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A Serious Man Drucken E-Mail
Absurdes von den Coen-Brüdern... Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 07 März 2010
 
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A Serious Man
(A Serious Man, USA 2009)
 
A Serious Man
Bewertung:
Studio/Verleih: Focus Features/Tobis
Regie: Joel & Ethan Coen
Produzenten: U.a. Joel & Ethan Coen
Drehbuch: Joel & Ethan Coen
Soundtrack: Carter Burwell
Kamera: Roger Deakins
Schnitt: Joel & Ethan Coen
Genre: Groteske
Kinostart (Deutschland): 21. Januar 2010
Kinostart (USA): 02. Oktober 2009
Laufzeit: 106 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Homepage: klick
Trailer: klick
Kaufen: DVD (noch nicht verfügbar), Soundtrack, Drehbuch (Englisch)
Mit: Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolff, Jessica McManus u.a.


Kurzinhalt: Larry Gopnik führt ein geregeltes, normales und durchaus zufriedenes Leben – doch auf einmal droht alles auseinander zu brechen. In seiner Arbeit als Lehrer an einem College wird er mit einem Bestechungsversuch konfrontiert, der ihn aus der Bahn wirft, und eine Kette von Ereignissen auslöst, die seinen beruflichen Aufstieg verhindern könnten. Seine Frau offenbart ihm eines Abends zudem ganz ruhig, dass sie einen anderen Mann liebt und sich von ihm scheiden lassen will. Ehe er sich's versieht, schläft er in einem Motel, während seine Kinder sich bei ihm auch weiterhin ständig über das belegte Badezimmer oder den schlechten Fernsehempfang beschweren. Sein Bruder wird zudem mit einer Anklage für illegales Glücksspiel konfrontiert, und mit dem Nachbar gibt es Streit wegen der Grundstücksgrenze. Kurz und gut: Aus seinem geregelten Leben wird auf einmal ein völliges Chaos. In seiner Verzweiflung wendet sich Larry dem Glauben zu. Von seinen Rabbi's hofft er, eine Antwort auf die Frage "Warum?" zu erhalten. Doch auch die Religion scheint für ihn keine Antworten, sondern nur weitere Fragen bereitzuhalten…

Review: ImageDie Coen-Brüder sind bekannt für ihre skurrilen, grotesken Filme – mit "A Serious Man" haben sie diesbezüglich aber womöglich den Vogel abgeschossen. Es ist ein Film, dem es weniger dazu geht, gut zu unterhalten, sondern der den Zuschauer mit Fragen bombardiert, sich dabei aber beharrlich weigert, Antworten zu liefern. Da eine Kritik des Films ohne eine Interpretation desselben praktisch unmöglich ist, will ich mich hieran auch gleich mal versuchen, und dabei aber auch gleich klarstellen, dass dies nur meine Sicht der Dinge ist. Denn eine der größten Stärken des Films ist, dass jeder ihn, je nach seiner ganz persönlichen Lebenseinstellung, anders auffassen und interpretieren wird. Meiner Meinung nach steht jedenfalls das Thema der Unsicherheit und Unwissenheit im Zentrum. Es gibt ca. zur Mitte des Films eine Szene, in der ein Rabbi dem einen Sinn im Leben und einen Grund für seine Schicksalsschläge suchenden Larry eine Geschichte erzählt. Diese ist zwar grundsätzlich interessant, doch die Antwort auf die Frage, was das alles zu bedeuten hat, die Pointe, bleibt uns der Rabbi schuldig.

Eben diese Analogie lässt sich auch auf den Film als ganzes übertragen: Das Leben bietet uns – wie auch der Film – keine Antworten, sondern ist ein Strom der Unsicherheit, in dem wir ahnungslos dahintreiben. In eben diese Thematik greift auch ein weiteres großes Thema des Films: Die Religion. Larry wendet sich in seiner Verzweiflung an den Glauben, und vergisst dabei, dass dieser niemals Antworten bieten kann – denn wie heißt es so schön: "Glauben heißt nicht wissen." Ich bin leider mit dem jüdischen Glauben nicht allzu vertraut, fand es aber sehr interessant, diesbezüglich ein paar Einblicke gewinnen zu können. Zudem bin ich nicht die bibelfesteste Person, und auch wenn ich ein derartiges Vorwissen nicht unbedingt erforderlich halte, so hilft es bei der – möglichen – Interpretation des Films sicher, zumindest vom Buch Hiob schon einmal gehört zu haben, oder sich vor Sichtung des Films damit vertraut zu machen. Doch nicht nur Religion oder die Frage nach dem Sinn – oder Unsinn – des Lebens spielt bei "A Serious Man" eine große Rolle: In Anlehnung an den ständigen Wettstreit zwischen Glauben und Wissenschaft kommt auch der Physik große Bedeutung zu, allen voran dem Gedankenexperiment rund um Schrödingers Katze sowie den Begriffen der Dualität und Kausalität. Diese physikalischen Themen mögen auch für die Interpretation des Endes von entscheidender Bedeutung sein, doch auch das hängt wieder ganz von der eigenen Einstellung ab. Manche werden darin eine Strafe Gottes erkennen, die anderen es als Anwendung des Modells von Schrödingers Katze verstehen. Für mich ist dieser weitreichende Interpretationsspielraum, der sogar Jefferson Airplane's "Somebody to love" abdeckt, jedenfalls die größte Stärke des Films.

ImageZugleich sei aber auch festgehalten, dass "A Serious Man" definitiv kein Film für jeden ist. Vor allem das Ende, dass analog zur Thematik des Films sehr offen gehalten ist, und eher einen Abbruch denn einen Abschluss darstellt, wird viele vor den Kopf stoßen. Auch verlegen sich die Coen-Brüder diesmal möglicherweise etwas zu sehr darauf, ein Rätsel zu erzählen, und vernachlässigen dabei ein wenig ihre Figuren und die Handlung, und damit auch den Unterhaltungswert des Films. Zwar gibt es auch in "A Serious Man" einige herrlich skurrile Dialoge und Szenen, die kurzfristig für Unterhaltung sorgen und köstlich amüsieren können – allen voran die bekiffte Bar Mitzwa – aber wer sich ein Fest des schwarzen Humors wie in "Fargo" oder "Burn after Reading" erwartet, den wird dieser Film sicherlich enttäuschen. So wie das zugrundeliegende Thema rund um Schrödinger's Katze ist auch "A Serious Man" in erster Linie ein Gedankenexperiment, und weniger eine Geschichte. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, dürfte mit ihm viel Freude haben, alle anderen, die sich vielleicht einen konventionelleren Film erwartet haben, werden aber wohl verächtlich die Nase rümpfen…

Fazit: "A Serious Man" ist wohl der bisher schrägste, unkonventionellste und damit auch unzugänglichste Film der Coen-Brüder. Zwar gibt es auch hier wieder einige skurrile Figuren und Begebenheiten, dennoch ist der Film in erster Linie ein faszinierendes Gedankenexperiment rund um Religion, Physik und den Sinn – oder Unsinn – des Lebens. Wenn man gewillt ist, sich mit den verschiedenen Andeutungen und Interpretationsmöglichkeiten auseinander zu setzen, steckt genau darin die größte Stärke und der größte Reiz des Films. "A Serious Man" erzählt weniger eine Geschichte, als dass er ein Rätsel präsentiert, und zugegebenermaßen ist dieses Rätsel rund um den Film interessanter und unterhaltsamer als der Film an sich. Coen-Jünger sowie jene, die einer philosophischen Debatte nicht abgeneigt sind, sollten sich davon jedoch nicht abschrecken lassen…

Wertung:8 von 10 Punkten



Christian Siegel
(Bilder © Tobis)


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