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Poirot - 11x01: Mrs. McGinty ist tot Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) BBC

Originaltitel: Mrs. McGinty's Dead
Episodennummer: 10x04
Bewertung:
Erstausstrahlung UK: 14. September 2008
Erstausstrahlung D: 08. April 2016
Drehbuch: Nick Dear
Regie: Ashley Pearce
Besetzung: David Suchet als Hercule Poirot, Joe Absolom als James Bentley, Simon Molloy als District Judge, Richard Hope als Spence, David Yelland als George, Sarah Smart als Maude, Raquel Cassidy als Maureen Summerhayes, Richard Dillane als Major Summerhayes, Simon Shepherd als Dr. Rendell, Emma Amos als Bessie Burch, Billy Geraghty als Joe Burch, Ruth Gemmell als Miss Sweetiman, Mary Stockley als Eve Carpenter, Zoë Wanamaker als Ariadne Oliver, Paul Rhys als Robin Upward, Siân Phillips als Mrs. Upward, Catherine Russell als Pamela Horsfall, Amanda Root als Mrs. Rendell, Richard Lintern als Guy Carpenter u.a.

Kurzinhalt: James Bentley wurde des Mordes an seiner Vermieterin, Mrs. McGinty, schuldig gesprochen. Doch Superintendent Spence, der die Ermittlungen leitete, ist mittlerweile nicht mehr von seiner Schuld überzeugt – und bittet Hercule Poirot darum, den Fall neu aufzurollen. Dieser reist daraufhin in das Dorf, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Hilfe (?)erhält er dabei von seiner guten Freundin Mrs. Oliver, die nach Broadhinny gekommen ist, um mit dem Theaterregisseur Robin Upward an einer Adaption von einem ihrer Krimis zu arbeiten. Als er Mrs. McGintys Haus untersucht, stößt er auf eine Zeitung, aus der ein Artikel herausgeschnitten wurde. Dieser dreht sich um zwei ungelöste Kriminalfälle rund um Frauen, denen vorgeworfen wurde, Mörderinnen zu sein, denen es jedoch gelang, zu fliehen. Poirot vermutet, dass Mrs. McGinty eine von ihnen im Dorf erkannt hat – und dies der eigentliche Grund für ihren Tod war. Doch um die Täterin – oder den Täter – zu identifizieren, muss er zuerst herausfinden, wen Mrs. McGinty gesehen hat…


Review (kann Spoiler enthalten): Episodenbild (c) BBC Ich habe in der Vergangenheit die Adaptionen von Anthony Horowitz kritisiert, da sich dieser in meinen Augen oftmals zu wichtig nahm; sprich, statt sich der Vorlage unterzuordnen, schien er krampfhaft zu versuchen, den Episoden seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Das gleiche geschieht hier wieder, jedoch nicht im Hinblick auf den Drehbuchautor Nick Dear, sondern vielmehr den Regisseur Ashley Pearce. Dieser bildete sich hier nämlich scheinbar ein (also, theoretisch könnte es auch sein Kameramann Alan Almond gewesen sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der das gemacht hat, ohne es zuvor mit ihm abzusprechen), praktisch der gesamten Folge mittels starkem Weichzeichner und Überbelichtung einen sogenannten "Dream Glow"-Effekt zu verleihen. Für einzelne (Traum-)Sequenzen kann der ja durchaus angebracht sein – aber durchgehend für einen kompletten TV-Film? Noch dazu einen Krimi (statt, beispielsweise, einer Mystery- oder Fantasy-Erzählung)?!

Darüber hinaus "reichert" er "Mrs. McGinty ist tot" mit ein paar gewollt künstlerischen Einstellungen an, die ich ebenfalls aufgesetzt und ablenkend fand. Und zu allem Überfluss erhöhte der "Dream Glow"-Effekt den digitalen Look des Ganzen; das war bei "Poirot" zuletzt erfreulicherweise ja wieder deutlich besser geworden. Jedenfalls weiß ich echt nicht, was Ashley Pearce hier geritten hat, aber mir hat er damit die Folge leider größtenteils ruiniert. Nicht nur hat mich die Ästhetik generell nicht wirklich angesprochen (jedenfalls nicht in dieser Dosierung), ich fand diese Art der Inszenierung auch viel zu aufdringlich, ablenkend, und störend. Ich wäre am liebsten ständig mit einem Putzlappen zum Kameramann gelaufen, damit er die Linse reinigen kann. Eben dies machte mir in jeder Sekunde deutlich, dass es sich hier um einen Film handelt – was wiederum verhinderte, dass ich jemals so richtig in die Geschichte eintauchen konnte. Dies ist im Fall von "Mrs. McGinty ist tot" insofern besonders schade, als ich den Fall an sich eigentlich sehr cool fand. Die Ausgangssituation rund um den zum Tode verurteilten James Bentley sorgt für eine überaus packende Ausgangssituation, und die Tatsache, dass seine Hinrichtung kurz bevorsteht, gibt Poirots Ermittlungen eine Dringlichkeit, die sonst oftmals fehlt. Generell waren die weiteren Ermittlungen überaus interessant zu verfolgen, der Fall wunderbar ausgeklügelt, und die Auflösung sowohl überzeugend als auch (für mich) überraschend. Darstellerisch gibt es an "Mrs. McGinty ist tot" ebenfalls wieder mal nicht das Geringste auszusetzen. Neben dem Fall war die größte Stärke für mich aber die Rückkehr von Zoe Wanamaker als Mrs. Oliver. Nicht nur fand ich deren Zusammenspiel mit David Suchet als Hercule Poirot wieder einmal wunderbar, und liebe ich die Figur als fiktive Version von Dame Agatha Christie selbst. Mit der Art und Weise, wie sie hier beklagt, dass sie den von ihr geschaffenen Ermittler einfach nicht los wird, weil die Leute immer mehr von ihm sehen wollen, ergibt sich hier nämlich darüber hinaus eine amüsante Meta-Ebene, die es mir ebenfalls enorm angetan hatte. Mit einer klassischeren Inszenierung hätte "Mrs. McGinty" somit das Potential besessen, zu einer der besseren bis besten Episoden der Serie zu werden – was das, was Ashley Pearce hier abliefert, nur umso ärgerlicher macht.

Fazit: Episodenbild (c) BBC Vergesst den Täter und/oder die Täterin, der/die hier am Ende von Hercule Poirot identifiziert wird. Der wahre Mörder von "Mrs. McGinty ist tot" ist Regisseurin Ashley Pearce, dessen Inszenierung viel zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, und damit verhinderte, dass ich je so richtig in die Handlung eintauchen konnte. Was auch immer er mit dem beständigen "Dream Glow"-Effekt beabsichtigte, es hat für mich leider nicht einfach nur überhaupt nicht funktioniert, sondern mir die Episode vielmehr größtenteils ruiniert. Was im vorliegenden Fall besonders schade ist, da ich ihn rein inhaltlich zu den besseren bis besten Poirot-Abenteuern zählen würde. Angefangen von der spannenden Ausgangssituation, die Poirots Ermittlungen auch eine (im wahrsten Sinne des Wortes) Deadline gibt, über die Verknüpfung zu den früheren Morden und ihren flüchtigen Mörderinnen, bis hin zur überraschenden Auflösung am Ende. Zusätzlich aufgewertet wird "Mrs. McGinty ist tot" dann noch vom neuerlichen Auftritt von Mrs. Oliver, die ich auch hier wieder wunderbar fand. Wie ich mit Schrecken festgestellt habe, hat Ashley Pearce noch zwei weitere Episoden inszeniert. Ich kann nur hoffen, dass ihm jemand dabei die "Traumeffekt"-Linse weggenommen hat.

Wertung: 2 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)







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