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Per Anhalter durch die Galaxis Drucken E-Mail
Verfilmung des Klassikers von Douglas Adams Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Montag, 15 Dezember 2008
 
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Per Anhalter durch die Galaxis
(The Hitchhiker's Guide to the Galaxy, UK/USA 2005)
 
Per Anhalter durch die Galaxis
Bewertung:
Studio/Verleih: Touchstone Pictures
Regie: Garth Jennings
Produzenten: U.a. Jay Roach, Nick Goldsmith und Douglas Adams
Drehbuch: Douglas Adams und Karey Kirkpatrick, nach dem Roman von Douglas Adams
Musik: Joby Talbot
Kamera: Igor Jadue-Lillo
Schnitt: Niven Howie
Genre: Science Fiction/Komödie
Kino-Start (Deutschland): 09. Juni 2005
Kino-Start (USA): 29. April 2005
Laufzeit: 109 Minuten
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Trailer: klick
Kaufen: DVD, Soundtrack, Roman
Mit: Martin Freeman, Mos Def, Zooey Deschanel, Sam Rockwell, Stephen Fry, John Malkovich, Alan Rickman, Bill Nighy u.a.


Kurzinhalt: ImageDer unscheinbare Arthur Dent lebt in einer unscheinbaren englischen Kleinstadt ein unscheinbares Leben – bis zu jenem Tag, an dem dieses völlig aus den Fugen gerät. Es beginnt damit, dass er nachdem er aufgestanden ist eine Wagenkolonne Bagger vor seinem kleinen Häuschen findet. Ein Bauarbeiter erzählt ihm, dass sich sein Haus genau dort befindet, wo eine Autobahn-Umfahrungsstraße gebaut werden soll, deshalb wird es abgerissen. Arthur traut seinen Ohren nicht, und probt sogleich den passiven Widerstand, in dem er sich vor einen der Bagger legt. Dort wird er schon wenige Minuten später von seinem guten Freund Ford Prefect überrascht. Dieser schleift den widerwilligen Arthur ins nächstgelegene Pub, wo er ihm gar unglaubliches erzählt: Ford sei kein Mensch, sondern ein Außerirdischer – und damit nicht genug: Die Erde steht kurz vor der Vernichtung. Denn leider befindet sich unser Planet genau dort, wo eine Hyperraum-Umfahrungsstraße gebaut werden soll – deshalb wird er gesprengt. Tausende Raumkreuzer der Vogonen sind bereits unbemerkt in die Umlaufbahn eingedrungen – in wenigen Minuten wird alles vorbei sein.

Doch es gibt Hoffnung – zwar nicht für die Erde, aber immerhin für Arthur Dent. Denn kurz vor der Zerstörung der Erde wird er gemeinsam mit Ford vom Planeten geschafft – als blinde Passagiere an Bord eines der vogonischen Raumkreuzer. Das Problem dabei: Vogonen können Anhalter nicht ausstehen, und werfen diese über Bord, sobald sie sie entdecken; und wenn sie ganz schlecht aufgelegt sind, lesen sie einem vorher noch ein paar ihrer selbstgeschriebenen Gedichte vor. Es kommt, wie es kommen muss: Arthur und Ford werden geschnappt, und nachdem sie einer Kostprobe vogonischer Dichtkunst lauschen durften, werden sie ins All geworfen. Hilflos treiben sie einige Sekunden dahin, dann passiert das Unmögliche – oder zumindest Unwahrscheinliche: Genau in diesem Moment taucht plötzlich genau an diesem Ort ein Raumschiff auf, und nimmt sie an Bord. Es handelt sich dabei um die Herz aus Gold unter dem Kommando von Zaphod Beeblebrox, der nicht nur ein linkischer Betrüger, sondern auch der Präsident der Galaxis ist. Er und Ford sind schon lange miteinander befreundet – doch womit wirklich niemand gerechnet hat ist, dass auch Arthur an Bord des Raumschiffs auf jemanden trifft, den er bereits kennengelernt hat, nämlich die schöne Trillian. Gemeinsam macht man sich auf, um den Planeten Magrathea zu suchen – wo sie hoffen, die Frage auf die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest zu finden...

Review: ImageDouglas Adams Kultroman "Per Anhalter durch die Galaxis" und seine 4-1/2 Nachfolger besitzen unter Genrefans Kultstatus – und das zu Recht. Sein Roman strotzt nur so vor genialen Ideen, herrlicher Ironie und grandiosem Wortwitz, und vermag es von der ersten bis zur letzten Seite, den Leser ausgesprochen gut zu unterhalten. Über den Film kann man das leider nur bedingt sagen. Zwar gibt es viele herrliche und sehr amüsante Momente, doch diese stammen zu einem Großteil aus dem Roman, während die für den Film ersonnenen Gags und Wendungen oftmals recht flach fallen und selten die Genialität der Vorlage erreichen. Der Anfang ist allerdings wirklich gelungen: Der Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" erzählt uns von der Erde und den Delphinen, die zweitintelligenteste Lebensform auf dem Planeten (und nein, wir Menschen sind natürlich nicht die Nr. 1), die daraufhin das köstliche Lied "So long, and thanks for all the fish" trällern und die Meere in Richtung Galaxis verlassen – wissen sie doch schon, dass die Zerstörung der Erde unmittelbar bevorsteht. Wem dieser geniale Song bzw. die entsprechende Montage nicht einmal ein Schmunzeln entlockt, ist bei diesem Film definitiv falsch...

Auch danach bleiben Tempo und Witz vorerst auf hohem Niveau. Eine der besten für den Film erfundenen Gags ist die völlig überzogene Offenbarung von immer mehr und mehr Schiffen der Vogonen, begleitet vom typischen dramatischen Soundtrack; eine herrliche Parodie auf Filme wie z.B. "Independence Day", die wirklich bis auf die Spitze getrieben wird. Auch die Ankunft auf der Herz aus Gold ist noch recht interessant und amüsant; vor allem die seufzenden Türen, der deprimierte Marvin (der zumindest mein Herz im Sturm erobert hat) sowie der seeeehr euphorische Bordcomputer Eddie. Der depressive Roboter und der begeisterte Eddie sind für mich eine der größten Stärken des Films, die jede Szene deutlich aufwerten. Leider geht es mit dem Kurzbesuch bei Humma Kavula steil bergab, was den Unterhaltungswert betrifft. Da Douglas Adams am Drehbuch maßgeblich beteiligt war, weiß ich ja nicht mal, ob dieser Teil des Films nicht vielleicht ohnehin auf seinen Mist gewachsen ist – aber selbst wenn, es ist und bleibt ein ziemlicher humoristischer Rohrkrepierer, der sämtliches bis dahin aufgebautes Momentum im Keim erstickt; der Film scheint richtiggehend anzuhalten für diese kurze, völlig irrelevante Nebengeschichte, die es leider an Humor und Unterhaltungswert vermissen lässt. Das Geld, das John Malkovich und der Effekt mit seinen Roboterbeinen gekostet hat, hätte man nun wahrlich besser nutzen können.

ImageAuch der darauffolgende Ausflug zur Welt der Vogonen konnte mich nicht wirklich überzeugen. Zwar gibt es ein paar gelungene Einfälle, wie z.B. die Ideen-Klatscher oder auch die Formularflut zur Befreiung von Trillian (wobei der Amtsschimmel in einem der Asterix-Zeichentrickfilme bereits deutlich gelungener karikiert wurde), doch alles in allem ist der Teil auf dem Planeten einfach zu lang; hier kommt doch teilweise schon Langeweile auf, vor allem da deutlich wird, dass all diese Abzweigungen zu völlig neuen und extrem überflüssigen Geschichten nur dazu da sind, die Laufzeit des Films künstlich zu strecken. Zudem muss ich mir die Frage stellen, welchen Sinn es hat, eine Figur in eine lebensbedrohliche Situation zu bringen, wenn keine einzige Sekunde lang ein Zweifel daran besteht, dass diese der Gefahr im letzten Moment doch noch entkommen wird. Wollte man damit ernstlich Spannung erzeugen? War es als parodistisches Element, als ironische Überzeichnung ähnlicher Szenen aus anderen Filmen gedacht? Ganz egal, was die Motivation dahinter war, meines Erachtens hat es die gewollte Wirkung völlig verfehlt. Eine Wendung, die man sich getrost hätte sparen können...

Nach dieser etwas mühsamen halben Stunde dreht der Film dann wieder so richtig auf, sobald man endlich Magrathea erreicht hat. Interessanterweise ist auch genau das wieder der Moment, wo man vermehrt auf Material aus dem Roman zurückgreift – was wohl auch der Grund dafür sein dürfte, dass der Unterhaltungswert stark ansteigt. Viele Gags aus dem Roman sind großartig umgesetzt, wie die Raketen, der Blumentopf und der Wal (wo man mit "Hallo Grund!" sogar auf den Gag aus dem Roman nochmal eins draufgesetzt hat), oder die Geschichte des Planeten (inklusive der Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest). Auf Magrathea gibt es dann auch den einzigen ansatzweise emotionalen Moment des Films (der dafür um so gelungener ist und den Film gleich deutlich aufwertet), als Trillian die POV-Kanone (POV steht für "point of view") auf Zaphod richtet. Auch optisch gelingt es dem Film ab hier wieder, zu überzeugen – die Planetenfertigungshalle ist absolut umwerfend, und die Fertigstellung des Planeten "Erde 2.0" kann wieder mit einigen Gags aufwarten. Der Showdown ist dann zwar nicht ganz so spektakulär, wie man das vielleicht erwartet hätte, ist aber auch sehr unterhaltsam – und die Art und Weise, wie just Marvin den Tag rettet, finde ich einfach nur genial. Zum Schluss gibt es noch einen Wink auf eine mögliche Fortsetzung – die jedoch leider bis jetzt auf sich warten lässt.

ImageWas den ganzen Film über immer wieder für Lacher und Unterhaltung sorgt, sind die – wie im Roman – gelegentlich eingestreuten Lexikoneinträge im "Anhalter". Von einem einzigen Eintrag abgesehen, den ich schmerzlich vermisst habe (nämlich jenen zur Erde: "überwiegend harmlos"), hat man die wesentlichen und besten Auszüge aus diesem Reiseführer erfolgreich in den Film gerettet. Vor allem die einfallsreiche optische Präsentation der Einträge konnte mir dabei sehr gut gefallen. Auch den Soundtrack von Joby Talbot fand ich sehr gelungen, und Garth Jennings würzt seine Verfilmung doch mit dem einen oder anderen eindringlichen Bild (wie z.B. Arthur und Marvin, wie sie den Sonnenuntergang auf Magrathea beobachten). Die schauspielerischen Leistungen sind eine etwas durchwachsene Angelegenheit. Martin Freeman ist als Arthur wohl die Idealbesetzung, wird allerdings von einer überragenden Zooey Deschanel gnadenlos an die Wand gespielt. Mos Def schafft es dank einer energiegeladenen und bemühten Performance, nicht negativ aufzufallen – ganz im Gegensatz zu Sam Rockwell, der Zaphod Beeblebrox zu einer dümmlichen, völlig überzogenen Karikatur verkommen lässt. Der Zaphod Beeblebrox aus dem Film ist nicht cool, sondern dämlich, und nicht witzig, sondern nervtötend. Kein einziger seiner Gags hat bei mir gezündet. Ein absoluter Reinfall, an dem Garth Jennings allerdings mindestens genauso viel Schuld trägt wie Sam Rockwell...

Das Hauptproblem der Verfilmung von "Per Anhalter durch die Galaxis" liegt jedoch woanders. Es ist eine Schwäche, die aus dem Roman übernommen wurde, jedoch durch die völlig unnötigen Nebenhandlungen rund um Humma Kavula sowie den Kurzbesuch auf dem Planeten der Vogonen noch verstärkt wird: Dem Film fehlt eine klare erzählerische Linie, und ein alles umfassender Handlungsbogen. "Per Anhalter durch die Galaxis" ist Stückwerk – einzelne, voneinander fast unabhängige Episoden, die unmotiviert und ohne große Gedanken auf Dramatik und Logik zu verschwenden zusammengepappt wurden. Was in einem Roman noch kein Beinbruch ist, ist gerade für einen Film fatal. Hier möchte man halt nicht das Gefühl haben, einen Zusammenschnitt von kurzen TV-Episoden oder –Sketches zu sehen, sondern erwartet sich eine kohärente, sinnvolle Handlung. Last but not least: Die neu hinzugekommenen Gags können leider zum überwiegenden Teil nicht überzeugen, und jene, die aus dem Roman übernommen wurden, sind zwar amüsant; doch wenn man den Roman schon kennt halt nur mehr halb so lustig. Insgesamt ist man daher meines Erachtens besser beraten, sich das Buch zu kaufen und es zu lesen – und ev. nur als "Zusatzmaterial" den Film anzuschauen. Er ist nicht schlecht und setzt einige Gags sehr gut um, und bietet auch den einen oder anderen zusätzlichen Anreiz, aber alles in allem kommt er an die geniale Vorlage leider nicht heran...

Fazit: "Per Anhalter durch die Galaxis" ist ein amüsanter Film, als Verfilmung des grandiosen Klassikers jedoch schon eine kleine Enttäuschung. Viele Änderungen und Ergänzungen zur Handlung des Films fallen flach im Vergleich zum grandiosen Material aus dem Roman. Dafür ist letzteres zumeist wirklich gut umgesetzt, und immerhin, den einen oder anderen gelungenen neuen Gag gibt es durchaus. Trotzdem ist der Film immer dann am besten, wenn er Stellen aus dem Buch übernimmt - was ihm in meinen Augen zumindest teilweise an Daseinsberechtigung raubt. Das Hauptproblem des Films ist jedoch, dass jeglicher narrative Rahmen fehlt. "Per Anhalter durch die Galaxis" hangelt sich von Gag zu Gag, jedoch ohne diese in eine überzeugende Handlung zu packen; dadurch fühlt er sich mehr wie eine Sketch-Ansammlung à la "Switch" an denn wie eine Filmkomödie. Trotzdem, "Per Anhalter durch die Galaxis" gelingt es die meiste Zeit, recht gut zu unterhalten, er bietet einige wirklich grandiose Gags, und ist es durchaus wert, ihn sich anzuschauen - aber bitte erst, nachdem man Douglas Adams' phantastischen Roman gelesen hat.

Wertung:6 von 10 Punkten


Christian Siegel
(Bilder © United International Pictures)

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