Kurzinhalt:
Kurz nach der Mission, welche die Enterprise unter dem Kommando von Captain Christoper Pike zum Planeten Talos IV führte, öffnet sich in der Nähe des Schiffes ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum. Man empfängt aus diesem Signale, und erscheint stabil genug, um den Durchflug zu ermöglichen. Die Enterprise findet sich daraufhin in Delta-Quadranten wieder, wo man auf die technologisch fortschrittlichen Calligarier trifft. Doch kurz nachdem sich beide Gruppen kennengelernt haben, wird der Riss – aufgrund der Masse der Enterprise – instabil, weshalb die diplomatische Mission überhastet abgebrochen werden muss. Dreiunddreißig Jahre später, öffnet sich der Riss genau zum damals berechneten Zeitpunkt wieder. Diesmal ist man vorbereitet, und die Sternenflotte schickt wieder die Enterprise – mittlerweile unter dem Kommando des frisch zum Captain degradierten James T. Kirk – zusammen mit einer diplomatischen Abordnung zum Riss, um die damalige Mission wieder aufzunehmen. Als Ecma, die mittlerweile den Titel der Baumeisterin von ihrem Vater geerbt hat, durch den Riss fliegt, und nach ihrer Ankunft auf der Enterprise in der Föderation um Asyl ansucht, drohen die Verhandlungen mit dem Calligariern in einem Desaster zu enden…
Review:
Dass "Der Riss im Kontinuum" nun bei meiner Reise durch die alten, im Heyne-Verlag erschienen "Star Trek"-Romane als nächstes auf dem Programm stand, geht gleich mit einem doppelten Zufall einher. Einerseits habe ich letztes Jahr ja den Tod von Peter David zum Anlass genommen, um mir einige seiner Romane zu Filmen vorzuknöpfen (was ich erst Anfang dieses Jahres mit "Iron Man" beendet habe) – und stammt "Der Riss im Kontinuum" nun ebenfalls wieder aus seiner Feder. Und andererseits ist das erste Drittel des Buchs von Christopher Pike und seiner Enterprise-Crew dominiert – und war der letzte "Star Trek"-Roman, den ich mir davor vorgeknöpft habe, das "Strange New Worlds"-Abenteuer "Asylum". Eben dies machte aus meiner Sicht dann vor allem auch den Kontrast zwischen der Darstellung sowohl der Crew als insbesondere auch Captain Christopher Pike in "Der Käfig" und in "New Trek" (zuerst in der zweiten "Discovery"-Staffel, und dann eben "Strange New Worlds") deutlich. Was nicht als Kritik gemeint ist (im Sinne von einem Kontinuitätsfehler), da sich Personen mit der Zeit ja auch verändern können. Aber der von Jeffrey Hunter gespielte Pike hätte wohl kaum so wie Anson Mounts Interpretation für die Kommandocrew gekocht und in sein Quartier zum Essen eingeladen. Er war doch eher distanziert, ein bisschen kühl, und vor allem vom Dienst an Bord des Schiffes – auch aufgrund der Verluste innerhalb der Besatzung – sehr desillusioniert, und dementsprechend des Kommandos müde. Peter David fängt die Figur, so wie sie in "Der Käfig" aufgetreten ist, jedenfalls wunderbar ein, und auch wenn in Anson Mount in der Rolle sehr mag, so hat die frühere Interpretation von Jeffrey Hunter für mich doch auch seinen Reiz – weshalb ich es nett fand, hier im ersten Drittel von "Der Riss im Kontinuum" wieder zu dieser zurückzukehren.
Generell war der Einblick in die damalige Dynamik der Crew, eben wie in "Der Käfig" gezeigt, interessant. Und auch das eine oder andere nette Schmankerl – insbesondere rund um Spock – hat David hier eingebaut. Sei es, dass wir den Ursprung seines Lieblingsausspruchs "faszinierend" erleben, oder aber er sich an einer Stelle denkt, dass wohl kein Bordarzt je so irritierend sein könnte wie Dr. Boyce. Oh, wenn er nur wüsste! Die Story war ebenfalls interessant. Lange bevor es die Crew der U.S.S. Voyager in den Delta-Quadranten verschlug, und wir diesen in den sieben Jahren ihrer Odyssee näher kennenlernten, gibt uns Peter David hier einen kleinen Einblick in eben diesen (wobei nichts von dem, was wir hier erfahren, den späteren Informationen aus "Voyager" widerspricht). Generell fand ich sowohl die Idee eines solchen Risses (oder Wurmlochs), als auch die Zivilisation der Calligarier, interessant. Tatsächlich muss ich gestehen, dass ich alles rund um Pike und die erste Mission auf der anderen Seite des Risses so interessant und "faszinierend" fand, dass es mich nicht gestört hätte, wenn der ganze Roman in dieser Zeitebene gespielt hätte. Nach rund einem Drittel ist jedoch dann die Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk – nach den Ereignissen aus "Am Rande des Universums" – an der Reihe. Was dann zugegebenermaßen auch durchaus seinen Reiz hatte; auch, weil die Film-Ära im Vergleich zur Fünfjahresmission der TV-Serie im literarischen "Star Trek"-Universum unterrepräsentiert ist. Und doch: Ähnlich begeistert wie das erste Drittel hat mich der Rest dann nicht mehr. Zumal ich auch alles rund um José Tyler (der sich als erwachsener Mann noch so aufführt wie ein liebestrunkener Teenager) doch ziemlich mühsam fand. Er, sein Verhalten, und generell sein ganzer Handlungsstrang, waren für mich dann auch der größte Kritikpunkt an "Der Riss im Kontinuum". Davon abgesehen wusste aber auch der Kirk-Teil zu gefallen, und trumpfte auch wieder mit einigen positiv hervorstechenden Momenten hervor. Sei es, dass Scotty bemängelt, zur alten Garde zu gehören, die von der Jugend nicht mehr zu Feiern eingeladen wird, oder McCoy Kirk aufzieht, als dieser eine Idee hat, an die Pille längst schon selbst gedacht hat. Und generell war der Roman auch wieder sehr gut geschrieben; das konnte selbst Ronald M. Hahn mit seiner gewohnt gestelzten Übersetzungs"kunst" nicht verderben.
Fazit:
An "Der Riss im Kontinuum" konnte mir vor allem das erste Drittel sehr gut gefallen – nicht zuletzt auch im Kontrast zu "Strange New Worlds". Peter David orientiert sich bei seinem Blick auf die Enterprise-Brücke kurz nach den Ereignissen aus "Der Käfig" an der Darstellung in eben diesem (verworfenen) Pilotfilm, und damit auch an der deutlich ernsteren, leidgeplagteren und distanzierteren Interpretation der Figur durch Jeffrey Hunter, denn dem lockeren Anson Mount. Das war schon sehr spannend. Nach dem Sprung dreiunddreißig Jahre in die Zukunft, und damit auch dem Schwenk zur Enterprise-Crew unter James T. Kirk (nach "Am Rande des Universums") fand ich die Geschichte dann zwar nicht mehr ganz so faszinierend, aber immer noch recht unterhaltsam. Nur mit allem rund um José Tyler tat ich mir sehr schwer. Davon abgesehen aber ein kurzweiliger Roman, der nicht zuletzt auch von Peter Davids wunderbarem Schreibstil, sowie einzelnen hervorstechenden Momenten (und/oder Formulierungen), aufgewertet wird.
Bewertung: 3.5/5 Punkten
Christian Siegel
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