Originaltitel: Taken at the Flood Episodennummer: 10x04 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 02. April 2006 Erstausstrahlung D: 01. April 2016 Drehbuch: Guy Andrews Regie: Andy Wilson Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Jenny Agutter als Adela Marchmont,
Patrick Baladi als Rowley Cloade,
Eva Birthistle als Rosaleen,
Elliot Cowan als David Hunter,
Amanda Douge als Lynn Marchmont,
Penny Downie als Frances Cloade,
Richard Durden als Pebmarsh,
Claire Hackett als Beatrice Lippincott,
Richard Hope als Supt. Harold Spence,
Celia Imrie als Aunt Kathy Cloade,
Nicholas Le Prevost als Major James Porter,
Tim Pigott-Smith als Dr. Lionel Woodward,
Elizabeth Spriggs als Mrs Leadbetter,
Pip Torrens als Jeremy Cloade,
Tim Woodward als Enoch Arden/Charles,
David Yelland als George,
Martha Barnett als Woman u.a.
Kurzinhalt:
Nicht lange nachdem sie den deutlich älteren Gordon Cloade geheiratet hat, kommt Rosaleens Ehemann bei einer Gasexplosion ums Leben. Seitdem steht sie unter der Fuchtel ihres dominanten Bruders David, der ihr verbietet, auch nur den kleinsten Teil des geerbten Geldes an dessen Verwandte auszugeben. In ihrer Verzweiflung wenden sie sich an Hercule Poirot, der einerseits ermitteln soll, ob die Gasexplosion auch wirklich ein Unfall war, und andererseits ihrem Verdacht nachgehen soll, dass Rosaleens Bruder vielleicht gar nicht ihr Bruder ist, sondern vielmehr ihr erster Ehemann, der angeblich im afrikanischen Dschungel verschwunden ist. Bei einer Party lernt Hercule dann schließlich David selbst kennen, der sich in der Tat als höchst unangenehmer Zeitgenosse herausstellt. Ein paar Tage später wird in jenem Hotel, in dem sich auch Hercule Poirot einquartiert hat, die Leiche eines Mannes gefunden, der sich Stunden zuvor mit David getroffen hat. Doch dieser scheint über ein wasserdichtes Alibi zu verfügen…
Review (kann Spoiler enthalten):
Dame Agatha Christie hat im Verlauf ihrer langen Karriere zahlreiche Krimis geschrieben; über achtzig allein rund um ihren belgischen Meisterdetektiv (Romane und Kurzgeschichten zusammengerechnet). Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht jeder davon ein Kracher á la "Mord im Orient-Express" sein kann. Und natürlich kann ich, solange ich die Vorlage nicht kenne, auch nicht ausschließen, dass es eher an der Adaption von Guy Andrews denn Christies Roman selbst lag, aber irgendwie wollte mich "Der Todeswirbel" nicht so recht ansprechen. In erster Linie sticht David hervor, dahingehend, dass wir bei der Serie in meinen Augen schon lange keinen so verabscheuungswürdigen Charakter mehr getroffen haben. Dementsprechend hoffte ich eigentlich auch, dass er das Opfer sein würde; einerseits, weil wir ihn dann losgewesen wäre, und andererseits, weil der Kreis der Verdächtigen überaus groß gewesen wäre. Der Mord an Mr. Arden war im Vergleich dazu ein doch eher schwaches Setup. Zumal ich leider auch die Auflösung (zumindest im Hinblick auf die Identität des Mörders) recht vorhersehbar fand.
Darüber hinaus tat ich mir auch schwer, Davids vermeintlich magnetische Anziehung auf Frauen, egal wie schlecht er sie behandelt, nachzuvollziehen. Ich sage nicht, dass es so etwas nicht im echten Leben auch gibt, aber – und Elliot Cowan möge es mir verzeihen – es kam für mich in der Performance einfach überhaupt nicht heraus. Immerhin erweist sich "Der Todeswirbel" aber durchaus als warnende Geschichte über solche Männer; das zumindest wusste ich durchaus zu begrüßen (wobei es mir nicht zuletzt bei Lynns "Love is bigger than happiness" kalt den Rücken runterlief; denn wenn das eine nicht mit dem anderen einhergeht, läuft irgendwas falsch). Last but not least hat mich leider auch die Auflösung am Ende nur sehr bedingt überzeugt. Als eine der größten Stärken von "Der Todeswirbel" fand ich die Dynamik zwischen Hercule und Lynn. Man teilt Hercules Sorge, wenn diese zunehmend Davids Charme zu verfallen scheint. Ihre gemeinsamen Momente münden dann schließlich in einer wunderschönen Abschlussszene, die ich wirklich stark und auch ansatzweise emotional fand. Auch produktionstechnisch gibt es an "Der Todeswirbel" wieder einmal nichts zu kritisieren (sieht man mal von der die Figuren umkreisenden Kamera ab, mit der man es hier in meinen Augen teilweise doch ein bisschen übertreibt). Aus der Besetzung stach für mich in erster Linie Jenny Agutter hervor, die sich in meinen Augen jedoch eine größere und vor allem auch ergiebigere Rolle verdient gehabt hätte. Und zugegebenermaßen beschert einem das Ende dann durchaus eine gewisse Genugtuung. Dennoch, irgendwie wollten mich hier sowohl Setup als auch Figurenriege nicht so recht ansprechen, fand ich nicht so recht jemandem, mit dem ich mitfiebern konnte, und fand ich "Der Todeswirbel" doch vergleichsweise fad.
Fazit:
Ohne Kenntnis der Vorlage ist es für mich unmöglich zu sagen, ob es nun eher an Agatha Christies Roman oder Guy Andrews Adaption liegt; so oder so wollte mich aber der zugrundeliegende Fall hier leider nie sonderlich ansprechen. Ich denke, ich hätte es spannender gefunden, wenn – wie von mir Anfangs vermutet – David das Opfer gewesen wäre. Weil dann hätte es nicht nur einen großen Kreis an Verdächtigen gegeben, ich hätte wohl auch insofern bei den Ermittlungen mehr mitgefiebert, als ich gehofft hätte, dass jene Personen, die mir sympathisch waren, eben nicht dafür verantwortlich waren. Doch ohne Bezug zum eigentlichen Opfer verfolgte ich das Geschehen mit sehr verhaltenem Interesse. Und auch die Auflösung am Ende hat mich nicht 100%ig überzeugt. Die starke abschließende Szene zwischen Hercule und Lynn rettet "Der Todeswirbel" dann aber immerhin gerade noch so in die Durchschnittlichkeit.