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Queen - the cosmos rocks Drucken E-Mail
Das erste Studioalbum von Queen + Paul Rodgers Kategorie: Audio - Autor: Christian Siegel - Datum: Dienstag, 23 September 2008
 
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Titel: "the cosmos rocks"
Interpreten: Queen+ Paul Rodgers
Bewertung:
Label: Emi Records
Veröffentlicht: 15. September 2008
Länge: ca. 59 Minuten
Kaufen: CD, Limited Edition
 

Titelverzeichnis:
01. Cosmos Rockin' (4:11) 08. Voodoo (0:45)
02. Time to Shine (4:23) 09. Some Things That Glitter (4:02)
03. Still Burnin'  (4:03) 10. C-Lebrity  (3:38)
04. Small  (4:39) 11. Through the Night  (4:53)
05. Warboys  (3:18) 12. Say It's Not True  (4:01)
06. We Believe  (6:07) 13. Surf's Up... School's Out!  (5:55)
07. Call Me  (2:58) 14. small reprise  (2:05)

Einleitung: Mit meinen 28 Jahren zähle ich nun nicht gerade zu den Queen-Fans erster Stunde, doch bereits in meiner Kindheit habe ich meine musikalische Liebe zu dieser britischen Rockband entdeckt - die mich seither auch nicht mehr losgelassen hat. Zwar war es mir leider nicht vergönnt, sie jemals in ihrer Originalbesetzung live zu erleben (immerhin habe ich 2006 die Gelegenheit genutzt, mir zumindest mit Paul Rodgers mal ein Queen-Konzert anzuschauen und einige der bekannten Hits live zu hören), dennoch übte ihre Musik auf mich schon immer eine besondere Faszination aus. Ich besitze so ziemlich alle Alben, die man käuflich erwerben kann, sowie auch zahlreiche Live-DVD's und -Videos. Nichtsdestotrotz - oder gerade deshalb? - war ich skeptisch, als man angekündigt hat, mit Paul Rodgers ein neues Album aufzunehmen. Damals wie heute denke ich, dass es besser gewesen wäre, sich für das Album mit vielen verschiedenen Künstlern zusammen zu tun - ähnlich wie das Ray Charles für seine beiden "Genius-"Alben getan hat - und so den Eindruck zu vermeiden, Paul Rodgers würde Freddie Mercury ersetzen.

Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich - insbesondere in den letzten Tagen vor der Veröffentlichung - mindestens so neugierig wie skeptisch war, was "The Cosmos Rocks" betrifft. Immerhin war das Album ja nun nicht gerade ein Schnellschuss, sondern man hat sich ausreichend Zeit genommen, um insgesamt 14 neue Tracks aufzunehmen. Und so habe ich dann auch nicht lange gefackelt und gleich nachdem die CD - vor genau einer Woche - bei mir ankam sie in den CD-Player gelegt, und mir zudem vorgenommen ein Review zu schreiben. Einerseits ist die Audio-Sektion ohnehin unterrepräsentiert, und andererseits bietet sich mit dem Titel "The Cosmos Rocks" eine ausreichende Ausrede, warum ein Review zu diesem Album auf der "fictionBOX" nicht gänzlich fehl am Platz ist ;-). Außerdem... was wäre das Leben ohne einen gelegentlichen Blick über den Tellerrand? Hier also nun das Review eines langjährigen und treuen Queen-Fans zum ersten Studioalbum der Band seit "Made in Heaven" 1995:

Review: Der Beginn des ersten Tracks macht es dem Queen-Fan nicht gerade leicht, hoffnungsfroh auf den Rest der CD zu blicken. Irgendwelche pseudopsychedelische-Synthesizertöne und eine komische Stimme, die "Let there be rock" verkündet, und man ertappt sich schon dabei auf den "Eject"-Schalter zu starren. Das eigentliche Lied, das danach folgt, ist zwar sehr rockig und bleibt als solches den Wurzeln der Band treu, aber der Text ist einfach nur... puh. Sagen wir mal, auch der Rest des Songs trägt nicht viel dazu bei die Unsicherheit und die Besorgnis des Queen-Fans zu zerstreuen – zumal man ganz einfach beim ersten Hören auch ein paar Tracks braucht, um sich an Paul Rodgers Stimme zu gewöhnen. Bei "Time to Shine" ist diese dann so übermächtig, dass es erst recht schwer fällt sich in Erinnerung zu rufen, dass das ja ein Queen-Album ist. Auch Melodie und Text sind jetzt nicht gerade der Knüller – ein Lied, dass ich zwar als "hörbar" einstufen würde, aber vor allem Rodgers Gesäusele im Refrain lässt einen zum Rock-Gott beten, er möge doch Freddie Mercury wieder Auferstehen lassen.

Nach diesen zwei wenig überzeugenden Titeln wirkt "Still Burnin'" fast wie ein verzweifelter Hilfeschrei, mit dem uns die Altrocker versichern wollen dass sie es ja doch immer noch draufhaben – wobei man es zu diesem Zeitpunkt schon mehr als Entschuldigung für das neue Album auffasst, so quasi "Tut uns leid, wir konnten nicht anders". Dass man für diesen Song dann sogar den Klassiker "We will rock you" wieder aufwärmt, zeugt von Ideenlosigkeit und grenzt an Verzweiflung – wenn es sich auch auf der Tour, falls man tatsächlich von "Still burnin'" zu diesem Rockklassiker übergehen sollte, recht gut machen könnte. Sicherlich ist es schön, diese klassische Hymne wieder zu hören und in einem neuen Lied eingebettet zu sehen, aber irgendwie kommen einem zu diesen Zeitpunkt schon Zweifel, ob Queen denn auch dann noch neue, gute Lieder zustande bekommen, wenn man sich dafür nicht an einem ihrer Klassiker bedient – wenn auch "Still Burnin'" im Vergleich zu den ersten Liedern schon ein klarer Schritt in die richtige Richtung war.

Just zu diesem Zeitpunkt, als alle Hoffnung auf eine gelungene Rückkehr einer der besten Rockbands aller Zeiten langsam verfliegt, gibt es mit "Small" entgegen des Titels kein kleines, sondern eines der (wenigen) großen Highlights des Albums zu hören. Wie so oft in ihrer späteren Epoche zeigen Queen ihre Stärke vor allem für etwas langsamere, ruhigere Titel, und irgendwie ist es wohl auch bezeichnend dass gerade das erste Lied, dass nicht verzweifelt versucht an alte Rock-Erfolge anzuschließen sondern eine neue Richtung einschlägt, auch das erste ist dass mir so richtig gefallen konnte. Irgendwie fällt hier auch Paul Rodgers Stimme kaum mehr negativ auf – entweder hat man sich zu diesem Zeitpunkt schon daran gewöhnt oder es liegt einfach daran, dass "Small" nicht so Queen-typisch ist und man daher einen anderen Sänger als Freddie auch leichter verkraften kann.

Da werden die Ohren gerade noch mit einem wunderschönen und wirklich gelungenen Song verwöhnt, und schon gibt es mit "Warboys" wieder die Trendumkehr auf das Niveau der ersten zwei Lieder. Viel zu verkrampft versucht man hier, einen politischen Song mit Message an den Mann zu bringen, was leider – auch wenn der Song von der Komposition her noch am ehesten an Queens Frühzeit erinnert – ziemlich in die Hose geht. "We believe" klingt wie ein Werbesong für Barrack Obama und erinnert mehr an solche Weltverbesserungshymnen wie "We are the World" oder auch "Heal the World" – nur halt ausnahmsweise ohne "World" im Titel (wenn auch im Text). Es ist sicherlich kein schlechtes Lied, hat eine gute Melodie und einen guten Rhythmus, auch Rodgers Stimme passt hier wieder besser, aber der Text ist halt dann doch etwas übertrieben kitschig geraten – was Queen früher nicht nötig hatte, wie der thematisch ähnlich anklagende Song "Is this the world we created...?" beweist.

"Call me" war dann für mich der größte Reinfall des Albums. Trotz mehrmaliger Versuche habe ich es aufgrund des bescheuerten, sich ständig wiederholenden Textes bisher nicht geschafft, ihn mir komplett anzuhören – spätestens nach der ersten Minute war Schluss. "Voodoo" ist zwar bei weitem nicht so schlimm, jedoch ziemlich langweilig, und kommt wie so einige andere Tracks des Albums nicht über das Prädikat "hörbar" hinaus. Danach geht es aber endlich wieder aufwärts: "Some Things That Glitter" hat einen schönen Text, eine eingängige Melodie, und ist von Paul Rodgers gut gesungen. Ich würde ihn zwar nicht als absoluten Hit einstufen, aber es ist schon ein ziemlich gutes Lied. Bei "C-Lebrity" fällt mir ein endgültiges Urteil schwer. Der Song rockt herrlich, der Text und auch der zweideutige Titel richten sich durchaus kritisch an selbsternannte Berühmtheiten wie Paris Hilton und Konsorten, von daher kann mir die Message durchaus gefallen. Nur der Refrain reißt mich irgendwie nicht so recht vom Hocker. Für "Through the Night" gilt das zu "Some Things That Glitter" gesagte, wenn er mir auch – wieder aufgrund des nicht ganz gelungenen Refrains – eine Spur schlechter gefällt.

Gefolgt wird er von DER Überraschung des Albums, zumindest meiner Ansicht nach, nämlich einer Neuinterpretation von "Say it's not true". Dieser Queen-Song wurde für das Benefiz-Konzert "46664", welches zu Ehren Nelson Mandelas abgehalten wurde und vor allem dazu diente, in Afrika das Bewusstsein für Aids zu schüren, komponiert und dort auch das erste Mal vorgetragen, konnte mir allerdings nicht wirklich gefallen. Auch beim Wien-Konzert von "Queen +PR" 2006 wurde "Say it's not true" gesungen, und auch diese Performance tat nichts, um mich von meiner eher kritischen Haltung abzubringen. Insofern hatte ich nicht die geringsten Erwartungen an dieses Lied, und wurde regelrecht überwältigt. Ich finde es unglaublich was man aus diesem bisher wenig beeindruckenden und sehr unscheinbaren Song gemacht hat. In seinem neuen Arrangement, gesungen abwechselnd von Roger Taylor, Brian May und Paul Rodgers, ist er das absolute, unangefochtene Highlight von "The Cosmos Rocks" – und der einzige Track auf dem Album, bei dem die alte Genialität von Queen durchblitzt. Ein Lied in bester Tradition der Band, und – leider – das Einzige wo man das Gefühl hat, dass man dort nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herz dabei war.

"Surf's Up – Schools Out!" ist dann leider wieder ein eher durchwachsener Song. Die Komposition an sich, das Arrangement, die Melodie... das alles weiß zu gefallen, nur mit dem Text tu ich mir wieder einmal schwer. Gut aber, dass "Surf's Up – Schools Out!" am Ende in das letzte Lied übergeht, einen wirklich gelungene Ausklang des Albums: "small reprise" bietet, wie der Name schon andeutet, eine kurze Replik des zweitbesten Liedes von "The Cosmos Rocks", "Small", und lässt das Album – wie man das so ähnlich auch schon bei "Made in Heaven" gemacht hat – auf stille und gelungene Art und Weise ausklingen. Abschließend kann man festhalten, dass "The Cosmos Rocks" eine weitere – aber ganz bestimmt nicht die erste – Wiedergeburt der Band darstellt, die sich hier wieder einmal neu erfindet. Wo es früher vor allem ein Schwenk zwischen verschiedensten Musikrichtungen war, so fällt der Bruch diesmal vor allem durch den neuen Sänger auf, während man bei der Musik eine gelungene Mischung aus altbekanntem – und angenehm rockigen Liedern – und auch neuen Elementen findet. Brian Mays Gitarrensolos tragen viel dazu bei, dass trotz der neuen Stimme das Gefühl Queen zu hören nicht gänzlich flöten geht. Trotzdem ist Queen ohne Freddie Mercury einfach ungewohnt – und um dem langjährigen Fan über diesen Bruch hinwegzuhelfen, hätte es ruhig ein besseres Album mit deutlich mehr Highlights sein dürfen...

Fazit: Hauptproblem von "The Cosmos Rocks" ist, dass es sich trotz Brian Mays unverkennbarem Gitarreneinsatz einfach nicht mehr so recht wie Queen anhört. Paul Rodgers ist kein schlechter Sänger und er tut sein bestes, um in Freddie Mercury's Fußstapfen zu treten, diese sind ihm allerdings nicht nur 2 Nummern zu groß. Bei einigen Liedern passt seine Stimme ganz gut, bei anderen fällt sie unangenehm auf. Vor allem fehlt es ihr jedoch an Unverwechselbarkeit. Dank einiger Highlights wie "Small", "Some Things that Glitter", dem rockigen "C-Lebrity" und dem Neuarrangement von "Say it's not true" zwar sicherlich kein Reinfall, dürfte "The Cosmos Rocks" wohl mehr Befürchtungen denn Erwartungen von Queen-Fans erfüllen, selbst wenn die CD objektiv betrachtet doch auch das eine oder andere bisherige Queen-Album hinter sich lässt. Alles in allem eine solide, aber sicherlich keine glorreiche Rückkehr einer der besten Rockbands aller Zeiten – und als solche angesichts der langen Wartezeit schon eine Enttäuschung.

Wertung:2.5/5 bzw. 5/10

Christian Siegel






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