Kurzinhalt:
Ensign Christopher Pike wird nach einer kritischen Außenmission zur Erde zurückbeordert, um an einer Untersuchung des Vorfalls teilzunehmen. Während er auf den Anhörungstermin wartet, wird er von einem früheren Professor der Sternenflottenakademie dazu eingeladen, eine Vortragsreihe zu halten. Nicht zuletzt, als er selbst vor nicht allzu langer Zeit noch Student an der Akademie war, und somit den aktuellen Jahrgängen alterstechnisch noch näher ist. Über ihre gemeinsame Freundin lernen sich schließlich Christopher Pike und Una Chin-Riley kennen. Diese befindet sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung an der Akademie. Die beiden beginnen rasch, sich miteinander anzufreunden. Bald jedoch zeigt sich, dass sich Una mit ihren freiwilligen Kursen und Freizeitaktivitäten, in Verbindung mit ihrer gemeinnützigen Arbeit – ist sie doch dem Ruf einer Freundin gefolgt, um in einer Flüchtlingsorganisation mitzuhelfen – zu viel zugemutet hat. Jahre später verrichten Chris und Una zusammen auf der Enterprise ihren Dienst. Das Schiff soll als Ort für Verhandlungen mit den Chionian über deren Eintritt in die Föderation dienen. Als sich Una daran erinnert, eben einst mit Flüchtlingen des Planeten zu tun gehabt zu haben, unterläuft ihr ein schrecklicher diplomatischer Fauxpas…
Review:
Der "Strange New Worlds"-Roman "Asylum" ist zwischen der zweiten und dritten Staffel angesiedelt, wurde von mir allerdings (da sich Pocket Books vor ein paar Jahren angewöhnt haben, die meisten ihrer Romane zuerst als teurere Hardcover zu verkaufen, und erst ein Jahr später als Taschenbuch zu veröffentlichen; und sorry, aber ich zahl nicht das doppelte, nur um ein Buch ein bisschen früher lesen zu können – zumal ich generell nicht der größte Hardcover-Fan bin) jetzt erst gelesen. Dennoch fiel es mir nicht schwer, mich in die Zeit vor Season 3 zurückzudenken. Zumal der Schwerpunkt ohnehin auf der Prequel-Story rund um das Kennenlernen von Chris und Una während ihrer Zeit an der Sternenflottenakademie liegt, und der ist ohnehin von der Story in der Serie unabhängig. Eben dieser Handlungsstrang hat mir dann auch recht gut gefallen. Vor allen der Teil rund um Una hatte es mir dabei durchaus angetan. Wie sie sich selbst zu viel zumutet, sich dies jedoch lange Zeit nicht eingestehen will und kann, ehe sie dann kurz vor Zwölf doch noch die Notbremse zieht. Meine eigen Studienzeit ist zwar schon eine Weile her, dennoch konnte ich mich hier gut in sie hineinfühlen. Die parallel laufende Storyline rund um Chris war zwar grundsätzlich auch interessant, litt aber darunter, dass wir nicht wirklich etwas über den Vorfall erfahren, wegen dem er zur Erde zurückbeordert wurde, um sich einer Untersuchung zu stellen. Möglich, dass das a) schon mal Thema der Serie war, und von mir vergessen wurde, oder b) in einem anderen Roman erzählt wurde. Aber so fehlte mir leider ein bisschen der Kontext. Darüber hinaus mich ich offen gestanden nicht sicher, was ich davon halten soll, dass hier etabliert wird, dass "wir" den Kobayashi-Maru-Test Christopher Pike (und Pelia, sowie in geringerem Ausmaß Una) zu verdanken haben. Zwar begründet Una McCormack durchaus plausibel, wie es dazu kam; insofern gab es in der Vergangenheit definitiv schon mal "ret-cons", die sich konstruierter angefühlt haben. Trotzdem weiß ich nicht, ob mich das wirklich überzeugt.
Gut gefiel mir aber, wie hier die Entwicklung ihrer Freundschaft erzählt wird. Damit wird von "Asylum" auch wieder – wenn auch auf nicht-kanonische Art und Weise – eine Lücke in der (Vor)Geschichte der Serie geschlossen. Jedenfalls versteht man am Ende des Buchs, warum es Chris wichtig war, als er sein erstes Kommando erhielt Una als seine Nummer Eins anzufordern. Der parallele Handlungsstrang in der "Gegenwart" schlägt sich leider nicht ganz so gut. Zuerst einmal: Ich weiß, das Leben ist voller Zufälle, und natürlich ist es nicht unglaubwürdig, dass Una in weiterer Folge mit Bewohnern jenes Planeten zu tun bekommen würde, von dem sie (kurzzeitig) Flüchtlinge betreut hat. Dennoch finde ich so etwas in einer Erzählung immer narrativ überaus bequem (es ist etwas anderes, wenn so etwas in einer früheren Geschichte etabliert wurde, und man es nur wieder aufgreift). Wobei ich mich bei Una McCormack immerhin dafür bedanken muss, einen von mir zwischenzeitlich befürchteten Weg (nämlich dass just einer der Euxhana, die von Una damals im Stich gelassen wurden, für die Terroranschläge verantwortlich ist) nicht eingeschlagen hat. Leider aber fand ich die Geschichte nicht sonderlich interessant, was wohl auch daran liegt, dass mir auch hier (wie bei der Chris-Sache rund um seine Untersuchung) Hintergrundinformationen und Kontext fehlten. Wir bekommen nur einen recht flüchtigen Einblick in den Konflikt, der auf dem Planeten herrscht, was es schwer macht, sich selbst ein Urteil zu bilden, und dementsprechend eben auch, emotional involviert zu sein. Letztendlich war ich immer froh, wenn das Kapitel abgeschlossen war, und wir wieder zu Unas Zeit an der Sternenflottenakademie zurückgesprungen sind – was "Asylum" letztendlich für mich eben leider zu nur zu einem halben (statt einem ganzen) guten Roman macht.
Fazit:
"Asylum" besteht aus zwei parallel erzählten Handlungssträngen, die – natürlich – in Verbindung zueinander stehen. Alles rund um Unas Zeit an der Sternenflottenakademie, wo wir auch erfahren, wie sie Chris Pike kennengelernt hat (und die Freundschaft zwischen ihnen entstanden ist), hat mir dabei recht gut gefallen. Demgegenüber wollte mich die Storyline in der "Gegenwart", rund um die Verhandlungen mit den Chionians, leider nie so recht ansprechen. Zwar nicht grundsätzlich schlecht, fand ich sie einfach nicht wirklich interessant, geschweige denn packend. Der Teil in der "Vergangenheit" hat da deutlich besser funktioniert, auch, weil wir dort einen interessanten Einblick in Unas Persönlichkeit erhielten. Und so ist es in erster Linie auch dieser Teil von "Asylum", der mich ihn trotz des zweiten, in meinen Augen deutlich schwächeren Handlungsstrangs, allen "Strange New Worlds"-Fans bedenkenlos empfehlen lässt.