Kurzinhalt:
In der Nähe eines Schwarzen Lochs hat die Föderation die Raumstation Kathara angesiedelt, wo ein streng geheimes Forschungsprojekt unternommen wird. Nun, wo dieses in die kritische Phase geht, kommt es wiederholt zu Sabotageakten. Die Leiterin der Station, Valkeya, sieht sich daher dazu gezwungen, die Sternenflotte um Hilfe zu bitten. Die Mission wird der Enterprise unter dem Kommando von Captain Christopher Pike zugeteilt. Dieser hat an das System insofern schlechte Erinnerungen, als er sechzehn Jahre zuvor als Captain der U.S.S. Chatelet ein Piratenschiff verfolgte, und dieses durch die Kräfte des Schwarzen Lochs zerstört wurde. Der entsprechende Verlust an Leben lastet auch nach all der Zeit immer noch schwer auf seinen Schultern. Die aktuelle Mission wird der Enterprise nun dadurch erschwert, dass Valkeya unter Berufung auf die streng geheime Natur ihrer Arbeit ihnen keinen Zugang zu allen Informationen und einzelnen Abteilungen gewährt. Als man einen Saboteur schnappt, es kurz darauf aber zu einem weiteren Anschlag kommt, wird deutlich, dass es mehr als nur eine feindliche Macht auf die Kathara-Station abgesehen hat…
Review:
Von jenen Autor:innen, die aktuell damit beauftragt werden, neue "Star Trek"-Romane zu schreiben, ist David Mack mein Favorit. Dementsprechend hoch war meine Erwartungshaltung an "Ring of Fire". Vor allem auf den ersten Seiten gelang es ihm auch voll und ganz, diese zu erfüllen. Hier schauen wir zuerst bei allen Hauptfiguren der Serie vorbei, und werfen einen ausführlichen Blick auf ihre Gefühlslage. Der Roman ist zwischen den Season Drei-Episoden "Der Sehlat, der sich in den Schwanz biss" und "Was ist die Sternenflotte?" angesiedelt, und Mack gelingt es ausgezeichnet, uns in eben diesen Zeitraum wieder zurückzuholen. Die Charaktere sind perfekt eingefangen, und wurden durch Macks nähere Betrachtung auch echt aufgewertet. Pikes Erzählungen davon, was sich sechzehn Jahre zuvor beim Schwarzen Loch abgespielt hat, rundete diesen überaus vielversprechenden Auftakt schließlich ab. Sobald man die Kathara-Station erreichte, konnte "Ring of Fire" daran aber leider in meinen Augen nicht mehr 100%ig anschließen. Zuerst einmal fand ich zwei doch eher als Twists angelegte Entwicklungen sehr vorhersehbar. Ich wartete eigentlich nur darauf, dass Mack die Karten endlich aufdeckt, und/oder die Figuren von selbst draufkommen. Das Finale war dann im Hinblick darauf, dass wir wissen, wie die Sache ausgehen wird, doch ein bisschen überdramatisiert. Am kritischsten sehe ich aber die Geiselnahme ca. in der Mitte. Ich verstehe ja, dass es hier weniger darum ging, für Spannung zu sorgen, als vielmehr um Spocks verzweifelt-rücksichtsloses Vorgehen, welches seine Gefühle gegenüber Christine Chapel verdeutlicht. Dennoch fand ich diesen Teil des Romans irgendwie aufgesetzt, und wollte er für mich einfach nicht funktionieren.
Trotz dieser Mankos hat mir "Ring of Fire" aber insgesamt jedenfalls besser gefallen als der SNW-Roman davor ("Toward the Night" von James Swallow). Auch wenn nicht jeder Spannungsmoment zündet, war er insgesamt für mich packender. Aber auch die Story hat mich mehr angesprochen. Zwar kann man zugegebenermaßen den Zufall dahingehend, wie in beiden Fällen ein Crewmitglied mit der Vergangenheit konfrontiert wird, kritisieren, ich fand aber immerhin, dass "Ring of Fire" daraus mehr (bzw. besseres) gemacht hat. Mack hat zudem ein wunderbares Gespür nicht einfach nur für die Figuren an sich, sondern machte mir noch deutlicher als es aus der Serie an sich herauskommt, dass diese im Verlauf der vier Staffeln durchaus auch eine Entwicklung durchgemacht haben. Was ich damit sagen will: Er fängt sie alle an diesem spezifischen Punkt in der Geschichte perfekt ein (denn so sehr ich "Old Trek" auch schätzen mag, ab dort war das – vielleicht noch mit Ausnahme von "Deep Space Nine" – insofern nie ein Thema, als die Charaktere eine Konstante waren; was ich zwischenzeitlich, nicht zuletzt dank "Babylon 5" zwar durchaus kritisch sah, mittlerweile sehe ich aber eben darin rückblickend doch auch einen wesentlichen Reiz dieser Serien). Und ganz allgemein mag ich seine Schreibweise halt durchaus gerne. Mit seinen allerbesten Werken mag "Ring of Fire" in meinen Augen zwar nicht mithalten können, insbesondere Fans von "Strange New Worlds" sollten hier meiner Einschätzung nach aber jedenfalls auf ihre Kosten kommen.
Fazit:
Was David Mack bei "Ring of Fire" in meinen Augen ausgezeichnet gelingt, ist, uns aufzuzeigen, wo sich die Hauptfiguren zum Zeitpunkt des zwischen "Der Sehlat, der sich in den Schwanz biss" und "Was ist die Sternenflotte?" angesiedelten Romans gedanklich und gefühlsmäßig gerade befanden. Eben dafür sorgen die ersten paar Seiten, in denen wir bei allen von ihnen vorbeischauen. Generell fängt Mack die Charaktere ausgezeichnet ein. Und nicht zuletzt gelingt es ihm sehr gut, mit "Ring of Fire" das Gefühl einer verlorengegangenen Episode zu vermitteln. Weniger erfolgreich war er im Hinblick auf die von ihm wohl überraschend gedachten Wendungen; die fand ich nämlich allesamt sehr vorhersehbar. Und auch wenn ich verstehe, was er damit beabsichtigte, hätte ich das Zwischenspiel rund um die Geiselnahme nicht gebraucht. Abseits dieser Schwächen ist "Ring of Fire" aber für Fans der Serie jedenfalls empfehlenswert.