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Star Trek - Discovery: Drastische Maßnahmen Drucken E-Mail
Auf der Jagd nach Kodos, dem Henker Kategorie: Star Trek (Literatur) - Autor: Christian Siegel - Datum: Dienstag, 10 Juli 2018
 
Cover (c) Cross Cult
Titel: "Star Trek - Discovery: Drastische Maßnahmen"
Originaltitel: "Star Trek - Discovery: Drastic Measures"
Bewertung:
Autor: Dayton Ward
Übersetzung: Helga Parmiter
Umfang: 380 Seiten
Verlag: Cross Cult
Veröffentlicht: 06. Februar 2018 (D), 26. Februar 2018 (D)
ISBN: 978-3-95981-672-4 (D)
Kaufen: Taschenbuch (D), Kindle (D), Taschenbuch (E), Kindle (E)
 

Kurzinhalt: Auf der Kolonie Tarsus IV bricht eine Pilzinfektion aus, welche einen Großteil der Lebensmittelvorräte unbrauchbar macht. Hilfe von der Föderation ist unterwegs, wird jedoch erst in einigen Wochen eintreffen – bis dahin wäre ein Überleben der Bevölkerung nur unter starken Rationen möglich, und selbst dann nur, wenn die letzten verbliebenen Vorräte nicht ebenfalls vom Pilz befallen werden. In dieser Zeit der schweren Krise kommt der Populist Kodos, der seiner Vorgängerin Untätigkeit vorwirft, an die Macht, und wird zum neuen Gouverneur der Kolonie ernannt. Dieser sieht sich aufgrund der Lebensmittelknappheit zu drastischen Maßnahmen gezwungen, um das Überleben der Kolonie zu sichern: Er lässt rund die Hälfte der Bevölkerung in einem großen Atrium zusammenkommen – und hinrichten. Sowohl beim Rest der Bevölkerung als auch der Föderation sitzt der Schock über das Massaker tief. Unmittelbar darauf wird bekannt, dass die Vorräte der Föderation wesentlich früher eintreffen werden als gedacht – und Kodos ergreift zusammen mit seinen treuen Anhängern die Flucht. Lieutenant Commander Gabriel Lorca, der auf der Sternenflottenbasis des Planeten stationiert ist, und beim Massaker seine Partnerin verlor, sowie Commander Georgiou von der U.S.S. Narbonne, führen daraufhin die Bemühungen an, ihn aufzuspüren, ehe er den Planeten verlassen kann…

Review: Mit "Drastische Maßnahmen" liegt seit Ende Februar der zweite Roman zur jüngsten "Star Trek"-Serie vor. Leider aber hielt sich meine Begeisterung – wie auch schon bei "Discovery" an sich – doch eher in Grenzen. Dies lag vor allem auch drei großen Hauptproblemen. Erstens wissen "Star Trek"-Fans, welche die Original-Serie, genauer gesagt "Kodos, der Henker", kennen, von vornherein in etwa, was passieren wird – oder genauer gesagt, wie es ausgehen muss. Dies raubt der Jagd auf Kodos, welche das zweite Drittel des Romans bestimmt, jegliche Spannung. Weil zumindest ich fand die genauen Details der Jagd auf ihn, sowie wie ihm dann am Ende dennoch die Flucht gelang, nicht wirklich spannend oder interessant. Die Info, was passiert ist, die wir in der TOS-Folge erhalten, war für mich ausreichend, und die Details aus meiner Sicht überflüssig. Mit einem anderen Schwerpunkt (nämlich auf das Massaker an sich, bzw. wie es dazu erst kommen könnte) hätte Dayton Ward hier erfolgreich gegensteuern können. Stattdessen verschwendet er viel zu viele Seiten auf eine uninteressante Story, dessen Ausgang von Vornherein klar ist.

Das zweite große Problem von "Drastische Maßnahmen" liegt im meines Erachtens völlig fehlgeleiteten Lorca-Twist aus der Serie, der hier nun dazu führt, dass wir rund die Hälfte des Romans mit einer Figur verbringen, die wir bei "Discovery" (bislang) nie kennengelernt haben. Hätte man sich den blöden Spiegel-Twist gespart, dann hätte "Drastische Maßnahmen" als Versuch einer Erklärung, wie Lorca so verbittert, verbissen und desillusioniert wurde (oder zumindest, wodurch diese Entwicklung bei ihm ausgelöst wurde), durchaus seine Daseinsberechtigung, und würden die Szenen wo man kurz den Lorca aus der Serie erahnen kann Sinn ergeben. So jedoch störte ich mich daran eher, nämlich insofern, als die Figuren aus dem Paralleluniversum ja eigentlich die (dunklen) Spiegelbilder der Protagonisten aus "unseren" Universum darstellen sollten. Dementsprechend müsste "unser" Lorca ja eigentlich das genaue Gegenteil des Spiegel-Lorcas sein. "Drastische Maßnahmen" vermittelt jedoch eher den Eindruck, zu erklären, wie Lorca so wurde wie wir ihn aus der Serie kennen – und das ergibt nun mal leider überhaupt keinen Sinn. Da haben die Drehbuchautoren Dayton Ward ein ordentliches Ei gelegt (inwiefern er beim Schreiben des Romans schon davon wusste, ist mir natürlich nicht bekannt; jedenfalls gehörte der Spiegel-Twist aber nicht zu Bryan Fullers ursprünglichen Handlungsentwurf).

Der dritte große Kritikpunkt ist dann, dass Dayton Ward aus meiner Sicht sowohl bei der Handlung als auch den Figuren die falschen Schwerpunkte setzt. So hätte eine Betrachtung der Abläufe, wie es zu dieser Katastrophe kommen sollte, nicht einfach nur ungemein interessant (und erschreckend) sein, sondern auch als mahnendes Beispiel dienen können. Stattdessen findet das Massaker bereits auf den ersten 100 Seiten statt, und auf den restlichen 300 Seiten wird die uninteressante Jagd geschildert. Vor allem aber lässt Dayton Ward die Gelegenheit, uns Kodos näher vorzustellen, fast vollständig ungenutzt verstreichen. Nur wenige kurze Momente werden aus Sicht des Mannes, dem der Beiname "Henker" verliehen wurde, geschildert, und über ein recht offensichtliches "Es tat ihm leid, nicht noch ein paar Stunden gewartet zu haben" geht Wards Betrachtung seiner Gedankenprozesse nicht hinaus. Angesichts des guten alten Mottos, dass ein Monster nie ein Monster im Spiegel sieht, hätte der Roman die Chance geboten, ihn uns näher vorzustellen, und uns förmlich dazu zu zwingen, uns mit ihm zu identifizieren. Stattdessen wird er auf die Rolle eines flüchtenden Despoten Marke Saddam Hussein oder Osama Bin Laden reduziert. Ewig schade.

Zu diesen drei Hauptproblemen gesellen sich dann auch noch ein paar weitere, kleinere Kritikpunkte, die teilweise in Verbindung zu ihnen stehen. So ist der Roman für die letztendlich recht dünne Flucht- und Verfolgungsstory die hier erzählt wird zu lang. Vor allem im Mittelteil schlich sich doch einiges an Langeweile ein. So verständlich der Wunsch eines Cameo-Auftritts von James T. Kirk aus sein mag, fand ich es doch sehr verkrampft, dass just er die Person ist, die sich an die Sternenflotten-Sicherheit wendet. Solche Zufälle lassen das "Star Trek"-Universum eher kleiner als größer wirken; so als wäre die Galaxis ein Dorf. Und dann passt die Erzählung hier auch nur bedingt zu jener aus früheren "Star Trek"-Romanen (ich glaube, die Rückblende war in "My Brother's Keeper: Republic", aber nagelt mich bitte nicht darauf fest). Nun war die "Star Trek"-Literatur zugegebenermaßen lange inkonsistent, aber gerade auch in den letzten Jahren haben Autoren gegenüber dem, was vor ihnen kam, mehr Respekt gezeigt, als dies bei Dayton Ward hier der Fall ist. Ein bisschen schade finde ich das doch. Eine noch schlechtere Wertung wird in erster Linie von einigen starken Passagen verhindert, wobei es mir vor allem die Auszüge aus einem zehn Jahre später erschienenen Sachbuch zur Krise auf Tarsus IV angetan hatten. Zudem dürfte der Roman wohl frischen "Star Trek"-Fans, die erst durch "Discovery" zum Universum stießen und die klassische Serie noch nicht kennen (und daher im Gegensatz zu uns alten Weisen im Vorfeld noch nicht wissen, wie es ausgeht), wohl etwas besser gefallen. Ich hingegen war von "Drastische Maßnahmen" letztendlich leider ähnlich enttäuscht, wie von der Serie.

Fazit: Mein Urteil zu "Drastische Maßnahmen" fällt sehr ähnlich aus zu jener Serie, auf die er basiert. Es dominieren die Enttäuschung, und der Eindruck verschenkten Potentials. Meine drei wichtigsten Kritikpunkte waren dabei, dass Dayton Ward hier den Schwerpunkt auf die Jagd nach Kodos legt, deren unweigerlicher Ausgang jedoch aufgrund der Episode "Kodos, der Henker" der klassischen Serie von vornherein vorgegeben ist, dass wir rund die Hälfte des Romans mit einer Figur verbringen, die wir in "Discovery" nie kennengelernt haben, und dass man die Chance ungenutzt verstreichen lässt, aufzuzeigen, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte, und sich vor allem auch näher mit Kodos und seinen Gedanken und Gefühlen auseinandersetzt. Wohl nicht zuletzt aufgrund dieser drei Punkte fand ich den Roman dann insgesamt auch zu lang und teilweise -weilig. Wirklich gut gefallen haben mir eigentlich nur die Ausschnitte des fiktiven Sachbuchs über die Krise, das dann zehn Jahre nach den Ereignissen hier veröffentlicht wurde. Der Rest war jedoch maximal akzeptabel, und die Verbindung zu "Discovery" überaus dürftig, und auch nochmal um einiges geringer als beim diesbezüglich ebenfalls schon zurückhaltenden "Verzweifelte Stunden". Aus meiner Sicht ist "Drastische Maßnahmen" wirklich nur für die allergrößten "Discovery"-Fans zu empfehlen, die sich auch nicht daran stören, dass wir den Großteil des Romans mit Figuren verbringen, die wir aus der Serie nur flüchtig (Georgiou) oder gar nicht (Lorca) kennen.

Bewertung: 1.5/5 Punkten
Christian Siegel


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