Kurzinhalt:
Die Enterprise verfolgt den Piraten Auk-Rex. Diesem gelingt es schließlich, zum sagenumwobenen Planeten Zuflucht zu erreichen. Die Sternenflotte hat von diesem Ort, der allen Verfolgten – egal ob politischen Flüchtlingen, oder Verbrechern – eben Zuflucht bietet, nur gehört, jedoch bislang nie seine Koordinaten in Erfahrung gebracht. Captain Kirk, Spock sowie Dr. McCoy folgen dem Piraten in einem Shuttle zum Planeten. Ab einer gewissen Höhe fallen plötzlich alle Systeme aus, und sie stürzen ab. Nach ihrer Bruchlandung müssen sie von einem der Einwohner des Planeten, die sich Seniten nennen, erfahren, dass es nicht möglich ist, Zuflucht wieder zu verlassen. Selbstverständlich denken sie gar nicht daran, sich mit dieser Tatsache abzufinden, und suchen nach einem Weg, vom Planeten zu entkommen – wobei sie auch Hilfe von unerwarteter Seite erhalten. Parallel dazu kämpft Scotty – der in ihrer Abwesenheit das Kommando der Enterprise führt – beim Flottenkommando darum, mit dem Schiff so lange als möglich im Orbit von Zuflucht zu bleiben, um bei einem allfälligen Fluchtversuch von Kirk, Spock und Pille bereit zu stehen…
Review:
An John Vornholts mir bislang bekannte Romane – egal ob für "Star Trek", oder eine andere Lizenz – habe ich doch etwas durchwachsene Erinnerungen. Auf der einen Seite schreibt er zumeist sehr flott erzählte und dementsprechend kurzweilige Abenteuer. Andererseits sind mir seine Geschichten oftmals dann doch ein bisschen zu oberflächlich – was halt insofern insbesondere für seine "Star Trek"-Romane gilt, als ich hier eben doch zumindest einen Hauch von Anspruch vorziehe. Erfreulicherweise fand ich, dass Vornholt hier zwar einerseits eine typische Stärke einer kurzweiligen Erzählung beibehält, sie aber auch mit der einen oder anderen faszinierenden und/oder erschreckenden Idee kombiniert, die "Zuflucht" eben genau jenen Hauch von Tiefgang gibt, den ich bei ihm sonst oftmals vermisse. Diesbezüglich sticht für mich insbesondere die Offenbarung im Hinblick auf die Herkunft der Seniten hervor, welche diese – und die vermeintlich sichere Zuflucht, welche der Planet allen Flüchtigen die sich auf ihn retten verspricht, als böswillige Täuschung offenbart. Aber auch ganz davon abgesehen hatte es mir diese perfide Idee der Fortpflanzung angetan, und war – wenn man die Art und Weise, wie sie sich hier über den eigenen Willen der Personen hinwegsetzen, mal ausblendet – auch durchaus einen gewissen faszinierenden Aspekt. Zwar erinnert das Grundkonzept zugegebenermaßen ein bisschen an die Borg; dessen ungeachtet war dies jedoch eine interessante Idee, welche "Zuflucht" für mich aufwertete.
Davon abgesehen stachen in erster Linie noch vier Aspekte positiv hervor. So mochte ich die größere Rolle von Scotty, die sich dadurch ergibt, dass er hier – wie in einigen Episoden der Serie –das Kommando der Enterprise übernimmt. Hierbei darf er auch sowohl seine Entschlossenheit, seine Listigkeit, und seine unerschütterliche Loyalität zu seinen Kameraden unter Beweis stellen. Darüber hinaus hatte es mir auch das Zusammenspiel zwischen Kirk, Spock und McCoy ziemlich angetan (nur Kirks wiederholtes "Yeah" wirkte auf mich etwas untypisch; aber vielleicht ist meine letzte Sicht im Originalton auch einfach schon zu lange her). Vor allem aber fand ich die Art und Weise cool, wie es ihnen am Ende eben doch noch gelingt, vom Planeten zu entkommen. Das war eine einfallsreiche Lösung für ein vermeintlich unlösbares Problem. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass sich Vornholt für seine Verhältnisse hier mit Action eher zurückhält. Das mag nicht jeder als Pluspunkt sehen, ist in meinem Fall aber wohl ein ganz wesentlicher Grund dafür, dass sich "Zuflucht" für mich nicht ganz so oberflächlich anfühlte, wie einige seiner anderen Romane. Und last but not least gelang es ihm in meinen Augen hier ziemlich gut, den Ton eines Abenteuers der klassischen "Star Trek"-Serie einzufangen (wobei ich sie inhaltlich, stilistisch und qualitativ in erster Linie der zweiten Staffel zuordnen würde).
Trotz dieser Stärken würde ich "Zuflucht" jetzt aber auch nicht unbedingt als riesengroßes Highlight und/oder Must-Read einstufen. So vermag es der Roman zwar, zu unterhalten, zugleich aber auch nur sehr selten, so richtig zu begeistern. Die Story plätschert kurzweilig vor sich hin, echte Spannung kommt aber halt leider nie wirklich auf. Vereinzelt wunderte ich mich zudem über Textpassagen, wie z.B. wenn Spock einwendet, dass es der Ersten Direktive widerspricht, ihre Phaser und Tricorder (die ohnehin nicht mehr funktionieren) zurückzulassen – er dabei aber zu übersehen scheint, dass die Seniten ja grundsätzlich über warpfähige Technologie verfügen, es halt nur vorziehen, ihren Planeten (geschweige denn ihr Sonnensystem) zu verlassen. Der einzige Aspekt, den ich als wirklichen Kritikpunkt hervorheben würde, ist aber die Romanze zwischen Kirk und Renna. Nicht, weil sie grundsätzlich schlecht geschrieben wäre, sondern weil es John Vornholt halt einfach übertreibt, wenn er meint, an einer Stelle schreiben zu müssen: "Er konnte sich in der ganzen Galaxis keine Frau vorstellen, die besser zu ihm passte, oder die er mehr begehrte." Warum kann er nicht einfach "nur" von ihr angezogen sein, ohne sich gleich derart intensiv in sie zu verlieben? Das fand ich aufgesetzt – und letzten Endes auch einfach unnötig.
Fazit:
Mit "Zuflucht" legte John Vornholt anno 1992 seinen insgesamt dritten "Star Trek" und zugleich ersten TOS-Roman vor – und übertraf damit in meinen Augen seine ersten beiden schwachen bis mittelmäßigen TNG-Beiträge. Auf der einen Seite gelang es ihm sehr gut, die Dynamik zwischen dem legendären Trio einzufangen. Auch die größere Rolle für Scotty gefiel mir gut. Der Roman ist, wie für Vornholt typisch, sehr flott und damit auch kurzweilig erzählt. Auch die erschreckende Idee hinter der Fortpflanzung der Seniten (auch wenn hier zweifellos gewisse Parallelen zu den Borg erkennbar sind) stach für mich positiv hervor. Und nicht zuletzt die einfallsreiche Art und Weise, wie Kirk, Spock und Pille am Ende dann doch noch die Flucht vom Planeten gelingt, wusste zu gefallen. Sonderlich in die Tiefe geht Vornholt hier zwar nicht. Und im Hinblick auf die zentrale Romanze zwischen Kirk und Renna hätte er in meinen Augen was seine Gefühle für sie betrifft nicht ganz so übertreiben müssen. Insgesamt ist "Zuflucht" aber ein unterhaltsamer Roman, den man zwar als Fan der Serie nicht zwingend gelesen haben muss, mit dem man aber sicher auch nichts falsch macht.
Bewertung: 3/5 Punkten
Christian Siegel
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