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Iron Man Drucken E-Mail
Unterhaltsam, jedoch nicht ohne Schwächen... Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Dienstag, 11 Mai 2010
 
Iron Man
(Iron Man, USA 2009)
 
Iron Man
Bewertung:
Studio/Verleih: Marvel/Paramount Pictures
Regie: Jon Favreau
Produzenten: U.a. Avi Arad, Stan Lee, Kevin Feige & Jon Favreau
Drehbuch: Mark Fergus, Hawk Ostby, Art Marcum & Matt Holloway
Filmmusik: Ramin Djawadi
Kamera: Matthew Libatique
Schnitt: Dan Lebental
Genre: Comic/Action
Kinostart (Deutschland): 22. April 2010
Kinostart (USA): 01. Mai 2008
Laufzeit: 126 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Trailer: klick
Kaufen: Einzel-DVD, Special Edition, Blu-Ray, Soundtrack
Mit: Robert Downey Jr., Jeff Bridges, Gwyneth Paltrow, Terrence Howard, Faran Tahir, Paul Bettany, Leslie Bibb, Clark Gregg, Jon Favreau u.a.


Kurzinhalt: ImageTony Stark ist Geschäftsführer von Stark Industries, einem der größten Waffenproduzenten der Welt. Gerade hat er dem US-Militär seine neueste Errungenschaft, die intelligente Rakete "Jericho", präsentiert, da wird der Konvoi auf dem Weg zurück zum Stützpunkt von Terroristen angegriffen – mit Stark’s eigenen Waffen. Stark überlebt den Überfall zwar, allerdings haben sich kleine Metallsplitter in seinen Oberkörper gefressen – lediglich ein über sein Herz montierter Magnet hält sie davon ab, in dieses vorzudringen und sein Leben zu beenden. Solcherarts unter Druck, wird Stark vom Anführer der Terroristen dazu gezwungen, ihm eine Jericho-Rakete zu bauen. Gemeinsam mit einem zweiten Gefangenen macht sich Stark daran, seine High-Tech Waffe mit primitivsten Mitteln nachzubauen – oder zumindest tut er so. In Wahrheit arbeitet er an einer ganz neuen Technologie, für die bisher nur Konzeptzeichnungen existieren: Einen Kampfanzug. Mit diesem gelingt Stark schließlich auch die Flucht. Wieder zurück, trifft er die Entscheidung, dass sich Stark Industries ab sofort aus der Waffenproduktion zurückziehen soll. In einem geheimen Labor im Keller seines Hauses in Malibu arbeitet er schließlich daran, den Anzug zu perfektionieren. Wenige Wochen später erhebt sich "Iron Man" zum ersten Mal in die Lüfte. Doch Stark ist nicht der Einzige, der über die Pläne des Kampfanzugs verfügt…

Review: Als ich "Iron Man" zum ersten Mal gesehen habe, war ich durchaus angetan. Nach solchen Enttäuschungen wie "X-Men: The Last Stand" (kein schlechter Film, aber auch bei weitem nicht der krönende Abschluss, den sich die Filmreihe verdient hätte), "Superman Returns" (gähn), "Fantastic Four 2" (öde und belanglos) und vor allem "Spiderman 3" (bei dem mir mittlerweile sogar meine damalige Wertung von 3/10 noch viel zu gütig erscheint) war meine Erwartungshaltung wohl einfach schon dermaßen in den Keller gerutscht, dass es John Favreau’s Comicverfilmung vergleichsweise leicht gefallen ist, mich angenehm zu überraschen. Dass der Film vielleicht doch nicht ganz so gut war wie ich nach meinem Kinobesuch noch gedacht hatte, haben mir vor allem die letzten zwei Jahre vor Augen gehalten, in denen ich – obwohl ich bei einem günstigen Blu Ray-Angebot mal zugeschlagen habe – zu keinem Zeitpunkt den Drang verspürte, ihn mir wieder mal anzusehen. Für ein anspruchsvolles, schwermütiges Drama noch kein Gradmesser für Qualität – für einen rein auf Unterhaltung zugeschnittenen Blockbuster aber sehr wohl. Als ich mir "Iron Man" vor einer Woche dann doch mal ins Blu Ray-Laufwerk gelegt habe, um mein Gedächtnis angesichts der bevorstehenden Kinoveröffentlichung der Fortsetzung aufzufrischen, war ich schon darauf gespannt, ob mir nach der zweiten Sichtung klarer werden würde, warum mich "Iron Man" rückwirkend betrachtet doch nicht so überzeugen konnte. Und tatsächlich konnte ich einige Schwächen und Punkte ausmachen, die mir beim ersten Ansehen im Kino noch nicht so deutlich ins Auge gestochen sind.

ImageEin Hauptmanko ist sicherlich der mangelnde Tiefgang. Bitte versteht mich nicht falsch: Ich erwarte nicht von jedem Film, dass er mir eine anspruchsvolle Handlung bietet, die es mit den besten Dramen aufnehmen kann. Es soll und kann auch nicht jede Comicverfilmung so komplex und vielschichtig sein wie ein "Dark Knight". Aber selbst im Vergleich zum ebenfalls sehr auf oberflächliche Blockbuster-Unterhaltung zugeschnittenem "Spiderman" bleiben Handlung und Figuren in "Iron Man" vergleichsweise flach. Und gerade in den letzten Jahren habe ich doch eine zunehmende Ermüdung festgestellt, wenn es um relativ seelen- und herzlose Blockbuster geht (wie z.b. die "Transfomers"-Reihe). Auch wenn „Iron Man“ einige positive Aspekte aufweist, die verhindern, dass er in derartige Untiefen der Unterhaltung sinkt, so fehlte es mir halt doch auch etwas an Substanz. Dies gilt insbesondere für die Figuren. Tony Stark mag noch so halbwegs als Antiheld durchgehen, und er ist ohne jeden Zweifel noch der interessanteste Charakter, mit dem der Film aufwarten kann. Doch selbst bei ihm bleibt vieles ungemein oberflächlich – vor allem seine Motivation wird nur mal kurz angerissen, ohne diese näher zu thematisieren. Ein klärendes Gespräch mit Pepper Potts oder Rhodey hätte hier Wunder wirken können. So gelang es John Favreau jedenfalls nicht wirklich, mich in die Gedankenwelt des Hauptprotagonisten eintauchen zu lassen.

Die anderen Figuren hat es sogar noch schlimmer erwischt: Pepper Potts mag zwar über Charme und durchaus überzeugende Chemie mit Tony Stark verfügen, dies verdankt sie aber in erster Linie den gelungenen schauspielerischen Leistungen von Gwyneth Paltrow und Robert Downey Jr., und nicht dem Drehbuch. Am ärmsten ist wohl Jeff Bridges, der hier überhaupt nichts bekommt, mit dem er arbeiten kann. Problematisch erscheint mir diesbezüglich vor allem, dass uns die Motivation des Bösewichts praktisch völlig verborgen bleibt. Wenn er erst aktiv geworden wäre, als Tony Stark beschließt die Waffenproduktion in Zukunft einzustellen, könnte man es ja eventuell noch verstehen. Doch später erfahren wir, (Achtung, Spoiler!) dass der Angriff auf den Konvoi kein Zufall war, sondern er mit den Terroristen zusammengearbeitet hat, um Tony Stark ausschalten zu lassen (Spoiler Ende). Den Grund dafür bleibt uns der Film leider schuldig. Generell leidet "Iron Man" etwas unter diesem schwachen und auch wenig bedrohlich wirkenden Bösewicht. Aber auch die anderen Beziehungen der Figuren zueinander werden stark vernachlässigt. Besonders schwer hat es diesbezüglich die angebliche Freundschaft zwischen Tony Stark und Rhodey erwischt. Man sagt uns, dass sie Freunde sind, und offenbar glauben die Drehbuchautoren und der Regisseur, das allein würde schon reichen - weshalb man leider gänzlich darauf verzichtet, es uns auch zu ZEIGEN. Es gibt keine einzige Szene, die mir ihre Freundschaft glaubhaft vermittelt hätte – im Gegenteil, die meiste Zeit sind sie eher dabei, sich zu streiten, so dass ich teilweise eher den Eindruck einer erzwungenen Zweckgemeinschaft denn einer Freundschaft gewonnen habe.

ImageEin weiteres Problem sind Tempo und Spannung. Die Erzählstruktur ist leider etwas daneben; man verbringt zu viel Zeit mit der Einführung, zu wenig Zeit mit den Figuren, und lässt es auch sonst am notwendigen roten Faden vermissen. Stattdessen plätschert die Handlung recht unmotiviert vor sich hin, und erst gegen Ende beginnt sich abzuzeichnen, an welche gewöhnlichen und wohlbekannten Orte uns die Handlung hinführen wird. Noch viel schwerer wiegt jedoch, dass sich den ganzen Film über kein wirkliches Gefühl der Bedrohung einstellt. Beim ersten Spiderman-Film gab es zwischendurch doch auch immer ein paar spannende Momente – man nehme nur die Szene, als Peter Parker an der Decke hängt, während unter ihm Harry Osborn steht. Womit wir schon bei einem weiteren Punkt wären: Es fehlen die wirklich mitreißenden, originellen und denkwürdigen Szenen. Von seinem Antihelden und den guten bis großartigen schauspielerischen Leistungen mal abgesehen verfügt "Iron Man" über nichts, das nicht auch der durchschnittliche Blockbuster zu bieten hat. So konnte zumindest ich keine wirklich denkwürdige Szene ausmachen.

All diese Punkte wären noch kein Beinbruch, wenn denn wenigstens die Action stimmen würde, und uns "Iron Man" ein packendes, wegweisendes Spektakel liefern würde. Stattdessen ist aber auch die Action überraschend rar gesät. Es gibt Stark’s Ausbruch aus der Gefangenschaft (zugleich die wohl beste Actionszene des Films, wenn auch leider recht kurz), eine wenig spektakuläre Szene, als Iron Man zurückfliegt um die Waffen auszuschalten, und einen sehr schwachen und unoriginellen Showdown, der im wesentlichen auf eine Roboter-Prügelei hinausläuft. Zumal sich hier wieder einmal mein Problem mit Actionszenen gezeigt hat, in denen zwei CGI-Figuren gegeneinander kämpfen – bei solchen Szenen schalte ich nämlich recht schnell emotional ab, und es schleicht sich Langeweile ein. Last and least: Der Soundtrack. Irgendwie kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass der Film schon fertig war, und plötzlich stellen die Beteiligten fest: „Irgendwas fehlt da noch – ach ja, Shit! Wir haben noch keine Filmmusik!“ Jedenfalls wirkt Ramin Djawadi's Komposition auf mich extrem überhastet, so als wären ihm bzw. der gesamten Produktion die Zeit und das Geld ausgegangen. Es fehlt mir einfach an eingängigen Themes und Melodien, die einem im Gehör bleiben; stattdessen ist das wieder mal ein Soundtrack der Kategorie "mindestens so schnell vergessen wie gehört". Die mangelnde emotionale Wirkung des Films dürfte daher wohl zumindest zu einem Teil auch Ramin Djawadi zuzuschreiben sein.

ImageAuch wenn es nach dieser ausführlichen Schilderung der Schwächen so wirken mag: Ich halte "Iron Man" keineswegs für einen schlechten Film. Falls es den Eindruck erwecken sollte, dass ich mit ihm ungewöhnlich hart ins Gericht gehe, dann nur deshalb, weil er meines Erachtens das Potential gehabt hätte, so viel mehr zu sein als er ist. Trotzdem ist und bleibt er eine der besseren, unterhaltsameren Comicverfilmungen der letzten Jahre. Zu verdanken hat er das in erster Linie Robert Downey Jr. Das kleine Quentchen Subtext, dass in "Iron Man" vorhanden ist, verdankt der Film ausschließlich seinem gelungenem Schauspiel sowie dem genialen Einfall, gerade ihn in dieser Rolle zu casten. Wenn man weiß, was dieser Schauspieler in der Vergangenheit schon durchgemacht hat und vor welchen – großteils selbst verursachten – Problemen er stand, dann haben Worte wie "Ich bin kein Held, und ich habe schon so viel Mist gebaut in meinem Leben" gleich eine ganz andere Resonanz. Was ebenfalls zu überzeugen vermag, ist seine Chemie mit Gwyneth Paltrow. Dank ihres charmanten Schauspiels gelingt es den beiden, eine auf dem Papier wenig überzeugende Romanze glaubhaft und nachvollziehbar zu vermitteln. Jedenfalls ist es durchaus spaßig, ihr gegenseitiges Geplänkel mitzuverfolgen.

Apropos spaßig – einen großen Anteil daran, dass "Iron Man" trotz der Schwächen noch gut zu unterhalten versteht, haben auch die immer wieder eingestreuten Gags und witzigen Kommentare. Davon abgesehen gibt es generell ein paar wirklich gelungene Szenen, wie z.B. der gelungene Einstieg rund um den Angriff der Terroristen und Stark’s Aufenthalt in ihrer Gefangenschaft. Vor allem die ironischen Untertöne, wenn der Konvoi just mit Waffen von Stark’s Firma angegriffen wird, wissen zu gefallen. Aufgrund des recht hohen Erzähltempos kommt zudem selbst in jenen Momenten, die besonders schwer von den Schwächen des Films geplagt werden, nur selten Langeweile auf. Auch was die Effekte betrifft, vermag es "Iron Man" durchaus zu überzeugen. Zwar vermögen nicht alle Szenen ihre CGI-Herkunft zu verbergen, trotzdem sind die Special Effects alles in allem gelungen. Gut gefällt mir auch, dass man nicht nur auf computergenerierte Effekte setzt, sondern – wenn möglich – auch auf praktische Special Effects zurückgreift. Zuletzt muss dann auch noch der kurze Cameo-Auftritt nach dem Abspann von Samuel L. Jackson aka Nick Fury erwähnt werden. Dieser deutet eine – wenn auch vorerst nur vage – Verknüpfung der von Marvel produzierten Superheldenfilme an, wie sie bisher im Bereich des Films einzigartig wäre. Mit diesen Anspielungen und Überschneidungen wird deutlich, dass dieser "Iron Man"-Film nur Teil von etwas größerem sein soll, einem Mosaik verschiedenster Filme und Figuren, die zuletzt in einem „Avenger“-Film zusammenlaufen sollen. Ob Marvel dieser Coup gelingt, muss sich natürlich erst weisen – aber schon allein der Versuch ist lobenswert.

Fazit: ImageLeider ist an "Iron Man" nicht alles rot-gold was glänzt. Die Handlung ist leider etwas gar flach und anspruchslos, die Charakterisierung der Figuren wird (zu) sehr vernachlässigt, und die Spannung hält sich den ganzen Film über sehr in Grenzen. Auch die Action ist für einen rein auf Unterhaltung zugeschnittenen Blockbuster erstaunlich rar gesät und zudem nicht sonderlich spektakulär. Auf der Habenseite verbucht der Film dafür das glänzende Casting, die charismatische schauspielerische Leistung von Robert Downey Jr., sein gelungenes Zusammenspiel mit Gwyneth Paltrow, und die gelungenen Gags, witzigen Kommentare und ironischen Untertöne. Als Origin-Story noch ok, wird die Fortsetzung in allen Belangen eins draufsetzen müssen, um an die Genregrößen anknüpfen zu können.

Wertung:6 von 10 Punkten

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Christian Siegel
(Bilder © Paramount Pictures)


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