HOME PROJEKTE LINKS CHAT JOBS DATENSCHUTZ ARCHIV
Startseite arrow Star Trek arrow Merchandising arrow Star Trek - Feuertaufe: McCoy - Die Herkunft der Schatten
Star Trek - Feuertaufe: McCoy - Die Herkunft der Schatten Drucken E-Mail
McCoys Schicksal nach der Rettung Edith Keelers Kategorie: Star Trek (Literatur) - Autor: C. Hühn | C. Siegel - Datum: Montag, 23 Juli 2012
 
Image
Titel: "Star Trek - Feuertaufe: McCoy - Die Herkunft der Schatten"
Originaltitel: "Star Trek - Crucible: McCoy - Provenance of Shadows"
Bewertung:
Autor: David R. George III
Übersetzung: Anika Klüver
Umfang: 813 Seiten
Verlag: Cross Cult
Veröffentlicht: 2012 (D) bzw. 2006 (USA)
ISBN: 3-9426-4951-9
Kaufen: Taschenbuch (D), Kindle (D), Taschenbuch (E), Kindle (E)
 

Klappentext: In einem einzigen Augenblick

… werden sich die Leben dreier Männer für immer verändern. In diesem Sekundenbruchteil, der paradoxerweise sowohl durch Errettung als auch durch Verlust bestimmt wird, werden sie die Welt zerstören und sie dann wiederherstellen. Vieles war zuvor geschehen und vieles sollte noch danach kommen, aber nichts davon würde ihre Leben stärker beeinflussen als dieser eine, abgeschiedene Augenblick am Rande der Ewigkeit.

In einem einzigen Augenblick

… rettet der in der Zeit zurückversetzte Leonard McCoy eine Frau vor dem Tod durch einen Verkehrsunfall und verändert dadurch die Geschichte der Erde. Gestrandet in der Vergangenheit, kämpft er darum, einen Weg zurück in sein eigenes Jahrhundert zu finden. Doch während er eine Existenz führt, die es nicht hätte geben sollen, sieht er sich schließlich gezwungen, all das hinter sich zu lassen und sich den Schatten zu stellen, die sein verlorenes Leben hervorgebracht hat.

In einem einzigen Augenblick

… wird der in der Zeit zurückversetzte Leonard McCoy davon abgehalten, eine Frau vor dem Tod durch einen Verkehrsunfall zu retten, wodurch die Geschichte der Erde unverändert bleibt. Als er in die Gegenwart zurückkehrt, trifft er auf ein medizinisches Rätsel, zu dessen Lösung er sich verpflichtet. Doch die Echos einer Existenz, die er nie erlebt hat, suchen ihn heim, und der Geist eines verfrühten Todes wird ihn wieder zu den Schatten zurückbringen, denen er sich nie gestellt hat.


Kurzinhalt: Durch eine unabsichtliche Cordrazin-Überdosis vorübergehend unzurechnungsfähig und von Wahnvorstellungen geplagt, hat Leonard McCoy den Wächter der Ewigkeit durchschritten, und ist im New York der 30er Jahre gelandet. Edith Keeler, die eine Mission betreibt, findet ihn und pflegt ihn gesund. Kurz nachdem es ihm wieder besser geht kommt McCoy gerade rechtzeitig, um zu verhindern, dass Edith von einem Lastwagen überfahren wird. In den darauffolgenden Tagen und Wochen hilft er in der Mission mit, in ständiger Erwartung, von Jim Kirk und Mr. Spock gefunden und gerettet zu werden.

Als ihm bewusst wird, dass sie möglicherweise ja gar nicht wissen, wo und vor allem wann er sich befindet, gibt er Anzeigen auf, die sie auf die richtige Spur bringen sollen. Doch aus Wochen werden Monate, und aus Monaten Jahre, und McCoy wird bewusst: Wenn sie in der Lage wären, ihn aus der Vergangenheit zu retten, hätten sie dies schon längst getan. Irgendwie scheint der die Geschichte der Erde, und damit auch die Zukunft der Menschheit, verändert zu haben. Er ist in der Vergangenheit gestrandet, ohne Hoffnung, je wieder in seine Zeit zurückzukehren.

In der von Kirk und Spock wieder hergestellten Zeitlinie, haben die Ereignisse aus dieser Zeitreise ebenfalls große Auswirkungen. Vor allem Jim Kirk nehmen die Erlebnisse in der Vergangenheit schwer mit. Als kurz darauf auch noch sein Bruder und seine Schwägerin Opfer eines neuralen Parasiten werden, sehen sich seine beiden Freunde Spock und McCoy endgültig dazu gezwungen, ihn anzuhalten, Urlaub zu nehmen und professionelle Hilfe aufzusuchen, um die Trauer zu bewältigen. Über die nächsten Jahre und Jahrzehnte hinweg erlebt man gemeinsam noch zahlreiche Abenteuer, durchlebt Höhen und Tiefen. Doch McCoy wird zunehmend von Träumen und Visionen eines anderen Lebens gequält…


Review: Mit "Feuertaufe: McCoy" erreichten die "Star Trek"-Romane 2006 eine neue Dimension – und das nicht nur, was die Länge betrifft. War man aus den 80ern und 90ern in erster Linie unabhängige Geschichten gewohnt, ähnlich der einzelnen Episoden der Serien, begann man in den 0er Jahren zunehmend, die Lücken zwischen den Serien und Filmen zu füllen, und die bekannte Handlung nicht einfach nur um neue, unabhängige Einzelgeschichten zu bereichern, sondern weiterzuerzählen. Die Romanreihe "Feuertaufe" (Original: "Crucible"), die pünktlich zum 40-jährigen Serienjubiläum in den USA erschienen ist, war einerseits die logische Konsequenz daraus, und wagte sich zugleich in Neuland. Ausgehend von der Grundidee, dass wir nie erfahren haben, wie es McCoy in der alternativen Zeitlinie aus "Griff in die Geschichte" ergangen ist, und mit dem Ziel, diese Lücke zu füllen, ist "Die Herkunft der Schatten" weniger ein "SF"-Roman sondern eine Mischung aus Biographie und Charakterstudie. Die Lebensgeschichte von McCoy in beiden Zeitebenen erzählend, beleuchtet David R. George III die Figur des Doktors mit all seinen Ecken und Kanten, und füllt seine epische Erzählung mit in diesem Ausmaß nie dagewesener Charaktertiefe und einer für "Star Trek"-Romane ungewöhnlich hohen Portion Anspruch und Tiefgang.

Das Ergebnis ist ein höchst ungewöhnlicher "Star Trek"-Roman, der wohl nicht jeden überzeugen wird, mich jedoch über weite Strecken faszinieren, packen und stellenweise sogar richtiggehend berühren konnte. Die Geschichte teilt sich dabei, wie in Inhaltsangabe schon verrät, in zwei verschiedene Handlungsebenen. In der ersten, welche in der alternativen Zeitlinie spielt, erfahren wir, was McCoy in der Vergangenheit erlebt hat und wie es ihm nach der Rettung Edith Keelers ergangen ist. Ich muss gestehen, mir als bzw. seit ich "Griff in die Geschichte" gesehen habe darüber nie so recht Gedanken gemacht habe; wohl da in der Episode so viele andere interessante Dinge vorgefallen sind. So gesehen lief David R. George III bei mir auch nicht Gefahr, gegen meine eigene Fantasie antreten zu müssen, die sich über die Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg schon ihre eigene Geschichte von McCoys Erlebnissen in der Vergangenheit zusammengereimt hätte. David R. George IIIs Vorstellungen der Ereignisse werden jedenfalls für mich die Episode und auch das "Star Trek"-Universum auf, und bereichern es um ein höchst faszinierendes und interessantes Kapitel. Hie und da hätte man vielleicht etwas kürzen und die Erzählung schneller vorantreiben können, dennoch fand ich es sehr interessant und spannend, zu verfolgen, was mit McCoy in der alternativen Zeitlinie passiert ist.

Erste Highlights waren sicherlich sein zunehmender Frust, dass er nicht gerettet wird, seine Verzweiflung, als diese selbst nach seinen Anzeigen in diversen Zeitschriften ausblieb, sowie die Erkenntnis, dass er durch eine Handlung den Lauf der Geschichte verändert hat und er somit auf ewig in dieser neuen, von ihm selbst verursachten Zeitlinie gestrandet ist. Nach seiner Ankunft in Hayden wurde dieser Handlungsstrang zwar stellenweise ein wenig vorhersehbar, bot aber nach wie vor viele interessante Entwicklungen, wie z.B. das Zusammentreffen mit Benny (welches ich als Cameo-Autritt des Drehkörper-Visions-Benjamin Sisko interpretiert habe), wo auch unverhohlen auf den damaligen Rassismus eingegangen wird, der insbesondere in den Südstaaten geherrscht hat (und ja leider teilweise immer noch herrscht). Gut auch jener Moment, als er schließlich erkennt, was die Veränderung der Zeitlinie ausgelöst hat – und dass Edith an diesem schicksalhaften Tag eigentlich hätte sterben sollen. Er unternimmt einen verzweifelten letzten Versuch, Edith von ihrem Vorhaben ab- und damit die Zeitlinie wieder auf Kurs zu bringen, muss jedoch schließlich mitansehen, wie die deutsche Kriegsmaschinerie vorangetrieben wird, und Hitler Land um Land in Europa erobert. In all diesem Chaos und Horror findet er aber hier dann immerhin endlich jenes private Glück, dass ihm in der korrigierten Zeitlinie für lange Zeit verwehrt geblieben ist. Die Umstände seines Todes erscheinen dann schließlich ungemein passend, und schließen diesen Teil der Geschichte perfekt ab.

Die zweite Handlungsebene leidet kurzzeitig darunter, dass im ersten Drittel überwiegend bereits bekannte Ereignisse noch einmal erzählt werden. Zwar schließt David R. George III dabei zugleich die eine oder andere Lücke, bzw. lässt uns an Schlüsselstellen der Serie in die Gedankenwelt der Protagonisten blicken, dennoch gibt es im Vergleich zur Serie die eine oder andere Überschneidung bzw. Wiederholung. Wirklich vorwerfen kann ich ihm dies aufgrund des biographischen Zugangs sowie der Tatsache, dass er sich dabei wirklich nur auf die wichtigsten Ereignisse konzentriert zwar nicht, dennoch ist dieser Teil des Romans für Kenner der klassischen Serie nicht so spannend und interessant wie der Rest. Nach dem Ende der ersten Fünfjahres-Mission dreht dann aber auch dieser Handlungsstrang (mit einer Ausnahme; dazu gleich) so richtig auf, und vermochte mich wirklich gut zu unterhalten. Highlights sind dann zweifelsohne der Tod von Spock, jener von Kirk, seine Versöhnung mit Tonia Barrows (siehe die TOS-Episode "Landurlaub") sowie die Nacherzählung seines Besuchs an Bord der Enterprise NCC-1701D. Und auch in diesem Handlungsstrang ist David R. George III der Abschluss ausgesprochen gut gelungen.

Wer schon mal einen Roman des Autors gelesen hat, weiß was ihn erwartet: David R. George III ist ein Freund epischer Geschichten und einer dementsprechenden Länge seiner Bücher – wie sich auch bei "Feuerprobe: McCoy" wieder zeigt. Zudem schreibt er gewohnt charakterorientiert, und geht genau auf die Gedanken und Gefühle der Protagonisten ein. Dem einen oder anderen mag das Erzähltempo dadurch zu langsam sein; doch auch wenn ich seine Romane in der Vergangenheit ebenfalls schon das eine oder andere Mal als zu ausgedehnt empfunden habe, fand ich es hier sehr passend; zumal sich der ganze Roman ja ohnehin auf die Figuren konzentriert, da passt seine charakterbezogene Erzählweise wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Kurzzeitig für Verwunderung gesorgt hat er bei mir mit seinem Vorwort, wo er angibt, sich bei seinem Roman lediglich auf die TV-Serien und die Filme zu berufen und die bisherigen literarischen Abenteuer außer Acht zu lassen. Einen derartigen Zugang hätte ich als recht arrogant empfunden; im schlimmsten Fall hätte es "Feuerprobe" zu nichts anderem gemacht als episch-lange und teure Fan Fiction. Allerdings konnte ich keine größeren Diskrepanzen ausmachen – wobei ich natürlich zugegebenermaßen auch nicht alle Romane und Comics kenne (oder präsent habe). Im Gegenteil, er schien durchaus auf den einen oder anderen Roman Rücksicht zu nehmen (wie den "Verlorene Jahre"-Zyklus) oder sich auf ihn zu berufen (wie Uhura's Karriere beim Geheimdienst der Sternenflotte, der meines Wissens auf den "Lost Era"-Roman "Catalyst of Sorrows" zurückgeht). Einzig dem Shatnerverse widerspricht er; andererseits fühlte sich daran bisher kein Autor gebunden, und es wird vom Fandom allgemein akzeptiert, dass es sich dabei um eine Art alternative Realität handelt.

Ganz perfekt ist "Feuerprobe: McCoy" allerdings nicht. So erscheint die Auswahl jener Ereignisse, die in der korrigierten Zeitlinie rekapituliert bzw. neu erzählt werden, etwas willkürlich. Auf der einen Seite fügt er ein Abenteuer bei einer (wenn ich das richtig verstanden habe) Dyson-Sphäre an, dass jedoch mit dem Rest des Romans nicht wirklich viel zu tun zu haben schien, oder geht auf die Zeitreise mit den Buckelwalen näher ein, andererseits habe ich den einen oder anderen wichtigen Moment aus den Filmen und den TV-Serien wiederum schmerzlich vermisst. So hätte ich es z.B. interessant gefunden, mehr von Kirk und McCoys Gefangenschaft auf Rura Penthe zu erfahren – ein Kapitel der "Star Trek"-Historie, dass er gänzlich überspringt. Ich sage damit nicht, dass er den Roman noch länger hätte machen sollen; ich hätte einfach nur die eine oder andere Geschichte ausgetauscht, hie und da etwas gekürzt, und vielleicht auch die Handlung in der alternativen Zeitlinie etwas effizienter erzählt. Mein zweiter großer Kritikpunkt ist, dass die Tatsache, dass McCoy als er in der Vergangenheit gefangen war nicht an jener Krankheit erkrankt ist, die ihm in der korrigierten Zeitlinie fast das Leben gekostet hätte, nicht einmal Erwähnung findet – so als hoffe der Autor, dass uns diese potentielle logische Inkonsistenz nicht auffallen würde. Es ist ja nicht mal so, dass ich dafür nicht eine gute Erklärung hätte finden lassen – aber in meinen Augen wäre es wichtig gewesen, es zu thematisieren, statt es einfach nur unter den Teppich zu kehren, in der Hoffnung, es würde uns nicht auffallen.

Der größte Schwachpunkt ist aus meiner Sicht aber die Idee, dass McCoy selbst in der richtigen Zeitlinie noch Träume und Visionen von seinem anderen Leben hat. Man mag es sich theoretischst mit dem Wächter der Ewigkeit oder auch diesen Zeitpartikeln erklären können, die McCoy und Spock im Verlauf des Romans finden, aber für mich ergibt es nicht wirklich einen Sinn. Spätestens, wenn McCoy Erinnerungen seines eigenen Begräbnisses hat, wird die Glaubwürdigkeit überstrapaziert. Am schlimmsten dann überhaupt jener Moment, als er im Geheimarchiv der Sternenflotte die Aufzeichnungen von Spock durchsieht, über die Meldung seines Todes stolpert, und sich als er den Namen seiner Frau liest ganz plötzlich an alles klar und deutlich erinnert. Träume hätte ich ja eventuell unter Zudrücken aller Hühneraugen noch durchgehen lassen können, aber das war zu viel des Guten. Am Ärgerlichsten und Frustrierendsten finde ich an dieser Sache, dass es völlig unnötig ist. Es wertet den Roman bzw. diesen Handlungsstrang nicht auf, und fügt diesem nicht zu, bis auf McCoys Erkenntnis, in einem anderen Leben mit einer Frau glücklich gewesen zu sein, und dies deshalb auch in diesem schaffen zu können. Zu dieser Erkenntnis hätte er aber auch auf anderen Weg kommen können; ist ihm ja in der alternativen Zeitlinie auch geglückt. Einige mögen darin eine gewisse Poesie erkennen können, da ihm erst die Erlebnisse aus dieser verhinderten Vergangenheit ermöglichen, in der korrigierten Gegenwart glücklich zu werden. Mir persönlich war das allein nicht Grund genug, um diesen Einfall rechtfertigen oder gar befürworten zu können. In meinen Augen war das jedenfalls der einzige wirklich eklatante und relevante Fehler, der David R. George III beim Schreiben von "Die Herkunft der Schatten" unterlaufen ist.

Fazit: Zur Feier des 40-jährigen Jubiläums fasste David R. George III den Entschluss, mutig dorthin vorzustoßen, wo noch kein "Star Trek"-Roman zuvor gewesen ist. "Feuertaufe: McCoy – Die Herkunft der Schatten" ist ein phantastischer, epischer Roman mit ungemeiner Charaktertiefe, der uns – ausgehend von seiner schicksalhaften Reise durch den Wächter der Ewigkeit – fast biographisch durch die beiden Leben des Doktor Leonard "Pille" McCoy führt. In beiden Handlungssträngen hat der Autor dabei für uns einige interessante Wendungen und Offenbarungen und zahlreiche großartige Momente parat. Wenn nicht der Einfall mit den Erinnerungen McCoys an das andere Leben gewesen wäre, hätte ich "Die Herkunft der Schatten" die Höchstwertung verleihen können – so muss er sich damit begnügen, statt zu den perfekten "nur" zu den großartigen literarischen "Star Trek"-Abenteuern zu zählen. Für alle Fans der klassischen Serie ist "Feuertaufe: McCoy" jedenfalls ein Geschenk, das die gute alte Zeit noch einmal Revue passieren und zugleich hochleben lässt.
Christian Siegel

Bewertung: 4.5/5 Punkten


Mitreden! Sagt uns eure Meinung zum Roman im SpacePub!

Weiterführende Links:
Review zu "Raumschiff Enterprise - 1x28: Griff in die Geschichte"
Review zu "Raumschiff Enterprise - 1x17: Landurlaub"




Inhaltsangabe: Die Episode "City on the Edge of Forever" ("Griff in die Geschichte") dürfte jedem "Star Trek"-Fan ein Begriff sein, gilt sie doch nicht nur als eine der besten "Classic"-Episoden, sondern von "Star Trek" allgemein. Kurz zur Erinnerung: Die Enterprise stößt auf eine Anomalie, es gibt Verletzte auf der Brücke. Während McCoy sie behandelt, wird das Schiff schwer erschüttert, und er injiziert sich versehentlich eine Überdosis einer Droge.

Von Halluzinationen und Paranoia-Attacken geplagt, flüchtet er vom Schiff und stürzt durch ein Zeitportal, dem "Wächter der Ewigkeit". Er erwacht im New York des Jahres 1930 in der Obhut von Edith Keeler, der Betreiberin einer Suppenküche in den Slums von New York. Später rettet er sie vor einem Verkehrsunfall, ohne zu bedenken, dass sein Eingreifen den Gang der Geschichte verändern könnte. Währendessen stellt die Besatzung der Enterprise fest, dass sie sich plötzlich in einer anderen Zeitlinie befinden und nur die Nähe zum "Wächter der Ewigkeit" sie davor bewahrt hat, zusammen mit dem Rest der Föderation ausgelöscht zu werden. Daraufhin folgen Kirk und Spock McCoy in die Vergangenheit und treffen die furchtbare Entscheidung, Edith Keeler sterben zu lassen, damit die Geschichte ihren geplanten Verlauf nehmen kann.

"Provenance of Shadows" hat zwei parallel laufende Handlungsstränge, die sich an dieses Ereignis anschließen, oder sagen wir, hätten anschließen können. Der eine knüpft an die TV-Episode an, Kirk und McCoy, trauern nach dem traumatischen Erlebnis um die Frau, die sie beide geliebt und doch wissentlich in den Tod geschickt haben, ein Erlebnis das vor allem McCoy den Rest seines Lebens verfolgen wird. Im Folgenden erlebt man im Zeitraffer McCoys weiteres Leben, den Rest der Fünf-Jahres-Mission und ihr blutiges Ende in einer Schlacht gegen die Klingonen um die Kontrolle über den "Wächter der Ewigkeit", der dabei komplett zerstört wird und die Enterprise schwer beschädigt wird (daher die großen Unterschiede zwischen der "Classic"-Enterprise und der aus "Star Trek: Der Film"). Wir erleben, wie die Freunde am Ende getrennte Wege gehen, um dann beim Angriff von V'ger wieder zusammenzufinden. Die große Lücke zwischen "Star Trek I" und II wird im folgenden Abschnitt beleuchtet, man erfährt, dass die Enterprise erneut eine mehrjährige Forschungsmission unternahm. Man erlebt die Ära der Kinofilme erneut, diesmal aus der Perspektive McCoys, und wird Zeuge seines Umgangs mit Spocks Tod und all den anderen traumatischen Erlebnissen. Doch während all der Jahre leidet sein Privatleben unter einem Ereignis, dem tragischen Tod Edith Keelers.

Die, man kann sie wohl so nennen, inoffizielle Biografie McCoys berichtet über die Jahrzehnte nach Kirks vermeintlichem Tod auf der Enterprise-B und schließt mit seinem Rundgang über die Enterprise-D in "Mission Farpoint", seiner letzten großen Reise. Zwei Jahre später, 2366 stirbt McCoy im Beisein seiner zweiten Ehefrau und Spocks im Alter von 140 Jahren.

Während eines Großteils dieser Zeit litt McCoy unter Alpträumer, die kurz nach seiner Rückkehr vom Wächter der Ewigkeit einsetzten und meistens mit seinem frühzeitigen Tod endeten. Sie sind Echos einer Existenz, die er hätte leben können, wenn seine Freunde ihn nicht aus der Vergangenheit gerettet hätten und stellen die Verknüpfung mit dem zweiten Teil dar. In diesem bleibt McCoy in der Vergangenheit gestrandet und muss sich auf einer ihm primitiv und fremd erscheinenden Erde zurecht finden. Ausgehend von dem Punkt, an dem McCoy Keeler vor dem Unfall rettet, erzählt der Autor einerseits eine gut durchdachte Parallelweltgeschichte, andererseits zeichnet er ein faszinierendes und detailverliebtes Bild des Amerikas der dreißiger Jahre. Wir erleben mit, wie McCoy sich versucht in New York einzuleben und gleichzeitig bemüht ist, seinen Freunden im 23. Jahrhundert Hinweise auf seinen Verbleib zu hinterlassen, ohne den Verlauf der Geschichte zu verändern.

Nach einigen Jahren vergeblichen Wartens verlässt er schließlich die Stadt und strandet schließlich nach einer Odyssee durch die halben USA in einer Kleinstadt in Georgia, in der er die folgenden fast 20 Jahre verleben wird. Er steigt vom Hilfsarbeiter zum Dorfarzt auf, er findet Freunde, muss zunächst lernen, noch ohne Elektrizität auszukommen, erlebt den primitiven, alltäglichen Rassismus der amerikanischen Südstaaten und muss ohnmächtig mit ansehen, wie am Horizont der Zweite Weltkrieg aufzieht, ohne dass er etwas unternehmen kann, da er immer noch befürchtet, jeder seiner Eingriffe könnte die Geschichte beeinflussen.

Dass dies längst der Fall ist, wird ihm erst klar, als er wieder auf Edith Keeler trifft. Sie ist mittlerweile Chefin einer einflussreichen Pazifismus-Bewegung, deren oberstes Ziel eine Neutralität der USA im Krieg ist und auf die sogar der US-Präsident hört. Als Folge dessen isolieren sich die USA vom Kriegsgeschehen, während die Achsenmächte ungehindert in Europa, Asien und Afrika wüten.

Erst 1943 kommt es zur unvermeidlichen Konfrontation - zwei Jahre zu spät. Eine Allianz amerikanischer Staaten unter Führung der USA muss einem immer weiter eskalierenden Krieg gegen einen ihnen ebenbürtigen Gegner vor dessen eigener Haustür kämpfen, ein Massaker für beide Seiten, das sich bis in die fünfziger Jahre zieht. Es endet mit einem Überraschungsschlag der Deutschen gegen die Ostküste der USA und dem Einsatz von Atomwaffen. Der Krieg hält nun auch Einzug im ländlichen Georgia und eines seiner ersten Opfer ist McCoy, erschossen von einem Notgelandeten deutschen Bomberpiloten.

Review von Christoph Hühn: Wie man anhand dieser recht langen Inhaltsangabe erkennen kann, ist es schwierig, den Inhalt dieses Buches in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Dieser Roman (nebenbei bemerkt der mit Abstand längste "Star Trek"-Roman aller Zeiten) stellt eine absolute Zäsur im Bereich der "Star Trek"-Bücher dar. Hier verwischt die Grenze zwischen den so genannten Media-Tie-ins (Bücher zu und über Serien und Filme) und den reinen Science-Fiction-Romanen. Zäsur in dem Sinne, als dass dieses Buch in allen inhaltlichen und qualitativen Punkten weit über dem üblichen Tie-in-Niveau liegt und durchaus auch ohne das Label "Star Trek" als eigenständiger Roman im Genre bestehen könnte; etwas, was kein "Star Trek"-Roman vorher geschafft hat.

Dies ist eine konsequente Weiterentwicklung und der bisherige Höhepunkt einer Entwicklung, die die "Star Trek"-Romane in den letzten Jahren durchgemacht haben und stellt in dem Sinne einen Wendepunkt dar, ab dem man sagen muss, dass es sich nicht um einen ungewöhnlichen "Star Trek"-Roman handelt, sondern dass es ab diesem Punkt keine gewöhnlichen (im Sinne von Nutzung althergebrachter Schemata) "Star Trek"-Romane mehr gibt. Was immer in dem kommenden Jahren an "Star Trek"-Büchern auf uns zu kommt, es wird sich an diesem Buch messen lassen müssen, und diese Messlatte liegt verflucht hoch.

Wer immer behauptet hat, "Star Trek" wäre mit der Absetzung von "Enterprise" der längst überfällige Todesstoß versetzt worden, sollte dieses Buch lesen, um sich eines Besseren belehren zu lassen. "Star Trek" ist so lebendig, wie die kreativen Köpfe, die dahinter stecken, und zumindest soweit es den Buchsektor angeht, sind sie kreativ wie nie zuvor in 40 Jahren "Star Trek"-Geschichte. Und nun genug von meiner Lobhudelei, ab in den Bücherladen Ihres Vertrauens, "Crucible: McCoy" kaufen und sich verzaubern lassen.

Fazit: Höchstwertung, ein absoluter Pflichttermin für jeden "Star Trek"-Fan!
Christoph Hühn


Bewertung: 5/5 Punkten

Das Review von Christoph Hühn wurde uns mit freundlicher Unterstützung von Trekzone zur Verfügung gestellt.




Artikel kommentieren
RSS Kommentare

Kommentar schreiben
  • Bitte orientiere Deinen Kommentar am Thema des Beitrages.
  • Persönliche Angriffe und/oder Diffamierungen werden gelöscht.
  • Das Benutzen der Kommentarfunktion für Werbezwecke ist nicht gestattet. Entsprechende Kommentare werden gelöscht.
  • Bei Fehleingaben lade diese Seite bitte neu, damit ein neuer Sicherheitscode generiert werden kann. Erst dann klicke bitte auf den 'Senden' Button.
  • Der vorgenannte Schritt ist nur erforderlich, wenn Sie einen falschen Sicherheitscode eingegeben haben.
Name:
eMail:
Homepage:
Titel:
BBCode:Web AddressEmail AddressBold TextItalic TextUnderlined TextQuoteCodeOpen ListList ItemClose List
Kommentar:




  fictionBOX bei Facebook   fictionBOX bei Twitter  fictionBOX als RSS-Feed

TV-Planer
Im Moment keine TV-Einträge vorhanden