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Southland Tales Drucken E-Mail
50% Frustration, 50% Faszination, 100% Originalität Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 13 Dezember 2008
 
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Southland Tales
(Southland Tales, USA 2006)
 
Southland Tales
Bewertung:
Studio/Verleih: United International Pictures
Regie: Richard Kelly
Produzenten: U.a. Bo Hyde<, Sean McKittrick und Matthew Rhodes
Drehbuch: Richard Kelly
Musik: Moby
Kamera: Steven Poste
Schnitt: Sam Bauer
Genre: Science Fiction
Kino-Start (Deutschland): -
Kino-Start (USA): 14. November 2007
Laufzeit: 145 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Trailer: klick
Kaufen: DVD, Steelbook (Doppelpack mit Donnie Darko)>, Prequel-Comic
Mit: Dwayne Johnson, Sean William Scott, Sarah Michelle Gellar, Christopher Lambert, John Jarroquette, Bai Ling, Curtis Armstrong u.a.


Kurzinhalt: ImageDer Schauspieler und Drehbuchautor Boxer Santaros taucht, nachdem er einige Tage verschollen war, plötzlich am Strand von L.A. wieder auf. Er kann sich nicht daran erinnern, was mit ihm passiert ist, aber er hat das beunruhigende Gefühl, dass die Apokalypse unmittelbar bevorsteht. Tatsächlich glaubt er, dass es sich genau so abspielen wird, wie in jenem Drehbuch, dass er gemeinsam mit seiner Freundin und Pornodarstellerin Krysta Now verfasst hat. Während er versucht, das Geheimnis rund um dieses beunruhigende Gefühl und seine verlorenen Tage zu lösen, hat seine Rückkehr Ereignisse ins Rollen gebracht, die genau auf jenes Ereignis hinzusteuern scheinen, dass Boxer mit allen Mitteln verhindern will: Das Ende der Welt...

Review: "Southland Tales" ist das, was man im englischen Sprachraum als "mess" (zu deutsch etwa "Schlamassel") bezeichnet. Kein durch und durch schlechter Film und mit einigen guten Aspekten... trotzdem kann das Gesamtergebnis nicht so recht überzeugen. Das Hauptproblem des Films ist, dass sich Kelly in seinen (zu) vielen Figuren und (zu) vielen Handlungssträngen verliert, und "Southland Tales" über weite Strecken einen erkennbaren narrativen und/oder dramaturgischen Faden vermissen lässt. Im Gegensatz zu "Donnie Darko", wo Kelly seine Zuschauer mit der Ankündigung vom Ende der Welt in 28 Tagen sofort am Haken hatte, ist uns zudem das Ziel diesmal lange Zeit unbekannt – und der Weg dorthin mit so vielen Seitenstraßen gepflastert, dass man leider des Öfteren das Interesse verliert. Und so plätschert die Handlung langsam und unmotiviert vor sich hin, wechselt von einem Schauplatz zum anderen, während man selber als relativ unbeteiligter Beobachter am Beifahrersitz hockt, ohne zu wissen, wo die Fahrt hingeht, und warum einen das überhaupt interessieren soll – und hat zudem oftmals den Eindruck, dass der Mann hinterm Lenkrad bei der letzten Kreuzung irgendwie falsch abgebogen ist.

ImageZugegeben, "Donnie Darko" war auch verwirrend, aber dort hat sich Kelly wenigstens auf eine faszinierende Handlung konzentriert (die einen ständig aufgefordert hat das Hirn einzuschalten und zu versuchen herauszufinden, was zum Teufel hier eigentlich vor sich geht) und Ablenkungen auf ein Minimum reduziert – und wenn er abgeschweift ist, diente das in erster Linie dazu, den Figuren mehr Tiefe zu verleihen. Doch bei "Southland Tales" möchte er einfach zu viele verschiedene und voneinander nahezu unabhängige Geschichten auf einmal erzählen, und das Ergebnis ist ein deutlich unbefriedigenderes Filmerlebnis als sein kongeniales Erstlingswerk. Dass – wenn man einigen Kommentaren im Internet zum Film glauben schenken darf – die vor der Kinoveröffentlichung erschienene Graphic Novel, die eine Art Prequel zum Film darstellt, essentiell für das Verständnis von eben diesem sein soll, hilft auch nicht gerade. Denn in der Tat kommt man sich vor allem zu Beginn von der Fülle an Figuren und parallel verlaufenden Handlungen nahezu erschlagen und überfordert vor.

Ein weiteres Problem von "Southland Tales" ist, dass dem Film jegliche Atmosphäre fehlt. Wo "Donnie Darko" – faszinierende Handlung hin oder her – allein aufgrund von Kelly's ungemein beklemmender Atmosphäre schon Spannung aufgebaut und einen förmlich an den TV-Schirm gefesselt hat, fehlt diese Stärke bei Kelly's neuestem Film leider – von einigen wenigen Szenen (insbesondere gegen Ende) mal abgesehen. Dadurch, dass der Film sich und seine Figuren nicht so recht ernst nimmt (dazu gleich mehr) entsteht irgendwie eine Distanz zum Zuschauer. Ich konnte einfach durch diese satirischen Elemente nicht mehr wirklich in die Handlung eintauchen und mitfiebern. Dadurch fehlt "Southland Tales" leider selbst beim wieder einmal sehr ausgeklügelten und auch recht dramatischen Ende jegliche emotionale Wirkung. Zudem ist "Southland Tales" für meinen Geschmack etwas zu skurril, surreal und satirisch überzeichnet; insbesondere alles rund um den Baron fand ich einfach nur grauenhaft. Last but not least verfehlten auch einige (wenn nicht gar die Mehrheit) der Gags bei mir ihre gewünschte Wirkung. All dies führt dazu, dass "Southland Tales" irgendwie unausgewogen und unausgegoren wirkt... so als hätte sich Richard Kelly nicht entscheiden können, was für eine Art Film er denn eigentlich abliefern will.

ImageTrotz all der Schwächen gibt es auch einige positive Aspekte, die es mich nicht nur nicht bereuen lassen, den Film gesehen zu haben, sondern mich sogar dazu animieren konnten, ihn mir für unter 10 Euro zuzulegen. Denn so verwirrend und zerfahren die Handlung auch sein mag, bietet sie doch viele faszinierende Aspekte, unzählige interessante Anspielungen und einige überspitzte Kommentare aufs aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen - insbesondere natürlich in den USA (wie z.B. die ständige Überwachung durch die völlig überforderte und ziellose Regierung). Die zahlreichen Figuren und unterschiedlichen Geschichten verleihen "Southland Tales" ein episches Gefühl. Egal was man vom Gesamtergebnis halten mag, aber dass sich Richard Kelly hier erneut als großer Visionär beweist, ist wohl unbestreitbar. Am besten gelungen ist wieder einmal das Ende. Sobald es Boxer gelungen ist, auf den Zeppelin zu kommen, gewinnt der Film deutlich an Tempo, und man merkt, dass alles jetzt auf das Finale hinsteuert – wodurch Spannung und Dramatik stark ansteigen. Das eigentliche Ende bietet dann durchaus wieder Raum für Interpretationen, wenn es auch weniger offen ist und einen klareren Abschluss darstellt, als bei "Donnie Darko".

Um zum letzten Mal den Vergleich mit Richard Kelly's genialem Erstlingswerk zu bemühen: Das Casting ist bei "Southland Tales" zwar nicht so gelungen, weist allerdings einige interessante Entscheidungen auf, die mich im Endeffekt besser überzeugen konnten als ich das erwartet hatte. Insbesondere Dwayne Johnson darf hier endlich mal schauspielern, nachdem er in seinen bisherigen Rollen nicht viel mehr zu tun hatte als sich – abwechselnd mit und ohne Holzlatte – durch eine Gruppe böser Buben zu prügeln. Ich will nicht behaupten, dass seine Darstellung perfekt ist und kein anderer Schauspieler die Rolle besser hätte hinbekommen können (wie bei Jake Gyllenhaal in Don... ok ok, ich hör ja eh schon auf), aber bis auf seine Mr. Burns-Parodie (das ständige Bewegen der Finger, das mit der Zeit wirklich irritiert) wäre mir seine Leistung nicht negativ aufgefallen. Wirklich positiv überrascht war ich von Sean William Scott, den ich eine derartig überzeugende Performance in solch einer Rolle nicht zugetraut hätte. Sarah Michelle Gellar machte ihre Sache ebenfalls gut, wie auch der Rest der Besetzung, die einige bekannte Gesichter aufweist (wie z.B. den einzig wahren "Highlander" Christopher Lambert oder auch Justin Timberlake, der sich ebenfalls erstaunlich gut schlägt). Die größte Stärke von "Southland Tales" ist aber Richard Kelly's stilvolle Inszenierung. Man mag vom Rest des Films halten was man will, aber die Bilder, die er uns hier teilweise präsentiert, sind – vor allem in Anbetracht des mageren Budgets – wieder einmal sehr beeindruckend.

Fazit: Das Hauptproblem an "Southland Tales" ist, dass es ihm nicht gelingt, die vielen verschiedenen Figuren und Handlungen zu einem stimmigen Ganzen zu vereinen. Kelly scheint sich in dieser von ihm geschaffenen düster-skurrilen Zukunftsvision förmlich zu verlieren, und vergisst völlig auf einen erzählerischen roten Faden, der alle einzelnen Geschichten logisch und klar erkennbar miteinander verbindet. Erst gegen Ende gewinnt der Film deutlich an Tempo und Spannung – doch bis dahin dürfte er leider schon viele Zuschauer verloren haben. Vor allem die starke satirische Überzeichnung macht eine Identifikation mit den Figuren fast unmöglich, was sich insbesondere beim zwar dramatischen, aber unverzeihlich unemotionalen Finale rächt. Nichtsdestotrotz weist Richard Kelly's zweiter Film einige faszinierende Elemente auf, und vor allem die Optik kann wieder einmal völlig überzeugen. "Southland Tales" mag ein erzählerischer "mess" sein – aber er ist zumindest ein schön anzusehender, ungemein origineller und stellenweise wirklich faszinierender Schlamassel. Und das ist deutlich mehr, als man über einige andere Filme sagen kann...

Wertung:5 von 10 Punkten


Christian Siegel
(Bilder © United International Pictures)

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