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Star Trek: Living Memory Drucken E-Mail
Ein literarisches Denkmal für Uhura/Nichelle Nichols Kategorie: Star Trek (Literatur) - Autor: Christian Siegel - Datum: Dienstag, 17 August 2021
 
Cover (c) Pocket Books
Titel: "Star Trek: Living Memory"
Bewertung:
Autor: Christopher L. Bennett
Übersetzung: -
Umfang: 300 Seiten
Verlag: Pocket Books
Veröffentlicht: 15. Juni 2021 (E)
ISBN: 978-1-9821-6589-5 (E)
Kaufen: Taschenbuch (E), Kindle (E)
 

Kurzinhalt: Die U.S.S. Reliant ist das erste Schiff, dass auf eine mysteriöse kosmische Eruption stößt. In den darauffolgenden Wochen treten diese immer häufiger und in immer kürzer werdenden Abständen auf – und werden zudem vom Umfang immer größer, wodurch sich das Risiko von Beschädigungen oder gar Verletzungen erhöht. Als sich die U.S.S. Enterprise unter dem Kommando von Captain Spock den Nachforschungen anschließt, stößt man auf eine rätselhafte Korrelation: Die Eruptionen scheinen in umgekehrter Reihenfolge dort aufzutreten, wo sich Commander Nyota Uhura während und vor ihrer Dienstzeit auf der Enterprise befand. Uhura selbst kann jedoch kein Licht in die Dunkelheit bringen, da all diese Ereignisse stattgefunden haben, bevor ihr Gedächtnis von der Roboterdrohne Nomad gelöscht wurde. Um die zunehmend bedrohlichen Eruptionen aufzuhalten, muss sie sich nun ihrer Vergangenheit stellen. Währenddessen entscheidet der Rat der Sternenflottenakademie – u.a. auf Empfehlung von Admiral Kirk – eine erste Delegation der sogenannten Kriegsgeborenen als Studenten aufzunehmen. Diese wurden ursprünglich auf dem Planeten Arcturian IV für einen möglichen Krieg mit den Klingonen gezüchtet, der dann jedoch nie kam. Nun nähern sie sich dem erwachsenen – und damit einsatzbereiten – Alter, doch man hat keinen Krieg, in dem sie kämpfen können. Admiral Kirk hofft, dass die Kriegsgeborenen in der Sternenflotte einen neuen Lebenszweck finden, und zudem die Gelegenheit erhalten, sich selbst zu entfalten. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die darin eine weitere Militarisierung der Föderation sehen. Als dann schließlich ein Mord geschieht, droht dies die Kritiker zu bestärken…

Review: In der heutigen Serienlandschaft sind – auch bei "Star Trek" – fortlaufende Geschichten an der Tagesordnung. Davor dominierte jedoch viele Jahrzehnte lang – nämlich bis ENT – der Ansatz von größtenteils unabhängigen Geschichten. Zwar gab es ab TNG dann immer wieder mal Zweiteiler, begann man zunehmend mit fortlaufenden Handlungen die sich durch mehrere Staffeln ziehen zu experimentieren (aber halt eben nicht in einem durch; wir sprechen hier vielmehr von Geschichten, die halt immer wieder mal aufgegriffen und weitergeführt wurden), und vor allem bei "Deep Space Nine" gab es einige längere Episodenarcs, nicht zuletzt dann zum Serienfinale. Aber von einer einzigen Ausnahme – Harry Mudd – abgesehen, waren die Geschichten bei der ersten "Star Trek"-Inkarnation – den damaligen TV-Gewohnheiten geschuldet (weil die Episoden dann in der Wiederholung oftmals wild durcheinander ausgestrahlt wurden) – voneinander unabhängig, und in sich abgeschlossen. Bedeutet somit, dass etwas, dass in einer Episode passiert ist, in der nächsten schon kein Thema mehr war; man hat also quasi auf den Resetknopf gedrückt, und alles wieder auf Anfang gestellt. Dies brachte es allerdings mit sich, dass von Uhuras Gedächtnisverlust in "Ich heiße Nomad" in weiterer Folge nichts mehr zu sehen oder zu hören war. Für mich war und ist das einer der größten Kritikpunkte an der Episode, nicht zuletzt, als sie ja am Ende nicht einfach geheilt wird und all ihre Erinnerungen zurückerlangte, sondern ihre Amnesie bestand hat; es gelingt ihr lediglich aufgrund ihres eidetischen Gedächtnisses, alles was den Dienst an Bord betrifft rasch wieder zu erlernen (und auch das darf man in der Art und Weise, wie hier eine mehrjährige Ausbildung an der Akademie binnen weniger Tage/Wochen absolviert wird, nicht genauer hinterfragen). Dass sie jedoch all ihre privaten Erinnerungen verloren hat, war bei "Star Trek" danach nie wieder ein Thema – weder in den späteren Episoden, noch in den Filmen. Fast so, als wäre es nie passiert.

Christopher L. Bennett tritt nun – möglicherweise inspiriert durch jüngere Berichte über Nichelle Nichols (die dem Vernehmen nach an Demenz erkrankt ist); in jedem Fall ist ihr der Roman gewidmet – an, um diese Scharte Jahrzehnte später auszumerzen. Er greift diesen fallengelassenen Handlungsstrang auf, und zwingt Uhura aufgrund der aktuellen kosmischen Krise dazu, sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen. Es gelingt ihm dabei, eine logische und nachvollziehbare Erklärung dafür zu finden, dass sie den Verlust ihrer Erinnerungen damals quasi zum Anlass nahm, sämtliche Verbindung zu ihrem früheren Leben zu kappen, statt aktiv den Kontakt mit ihrer Familie und ihren Freunden – und damit ihrem früheren Leben – zu suchen. Zugleich versteht man aber auch manche der verletzten Reaktionen ihrer Familie (insbesondere ihres Bruders), nicht zuletzt auch, als Uhura jetzt nur deshalb mit ihnen Kontakt aufnimmt, weil es die aktuelle Krise erforderlich macht. Nur für ihren früheren Habschi hatte ich aufgrund seiner extremen, unguten und selbstbezogenen Reaktion nicht das geringste Verständnis (was aber wohl von Bennett auch von vornherein nicht anders gedacht war). In erster Linie habe ich aber natürlich mit Uhura selbst mitgefühlt und -gelitten – und fand es in jedem Fall positiv, dass Bennett ihren Leidensweg (spät aber doch; und irgendwie überrascht es einen schon, dass das zumindest von den Romanautoren bislang nicht aufgegriffen wurde) nun spät aber doch noch thematisierte. Die "Ausrede", die er dafür gefunden hat, um sich dem Thema zu widmen, fand ich dabei auch soweit ok. Ich bin mir sicher, es hätte wesentlich blödere Ideen gegeben, wie man das aufgreifen kann, und auch wenn es schon ein wenig erzwungen und konstruiert wirkte, überwog für mich der positive Aspekt, dass man sich dem überhaupt annahm, jedenfalls bei weitem. Und auch das Setting in der Film-Ära – genauer gesagt zwischen "Der Film" und "Der Zorn des Khan" hatte es mir (wie schon zuvor "The Higher Frontier") wieder sehr angetan. Zumal es Bennett gelingt, jeder Figur aus der Stammbesetzung der klassischen Serie eine gewisse Rolle im Geschehen spielen zu lassen.

Christopher L. Bennett ist mittlerweile langjähriger Autor für die "Star Trek"-Lizenzromane, und verfügt zudem über ein enormes Detailwissen, nicht nur was die Serien und Filme, sondern auch die Romane betrifft. Etwas, dass man seinen Romanen – und eben auch "Living Memory" – immer wieder anmerkt. Nicht zuletzt im Nachwort beweist er dann auch seinen Respekt vor der Arbeit aller anderer Autoren – und wie viel Wert er auf Kontinuität legt. Da auch mit eine ebensolche sehr wichtig ist, sehe ich darin einen weiteren entscheidenden Pluspunkt. Zudem sorgt seine Vertrautheit mit dem Universum dafür, dass die Figuren durch die Bank perfekt getroffen sind. Allerdings: Die Nebenhandlung rund um die Kriegsgeborenen konnte für mich mit der spannenden und teils emotionalen Story rund um Uhura leider nicht ganz mithalten. Zwar gibt es dort eine nicht uninteressante moralische Diskussion. Und nicht zuletzt die Idee, dass es hier mal Pille ist, und nicht Kirk, der sich auf eine Romanze einlässt, hatte durchaus ihren Reiz. Die Mordermittlungen fand ich – als alter Krimi-Hase – aber leider eher schwach umgesetzt. Und generell wollte es Bennett irgendwie nicht gelingen, mich eine Bindung zu den Kriegsgeborenen aufbauen zu lassen. Letztendlich wirkt die Story hier doch etwas behelfsmäßig, eben damit – während sich Uhura, Spock, Chekov und Scotty um die Krise rund um die kosmischen Eruptionen kümmern – auch Kirk, McCoy und Sulu auf der Erde beschäftigt sind. Aber: Um der nicht uninteressanten Grundthematik gerecht zu werden, hätte man ihr wohl auch wirklich einen eigenen Roman widmen müssen; so hingegen wirkt es doch etwas wie ein Lückenfüller, und kann aufgrund der doch recht oberflächlichen Behandlung ihr volles Potential nicht entfalten. So gesehen wäre es in meinen Augen besser gewesen, wenn Bennett eine andere Nebenhandlung/Beschäftigung für Kirk, McCoy und Sulu gefunden hätte.

Fazit: "Living Memory" ist Nichelle Nichols gewidmet, der Christopher L. Bennett hier – so wie auch ihrer Figur – quasi ein Denkmal setzt. Dafür greift er den offenen Handlungsstrang aus der Folge "Ich heiße Nomad" rund um den Verlust ihrer Erinnerungen auf – und nimmt sich damit zugleich auch einem meiner größten Kritikpunkte an der Episode an. Wie er Uhuras Amnesie hier behandelt, gefiel mir jedenfalls ausgesprochen gut; da verzeiht man auch, dass die Verbindung zu den kosmischen Eruptionen doch etwas bequem erscheint, um eben diesen Punkt wieder thematisieren und Uhura auch einen Grund zu geben, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Darüber hinaus gefielen mir an "Living Memory" u.a. das noch vergleichsweise unverbrauchte Setting in der Film-Ära, Bennetts Detailwissen welches sich in einigen netten Anspielungen (und seinem Bestreben, die Kontinuität nicht nur zu den Serien und Filmen, sondern auch den Werken anderer Autoren zu wahren) zeigt, sowie die perfekt getroffenen Figuren. Einzig die Nebenhandlung rund um die Kriegsgeborenen fiel für mich insofern etwas ab, als ich den Eindruck hatte, dass dieser mit einem eigenen Roman besser gedient gewesen wäre – da sich Bennett der Thematik hier doch nur recht oberflächlich widmen konnte. Davon abgesehen ist Christopher L. Bennett mit "Living Memory" aber ein großartiger "Star Trek"-Roman gelungen, den sich Fans der klassischen Serie im Allgemeinen und von Nyota Uhura im Besonderen nicht entgehen lassen sollten!

Bewertung: 4/5 Punkten
Christian Siegel





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