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Brügge sehen... und sterben? Drucken E-Mail
Krimikomödie aus Belgien Kategorie: Filme - Autor: Jenny Schuh - Datum: Montag, 13 Oktober 2008
 

Brügge sehen... und sterben?
Brügge sehen... und sterben?
(In Bruges, UK/Belgien 2008)
 
Studio/Verleih: Blueprint Pictures
Regie: Martin McDonagh
Produzenten: U.a. Jeff Abberley, Julia Blackman und Tessa Ross
Drehbuch: Martin McDonagh
Musik: Carter Burwell
Kamera: Eigil Bryld
Schnitt: Jon Gregory
Genre: Drama, Komödie, Thriller
Kino-Start (Deutschland): 15. Mai 2008
Kino-Start (USA): 17. Januar 2008
Laufzeit: 105 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Homepage: klick
Kaufen: DVD
Mit: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy u.a.


Kurzinhalt: Nachdem der erste Auftrag des irischen Killers Ray nicht so verlaufen ist wie vorgesehen wird dieser, zusammen mit einem Partner Ken, von Irland nach Brügge geschickt. In der malerischen belgischen Stadt soll er vor etwaigen Schwierigkeiten geschützt sein, sowie den Anruf des Boss ab warten. Der Film setzt sich mit der Stadt Brügge auseinander, und wie die Protagonisten sie erleben. Damit was bei dem Auftrag falsch lief, sowie die Auswirkungen auf Ray sowie, natürlich, den Anruf des Boss.

Review: Ich habe den Film in Belgien, auf englisch, gesehen und war sehr positiv überrascht. Obwohl ich nach den Trailern einen, im Stil, anderen Film erwartete. So ist "In Bruges" weder eine reine Komödie noch ein, gar moderner, Actionfilm - obwohl Elemente aus beiden vorhanden sind - sondern ein gutes Stück weit ein (Charakter-)Drama. Dementsprechend wichtig war die schauspielerische Leistung und die Art und Weise wie die Figuren geschrieben sind. Absolut herausragend fand ich die Leistung von Brenden Gleeson. Die Ruhe, die Prinzipien und die Art wie die Figur handelt war absolut überzeugend dargestellt. Selten konnte mich ein, gerade solch derart ruhiger, Charakter allein derart vereinnahmen, für sich interessieren ohne das es kitschig wurde oder übertrieben.

ImageAuch Colin Farell meistert seine Rolle sehr überzeugend. Die Zerrissenheit bringt er ebenso glaubhaft rüber wie Verzweiflung; die Versuche der Figur zu leben, die irische Schnauze, die Einstellung gegenüber Belgien und Brügge, ist einfach interessant anzusehen. Auch wenn es thematisch vielleicht etwas hart im Magen liegt, wenn man erwartet eine Slapstick Komödie oder einen reinen Actionfilm zu sehen. Auch die weiteren Rollen fügen sich stimmig in die Geschichte ein und sind gut dargestellt. Die Dramaturgie ist gelungen. Die Geschichte nimmt sich viel Zeit eine stimmige Atmosphäre zu entwickeln und entwickelt zum Ende hin einen unglaublichen Sog der einen packt und kaum mehr los lässt. Obwohl es viele Möglichkeiten zum Kitsch gab wurde dieser vermieden. Die Handlung selbst ist glaubwürdig aufgebaut.

Zutiefst fasziniert, beeindruckt hat mich der Film in seiner Art und Weise wie er Brügge, und damit Belgien, darstellt und dabei weder etwas vergisst, noch weit daneben greift. Da ist, zuerst einmal, die "belgische-Art", mit welcher der Film seine Geschichte erzählt. Nicht nur das der Film eher ein Charakter Drama ist, als ein Action Film oder eine Komödie, sondern auch die Art und Weise WIE er erzählt ist, die Film-Einstellungen, das Tempo, der Humor sowie der Wechsel zu ernsten Szenen, die Kombination mehr oder weniger amüsanter Szenen mit todernsten Themen wirken in sich sehr belgisch. Selbst die Actionszenen wirkten eben gerade so wie man in Belgien eine Actionszene erwarten würde. Bemerkenswert ist dabei das zwar ab und an, beim Film, der Verdacht erweckt an den Dritten Mann angelehnt zu sein, aber im richtigen Moment die Selbständigkeit hervorkommt und er eine eigene Atmosphäre erschafft. Makaber, aber nicht wienerisch makaber. Humorvoll aber weder rein irisch noch Schenkelklopfer noch Kabarett. Dunkel ohne wie Venedig oder die Wiener Kanalisation zu wirken. Ruhig ohne ins joviale abzutrifften. Absolut empfehlenswert.

ImageDa wäre ferner die Lebensweise. Erstaunlicherweise wirkt der von Brenden Gleeson verkörperte Ire in der Darstellung eher belgisch als irisch. Die ruhig, nicht unbedingt fröhliche aber ebensowenig depressive Art wie der Charakter agiert, das er Kanten besitzt und dennoch erstaunlich wenig, selten aneckt bringt, meiner Meinung nach, anschaulich rüber wie normale Belgier oftmals auf Ausländer - zumindest mich - wirken.Auch die weiteren Nebenfiguren, wie Marie, wirken nicht nur im Rahmen ihrer Rolle glaubhaft, als auch in Bezug auf das Land. Lediglich Chloe wirkt... weniger nicht-belgisch, als zumindest etwas außerhalb des traditionell-flämischen Bildes eines Begier. Auch bei die Szene mit den Drogen ist in der Form nicht passend und etwas das wenn, vielleicht, eher zu den Niederlanden passen könnte. Die Straßenkultur bzw. das Umfeld ist jedoch glaubhaft. Einerseits stimmt die Kleidung, Ausstattung von Akteuren wie z.B. Polizisten, andererseits ist sowohl die Reaktion von Menschenmassen als auch die Atmosphäre in den gezeigten Bars und Cafes sehr gut getroffen.

Ein weiterer, großer Aspekt in dem der Film punktet ist wie er es schafft Belgien zu zeigen. Zumal ich zunächst die Befürchtung hatte, dass es zum Bauwerk-Angeben kommt, als auch das der Film ggf. zu sehr wie Wien, bei "Der dritte Mann", wirkt. Beide Bedenken wurde auf beeindruckende Art und Weise zerstreut. Angefangen von der bereits erwähnten Darstellung der Cafes, sowie der Bar, die Einrichtung der Wohnungen bishin zu den Kamerafahrten durch die Strassen, die Geschäfte und Bauten war es typisch belgisch. Als jemand der nicht in Belgien war, könnte man meinen oder annehmen, das es sich um eine geschickte Inszenierung handelt und man die Bauwerke extra beleuchtete oder das es daran liegt das es in Brügge gedreht wurde auf das dieser leicht drückende Flair entsteht; - Dem ist jedoch nicht so. Im großen und ganzen sieht Belgien tatsächlich so aus.

ImageMan hat diese Häuser mit den roten Backsteinen, die mal irgendwann vor ein paar Jahrhunderten furchtbar in Mode gewesen sein müssen, und dafür sorgen das man in belgischen Städten u.U. Assoziationen zu Eifeldörfern bekommt. Man hat eine wirklich riesige, unglaublich hohe, Anhäufung sehr, sehr vieler Kirchen, Figuren, Backstein gepflasterten Plätzen, beeindruckenden Bauwerken. Man hat die modereneren Cafes, Geschäfte, das moderne Leben das sich ganz natürlich ein zufügen vermag. Die Bauwerke werden tatsächlich so angestrahlt, selbst eher unwichtige. Auch wenn es Stellen in belgischen Städten gibt die maroder wirken oder den Eindruck von Bausünden erwecken, stimmt der allgemeine Eindruck. Der Film verfällt, positiver Weise, nicht der Versuchung sich zu sehr mit den Bauwerken Brügges hervorzutun, es mag zwar nach viel aussehen, ist jedoch im Rahmen dessen was man auch in anderen Städten findet.

Was die Sprachfassung betrifft ist die englische Version durchaus zu empfehlen. Zwar sprechen die beiden Hauptfiguren mit einem starken irischen Einschlag, aber es bleibt noch im Rahmen dessen was man mit durchnittlich guten Englischlenntnissen verstehen kann. Mehr noch wirkt die Redensweise, auch wenn es etwas derb ist, auf ihre eigene Art liebenswert. Die nicht irischen Charaktere sprechen normales, soweit ich beurteilen kann akzentfreies, Englisch. Wer, angesichts der Tatsache das der Film in Brügge spielt, auf Szenen hofft in denen flämisch gesprochen wird, wird enttäuscht werden. Wobei es nicht aufgesetzt wirkt und, nach meiner Erfahrung in Belgien, durchaus realistisch ist. Amüsant sticht in der englischen Fassung ein deutschsprachiges Lied hervor.

Fazit: Absolut empfehlenswert! Voraussetzung ist lediglich ein bisschen Liebe zu Belgien und etwas Ruhe... dann funktioniert der Film selbst wenn man, wie ich, mit Charakterdramen mit Crime Einschlag eher weniger anfangen kann. Die anfallenden Kritikpunkte sind im Vergleich zum sehr guten Gesamtergebnis marginal.

Jenny Schuh
(Bilder © Focus Features)

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