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Der lange Weg: JMS und die ewig gleichen Stolpersteine Drucken E-Mail
Die Entstehung von Babylon 5 - Teil 2

Bei dem Versuch, eine Produktionsfirma bzw. einen Sender zu finden, der Babylon 5 unterstützen und produzieren will, trafen JMS, Douglas Netter und John Copeland immer wieder auf die drei gleichen Hürden: Das Konzept, das Budget, und Star Trek.


Unendliche Einfalt in unendlichen Variationen – das Verständnis-Problem ImageDer erste große Stolperstein beim Versuch, "Babylon 5" an ein TV-Studio zu verkaufen, war das Konzept an sich, bzw. das mangelnde Vorstellungsvermögen jener, denen er dieses präsentierte. Denn die Entscheidungen in Hollywood werden nicht von den kreativen Köpfen getroffen, sondern von den viel gescholtenen "Suits" (= "Anzügen"), also den Geschäftsleuten, denen es in erster Linie darum geht, aus einer Serie einen Profit zu schlagen. Eben diese hatten oftmals Schwierigkeiten, die Idee einer so großen Raumstation zu begreifen. Wann immer JMS das Wort "Raumstation" in den Mund nahm, dachten sie unweigerlich an die MIR, die im Vergleich zu Babylon 5 nichts anderes ist als eine Tonne im Weltall. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen und den Geschäftsleuten ein besseres Bild davon vermitteln zu können, was genau er sich unter dieser Raumstation mit dem ominösen Namen "Babylon 5" vorstellte, beauftragte JMS den Designer Peter Ledger, der daraufhin einige Entwürfe für ihn anfertigte. Diese zeigten nicht nur eine erste Version des Babylon 5-Logos und einige der Figuren, sondern vor allem natürlich auch die Station selbst – sowohl von außen als auch von innen.

Leider jedoch waren selbst diese netten Bilder nicht immer ein Garant dafür, dass die "Anzüge" die Idee einer solch großen Raumstation verstanden. Als Beweis dient vor allem eine Geschichte, die von JMS schon vielerorts erzählt wurde – und die ein gutes Bild davon abgibt, mit welcher Ignoranz sich der Arme teilweise herumschlagen musste: Nachdem man bereits minutenlang über das Konzept der Station, die künstliche Schwerkraft etc. gesprochen hatte und JMS sein bestes tat, um die Idee und die Technik dahinter zu erklären, meldete sich plötzlich einer der Männer zu Wort. Sein Blick fiel gerade auf jenes Bild, dass das Innere der Station zeigt, und auf die Menschen, welche die Station bevölkern – und sich im innern über 360° verteilen. "Was hält sie da oben?", fragte der Mann. JMS, zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich genervt, rutschte daraufhin folgende Antwort heraus: "Superkleber". Nun sollte man meinen, der Geschäftsmann hätte ihn daraufhin erzürnt dazu aufgefordert, den Raum zu verlassen und sich nie wieder blicken zu lassen, stattdessen wendete er ernsthaft ein: "Na, das kann aber nicht funktionieren. Wie sollen sie sich denn bewegen, wenn sie alle an der Decke festgeklebt sind?"

Ich denke, es erübrigt sich zu erwähnen, dass auch dieses Verkaufsgespräch zum Scheitern verurteilt war.


"Wer soll das bezahlen...?" – das Budget-Problem ImageDass einige der Studiobosse selbst wenn sie die Bilder sahen das Konzept teilweise nicht begreifen konnten, war ein Problem... und WENN sie es begreifen konnten, führte das gleich unmittelbar zum nächsten. Denn jeder, der diese opulenten Bilder der Raumstation, ihres Innenlebens und der Ausstattung sah, musste sich unweigerlich fragen, wie man diese Serie für ein vernünftiges Budget auf die Beine stellen soll. Hinzu kam noch JMS epischer 5-Jahres-Plan voller Schlachten und Kriege sowie die Fülle an Haupt- und wiederkehrenden Charakteren, welche die Station bevölkern sollten. So ist es nicht verwunderlich, dass niemand JMS glauben schenken wollte, als er ihnen diese Bilder zeigte und dieses bis dahin in seiner Komplexität und Größe im amerikanischen TV unerreichte Konzept vor Augen führte, und dann auch noch die Dreistigkeit hatte zu behaupten, dies alles innerhalb eines vertretbaren Budgetrahmens umsetzen zu können. Denn die Geschichte lehrte den TV-Bossen leider etwas anderes: Gerade SF-Serien waren berüchtigt dafür, ihr Budget regelmäßig zu überziehen. Und auch die Serie "V", die Warner Brothers Television fast eigenhändig in den Ruin getrieben hätte, lag erst wenige Jahre zurück, und war damit allen Studiobossen als abschreckendes Beispiel noch gut in Erinnerung.

JMS kannte all diese Einwände, und wusste von Beginn an, dass die Budgetfrage einer der größten Stolpersteine auf dem Weg zur Verwirklichung von "Babylon 5" werden würde. Auch er kannte natürlich den schlechten Ruf von SF-Serien und die zahlreichen Fälle, in denen von sich selbst überzeugte Produzenten vor die Sender traten und ihnen versicherten, diese groß angelegte Serie produzieren zu können ohne das vorgesehene Budget zu überschreiten – und dies dann nicht einzuhalten. Trotzdem war sich JMS sicher, dass es auch einen anderen Weg geben müsse. Seine Erfahrung im TV-Geschäft hatte ihm aufgezeigt, dass viele dieser Budgetüberschreitungen auf mangelnde Planung zurückzuführen war. Oftmals lag das fertige Drehbuch erst einen Tag vor Drehbeginn vor, was die Setgestalter, Kostümbildner und auch Schauspieler unter enormen Druck setzte, und schließlich zu Terminüberschreitungen führte. Eben diesem Problem wollte JMS durch eine sorgfältige Planung im Vorfeld einen Riegel vorschieben. Auch die Idee, die Handlung der Serie auf einer Raumstation anzusiedeln, sollte dazu beitragen, dass die Serie mit vertretbarem Budget produziert werden kann. Denn da man nicht Woche für Woche einen neuen Planeten besuchen wollte, mussten auch nicht ständig neue Sets produziert werden.

ImageDas letzte Ass im Ärmel waren dann schließlich die computergenerierten Effekte, mit denen JMS bereits bei "Captain Powers" Erfahrung sammeln konnte. Diese steckten zwar erst in den Kinderschuhen und waren Ende der 80er noch keinesfalls soweit, um für einen vernünftigen Preis groß angelegte Effekte fürs Kino zu erschaffen, doch JMS war davon überzeugt, dass die Technologie für den Einsatz am TV-Schirm, wo im Vergleich zur Kinoleinwand natürlich eine viel geringere Auflösung benötigt wird, bereit war. Eine Person, die diese Ansicht teilte, war Ron Thornton, Chef der Firma "Foundation Imaging", die auch bereits die Effekte zu "Captain Powers" beigesteuert hatte. Dieser setzte sich hinter seinen Amiga mit angeschlossenem Videotoaster und animierte mit Hilfe des Programms Lightwave 3D eine 30-sekündige Sequenz mit der fertigen Station, die selbst JMS Erwartungen bei weitem übertraf. Und obwohl es sich bei CGI um eine noch relativ neue Technologie handelte, die noch in den Kinderschuhen steckte, war es entschieden billiger, die Effekte auf diese Art und Weise zu produzieren, als auf die gute alte Methode mit Modellen, Kameras etc. zurückzugreifen. Mit seinem Kosteneinsparungskonzept und den CGI-Effekten im Gepäck, konnte JMS zumindest einige Bedenken bezüglich des Budgets zerstreuen – doch damit verblieb immer noch ein großer Stolperstein, der sich fast als unüberwindbare Hürde erwiesen hätte.

Kleiner Nachtrag: JMS' Konzept zur Produktion der Serie sollte sich letztendlich als überaus erfolgreich erweisen. Alle 5 Staffeln von "Babylon 5" blieben nicht einfach nur innerhalb des Budgets, sondern unterschritten es sogar jeweils. Ein System, das Schule gemacht hat, und seither von zahlreichen Fernsehproduzenten übernommen wurde...


"Der Weltraum, endliche Weiten…" – Das "Star Trek"-Problem Image"Gäbe es Star Trek nicht, hätte es auch Babylon 5 nie gegeben." Diesen Satz musste sich JMS während der Produktion der Serie immer wieder anhören, und auch wenn darin ein Körnchen Wahrheit stecken mag, so war Star Trek für JMS ein großer und immerwährender Stolperstein beim Versuch, sein Konzept von Babylon 5 an den Mann zu bringen. Für ihn stellte es sich also ganz anders dar, denn lange Zeit sah es so aus, als würde es Babylon 5 WEGEN Star Trek nie geben. Denn in den Jahren seit der Original-Serie hatte sich in den Köpfen der Studiobosse die Überzeugung festgesetzt, dass Science Fiction im Fernsehen nur dann erfolgreich sein kann, wenn es "Star Trek" im Titel trägt. Die Original-Serie mag zwar nach 3 Staffeln abgesetzt worden sein, war aber in den zahlreichen Wiederholungen ein voller Erfolg, und erreichte schnell Kultstatus. Und auch das späte Spinoff "The Next Generation" schlug sich überaus erfolgreich. Doch von diesen Erfolgen abgesehen, sah es lange Zeit im Fernsehen düster aus für das Genre. 95 % der SF-Serien wurden nach der 2. Staffel abgesetzt, nur eine ("Zurück in die Vergangenheit"; und bei der beschränkten sich die SF-Elemente auf die erste und die letzte Minute jeder Folge) kam über drei hinaus, die Mehrheit musste sich sogar nur mit einer einzigen zufrieden geben.

Ein kleiner Auszug der gescheiterten Serien: "Alien Nation", "Buck Rodgers", "Captain Power", "Kampfstern Galactica", "Logan's Run", "Otherworld", "Planet of the Apes", "Space: 1999", "Salvage: 1", "The Invaders", "The Lost Saucer", "The New Twilight Zone", "The Starlost", "UFO", "War of the Worlds" und die bereits angesprochene "V". All diese Serien scheiterten entweder an mangelndem Zuschauerinteresse, oder an Budgetproblemen – oder beidem. Viele dieser Probleme waren auch hausgemacht. So fehlte es vielen der Produzenten dieser Serien am nötigen Respekt gegenüber dem Genre bzw. dessen Sehern. JMS selbst wunderte sich immer wieder über Aussagen, wie sie z.B. auch von den Showrunnern der V-Serie (der tatsächlichen Serie, nicht der großartigen Mini-Serie von Kenneth Johnson) teilweise fielen, die im Endeffekt darauf hinausliefen: Zeige den SF-Fans Strahlenpistolen, Raumschiffe und Roboter, und sie sind glücklich. Die Handlung muss nicht anspruchsvoll sein und auch nicht Sinn ergeben – bei SF ist ja ohnehin alles möglich. Alles Gründe, die viele Fans vor den Kopf gestoßen haben und letztendlich dazu führten, dass sie eben nicht mehr einschalteten – für die TV-Bosse war aber eben dies wiederum der Beweis dafür, dass "Star Trek" ein Einzelphänomen ist, und Science Fiction im Fernsehen nicht erfolgreich sein kann.

ImageDer Grundtenor in den Führungsriegen sämtlicher TV-Studios war, dass SF eine Nische ist, die nur einen äußerst eingeschränkten Zuschauerkreis anspricht – und dieser sei eben durch Star Trek ausreichend abgedeckt. Die zahlreichen gescheiterten Serien würden beweisen, dass keine Nachfrage an einer weiteren SF-Serie besteht. Dass diese zum Teil deshalb gescheitert sind, dass sie die SF-Fans nicht mit Respekt behandelt haben, man einfach mit dem Budget nicht haushalten konnte, oder auch die zugrundeliegenden Serien halt teilweise einfach nur schlecht waren, waren Argumente, die keiner von ihnen einsehen wollte oder konnte. Und so tingelten JMS, Douglas Netter und John Copeland mit ihrem Konzept einer neuen, groß angelegten Weltraumserie mit den Titel "Babylon 5" von Studio zu Studio, versuchten sie davon zu überzeugen, dass sie es anders und besser machen würden als die Leute zuvor, und dass der mangelnde Erfolg von Science Fiction im Fernsehen abseits von Star Trek nicht an den Fans, sondern an den Serien an sich liegt. Lange Zeit war eben dies vergeblich. Die lange Liste der Fernsehsender bzw. Fernsehstudios, die ihnen eine Absage erteilten, umfasst unter anderem ABC, HBO, CBS, Fox und auch die Star Trek-Heimat Paramount. Danach wurde JMS von seinem Agenten förmlich angefleht, sich von dieser fixen Idee zu trennen, hätte er doch in der Zwischenzeit schon locker 3 Mainstream-Serien verkaufen können, doch JMS bliebt hart. Eine Sturheit, die sich zuletzt doch noch bezahlt machen sollte...


Quellen:
„Babylon 5: The Scripts of J. Michael Straczynski - Volume 1”
„Babylon 5: Season by Season-Guides - Volume 1: Signs and Portents”
„The Babylon File - Vol. 1”
„Babylon 5 - The Official Collector's Magazine”
Z-Team Productions (Konzeptzeichnungen)



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Christian Siegel




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