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Obsession - Du sollst mich lieben Drucken E-Mail
Sei vorsichtig, was du dir wünschst… Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 31 Oktober 2026
 
Halloween-SPECiAL

 
Obsession
Originaltitel: Obsession
Produktionsland/jahr: USA 2025
Bewertung:
Studio/Verleih: Blumhouse Productions/Universal Pictures
Regie: Curry Barker
Produzenten: U.a. James Harris & Christian Mercuri
Drehbuch: Curry Barker
Filmmusik: Rock Burwell
Kamera: Taylor Clemons
Schnitt: Curry Barker
Genre: Horror/Drama
Kinostart Deutschland: 25. Juni 2026
Kinostart USA: 15. Mai 2026
Laufzeit: 109 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 16
Mit: Inde Navarrette, Michael Johnston, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Andy Richter, Haley Fitzgerald, Darin Toonder, Anthony Pavone, Justice, Anthony Casabianca, Chloe Breen u.a.


Kurzinhalt: Bear ist nun schon seit längerem in seine Kollegin und Freundin Nikki verliebt – hat es jedoch bisher nicht gewagt, den Schritt zu wagen und ihr seine Gefühle zu gestehen. Eines Abends als er sie nach der Arbeit nach Hause bringt ist er dann kurz davor – nur um erst recht wieder einen Rückzieher zu machen. Während sich Nikki in ihr Haus begibt, fällt Bears Blick auf den "One Wish Willow" – ein Produkt, dass er am Tag zuvor in einem Laden voller Krimskrams gekauft hat. Die Informationen auf der Packung behaupten, dass, wenn man diesen Wunsch-Weidenzweig bricht, jedweder Wunsch den man daraufhin äußert in Erfüllung geht. Bear denkt sich, wenn's nichts nützt, schadet es zumindest auch nichts. Er bricht den Zweig, und wünscht sich, dass Nikki ihn mehr liebe als alles und jeden anderen auf der Welt. Keine Minute später steht sie vor seiner Autotür und bittet ihn darum, ihn nach Hause begleiten zu dürfen. Anfangs wähnt sich Bear am Ziel seiner Träume. Dann jedoch beginnt ihn Nikkis Verhalten zunehmend zu beunruhigen – bis sich seine Beziehung zu ihr schließlich zu einem regelrechten Alptraum entwickelt…

Review (kann Spoiler enthalten): Szenenbild. Hypes sind in meinen Augen ein bisschen ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite lenken sie Aufmerksamkeit auf einen Film, den man sonst vielleicht übersehen (oder zumindest im Kino ausgelassen) hätte. Andererseits können sie aber auch eine enorme Erwartungshaltung aufbauen, die es einem Film dann schwer machen können, dieser gerecht zu werden; bzw. generell seine Ausgangssituation im Vergleich dazu, ihn so unvorbereitet (und unvoreingenommen) wie möglich zu sein, verungünstigen können. Ein gutes Beispiel für letzteres ist "Backrooms"; ich werde nie wissen, ob mir der mit nicht ganz so hohen Erwartungen – an eine neue Horror-Sensation – nicht vielleicht zumindest eine Spur besser gefallen hätte (nicht falsch verstehen, er war gut, aber so ganz konnte ich den Hype nicht nachvollziehen). Demgegenüber hatte "Obsession – Du sollst mich lieben" den Vorteil, dass ich ihn Anfang Mai beim SLASH einhalb gesehen habe, und damit eben noch ein paar Wochen, bevor er an den US-Kinokassen einschlug wie eine Bombe, und durch positive Reaktionen von Kritiken und Publikum auf sich aufmerksam machte.

Trotz dieses Vorteils muss ich gestehen, im ersten Moment jetzt gar nicht einmal sooooo beeindruckt gewesen zu sein. Also, ich fand ihn schon sehr gut, aber jetzt nicht unbedingt sensationell. Die dazwischenliegenden Wochen und Monate ließen ihn aber insofern in meiner Wertschätzung steigen, als sich "Obsession" als Film erweisen sollte, der bei mir noch lange nachgehallt hat, und mich bis heute nicht los ließ. Ein Grund dafür mag die starke psychologische Komponente sein, die man zwar auch bereits im Kinosessel wertschätzen kann, die aber vielleicht doch ein bisschen sacken muss. Zumal der Film zwar einige durchaus beängstigende Passagen und/oder gelungene Schockeffekte auffährt, sich echter Grusel aber halt nur sehr sporadisch einstellt. Wenn ich schon dabei bin, sei gleich mal meine Kritik am Film vorgezogen. Aus meiner Sicht verlegte sich Curry Baker bei den Schockmomenten etwas zu sehr auf laute "Buh!"-Effekte; und generell war mir der Soundmix etwas zu aufdringlich. Klar war das Absicht, und sollte sich eben dadurch der Horror der Figuren auf das Publikum übertragen. Wer mich kennt, weiß aber, dass ich eher ein Fan des stillen denn des lauten Horrors bin, was halt ein Punkt ist, unter dem "Obsession" in meinem spezifischen Fall sicherlich ein bisschen leidet. Darüber hinaus fand ich, dass sich der Film etwas zu lange damit Zeit ließ, eine mögliche Lösung für das Problem ins Spiel zu bringen; weil so fragt man sich schon irgendwie, warum Bear diese Idee scheinbar partout nicht kommen will. Kritisieren kann man sicherlich auch, dass er einen anderen Kandidaten – Sarahs Vater – für eben diese Lösung seines Problems ausblendet. Vor allem aber fand ich, dass "Obsession – Du sollst mich lieben" doch ein wenig darunter litt, dass (mir) sehr – und in meinen Augen auch zu (nämlich noch bevor es der Film selbst thematisiert) – klar war, worauf dies letztendlich hinsteuern würde. Unter diesem Gesichtspunkt hätte es vielleicht auch nicht geschadet, zehn bis fünfzehn Minuten Laufzeit einzusparen, um diesen absehbaren Schlusspunkt etwas früher zu erreichen.

Szenenbild. Dennoch überwiegen hier ganz klar die Stärken, und eine der größten von "Obsession" ist ohne jeden Zweifel die Wahnsinns-Performance von Inde Navarrette, die in den letzten Wochen und Monaten – völlig zu recht – in den höchsten Tönen gelobt wurde (und mittlerweile sogar für eine Oscarnominierung ins Spiel gebracht wird). Was sie hier abliefert, ist einfach nur sensationell, und zu den besten, eindringlichsten, denkwürdigsten und beängstigendsten Horror-Performances der letzten Jahre (wenn nicht gar Jahrzehnte) zu zählen. Es überrascht einen wirklich, zu erfahren, dass sie nach den Dreharbeiten eineinhalb Jahre keine neue Rolle bekommen konnte – umso mehr freut man sich mit ihr über den Durchbruch, der ihr nun, völlig verdient, dank ihrer Rolle in "Obsession" gelungen ist (denn seit dem Release – natürlich auch in Verbindung mit dem enormen Erfolg an den Kinokassen – kann sie sich vor Angeboten kaum mehr erwehren, und hat sie mittlerweile ja auch die prominente Rolle von Rogue in Marvels "X-Men"-Reboot ergattert). Jedenfalls spielt sie ihren (immerhin soliden) Co-Star Michael Johnston hier gnadenlos an die Wand.

Mir gefällt auch, wie "Obsession" hier auf der einen Seite gnadenlos mit jedwedem Anspruchsdenken von Männern gegenüber Frauen abrechnen, und andererseits ausgehend von einem übernatürlichen Plot-Konstrukt, auf bewusst überhöht-überzeichnete Art und Weise toxische Beziehungen behandelt. Und das wiederum funktioniert dann durchaus in beide Richtungen. Einerseits natürlich in der Art und Weise, wie Bear Nikkis freien Willen ausschaltet, und sie damit sowohl psychisch als auch physisch missbraucht. Andererseits aber eben auch im Hinblick auf Beziehungen, wo eine Person von der anderen besessen bis geradezu abhängig ist, diese einengt, und letztendlich erdrückt. Eben diese psychologische Komponente fand ich an "Obsession" wirklich herausragend, und es ist eben genau dieser Aspekt, der bei mir noch lange nachwirken sollte. Last but not least: Auch wenn die Schuld hier natürlich zweifellos und zur Gänze auf Bears Schultern lastet – und der Film uns auch immer wieder daran erinnert, und damit auch deutlich macht, dass er alles, was ihm widerfährt, auch verdient – schafft es Curry Baker dennoch, einen trotzdem bis zu einem gewissen Grad auch mit Bear mitfühlen zu lassen. Und doch lässt "Obsession" die einen Zweifel daran, dass Nikki hier das eigentliche und wahre Opfer ist. Dafür sorgen nicht zuletzt jene kurzen Momente, wo ihre wahre Persönlichkeit zum Vorschein kommt – und Inde Navarrette deutlich macht, wie sehr ihre Figur unter den Ereignissen hier, und den Verlust ihres eigenen, freien Willens, leidet. Im Übrigen habe ich seitdem ich den Film gesehen habe vernommen, dass das Ende ursprünglich anders geplant war, und das jetzige eher nur ein Unfall war (so in der Art, lass es uns einmal auch so drehen). Wenn dem tatsächlich so ist, so war es in meinen Augen ein glücklicher Unfall, da es für mich die richtige Entscheidung war, es so ausgehen zu lassen. Mehr sei an dieser Stelle aber natürlich nicht verraten.

Fazit: Szenenbild. "Sei vorsichtig, was du dir wünschst – es könnte in Erfüllung gehen!" Nach diesem Motto erzählt "Obsession" davon, wie ein schüchterner junger Mann, anstatt seiner Angebeteten seine Gefühle zu gestehen, sich vielmehr eines "Wünsch dir was"-Talismans bedient, damit ihm diese mit Haut und Haar verfällt. Was als Erfüllung seiner Träume beginnt, nimmt schon bald immer alptraumhaftere Züge an. Und das – woran uns "Obsession" auch immer wieder erinnert – nicht nur für ihn, sondern vor allem auch das Objekt seiner Begierde, Nikki, die jedwede Kontrolle über sich und ihren Körper verliert. Getragen von einer völlig entfesselten Performance von Inde Navarrette, und voller meisterlich umgesetzter tonaler Schwenks innerhalb einzelner Szenen, erzählt Regisseur und Drehbuchautor Curry Barker hier von einer für beide Seiten gleichermaßen verheerenden toxischen Beziehung. Allerdings wird etwas gar früh klar, wo sich das Ganze hinbewegen wird. Ein bestimmter Gedanke, um den Fluch möglicherweise zu brechen, kommt Bear zudem recht spät. Vor allem aber darf man nicht zu geräuschempfindlich sein, da "Obsession" immer wieder danach trachtet, den Terror der Situation mit einem aggressiv-unangenehmen Soundmix auch für das Publikum körperlich spürbar zu machen. Hält man ihn in dieser Hinsicht aus, wird man aber mit einem Film belohnt, der gnadenlos mit jedwedem Anspruchsdenken von Männern gegenüber Frauen abrechnet.

Wertung: 8 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2026 Universal Pictures)


Weiterführende Links:
Halloween-SPECiAL 2026





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