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Literaturverfilmung über Schuld und Sühne Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Montag, 18 Februar 2008
 

Abbitte
Abbitte
(Atonement, England/Frankreich 2007)
 
Studio/Verleih: Universal Pictures International
Regie: Joe Wright
Produzenten: U.a. Liza Chasin, Richard Eyre, Robert Fox und Brad Pitt
Drehbuch: Christopher Hampton, nach dem Roman von Ian McEwan
Musik: Dario Marianelli
Kamera: Seamus McGarvey
Genre: Drama
Kino-Start (Deutschland): 08. November 2007
Kino-Start (USA): 04. Januar 2008
Laufzeit: 130 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Homepage: klick
Trailer: klick
Film kaufen: DVD
Mit: Keira Knightley, James McAvoy, Romola Garai, Saoirse Ronan, Vanessa Redgrave u.a.


Kurzinhalt: ImageDie 13-jährige Briony lebt in der Mitte der 30er Jahre ein behütetes Leben in einer wohlbetuchten englischen Familie. Als sie ihre Schwester mit ihrem Schwarm, dem Gärtner Robbie Turner, beobachtet, und kurz darauf zudem einen sehr anrüchigen Brief der für ihre Schwester bestimmt ist liest, gerät ihr unschuldiges Weltbild ins Wanken. Als kurz darauf ein junges Mädchen auf dem Anwesen vergewaltigt wird, führen Unerfahrenheit, Naivität und Eifersucht schließlich dazu, dass sich Briony sicher ist, dass Robbie für diese schreckliche Tat verantwortlich ist – und ihn, obwohl sie sich nicht sicher sein kann, genau dessen beschuldigt und auch aussagt, ihn gesehen zu haben. Erst Jahre später erkennt sie ihren Fehler, und hofft sich mit ihrer Schwester versöhnen zu können. Diese arbeitet mittlerweile als Krankenschwester in einem Londoner Kriegslazarett und erwartet schon sehnsüchtig die Rückkehr von Robbie, der sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hat, um so eine Begnadigung zu erhalten und danach endlich in Frieden mit seiner geliebten Cecilia Leben zu können...

Review: Ich konnte mit Theater noch nie viel anfangen. Was mir an Filmen so gefällt, ist dass sie – wenn es nicht gerade Actionfilme sind – realer sind als eine Theateraufführung, wo ich automatisch immer Schauspieler und das sehr eingeschränkte Set sehe. Alles wirkt künstlich und verhindert, dass ich so richtig in die Handlung eintauchen kann. Was mir an Romanen so gefällt, ist die Möglichkeit, die Bilder zur Geschichte im Kopf entstehen zu lassen. Romane regen meine Phantasie an und lassen quasi einen "Film" in meinem Kopf entstehen. Theater ist eine Mischform aus den beiden, und irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Es lässt einerseits nicht genug offen, um mich meine eigenen Bilder im Kopf entstehen zu lassen, und ist andererseits zu künstlich, als dass ich die Handlung als real akzeptieren und mich sonderlich hineinversetzen könnte.

ImageWas dieser Diskurs über meine Theaterabneigung mit "Abbitte" zu tun hat? Ganz einfach: "Abbitte" wirkte auf mich stellenweise mehr wie eine Theateraufführung denn ein Film. Diese angesprochene Künstlichkeit war auch während dieser Literaturverfilmung immer wieder präsent, sei es in den Dialogen, den Figuren, teilweise auch den Sets... es viel mir manchmal wirklich schwer, die Geschehnisse als real anzusehen – insbesondere im 1. Teil, der auf dem englischen Anwesen spielt. Das Ergebnis davon ist die Todsünde eines jeden Dramas: Es konnte mich nicht im geringsten berühren. Erschwerend kommt nun noch hinzu, dass sich die Handlung vor allem im 1. Teil einige Exkurse gönnt, die wenig bis gar nichts mit dem Hauptteil der Story zu tun haben, und leider auch nicht dazu beitragen, die Figuren genauer vorzustellen. Und so wirken die entsprechende Momente höchst entbehrlich und halten den Erzählfluss des Films nur unnötig auf, was bei mir doch gelegentlich für Langeweile sorgte.

Ein weiteres wesentliches Problem ist Briony. Durch die Zeitsprünge (dazu gleich mehr) versucht man zwar, verständlich zu machen, wie sie letztendlich zum Schluss kommt, dass Robbie der Vergewaltiger sei, doch wirklich nachvollziehen konnte ich das nicht – vor allem, da der eigentliche Täter so verdächtig war, dass selbst bei einem 13-jährigen wohlbehüteten Mädchen die Alarmglocken schrillen sollten. Dass neben der Naivität und Unerfahrenheit auch Eifersucht bei ihrer Beschuldigung eine Rolle gespielt hat, wird zudem erst viel zu spät deutlich. Was allerdings durchaus gelungen ist, sind die Zeitsprünge, die der ansonsten sehr banalen Inszenierung zumindest einen Hauch von Raffinesse verleihen. So springen wir nicht nur immer wieder in die Vergangenheit, sondern erleben zudem Schlüsselszenen des Films aus verschiedenen Perspektiven – wobei Briony's Sichtweise immer die erste ist, die wir miterleben, womit der Regisseur hofft, Briony's Schlussfolgerungen nachvollziehbar zu machen – was wie gesagt nur bedingt gelungen ist.

ImageIn der 2. Hälfte wird "Abbitte" dann deutlich besser. Cecilia ist in London als krankenschwester tätig und hofft nach dem Abschied auf die baldige, gesunde Rückkehr von Robbie. Dieser kämpft sich wiederum durch Frankreich in der Hoffnung, es bis zum Strand zu schaffen und nach England zurückkehren zu dürfen. Robbie's Handlung ist mit Abstand die beste des Films. Sie hat die einzige Szene zu bieten, die mir unter die Haut ging, nämlich als er auf ein Massengrab voller Kinder und Frauen stolpert. Auch was die Inszenierung betrifft gibt es in seinem Handlungsstrang einen Leckerbissen zu sehen, als er schließlich den Strand erreicht – und wir ihm minutenlang ohne einem einzigen Schnitt durchs Getümmel folgen. Ich liebe solche langen Kameraeinstellungen, und bewundere jedes Mal aufs neue die logistische Meisterleistung, die dahinter steckt. Die betreffende Szene war übrigens interessanterweise auch eine der wenigen, wo ich nicht das Gefühl hatte, im Theater zu sitzen...

Das Ende des Films ist dann ebenfalls recht gelungen. (Achtung, Spoiler!) Denn während des Interviews mit der gealterten Briony, diemittlerweile eine angesehene Schriftstellerin ist und über ihren definitiv letzten, autobiographischen Roman "Abbitte" spricht, erfahren wir schließlich, dass die zuvor erlebte Aussprache zwischen Briony, Cecilia und Robbie so nie stattgefunden hat. Im Gegensatz zu ihrer Romanfigur war es ihr nicht vergönnt, ihr Seelenheil wiederzufinden, ist doch Robbie in Frankreich gestorben, und Cecilia bei einem Bombenangriff auf London ums Leben gekommen (Spoiler Ende). Diese Wendung hat mich wirklich eiskalt erwischt und war die einzige Szene, die mich zumindest ansatzweise berühren konnte. Trotzdem, für einen potentiellen würdigen Oscargewinner war das definitiv zu wenig.

Fazit: "Abbitte" ist ein interessantes Schaubild über Schuld und Sühne, bei dem vor allem die Zeitsprünge (die einzelne Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven zeigen) und das Ende zu gefallen wissen. Anfang und Mittelteil gestalten sich allerdings etwas träge und verhindern gemeinsam mit der fehlenden emotionalen Wirkung eine Wertung über dem Genredurchschnitt.

Wertung: 6 von 10 Punkten
Christian Siegel
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