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Star Trek - Destiny: Gods of Night Drucken E-Mail
Teil 1 von David Macks epischer Borg-Saga Kategorie: Star Trek (Literatur) - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 27 November 2008
 
Image
Titel: "Destiny - Book I: Gods of Night"
Bewertung:
Autor: David Mack
Umfang: 423 Seiten
Verlag: Pocket Books
Veröffentlicht: 2008 (USA)
ISBN: 1-4165-5171-9
Wo erhältlich? Dieser Roman wurde bisher in Deutschland nicht veröffentlicht. Die englische Originalausgabe ist u.a. bei amazon.de erhältlich.
 

Klappentext: Half a decade after the Dominion War and more than a year after the rise and fall of Praetor Shinzon, the galaxy's greatest scourge returns to wreak havoc upon the Federation – and this time its goal is nothing less than total annihilation.

Elsewhere, deep in the Gamma Quadrant, an ancient mystery is solved. One of Earth's first generation of starships, lost for centuries, has been found dead and empty on a desolate planet. But its discovery so far from home has raised disturbing questions, and the answers harken back to a struggle for survival that once tested a captain and her crew to the limits of their humanity.

From that terrifying flashpoint begins an apocalyptic odyssey that will reach across time and space to reveal the past, define the future, and show three captains – Jean-Luc Picard of the U.S.S. Enterprise, William Riker of the U.S.S. Titan, and Ezri Dax of the U.S.S. Aventine – that some destinies are inescapable.

Kurzinhalt: Obwohl die Enterprise verhindern konnte, dass den Borg die Quantum-Slipstream-Technologie in die Hände fällt, tauchen auf einmal mehrere Borg-Kuben mitten im Raum der Föderation auf. Sie greifen scheinbar wahllos verschiedene Welten und Stationen an – und verzichten dabei darauf, die Lebewesen zu assimilieren. Stattdessen wird jeder kaltblütig ermordet und jede Welt vernichtet. Die Borg haben erkannt, dass die Föderation eine Bedrohung darstellt, die sie nicht länger hinnehmen können – und nun treten sie an, um sie auszuradieren. Die Föderation kämpft indes auf verlorenem Posten – nur selten sind Erfolge im Kampf gegen die Borg zu verzeichnen, ansonsten verliert man Schiff um Schiff, Planet um Planet, Station um Station. Das einzige Ass im Ärmel ist die Enterprise mit ihren Quantentorpedos – die einzige wirksame Waffe gegen die Borg, die die Sternenflotte jedoch nicht an die anderen Schiffe weitergeben will. Denn je öfter die Waffe eingesetzt wird und je mehr Crews dieses Geheimnis mit sich schleppen, desto größer die Chance dass es den Borg gelingt, eine Verteidigung zu finden. Und so muss Captain Picard gemeinsam mit seiner Crew hilflos mit ansehen, wie Welt um Welt von den Borg vernichtet wird. Nur gelegentlich gelingt es ihnen, rechtzeitig am Ort des Geschehens einzutreffen und zumindest noch ein paar zu retten.

Während die Enterprise tut was sie kann, um die Borg aufzuhalten, wird die U.S.S. Aventine unter dem Kommando von Captain Ezri Dax in den Gamma-Quadranten beordert, wo man Jahre zuvor das Wrack der Columbia, dem 2. Raumschiff der Sternenflotte nach der Enterprise unter dem Kommando von Captain Archer, gefunden hat. Die Aventine soll klären, wie es diesem alten Schiff gelang, eine solch große Distanz zurückzulegen – erhofft man sich doch dadurch eine Antwort auf die Frage, wie es den Borg neuerdings gelingt, so schnell in den Föderationsraum einzudringen. Doch der Schlüssel zur Lösung des Rätsels rund um die Columbia liegt in der Vergangenheit und in einer schweren Entscheidung, die ihr Captain, Erika Hernandez, vor Jahrhunderten nach einem verheerenden Angriff der Romulaner getroffen hat. Eben diese führte sie zu einem Planeten, auf denen Außerirdische mit gottgleichen Mächten wohnen; eine Begegnung, die das Schicksal aller Beteiligten für immer verändert hat. Die U.S.S. Titan erforscht währenddessen auch weiterhin den Beta-Quadranten. Captain Riker und seine Crew sind zunehmend frustriert, ständig verheerende Meldungen von der Front zu erhalten und von einem Angriff der Borg nach dem anderen zu erfahren, aber viel zu weit weg zu sein, um etwas ausrichten zu können. Doch dann bemerkt die Crew auf einmal Subraum-Tunnel, die aus einem verborgenen Raumbereich kommen. Könnte das der Transportweg der Borg sein?

Review: In den letzten Monaten wurde rund um die "Destiny-Trilogie" einiges Aufhebens gemacht. Es sei eine große, epische Geschichte, die das Star Trek Universum erschüttern würde. Charaktere würden sterben, Welten fallen... und danach wäre nichts mehr so wie es einmal war. Ähnliche Versprechungen hat es in der Vergangenheit schon des öfteren gegeben – ich erinnere nur an die "earth-shattering conclusion" der "A time to"-Reihe, die dann alles andere als erschütternd war. Der Grund, warum ich diesmal trotzdem geneigt war diesen vollmundigen Versprechungen glauben zu schenken, ist Autor David Mack. Mit seiner Vanguard-Reihe hat er frischen Wind ins Star Trek-Universum gebracht, und sich dabei auch nicht vor der einen oder anderen üblen Wendung – Massensterben inklusive – gescheut. Und auch im ersten Teil der "Destiny-Trilogie" müssen wir uns bereits von der einen oder anderen bekannten Figur verabschieden (wenn auch – noch – kein Hauptcharakter daran glauben muss).

Wie es die Inhaltsangabe schon aufzeigt, gliedert sich die Handlung von "Gods of Night" in vier Geschichten, die parallel erzählt werden. Eine richtige Haupthandlung lässt sich hier nicht rausfiltern, da sie alle recht gleichwertig behandelt werden – mit Ausnahme vielleicht von William Riker und seiner Crew der U.S.S. Titan, die in "Gods of Night" weder viele Seiten noch viel zu tun bekommen, aber diese dürften wohl im zweiten Teil eine deutlich wichtigere Rolle spielen. Am besten gefallen hat mir persönlich die Handlung rund um Picard. Am Ende von "Greater than the Sum" haben sich er und Beverly dazu entschlossen, ein Kind zu bekommen – doch statt der Zukunft voller Hoffnung und Vorfreude entgehen zu sehen, müssen sie miterleben, wie die Borg eine Station, eine Welt nach der anderen angreifen und unzählige Leben verloren gehen. Die Angriffe der Borg könnten nichts weniger als die völlige Vernichtung der Föderation bedeuten – nicht gerade jenes Klima der Geborgenheit, in dass man ein Kind auf die Welt bringen will.

Daneben kämpft die Crew der Enterprise mit dem Wissen, dass man über die einzige – noch – wirksame Waffe gegen die Borg verfügt, diese jedoch nicht an andere Schiffe weitergeben darf. So müssen Picard und Co. hilflos mit ansehen, wie ein Raumschiff nach dem anderen im Kampf gegen die Borg vernichtet wird, obwohl sie eine Geheimwaffe an Bord hätten, die eben diese Verluste verhindern und tausende von Leben hätte retten können. Man merkt deutlich, wie dies bei der Crew der Enterprise mit der Zeit Spuren hinterlässt – insbesondere bei Jean-Luc Picard. Gleichzeitig ist aber auch ihm bewusst, dass die Quanten-Torpedos allein diesen Krieg nicht gewinnen können. Noch nie zuvor scheint sein Drang, einen Gegner zu vernichten so stark gewesen zu sein wie hier – doch mit der Zeit stellt sich bei ihm eine ungewohnte Resignation ein, die zumindest mich erschüttert hat. Meinen Lieblingscaptain so zerknirscht und hoffnungslos zu sehen, war keine schöne Erfahrung, aber nichtsdestotrotz sehr interessant und ein kluger Schachzug, der einer ohnehin schon vielschichtigen Figur noch etwas mehr Tiefe verliehen hat.

Während die Handlung der Enterprise in erster Linie auf Action – wenn auch mit einer ordentlichen Portion Tiefgang – ausgelegt ist, konzentriert sich jene rund um Captain Dax und die U.S.S. Aventine auf das Kernthema von Star Trek: die Erforschung des Weltalls, bzw. von seltsamen Phänomenen. Dax und ihre Crew versuchen verzweifelt, herauszufinden, wie es der Columbia gelungen ist, eine so große Distanz zu überwinden – doch die Zeit drängt. Nicht nur droht jede verronnene Stunde einen weiteren verheerenden Angriff der Borg mit sich zu bringen, die Sternenflotte setzt der U.S.S. Aventine zudem ein Ultimatum – findet man bis dorthin nichts genaueres heraus, müssen sie unverrichteter Dinge wieder abreisen, um den Rest der Flotte beim Kampf gegen die Borg zu unterstützen. Zwar bekommt die entsprechende Handlung nach dem Auftauchen eines Energiewesens, dass mehrere Crewmitglieder angreift und tötet, einen leichten "Monster of the week"-touch, dennoch bereichert diese eher klassische Star Trek-Story die Handlung des Romans um eine interessante Facette.

Am meisten Zeit (obwohl ich gestehen muss nicht die Seiten gezählt zu haben – aber so war zumindest mein subjektiver Eindruck) nimmt jedoch die Story rund um die Columbia unter dem Kommando von Erika Hernandez in Anspruch. Nach einem Angriff der Romulaner schleppt man sich mit Impulskraft zum nächsten bewohnten Planeten, und trifft dort schließlich auf die Celiar; eine sehr mächtige Rasse, die ihre Isolation schätzt, und nicht will, dass ihre Existenz allgemein bekannt wird. Da sie zugleich jedwedes Leben als heilig erachten, bleibt ihnen nur eine Möglichkeit, um dieses Ziel zu erreichen: Das Außenteam, dass auf den Planeten gebeamt hat, muss für immer dort bleiben, und auch das Raumschiff muss im Orbit verbleiben – den dort gefangenen Crewmitgliedern steht es allerdings frei, auf den Planeten zu kommen. Unnötig zu erwähnen, dass Hernandez und ihre Crew dies nicht einfach so hinnehmen können. Dennoch gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, wie weit man beim Versuch, vom Planeten zu fliehen, gehen darf.

Wie schon bei "Enterprise" so werden auch in David Macks Roman die MACO's nicht gerade in ein gutes Licht gehüllt. Diese verfolgen nämlich einen sehr radikalen und skrupellosen Ansatz wenn es darum geht, ihre Freiheit wieder zu erlangen. Sie schrecken weder davor zurück, Celiar zu töten, noch Crewmitglieder zu verletzen – und spielen sogar mit dem Gedanken, Captain Hernandez und einige ihrer Offiziere zu ermorden, damit diese ihrem Plan nicht in die Quere kommen können. Die Folgen ihres Fluchtversuchs sind schließlich katastrophal und führen, gemeinsam mit einem gleichzeitig von den Celiar durchgeführten Experiment, zu einem Holocaust. Dies bringt die sowohl interessante als auch spannende Handlung rund um die Columbia und ihr Zusammentreffen mit diesen faszinierenden Wesen zu einem dramatischen Abschluss, und klärt damit erfreulicherweise bereits im ersten Teil der Trilogie so ziemliche alle offenen Fragen bezüglich des Verschwindens der Columbia, statt den Leser - wie sonst bei solchen Trilogien oft üblich - auf die Fortsetzung zu vertrösten...

Abgerundet wird die Story von "Gods of Night" durch immer wieder eingestreute kurze Nebenhandlungen, wie z.B. rund um die Verteidigung von Khitomer, den Beratungen von Präsident Bacco auf der Erde, oder auch der Zerstörung jener Raumstation, auf der Admiral Paris seinen Dienst verrichtet. Da all diese Elemente der Handlung einen anderen Schwerpunkt haben, macht dies den Roman sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Generell sind die unterschiedlichen Geschichten sehr gut miteinander ausbalanciert – mit keiner davon hält sich David Mack so lange auf, dass es von den anderen ablenken oder sich gar mit der Zeit Langeweile einstellen würde. Zudem nimmt sich Mack auch ausreichend Zeit für seine Figuren – sowohl jene, die er neu erschaffen hat (jede davon auf seine Art und Weise interessant und originell), als auch für alte Bekannte. Sein Schreibstil mag vielleicht nicht vor Sprachwitz und Atmosphäre übersprudeln wie die Star Trek-Romane von Peter David, ist aber Lichtjahre vom Vorschulniveau eines Michael Jan Friedman entfernt. Und das Ende lässt einen schon gespannt auf die Fortsetzung warten...

Fazit: "Gods of Night" teilt seine Stärken und Schwächen im wesentlichen mit David Mack's Vanguard-Romanen. Wieder einmal schafft er es, eine Fülle an verschiedenen Figuren in die Handlung einzubauen, jedoch ohne dass auch nur eine davon langweilig und eindimensional erscheinen würde. Sein Schreibstil ist zwar keine Offenbarung, ist aber innerhalb der Star Trek-Romane definitiv im oberen Drittel anzusiedeln. Besonders gut versteht er sich darin, die richtige Stimmung in bestimmten Momenten zu erzeugen. Die wahre Stärke des Romans sind aber die vielen verschiedenen Handlungen (jede davon mit individueller Ausrichtung und Stärke) – und wie virtuos David Mack diese zu einem gelungenen Gesamtwerk kombiniert. Spannend, dramatisch, mit einigen faszinierenden Ideen und großartigen Momenten, zählt "Gods of Night" für mich zu den besten Star Trek-Romanen der letzten Jahre – und stellt insgesamt einen höchst vielversprechenden Start der "Destiny"-Trilogie dar.

Christian Siegel

Bewertung: 4/5 Punkten


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