermuten dass er ein Duell im Game-Grid untermalt, dafür erscheint er aber zu wenig actionreich. Möglicherweise ist es auch "nur" die Musik bevor die Runde eingeläutet wird. Jedenfalls ist auch dieses Stück ein "nice to have", aber kein "must have". „Castor“ untermalt dann wieder eine Szene im "End of Line"-Club und ist dementsprechend dance-lastig, im Vergleich zu den Tracks auf dem regulären Soundtrack-Album aber ebenfalls wenig denkwürdig. „Reflections“ ist dann schließlich der letzte exklusive Track der Special Edition, und auch wenn er ebenfalls ein eher auf Atmosphäre ausgerichteter Titel ist, ist er eine nette Ergänzung und mein persönliches Highlight der 2. CD. Nichtsdestotrotz gilt: Keiner der auf der Special Edition enthaltenen Tracks ist unverzichtbar.

Mit den online-exklusiven Inhalten verhält es sich schon etwas anders. „Father and Son“, der wohl während der aus dem Trailer bekannten Flashback-Szene aus Sam’s Kindheit spielen dürfte, ist wohl von allen Bonus-Tracks der mit Abstand Beste. Nicht nur führt er ein wiederkehrendes Thema des Soundtracks ein und verleiht ihm emotionales Gewicht, es ist zudem das einzige Stück in dem ein Klavier zu hören ist, was ihn sehr vom Rest abhebt und den Soundtrack damit abwechslungsreicher macht. Auch „Outlands II“ (der an den Titel aus dem regulären Album anknüpft) lässt locker alle Tracks der Special Edition hinter sich und ist eine echte Bereicherung, zumal auch er mit einem Instrument (Orgel) aufwarten kann, dass während des restlichen Soundtracks nicht zu hören ist. „Sea of Simulation“ erinnert wieder eher an Synthesizer-Frühwerke und die Filmmusik zum ersten Teil (siehe „The Son of Flynn“). Ebenfalls ein netter Track; zwar nicht so gut wie die iTunes-exklusiven Inhalte, aber ebenfalls besser als die Titel der Special Edition. „Sunrise Prelude“ reiht sich hingegen in die Tracks der SE ein: Nett anzuhören, aber man verpasst meines Erachtens auch nichts, wenn man ihn links liegen lässt…

Fazit: Mit dem Soundtrack zu „Tron: Legacy“ ist Daft Punk ein grandioser, origineller und einzigartiger Score gelungen, der angesichts der Tatsache dass es sich um ihre erste Filmmusik handelt nur umso beachtlicher ist; lassen sie damit doch so manchem alteingesessenen Score-Komponisten alt aussehen. Die im Film durch den Wechsel von 2D auf 3D vorhandene optische Trennung zwischen Realität und digitaler Tron-Welt scheinen sie durch ihre Konzentration auf Orchester, Klavier und andere "echte" Instrumente in ersterer und der Bereicherung durch Synthesizer- und Techno-Klänge in letzterer auch auf die Akustik übertragen zu haben. Zwar gibt es nur wenige Tracks, die wirklich hervorstechen, und einige der Motive drohen teilweise unter den peitschenderen Klängen fast unterzugehen, dafür ist ihr Score ungemein abwechslungsreich und dürfte – sofern man nur nach der Musik geht, ohne Kenntnis des Films – perfekt zwischen Unterstützung der Bilder und Aufmerksamkeit auf sich selbst lenken und damit die Stimmung einer Szene unterstützen hin- und herschwenken. Das einzige was man bekritteln könnte ist, dass es kaum ein Stück schafft, emotional zu berühren. Dies mag daran liegen, dass sie oftmals sehr kurz sind und daher nicht genug Zeit haben, um Gefühle zu vermitteln. Dadurch wirkt der Soundtrack auch teilweise etwas fragmentarisch, und nicht so episch wie andere Werke. Nichtsdestotrotz ist der Soundtrack zu "Tron: Legacy" für alle Filmmusik-Sammler schon allein aufgrund seiner Einzigartigkeit ein Pflichtkauf, wobei ich persönlich aufgrund der exklusiven und sehr gelungenen Bonus-Tracks zur iTunes-Variante rate, während ich die Special Edition aufgrund des mangelnden Mehrwerts nicht wirklich empfehlen kann…

Wertung:4 von 5 Punkten

Christian Siegel






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