Originaltitel: Foreign Language Episodennummer: 1x02 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 07. Oktober 2026 (Amazon Prime Video) Drehbuch: Elizabeth Padden Regie: Mike Flanagan Besetzung:
Summer H. Howell als Carrie White,
Samantha Sloyan als Margaret White,
Siena Agudong als Sue Snell,
Alison Thornton als Chris Hargensen,
Joel Oulette als Tommy Ross,
Josie Totah als Tina,
Arthur Conti als Billy Nolan,
Thalia Dudek als Emaline,
Amber Midthunder als Miss Desjardin,
Matthew Lillard als Principal Grayle,
Rahul Kohli als Seth Peist,
Tim Bagley als Mr. Morton,
Crystal Balint als Nancy Piper,
Michael Trucco als John Hargensen,
Delainey Hayles als Caitlin,
Rowan Danielle als Brooklyn Kirby,
Tahmoh Penikett als Ralph White,
Mapuana Makia als Eleanor Snell u.a.
Kurzinhalt:
Nachdem Carrie von ihren Mitschülerinnen in der Umkleidekabine erniedrigt wurde, ruft Direktor Grayle sie und die Sportlehrerin Rita Desjardin zu sich. Beide sind erschüttert, zu erkennen, dass Carrie von ihrer Mutter in keinster Weise aufgeklärt wurde. Rita bekommt von Henry eigentlich den Auftrag, Carries Mutter zu verständigen, doch diese fleht ihre Lehrerin förmlich an, dies nicht zu tun – fürchtet sie sich doch davor, was Margaret tun wird, wenn sie davon erfährt, dass bei Carrie die Periode eingesetzt hat. Am Abend bespricht sich Rita mit ihren Kollegen, dem Vertrauenslehrer Peter Morton, und dem Englischprofessor Seth Peist, in der Bar – und gibt zu, dass sie noch vor wenigen Jahren wohl beim Vorfall neben Chris und den anderen Mädchen gestanden und sich köstlich über Carrie amüsiert hätte. Margaret handelt sich indes bei der Arbeit ärger ein, als sie einige Kunden wegen ihren Kaufentscheidungen kritisiert. Carries telekinetische Fähigkeiten treten immer deutlicher zu Tage. Und aufgrund ihrer Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Leben legt Chris einen Instagram-Account mit dem Titel "Carrie Red" an, und lädt ihr Video vom Vorfall hoch…
Review:
Wenn man aus einem Roman einen Film macht, muss man ja üblicherweise einiges kürzen, weil die Laufzeit einfach nicht genug Platz für den Inhalt von sagen wir 300 Seiten hergibt. Die Miniserie (bzw. erste Staffel) bietet Mike Flanagan aber die vierfache Laufzeit von, beispielsweise, Brian de Palmas Verfilmung. Und so ist es hier umgekehrt, und wird die Vorlage hier vielmehr erweitert. Dies betrifft insbesondere die Nebenfiguren. Denn während Roman und die beiden Kino-Verfilmungen stark auf Carrie selbst fokussiert waren, rückt Flanagan hier die Menschen um sie herum stärker in den Fokus, um ihnen mehr Profil zu verleihen. Eben dies sehe ich zugegebenermaßen ein bisschen zwiespältig. Kings Zugang sorgte dafür, dass man sich – obwohl sie anders aufgewachsen ist als die meisten von uns – mit Carrie identifizieren. Dies ist hier in Flanagans Adaption abgeschwächt (tatsächlich macht es uns Carrie hier nicht einmal so leicht, an sie "anzudocken" – was allerdings, davon bin ich überzeugt, Absicht ist, und ihre Entfremdung zur Welt um sie verdeutlichen soll). Andererseits umgeht man so den bei Roman und Filmen durchaus angebrachten Vorwurf, dass alle anderen Figuren außer Carrie eher Handlungselemente denn vielschichtige, ausgearbeitete Charaktere sind.
Chris ist dafür ein gutes Beispiel. Mike Flanagan – und seine Autor:innen – machen deutlich, dass ihr Bullying von Carrie nicht aus dem Nichts kommt. Natürlich entschuldigt dies noch lange nicht ihr Verhalten; ich hatte auch nicht den Eindruck dass, es eben darum gehen würde. Aber dass man versucht, uns zumindest verständlich zu machen, warum sie so agiert, sehe ich positiv. Ähnlich ist es bei Margaret. Ganz egal was im Verlauf der Serie noch passiert, es wird nie gelingen, dass ich auch nur ansatzweise auf ihrer Seite stehe. Aber auch wenn ich mit ihr in keinster Weise übereinstimme, macht diese "Carrie"-Adaption deutlicher als die bisherigen (und meiner Erinnerung nach auch der Vorlage), dass sie trotz allem aus der vollen (in meinen Augen halt nur völlig falschen) Überzeugung heraus agiert, dass Richtige für ihre Tochter zu tun. Weniger begeistert bin ich über die Zeit, die hier für die Lehrkräfte veranschlagt wird. Ich sehe nicht wirklich, dass deren Perspektive etwas zum Gelingen der Geschichte beiträgt, und/oder ihr neue Aspekte abgewinnen würde. Aber vielleicht kommt das ja noch. Immerhin, die Szene wo Carrie den Vertrauenslehrer Peter Morton besucht, war mit Abstand die beste der Folge. Alles daran, vom Dialog über die Performances bis hin zur Musik, war fantastisch. Von diesem Höhepunkt abgesehen hatte ich bei "Fremdsprachen" leider den Eindruck, mit einem im Review zu "Erste Stunde" geäußerten Verdacht, dass hier zu wenig Story auf zu viel Laufzeit gestreckt wird – auf Kosten der Dramaturgie – nicht Unrecht gehabt zu haben. Zwar hat mich die Folge nicht gelangweilt, aber die Handlung plätschert doch recht gemächlich vor sich hin. Immerhin hat man sich diesmal aber die Rahmenhandlung rund um die Interviews geschenkt. Mit etwas Glück sehen wir die frühestens im Staffelfinale wieder (und auch dort könnte ich gut und gern darauf verzichten). Abschließend aber noch lobende Worte für die netten (wenn auch zumindest hier mal sehr kleinen) Gastauftritte von Heather Graham (die ich ja parallel gerade auch in "Twin Peaks" gesehen habe) und Gil Bellows.
Fazit:
Manchmal liebe ich es, unrecht zu haben. Wie mit meiner Befürchtung, die Rahmenhandlung rund um die Interviews würde sich durch die komplette Staffel ziehen. Manchmal hasse ich es aber auch, recht zu haben – wie bei meinem Verdacht, dass die Vorlage nicht genug Handlung her gibt, um eine Umsetzung als achtteilige Miniserie zu rechtfertigen, und sich die Geschichte daher doch eher ziehen würde. Letzteres war bei "Fremdsprachen" definitiv nochmal um einiges deutlicher zu spüren, als bei "Erste Stunde" (die auch davon profitiert haben mag, dass wir dort alle Figuren nacheinander kennengelernt haben). Dennoch will ich nicht verhehlen, dass die längere Laufzeit Flanagan und seinem Team die Möglichkeit gibt, jene Nebenfiguren auszugestalten, die im Roman (und den Kinofilmen) eher eine Funktion in der Geschichte erfüllten, als vollwertige Charaktere zu sein. Was ich bei Margaret und Chris durchaus positiv sehe – während ich es auf Lehrkörper-Seite bislang eher überflüssig finde, und als Füllmaterial erachte, um eben die Laufzeit zu stopfen. Bleibt zu hoffen, dass ihnen dafür in den nächsten Folgen besseres eingefallen ist – denn bis zum großen, blutigen Finale ist es noch weit.