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Wing Commander Drucken E-Mail
Belanglose, aber unterhaltsame SF-Action Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Dienstag, 23 Dezember 2008
 
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Wing Commander
(Wing Commander, USA 1999)
 
Wing Commander
Bewertung:
Studio/Verleih: Digital Anvil/20th Century Fox
Regie: Chris Roberts
Produzent: U.a. Joseph N. Cohen, Todd Moyer und Romain Schroeder
Drehbuch: Chris Roberts & Kevin Droney
Musik: Kevin Kiner
Kamera: Thierry Arbogast
Schnitt: Peter Davies
Genre: Science Fiction/Action
Kinostart (Deutschland): 23. Dezember 1999
Kinostart (USA): 12. März 1999
Laufzeit: 100 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Trailer: klick
Kaufen: DVD, Soundtrack, Roman zum Film
Mit: Freddie Prinze Jr., Matthew Lillard, Saffron Burrows, Tchéky Karyo, David Suchet, Jürgen Prochnow, David Warner u.a.


Kurzinhalt: ImageSeit einigen Jahren befindet sich die Menschheit im Kampf mit den Kilrathi, einer aggressiven, außerirdischen Spezies. Mit einem Überraschungsangriff gelingt es ihnen, eine Asteroidenbasis der Menschen zu erobern, die geheime Daten enthielt: Einen Sprungpunkt direkt in unser Sonnensystem. Die Kommunikation würde bis zur nächsten Flotte zu lange dauern, daher betraut man ein kleines Shuttle unter dem Kommando von Captain Taggart, dass gerade zwei Frischlinge von der Akademie, Christopher Blair und Todd "Maniac" Marhall, auf die Tiger Claw bringt. Sie sollen diese wichtige Information an den Captain der Tiger Claw weitergeben, auf dass dieser die Flotte rechtzeitig in Stellung bringt, um den Angriff der Kilrathi noch abfangen zu können...

Review: Noch lange bevor ich einen Computer mein eigen nannte, war ich riesiger Wing Commander-Fan – habe ich doch damals unzählige Stunden bei einem Freund verbracht, um mit ihm die spannende Handlung der ersten beiden Spiele zu verfolgen. Als ich dann endlich einen eigenen PC hatte, war "Wing Commander Academy" mein erstes gekauftes Spiel. Zwar ließ es viele Stärken der Spielereihe vermissen und war im Prinzip nur ein ausgefeilterer Missionssimulator, trotzdem habe ich damals unzählige Stunden damit verbracht, mich von Level zu Level zu arbeiten und immer schwerere Einsätze für mich zu basteln. Nachdem ich schließlich auch die ersten beiden Spiele der Reihe nachgeholt hatte, wartete ich sehnsüchtig auf "Wing Commander III", das ich bis heute für eines der besten Spiele aller Zeiten halte. Nie wieder konnte mich ein Spiel so packen, wie "Das Herz des Tigers" und die Fortsetzung "Der Preis der Freiheit"; ja nicht mal "Jedi Knight" oder "Half-Life", die ebenfalls herausragende Vertreter sind. Natürlich mochte ich auch immer schon Adventures sehr gerne – eine Leidenschaft die mich bis zum heutigen Tag nicht verlassen hat – aber die Wing Commander-Spiele waren was die Handlung betrifft, und wie diese geschickt mit dem Gameplay verknüpft wurden, eine Wucht, und meines Erachtens bis heute unübertroffen. Wing Commander war in vielen Bereichen Vorreiter – dem ausgefeilten Gameplay, der phantastischen Grafik, einer ausgeklügelten und packenden Handlung, der filmreifen Inszenierung, und später sogar mit hochwertigen FMV-Videosequenzen, für die Stars wie Mark Hamill, Tom Wilson, John Rhys-Davies und Malcolm McDowell verpflichtet werden konnten.

ImageAls großer Fan der PC-Spielereihe war ich im Kinojahr 1999 auf den Film "Wing Commander" fast genau so gespannt wie auf "Star Wars – Episode I". Beide diese Filme sollte ich letztendlich das erste Mal während meines USA-Aufenthaltes sehen: Den neuen Star Wars-Film im Kino, Wing Commander als Leih-Video. Und wie von der "Dunklen Bedrohung" so war ich auch vom "Wing Commander"-Film maßlos enttäuscht, nachdem ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Zu groß waren mir die Änderungen im Vergleich zu Spielereihe; keines der Raumschiffe sah so aus wie man es kennt, die Tiger's Claw hatte irgendwo auf ihrem Weg auf die Kinoleinwand ihr "s" verloren, und sogar die katzenartigen Kilrathi wurden für den Film kahlgeschoren. Auch dass jedes Wing Commander-Spiel seit dem 2. Teil "Vengeance of the Kilrathi" eine komplexere und ausgeklügeltere Handlung hatte als der Film, half nicht gerade. Das Tüpfelchen auf dem i waren dann logische Schwächen, wie z.B. jene Szene in der alle auf der Tiger Claw ganz still sein sollen damit die Kilrathi sie nicht aufspüren – im Weltraum, auf einem Mond oder Asteroid ohne Atmosphäre!

Allerdings ist in den darauffolgenden Wochen etwas passiert, dass bei mir nur sehr selten vorkommt: Der Film ließ mir keine Ruhe, und ich hatte mehr und mehr das Gefühl, dass ich ihm unrecht getan hätte. Denn trotz aller Schwächen und aller Änderungen zu den Computerspielen – er bot durchaus gute Unterhaltung. Und so kam es dann auch, dass "Wing Commander" nach "2001 – A Space Odyssey" die zweite DVD wurde (wie Kubrick's Meisterwerk als Import aus den USA), die ich mir zugelegt habe. Und als ich den Film mit etwas Abstand und bereits im Wissen, was mich erwartet, noch einmal gesehen habe, fiel mein Urteil schon deutlich positiver aus. Die Effekte sind, gerade in Anbetracht des Budgets, sensationell gut. "Wing Commander" ist bis heute einer der wenigen Filme, bei dem mich rein aus dem PC stammende Weltraumszenen (ohne jeglichen Einsatz von Modellen) wirklich überzeugen konnten. Lässt man die etwas misslungene Pilger-Storyline (dazu gleich mehr) mal weg, muss man zugeben: Die Story hat was. Mir gefällt die sehr harte Darstellung "If you die, you never existed", und wie Blair und Maniac dagegen ankämpfen. Auch die freundschaftliche Beziehung der beiden wurde meines Erachtens gut dargestellt. Und bei der Szene im Hangar (nachdem Maniac einen schweren Fehler gemacht hat) läuft es mir selbst beim x-ten sehen noch kalt den Rücken runter. Verantwortlich dafür ist u.a. auch der bombastische Soundtrack von Kevin Kiner, der einige eingängige musikalische Themen beinhaltet und neben den Actionszenen auch die ruhigeren Momente perfekt begleitet.

ImageDie Kampfszenen sind zwar rarer gesät, als man sich das von solch einer Spieleverfilmung erwarten würde, sind aber durchaus spektakulär und packend inszeniert. Was mir dabei auch gefällt ist, dass nicht sinnlos herumgeballert wird, sondern Taktik durchaus eine Rolle spielt – was leider wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist. Die Story an sich ist simpel, aber effektiv, und legt weniger wert auf Action, als man vielleicht denken mag (was für den einen oder anderen allerdings sicher wieder eher einen Nachteil darstellt). Natürlich haben alle PC-Spiele ab Teil 2 eine komplexere und ausgefeiltere Handlung geboten, was man dabei aber nie vergessen darf, ist dass so ein Spiel 20 Stunden oder mehr Zeit hat, um die Geschichte zu erzählen – insofern wäre es dem Film gegenüber unfair, sich ähnliches zu erwarten. Zudem wäre die Handlung ursprünglich doch noch etwas ausgeklügelter gewesen, da Chris Roberts eine – in den Spielen ebenfalls seit dem 2. Teil ein fixer Bestandteil – Verräter-Storyline eingebaut hätte (die auch schon gefilmt wurde und sich z.B. im Roman zum Film nachlesen lässt). Doch 20th Century Fox bestanden darauf, diesen Teil der Story zu kippen, um nicht über 90 Minuten Laufzeit zu kommen; zudem empfanden sie die Verräter-Handlung als zu anspruchsvoll für die Zielgruppe (hier bitte den größten augenrollenden Smiley des Internets herdenken).

Hätte Chris Roberts seinen Willen bekommen, würde das Urteil über die Handlung nicht nur schon mal deutlich positiver ausfallen, es hätte uns zudem den Logikfehler rund ums Pilgerkreuz erspart (denn im Film ist Blair's Kreuz von einer Szene auf die nächtse verschwunden, ohne Erklärung; im Drehbuch setzte er dieses im Kampf gegen den Verräter ein, und musste es dann auf dem Schiff der Kilrathi zurücklassen). Und wo wir schon bei Problemen des Films sind, für die Chris Roberst nicht das Geringste kann: Auch dass alle Raumschiffe so gänzlich anders aussehen, ist nicht auf seinen Mist gewachsen; aber Origin bzw. E.A. wollten die Designs nur gegen eine beachtliche Summe herausrücken – die 20th Century Fox halt einfach nicht zu zahlen bereit war. Und mittlerweile gefällt mir das etwas rauere, weniger elegante und darob auch deutlich realistischere Design aus dem Film eigentlich recht gut – insbesondere jenes der Rapiers. Nichtsdestotrotz kann man Chris Roberts natürlich nicht völlig freisprechen, immerhin gibt es doch auch einige Kritikpunkte, die allein ihm zuzuschreiben sind. Eine davon ist die Pilger-Storyline, die mich bis heute nicht wirklich überzeugen kann. Nicht nur, dass man von den Pilgern in den Spielen noch nie etwas gehört hatte, das ganze wurde von Roberts einfach so verkrampft gehandhabt und wirkt wie ein verzweifelter Versuch, um Tiefgang in den Film hineinzubringen, in dem man sich mit den Thema des Rassismus auseinandersetzt (wobei der Deutsche natürlich gleich wieder den Ober-Nazi mimen durfte). Auch die oben bereits erwähnte logische Schwäche rund um die Stille innerhalb des Raumschiffs ist einzig und allein auf seinen Wunsch zurückzuführen, "Das Boot" im Weltall zu machen – ein Anspruch, mit dem "Wing Commander" natürlich auf ganzer Linie scheitert.

ImageDann gibt es noch den einen oder anderen grauslichen Dialog, wie das "It's not faith, it's genetics", oder auch die in ihrer Harmlosigkeit absolut lächerliche Sex-(oder eher "after-Sex")szene. Wenn ich es nicht mal schaffe, dass sich die Schauspieler zumindest halb nackt im Bett räkeln und das Maximum dass ich herausholen kann Männlein und Weiblein in voller Fliegermontur sind, dann lasse ich es besser gleich bleiben. Die Chemie zwischen Blair und Angel ist nicht wirklich überzeugend, und generell ist das Casting eine durchwachsene Angelegenheit. Matthew Lillard und Saffron Burrows (in jener guten alten "Deep Blue Sea"-Tagen, als sie noch eine natürliche Schönheit war und ihr Gesicht nicht durch zu viele Korrekturen und Collagen-Spritzungen verunstaltet wurden) machen ihre Sache wirklich gut, und heben den Film allein durch ihre schauspielerische Leistung auf ein höheres Level. Jürgen Prochnow holt aus einer sehr klischeehaften Rolle das beste heraus, ohne zu glänzen. David Suchet und David Warner bekommen leider viel zu wenig zu tun. Und Freddie Prinze Jr. ist leider eine absolute Fehlbesetzung. Zugegeben, der Mann mit den zwei Gesichtszügen (normal und Dackelblick) war selten besser als hier, nichtsdestotrotz fehlt es ihm deutlich an Ausstrahlung und Charisma, und seine Darstellung kommt keine Sekunde an Mark Hamill aus den PC-Spielen heran. Schade, ein besserer Schauspieler hätte aus dieser Rolle – und damit dem gesamten Film – deutlich mehr herausgeholt!

Fazit: Alles in allem ist "Wing Commander" ein sehr unterhaltsamer Popcorn-Film mit einigen lobenswert-ernsten Untertönen, ein paar wirklich guten schauspielerischen Leistungen (Matthew Lillard & Saffron Burrows), und insbesondere in Anbetracht des geringen Budgets herausragenden Special Effects. Fans der Computerspiele sollten jedoch nicht den Fehler machen, sich eine ähnlich komplexe und packende Handlung zu erwarten wie aus den PC-Games, und müssen sich zudem wohl ein wenig an die mangelnde Interaktivität gewöhnen. Falls es einem dann auch noch gelingt, über die Änderungen in der Story und beim Design der Raumschiffe hinwegzusehen, sollte jedoch einem unterhaltsamen DVD-Abend nichts im Wege stehen – sofern man sich nicht mehr erwartet als man bekommt: Einen Weltraum-SF-Actioner mit akzeptabler Handlung, teils etwas verkrampften Dialogen und der einen oder anderen logischen Schwäche, aber mit gelungenen Special Effects und einigen packenden Actionszenen.

Wertung:7 von 10 Punkten


Christian Siegel
(Bilder © Warner Bros. Pictures)

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