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Star Trek - TOS: Die Eisfalle Drucken E-Mail
Gute Idee, schlechte Ausführung Kategorie: Star Trek (Literatur) - Autor: Christian Siegel - Datum: Mittwoch, 10 Juni 2026
 
Cover (c) Heyne
Titel: "Star Trek: Die Eisfalle"
Originaltitel: "Star Trek: Ice Trap"
Bewertung:
Autor: L.A. Graf
Übersetzung: Michael Kubiak
Umfang: 312 Seiten (Print-Ausgabe)
Verlag: Heyne (D), Pocket Books (E)
Erstveröffentlichung: 1996 (D), Juli 1992 (E)
Deutscher eBook-Release: 25. Februar 2014
ISBN: 978-3-6411-1722-1 (D), 978-0-6717-8068-9 (E)
Kaufen: Kindle (D), Kindle (E)
 

Kurzinhalt: Der Planet Nordstral ist eine von Eis bedeckte Welt. Das Plankton der Meere stellt einen wichtigen medizinischen Rohstoff dar, der von Nordstral Pharmaceuticals abgebaut wird. Nachdem eines ihrer Forschungsteams spurlos verschwindet, wird die Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk zum Eisplaneten beordert, um ihr Schicksal zu ergründen. Während sich Uhura und Chekov zusammen mit dem Sicherheitsdienst des Unternehmens um eben diese Mission kümmern, begleitet Captain Kirk seinen Freund – und obersten medizinischen Offizier der Enterprise – Dr. Leonard McCoy zum Planeten, als dieser versucht, den Grund für jenen Wahnsinn herauszufinden, der zuletzt immer mehr Mitarbeiter von Nordstral Pharmaceuticals befällt. Ein eben darunter leidender Arzt, die Einheimischen, die riesigen Meeresbewohner, das ewige Eis des Planeten, sowie nicht zuletzt eine unerwartet auftretende Verschiebung des Magnetfelds von Nordstral sorgen jedoch dafür, dass sich die beiden Rettungsteams der Enterprise schon bald selbst in größter Gefahr befinden…

Review: Bei meiner Besprechung der "Classic"-Romane nähere ich mich nun zunehmend dem Bereich jener Bücher, die zu einem Zeitpunkt erschienen sind, wo ich mir diese in meinen Jugendjahren (insbesondere aus dem TOS- sowie dem TNG-Bereich) gekauft und gelesen habe (wenn ihr es genau wissen wollt: Ich war damals gern und oft gesehener Gast im Morawa im 1. Wiener Bezirk). Sprich, ich habe entweder noch eine vage Erinnerung daran, oder vereinzelt sogar noch Notizen oder Amazon-Rezensionen (mittlerweile – wie auch im Fall von "Die Eisfalle" – teilweise gelöscht; dank lokal gespeicherter Dateien habe ich aber trotzdem immer noch Zugriff darauf), und kann dementsprechend meinen damaligen mit meinem aktuellen Eindruck vergleichen – was ich immer sehr reizvoll finde. Im vorliegenden Fall leider auch reizvoller als der Roman – und ähnlich ergiebig. Denn: Auch wenn mich der Text aufgrund der Formulierung da und dort teilweise doch zusammenzucken (bis eigenschämen) ließ, vom Urteil und der vorgebrachten Kritik her stimme ich meinem knapp dreißig Jahre jüngeren Ich zu: So gut, faszinierend und vielversprechend die Grundidee rund um einen solchen Eisplaneten auch sein mag, so mäßig bis schlecht ist die Ausführung. Verantwortlich dafür ist das sich hinter dem Pseudonym L.A. Graf versteckende Autorinnenduo Karen Rose Cercone und Julia Ecklar, denen sich bei "Die Eisfalle" – ihrem ersten "Star Trek"-Roman – auch einmalig noch Melissa Crandall anschloss. Trotz dieses Zusammenschlusses gelang es ihnen leider nur äußerst bedingt, das im Setting steckende Potential auszuschöpfen.

Ein Hauptproblem war dabei für mich, wie sich die Autorinnen auf Bedrohungsszenarien verlegen. Auf den ja eigentlich faszinierenden Schauplatz eines solchen Eisplaneten fokussieren sie sich nur bedingt; ein "sense of wonder" wird überhaupt viel zu selten heraufbeschworen. Stattdessen lauert auf Uhura, Chekov, Kirk und McCoy eine Gefahr nach der anderen. Diese sind zwar immerhin teilweise den Elementen des Planeten geschuldet; sprich, zumindest dahingehend stellen sie zumindest bisschen was mit dem Setting an. Manches, wie der verrückte Arzt, der McCoy angreift, wäre aber auch abseits des Eisplaneten möglich und genauso effektiv gewesen. Vor allem aber fand ich all die Gefahren, die auf Nordstral lauern, insofern ineffektiv, als wir ja ohnehin wissen, dass den Hauptfiguren nichts passieren kann und wird. Zu versuchen, Spannung zu erzeugen, in dem man sie verletzt und/oder sie in Lebensgefahr bringt, funktioniert deshalb eben von vornherein nicht. Umgehen lässt sich dieses große Manko, vor dem alle Autor:innen bei "Star Trek" stehen u.a. dadurch, dass man mittels Schreibstil für eine packende Atmosphäre sorgt. Oder, in dem man sich bei den Bedrohungsszenarien eben nicht auf die Stammbesetzung, sondern Gastfiguren konzentriert (wo es dann allerdings wiederum gelingen muss, uns eine Beziehung zu ihnen aufbauen zu lassen, damit wir mit ihnen mitfiebern). Man kann sich auch, mehr als auf die Gefahr an sich, damit auseinandersetzen, was diese – und die lebensbedrohliche Situation – mit den jeweiligen Charakteren macht, bzw. generell, wie sie damit umgehen. Oder aber, man verlegt sich von vornherein nicht so sehr auf unmittelbare Gefahrensituationen (also als Salz in der Suppe sind sie ja absolut ok und definitiv gern gesehen, aber sie sollten halt nicht die gesamte Suppe an sich ausmachen), sondern setzt verstärkt auf andere Elemente wie die Wunder des Alls, Rätsel/Mysterien, Action, Intrigen, und so weiter.

Bei "Die Eisfalle" hingegen stolpern die Figuren einfach nur von einer Klemme in die nächste. Wenn entweder diese, oder besser noch die Art und Weise, wie sie sich daraus befreien, denn wenigstens einfallsreich wären. So hingegen hat der Versuch, mit eben diesen Gefahrensituationen für Spannung zu sorgen, für mich von vornherein nicht funktioniert. Und abseits dessen hat "Die Eisfalle" einfach wenig bis gar nichts zu bieten. Als Ergebnis daraus fand ich den Roman leider, trotz der überschaubaren Seitenzahl, überaus zäh. All dies bedeutet zwar nicht, dass "Die Eisfalle" überhaupt keine Pluspunkte zu bieten hätte. So freut man sich als TOS-Fan grundsätzlich über die größere Rolle, die Chekov und Uhura – als Figuren doch eher "nur" aus der zweiten Brücken-Reihe – im Geschehen spielen. Die Autorinnen fangen auch grundsätzlich ein typisches TOS-Abenteuer sehr gelungen und stimmig ein, wobei sie sich zugleich die Tatsache zu Nutze machen, dass sie in ihrem Buch frei drauflosschreiben und Dinge schildern können, die sich mit den damaligen Budgets und Möglichkeiten im Fernsehen nie hätten umsetzen lassen. Die Figuren sind überwiegend (wenn auch nicht immer bzw. vollständig) gut getroffen. Die mitschwingende Öko-Message – und die Warnung vor den Folgen der Ausbeutung der Ressourcen eines Planeten – läge ja eigentlich auch voll und ganz auf meiner Wellenlänge. Und wie gesagt, das Setting an sich hätte schon einiges an Charme besessen (wobei es den Autorinnen leider nie gelungen ist, dass ich mich so fühle, als wäre ich selbst mit Kirk, McCoy, Uhura und Chekov auf dem Eisplaneten). Aber: Was hilft die beste Idee, wenn es nicht gelingt, das darin steckende Potential auch auszuschöpfen?!

Fazit: Die Grundidee hinter dem Roman, oder besser noch, das gewählte Setting eines Eisplaneten, klingt im ersten Moment sehr vielversprechend. Und zumindest vereinzelt gelingt es dem unter dem Pseudonym L.A. Graf auftretendem Autorinnentrio, dies auch einzulösen. Die meiste Zeit verlieren sie sich aber in einem ineffektiven und einfallslosen Bedrohungsszenario nach dem anderen, aus denen es ihnen aufgrund der Tatsache, dass sie dabei die grundsätzlich unantastbaren Hauptcharaktere in Gefahr bringen, nicht gelingt, Spannung zu gewinnen. Eben deshalb hat mich der Roman, den ich auch allgemein nicht sonderlich gut geschrieben fand, schon bald angeödet. Einzelne gute Momente und/oder Elemente mögen sich da und dort zwar einschleichen, wobei ich vor allem fand, dass es ihnen gelang, ein klassisches TOS-Abenteuer wie aus der Serie bekannt (nur in einem Rahmen, der damals budget- und produktionstechnisch nicht umsetzbar gewesen wäre) zu erzählen. Als solche würde ich sie allerdings eher in der tendenziell schwächeren dritten Staffel verorten.

Bewertung: 1.5/5 Punkten
Christian Siegel






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