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A GEEKs LiFE #5: Fandom-Aktivist Drucken E-Mail
Die unendlichen Weiten des phantastischen Fandoms Kategorie: Kolumnen - Autor: Roger Murmann - Datum: Donnerstag, 22 März 2007
 
A GEEKs LiFE #5: Fandom-Aktivist
A GEEKs LiFE #5: Fandom-Aktivist
Ich stelle einfach mal folgende These auf: das Fandom ist groß und vielfältig, nur weiß niemand etwas davon.

Bekannt ist nur das, was mit viel teils marktschreierischem Werbeaufwand bekannt gemacht wird. Das nennt man dann Mainstream und trifft meistens auf den Media-Bereich der Phantastik zu. Auf andere Bereiche des täglichen Lebens übertragen, könnte man sagen, es gibt nur noch Aldi und Lidl. Aber weit gefehlt: seit man hierzulande von so etwas wie einem Fandom sprechen kann (und das ist bekanntlich schon recht lange der Fall), gibt es jenseits der etablierten Fanaktivitäten schon immer eine ganze Reihe Nischen, aus denen gerade in letzter Zeit dank der Möglichkeiten des Internets immer mehr Fans mit kleinen und mittlere Unternehmungen an die Öffentlichkeit treten. Einer dieser Fans bin ich...

Genau genommen hat alles bereits im Jahr 1994 angefangen und schuld daran waren Captain Kirk und Co. Damals wurde das Land von sogenannten Trekdinnern geradezu überrollt und Star Trek war als einzige SF-Serie so megaangesagt, wie heutzutage Tokio Hotel. Selbstverständlich blieb auch die südhessische Metropole Darmstadt nicht davon verschont und ich rief mit zwei Bekannten, welche ich kurz zuvor beim Club "Star Trek Central Europe" kennen gelernt hatte, den "Star Trek Treff Darmstadt" ins Leben, dessen Erfolgsgeschichte über alle Höhen und Tiefen bis heute anhält. Vielleicht kommt das auch daher, weil "Weltraum" in Darmstadt seit eh und je dank des Europäischen Raumfahrt- Kontrollzentrums ESOC ein großes Thema ist. Wer weiß...

Viel hat sich seit dem geändert, der Name ebenso wie die Interessen der Besucher in Bezug aufs phantastische Genre. Bemerkenswert ist auch, dass entgegen dem Trend zum Nichtlesen bei uns seit längerer Zeit vermehrt zur Literatur gegriffen wird. Es ist schön zu sehen, dass Bücher nicht nur als "selbstextrahierende Readme-Dateien" definiert werden, spielt sich doch die meiste Phantastik hierzulande immer noch zwischen zwei Buchdeckeln ab. Spätestens seit der Jahrtausendwende verstehen wir uns auch nicht mehr als Trekdinner, sondern als "SciFi-Stammtisch" und symbolisieren damit auch nach außen hin Offenheit gegenüber allen Arten der Phantastik. Ebenso haben sich natürlich die Aktivitäten verändert. Beschränkte man sich früher ausschließlich aufs sture Konsumieren dessen, was das Mainstream-Mediafandom bot, so haben wir uns spätestens mit den ersten "Spacedays" im Jahr 2000 auf die Organisation eigener Events verlegt (zur Erläuterung: die "Spacedays" -www.spacedays.de- sind die einzige reine Modellausstellung für SF, Fantasy und Raumfahrt in Deutschland). Außerdem spielten die Darmstädter Stammtischler eine immer größere Rolle im Helfer- und Orgateam, des bis dato schon seit Mitte der 80iger existierenden "BuchmesseCons" (-www.buchmessecon.info- ...und noch mal zur Erläuterung: der "BuCon", wie sich das Event nennt, ist das unabhängige Treffen der phantastischen Literaturszene am Buchmesse-Wochenende).

Ja nun...und was hat das alles mit mir zu tun ? Ok, andere fahren Rad, spielen Fußball oder sitzen mit der Familie am Wochenende im Schrebergarten. Ich sorge mit meinen Leuten eben dafür, dass Fans auch jenseits des kommerziellen Event-Fandoms die Möglichkeit haben, ihren Interessen nachzugehen. Auch eine Art Hobby, bei mir wegen des zeitlichen Aufwands aber das weit und breit einzige, welches ich als solches bezeichnen kann.
Meine Hauptaktivität besteht erst einmal in der Organisation und im Bekannt machen des monatlichen "Science Fiction Treffs Darmstadt" (www.sftd-online.de), der auch in Zeiten sterbender und schrumpfender SciFi- und Trektreffpunkte durch sein bewusst universal und öffentlich gehaltenes Konzept immer noch mit bis zu 40 Besuchern zählen kann. Wobei viele ehemals einfach nur Neugierige mittlerweile Teil eines schlagkräftigen Helferteams sind, für das ich meine Hände ins Feuer legen würde. Nebeneffekt: gemeinsame Aktionen schweißen zusammen, bringen mehr persönliche Befriedigung, als einfach nur einmal monatlich beim Stammtisch herumzusitzen. Außerdem steuern wir damit dem zunehmenden Trend zum anonymen Online-Fandom entgegen. Ich bin der Ansicht, das schönste am Fandom ist, Leute mit gleichen Interessen persönlich kennen zu lernen. Es klingt vielleicht etwas überheblich, aber: der echte Fan verkriecht sich nicht im stillen Kämmerlein vor flimmerndem Bildschirm und DVD-Player, der echte Fan geht raus und ist bestrebt, seine Mitfans live und in Farbe kennen zu lernen. Und um auf ein Gespräch auf dem letzten DortCon Bezug zu nehmen: ja, wir kennen uns selbstverständlich alle beim Realnamen.
Vielleicht hat auch schon jemand irgendwo mal einen Flyer von mir in die Hand gedrückt bekommen, was gut möglich ist, da ich immer eine gewisse Auswahl davon in der Tasche habe. Manche meinen, ich sei geradezu berüchtigt dafür.

Seit September 2001 erreichen wir potentielle Fans außer auf dem Papier- und virtuellen Weg noch über ein weiteres Medium. Einmal pro Monat berichtet beim Lokalradio "Radio Darmstadt" unser Magazin "Area 64" (64 bezeichnet die ersten beiden Zahlen der Darmstädter Postleitzahl) aus der Szene. Wobei wir uns allerdings nicht an die von den etablierten Medien vorgegebene Drei-Minuten-Grenze pro Beitrag halten, sondern unsere Hörer genüsslich auch schon einmal mit einer halbstündigen Kurzgeschichte oder einem Hörspiel aus den 50iger Jahren (selbstverständlich auf Englisch) beschallen. Nach unserem Selbstverständnis wollen wir mit unserer Sendung nur eines: unterhalten, unterhalten und nochmals unterhalten. Egal ob da nun in breitem hessisch über den letzte Con parliert wird oder gar "Drogen im Herrn der Ringe" thematisiert werden...was solls. SciFi soll Spaß machen und dieser Spaß kommt unserer Meinung am besten im lockeren Boulevard-Stil zum Tragen. Oder habt Ihr schon mal irgendwo eine Reportage aus dem Souvenirshop der Europäischen Raumfahrt-Behörde gehört... ?

Da Zeit und die damit verbundenen Möglichkeiten des Einzelnen heutzutage limitiert sind, beschränke ich meine Hauptaktivitäten weitgehend auf dem Ballungsraum Rhein-Main. Einzige überregionale Tätigkeit im Fandom ist der Posten des Beirats im Vorstand des Science Fiction Club Deutschlands e.V., des mit über 50 Jahren des Bestehens ältesten SF-Clubs hierzulande.  Auch wenn das manchem vielleicht etwas zu dick aufgetragen erscheint: wir organisieren weite Teile der Phantastik-Szene des Rhein-Main-Gebietes. Und im Unterschied zu manch anderem gehen wir mit unseren Events an die breite Öffentlichkeit. Erreicht wird diese durch eine langjährige Kooperation mit der regionalen Presse, die auch immer recht gut und sachlich berichtet. Wir haben keine Angst vor Journalisten, man muss nur wissen, wie man mit ihnen umgeht. Das kann schon mal bedeuten, das man zum Beispiel bei Pressefotografen ein Auge darauf hat, was die Damen und Herren ablichten. Die Außenwirkung eines Fotos ist nämlich nicht zu unterschätzen und im Nu steckt man wieder in der Freak-Schublade. Hier ist es natürlich von Vorteil, wenn man die richtigen Leute bereits durch seine berufliche Tätigkeit kennt. Ich arbeite zwar bei einer (der einzigen) Darmstädter Tageszeitung, was jedoch nicht bedeutet, dass man jetzt alle Narrenfreiheiten hätte. Aber hat man den zuständigen Redakteuren erst einmal klar gemacht, dass wir keine Ansammlung spitzohriger Freaks sind, dann ist vieles einfacher. Mit Hilfe der Presse haben wir über die Jahre schon manchen Fan außerhalb der Szene darauf aufmerksam gemacht, dass es uns überhaupt gibt. Und ich denke, gerade dieses Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft, regional wie bundesweit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es da draußen immer noch genügend Leute gibt, für die der Begriff "Fandom" eine große Unbekannte ist. Gerade das jüngste Darmstädter "Kind" nämlich "Starport Darmstadt - Phantastische Welten" (www.starport-darmstadt.de) hat bewiesen, dass auch kleine Events ein bundesweites Publikum anziehen können. Offensichtlich geht der Trend generell vermehrt dahin, eher kleine gemütliche Veranstaltungen abseits der fannischen Rummelplätze zu besuchen. Sofern man natürlich ein richtiges Programm bietet, und nicht nur die so beliebte, aber ebenso überstrapazierte Kombination "Quiz - Podiumsdiskussion - Gemütliches Beisammensein". Damit hat man schon manch gutgemeinte Idee ins Nirwana befördert.

Sagte ich vorhin "klein" ? Wie vieles, so ist auch dieser Begriff natürlich Auslegungssache: "Starport" hatte aus dem Stand bei der Premiere 130 begeisterte Besucher, unsere weiteren Events "BuchmesseCon"  und "Spacedays" haben zirka 150-200, beziehungsweise 320 Besucher. Auf der Hitparade der besucherstärksten Szeneveranstaltungen 2006 kommen die "Spacedays" nach RingCon und FedCon übrigens gleich an dritter Stelle (lässt man mal diverse Rollenspielcons aussen vor) und noch vor dem "ColoniaCon". Alle unsere Events haben gemeinsam, dass sie strikt nichtkommerziell ausgerichtet sind und sehr gut ohne teuer bezahlte Prominenz auskommen. Gut, eine gewisse Prominenz gibt es schon, nur sind das bekannte und beliebte Leute aus dem Fandom, wie Robert Vogel oder Mike Hillenbrand. Dieses Konzept funktioniert sehr gut...und es könnte natürlich noch besser klappen und mehr Besucher anziehen, wenn diese nur davon wüssten. Womit wir wieder bei den Möglichkeiten des Internets wären. Wir haben nun mal keine großen Sponsoren, die uns einen riesigen Werbeetat mit Hochglanzflyern und ähnlichem ermöglichen. Daher sind wir zwangsläufig auf Veröffentlichungen in den bekannten Newslettern und Postings in den einschlägigen Foren angewiesen (auch wenn das nicht jedem Webmaster schmeckt). Das bedeutet also vor jedem Event eine mehrstündige Ochsentour durch virtuelle Welten. Der Erfolg der Aktion gibt uns allerdings regelmäßig recht.

Positiv ist zu bewerten, dass gerade fictionBox meine Idee aufgegriffen hat, verstärkt auch auf Fandomsaktivitäten einzugehen. Deshalb werdet Ihr, liebe Leser, in Zukunft des öfteren hier auch News von der schon erwähnten Fanbasis finden. Glaubt bitte nicht "Das interessiert eh keinen...". Sicher werden sich nicht unbedingt Fanmassen von München durchs halbe Land Richtung Hamburg bewegen, nur um die Grillparty des dortigen SF-Stammtischs zu stürmen. Doch zumindest als Inspiration für eigene Aktivitäten kann das eine oder andere Projekt dienen. FictionBox möchte allen Aktivisten im Fandom, egal ob Con, Lesung, Buchveröffentlichung, Ausstellung, etc. daher das Forum bieten, eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen. Natürlich wird man hier aber nur dann etwas finden, wenn es uns auch mitgeteilt wird. Eine einfache Mail an den Verfasser dieses Textes (sftreffda@gmx.de) oder die Presseabteilung von FictionBox genügt. Und wer weiß, vielleicht freut Ihr Euch demnächst über neue Freunde und Bekannte in den unendlichen Weiten des phantastischen Fandoms.

Roger Murmann
März 2007
 

Zusammenfassung aller Links zum Thema:

Science Fiction Treff Darmstadt

Darmstadt Spacedays

Starport Darmstadt -- Phantastische Welten

BuchmesseCon

Radio Darmstadt
 

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