Kurzinhalt:
Lieutenant Uhura wird für eine besondere Mission auf die U.S.S. Lexington versetzt. Diese ist, unter dem Kommando von Commodore Wesley, auf dem Weg zum Planeten Rithra, um der dortigen Bevölkerung zu helfen. Da sich dieser einer komplizierten Sprache bedienen, die zeitgleich aus Worten und Gesten besteht, und Uhura mit den Rithra vertraut ist, kommt ihr bei der Mission eine entscheidende Bedeutung zu. Zudem hat Wesley die Hoffnung, dass es ihm gelingen könnte, sie dauerhaft von der Enterprise auf die Lexington abzuwerben. Doch als sich Uhura bei ihren Gastgebern über die Zerstörung von Statuen erkundigt, droht die Mission zu scheitern. Parallel dazu fliegt die Enterprise ins Xaridian-System, um zu untersuchen, was es mit einer Reihe von Überfällen auf Kolonien der Föderation auf sich hat. Der Verdacht fällt auf die Parath'aa, die in der Nähe des ersten betroffenen Systems leben, und nun schon länger auf der Suche nach fortschrittlicher Technologie sind, um ihre aggressive Expansionspolitik voranzutreiben. Doch um sie festzunageln, brauchen Captain Kirk und seine Crew einen handfesten Beweis…
Review:
Nachdem Peter David, Michael Jan Friedman und Robert Greenberger – zusammen mit Carmen Carter – am (frühen) TNG-Roman " Planet des Untergangs" zusammengearbeitet hatten, trat Pocket Books-Redakteur David Stern an sie heran, mit dem Vorschlag, das Experiment für eine Erzählung in der TOS-Ära zu wiederholen. Carter lehnte ab, womit die Aufgabe schließlich "nur" David, Friedman und Greenberger zuteilwurde. Dem Vernehmen (oder genauer gesagt, den Informationen aus dem Sachbuch "Voyages of Imagination") nach, war Greenberger in erster Linie für die Uhura-Storyline zuständig, während sich David auf den Chekov/Spock-Handlungsstrang fokussierte, und Friedman dann über alles nochmal drüberging. Möglicherweise liegt es an letzterem, dass ich "Die Enterbten" nicht ganz so zerfahren (und vom Schreibstil uneinheitlich) fand, wie ihre frühere Kollaboration. Insgesamt hat mir dieser TOS-Roman jedenfalls ziemlich gut gefallen. Positiv macht sich nicht zuletzt bemerkbar, dass man sich hier mit Uhura und Chekov auf zwei Figuren aus der zweiten Reihe der Enterprise-Brückenbesatzung fokussiert. Letzterer darf dabei zu Beginn des Romans, als er auf der Brücke offen eine Entscheidung von Captain Kirk anzweifelt, auch gleich ordentlich ins Fettnäpfchen treten, und verbringt den Rest von "Die Enterbten" dann damit, zu versuchen, sich in den Augen des Captains zu rehabilitieren. Ärgerlich fand ich dort nur die Behauptung, dass Chekov nicht nur erst seit kurzem Teil der Brückenbesatzung, sondern überhaupt erst an Bord wäre. Weil damit schürt man nur unnötig das Feuer rund um den berühmt-berüchtigten Filmfehler in "Der Zorn des Khan", als Khan Chekov erkennt. Von diesem ärgerlichen kleinen Lapsus abgesehen hatte es mir dieser Handlungsstrang aber durchaus angetan.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Story rund um Uhura. Dort gibt es eine Stelle, wo sie meint, als Kind Hunger gelitten zu haben, was einen doch im ersten Moment ziemlich vor den Kopf stößt. Zwar wird kurz darauf erklärt, dass dies daran lag, dass sie in einer Siedlung aufgewachsen ist, die unter der Kontrolle eines Herrschers stand, der jegliche Technologie strikt ablehnte, was es zumindest plausibel macht, aber wirklich überzeugt hat mich dieses (angebliche) Detail aus Uhuras Vorleben leider nicht. Auch hier gilt jedoch: Abseits dieses Schönheitsfehlers hat mir ihr Handlungsstrang durchaus gefallen. Einerseits in ihrer Interaktion mit dem Kommunikationsoffizier der Lexington (den sie aus der Reserve lockt), und andererseits in Anbetracht der Rolle, die sie dabei spielt, das Rätsel rund um die auf einmal abweisende Reaktion der Rithra zu lüften, und so auch dafür zu sorgen, dass der Schutzschild doch noch rechtzeitig vor Ausbruch des Vulkans in Betrieb genommen wird. Was Spannung und Action betrifft, darf man sich von "Die Enterbten" zwar nicht zu viel erwarten, aber möglicherweise weil die aktuelle "Star Trek"-Unterhaltung von genau diesen Elementen dominiert zu sein scheint, empfand ich das als durchaus willkommene Abwechslung. Wenig überraschend und erzählerisch doch ein wenig bequem fand ich allerdings die Offenbarung, dass die beiden Handlungsstränge enger miteinander in Verbindung stehen, als man das im ersten Moment wohl vermuten sollte. Und die Übersetzung von Ronald M. Hahn war teilweise wieder sehr eigenwillig. Zwei Beispiele: An einer Stelle denkt Chekov, dass er deshalb gerne auf der Brücke ist, weil er damit "ein Teil der Aktion" sei – und ich fragte mich so: Welche Aktion genau meint er? Als Übersetzung von "part of the action" fand ich das doch ziemlich unglücklich. Später dann sagt Spock an einer Stelle "Fein, fein.", und es mag sein, dass das nicht Hahn zuzuschreiben ist, sondern das direkt dem Original entnommen ist, aber wie ein Vulkanier klingt das jedenfalls nicht. Insgesamt bietet "Die Enterbten" aber solide "Star Trek"-Unterhaltung.
Fazit:
Im Gegensatz zur ersten Kollaboration der drei Autoren (plus Carmen Carter), dem TNG-Roman "Planet des Untergangs", konnte mir "Die Enterbten" ziemlich gut gefallen. Ich mochte nicht zuletzt, wie der Schwerpunkt hier mit Uhura und Chekov auf zwei Figuren aus der zweiten Reihe der Brückenbesatzung der Enterprise gelegt wurde. Zumal mir ihre beiden (anfangs individuellen, später dann wenig überraschend zusammenlaufenden) Handlungsstränge auch abseits kleinerer Schönheitsfehler sehr gut gefallen konnte. Und auch wenn der Humor hier stärker auf die Chekov-Storyline konzentriert war (für die Peter David hauptverantwortlich war), hatte ich diesmal keinen gar so tonal schizophrenen Eindruck wie beim "Vorgänger". Wirklich etwas Besonderes ist "Die Enterbten" zwar nicht, wer sich nach einem klassischen "Star Trek"-Abenteuer mit der alten "Enterprise"-Crew sehnt, kommt hier aber jedenfalls auf seine/ihre Kosten.
Bewertung: 3/5 Punkten
Christian Siegel
Kommentare (1)
1. 23.03.2026 11:41
"Am "besten" war aber folgende Textstelle: "Und dann eruptierte die ganze Kuppel wie ein erwachender Vulkan in einem unerwarteten Paroxysmus der Zerstörung". Ganz ehrlich: Da wäre ich auch fast eruptiert (und nicht auf die gute Weise), und hätte fast in bester Kirk-Manier einen verzweifelten Wutschrei losgelassen (nur halt mit "Haaaaaahn!" statt "Khaaaaaan!")."