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The Child - Die Stadt wird zum Alptraum Drucken E-Mail
Wenn die Gondeln Trauer tragen… Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Mittwoch, 28 Oktober 2026
 
Halloween-SPECiAL

 
The Child - Die Stadt wird zum Alptraum
Originaltitel: Chi l'ha vista morire?
Produktionsland/jahr: Italien 1972
Bewertung:
Studio/Verleih: Doria G. Film
Regie: Aldo Lado
Produzenten: U.a. Enzo Doria & Dieter Geissler
Drehbuch: Francesco Barilli & Massimo D'Avak
Filmmusik: Ennio Morricone
Kamera: Franco Di Giacomo
Schnitt: Jutta Brandstaedter & Angelo Curi
Genre: Horror/Drama
Heimkino-Premiere Deutschland: 1985
Kinostart Italien: 12. Mai 1972
Laufzeit: 94 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 16
Mit: George Lazenby, Anita Strindberg, Adolfo Celi, Dominique Boschero, Peter Chatel, Piero Vida, José Quaglio, Alessandro Haber, Hicoletta Elmi, Rosemarie Lindt u.a.


Kurzinhalt: Franco Serpiere und seine Frau Elizabeth haben sich zuletzt voneinander entfremdet. Während sie mit ihrer gemeinsamen Tochter Roberta in London lebt, arbeitet Franco als Bildhauer in Venedig. Als Roberta für ein paar Tage dort besucht, gerät sie ins Visier eines Kindermörders, der kurz davor in Frankreich zugeschlagen hat. Der Unbekannte trägt einen roten Mantel und einen schwarzen Schleider, was seine Identität verbirgt. Zwei Mal entkommt Roberta, ohne es zu ahnen, ihm in knapper Not. Dann jedoch gerät das junge Mädchen in seine Fänge – und wird kurz darauf ermordet aufgefunden. Der gemeinsame, tragische Verlust lässt Franco und Elizabeth wieder zusammenwachsen. Nicht damit zufrieden, zu warten, bis die Polizei Ermittlungsergebnisse liefert, machen sie sich vielmehr selbst auf die Suche nach dem Mörder ihrer Tochter…

Review (kann Spoiler enthalten): Szenenbild. Im Verlauf der Filmgeschichte hat es immer wieder spannende Doppelungen gegeben; zwei prominente Beispiele aus dem 90ern sind "Armageddon" und "Deep Impact", sowie "Dante's Peak" und "Volcano". Nicht minder spannend sind die Parallelen zwischen Aldo Lados "The Child – Die Stadt wird zum Alptraum" und Nicolas Roegs Meisterwerk "Wenn die Gondeln Trauer tragen", die nicht nur beide in Venedig angesiedelt sind, und ihre Protagonisten auf die Jagd nach einem Killer schicken (und sie so in dessen Visier geraten lassen), sondern auch die Trauer ob des Verlusts einer jungen Tochter teilen – die in "The Child" Opfer des besagten Mörders wird, während sie in "Gondeln" bevor das Ehepaar nach Venedig reist bei einem Unfall stirbt. Da a) "Gondeln" auf einer 1971 veröffentlichten Kurzgeschichte basiert, b) "The Child" 1972 gedreht und veröffentlicht wurde, jedoch nie einen großen internationalen Release erfuhr, und c) "Wenn die Gondeln Trauer tragen" ein Jahr später folgte, kann eine gegenseitige Beeinflussung doch eher ausgeschlossen werden – was es aber letztendlich eigentlich nur umso spannender macht.

Wobei "The Child" zugegebenermaßen von diesem Vergleich jetzt nicht unbedingt profitiert, da Nicolas Roegs Meisterwerk für ihn doch sehr deutlich unerreichbar bleibt. Dass er diesem unterlegen ist, macht ihn aber noch lange nicht schlecht. So profitieren beide Filme zweifellos vom wunderschönen Setting, wobei es sowohl Roeg als auch Lado famos gelingt, der schwimmenden Stadt eine geheimnisvolle und unheimliche Atmosphäre zu verleihen. Die Besetzung sticht ebenfalls positiv hervor, wobei ich mich wenn ich mir den Film ansehe jedes Mal aufs neue Frage, wo denn bitte schön George Lazenby ist, bzw. wann er endlich auftreten wird – ist dieser doch in der Hauptrolle (vor allem auch im Vergleich zu seinem einzigen Auftritt als James Bond) praktisch nicht wiederzuerkennen. Ebenfalls mit von der Partie sind u.a. die großartige Anita Strindberg (die uns beim heurigen Halloween-SPECiAl nicht zum ersten, sehr wohl nun allerdings zum letzten Mal unterkommt), sowie mit Adolfo Celi noch ein zweiter Bond-Veteran. Und dann ist da noch die wieder einmal absolut göttliche Musik von Maestro Ennio Morricone. Allerdings: Nach dem noch sehr packenden und tragischen Setup beginnt sich "The Child" spätestens zur Halbzeitmarke doch ein bisschen zu ziehen. Die Ermittlungen sind an dieser Stelle nicht übermäßig packend geraten, lassen es an regelmäßigen interessanten neuen Erkenntnissen vermissen, und der Film verliert sich ein bisschen in vergleichsweise unwichtigen Nebenfiguren und Randplots. Erst zum Ende hin dreht "The Child" dann nochmal ordentlich auf, wobei ich die Auflösung der Identität des Killers wenig bemerkenswert fand (da ist man von Giallis sonst besseres – nämlich überraschenderes, schockierendes – gewohnt), und die mehrmalige Wiederholung seines Sturzes in den Tod fast schon unfreiwillig komisch anmutet. Insgesamt bleibt somit in meinen Augen für "The Child" nicht nur "Wenn die Gondeln Trauer tragen", sondern auch Lados vorheriger Film "Malastrana" (wenn auch knapp – oder zumindest knapper) außer Reichweite.

Fazit: Szenenbild. Wenn ihr euch nur einen Film darüber anseht, wie ein Ehepaar in Venedig den Verlust ihres kleinen Mädchens betrauert, dann greift bitte unbedingt zu "Wenn die Gondeln Trauer tragen". Wenn ihr aber noch ein thematisch überraschend ähnlich gelagerter Nachschlag sein darf, dann sei zu Aldo Lados solidem Giallo-Thriller "The Child – Die Stadt wird zum Alptraum" geraten. Zwar sowohl Nicolas Roegs Film als auch seinem eigenen "Vorgänger" "Malastrana" unterlegen, fängt auch Lado die düster-unheimliche Atmosphäre der zeitlosen Stadt wunderbar ein. Darüber hinaus profitiert der Film von den starken schauspielerischen Leistungen des hier im Vergleich zu "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" nicht wiederzuerkennenden George Lazenby und seiner Film-Frau Anita Strindberg. Und auch die grandiose Musik von Ennio Morricone wertet "The Child" ungemein auf. Leider kann der Film aber das Versprechen des sehr packenden und tragischen Setups in weiterer Folge nicht ganz einlösen, und verliert sich in uninteressanten Nebenfiguren (die selbst als rote Heringe kaum Eindruck hinterlassen) und eher schleppenden Ermittlungen, die einen zu lange auf neue Erkenntnisse und/oder spannende Momente warten lassen. Das dann wieder durchaus packende Finale kann dafür zwar teilweise, aber halt eben nicht vollständig entschädigen.

Wertung: 6 von 10 Punkten
Christian Siegel


Harrys Horror-Hintergründe:
Titel:
"Who Saw Her Die?" – auch: "Wer hat sie sterben gesehen?" Eine berechtigte und, mit Blick auf den Plot, absolut logische Frage. Viel drängender ist jedoch eine ganz andere: Wer zur Hölle ist bitte auf den umständlichen deutschen Titel "The Child – Die Stadt wird zum Alptraum" gekommen?? Ich meine: Okay, das mit der Stadt geht ja noch in Ordnung, aber… THE CHILD?? Warum?? Wenn ich "The Child" lese, denke ich automatisch an den Streifen von 1977 mit demselben Titel – da passt das auch. Aber hier? Wir haben es hier mit einem reinrassigen Giallo zu tun und NICHT mit einem "Evil-Kid"-Film! Hmpf. Rant over. International hat man zumeist den Originaltitel "Chi l'ha vista morire?" (oder eine ähnliche Variante) in der jeweiligen Landessprache übernommen. Ausnahmen sind die Finnen mit "Verta Venetsiassa" ("Blut in Venedig") oder der griechische Wiederaufführungstitel "Ta vimata ti nyhta fernoun to thanato" ("Schritte in der Nacht bringen den Tod"). Beides sehr schön – und viel passender als THE CHILD. *kopfschüttel*

Fassungen:
Szenenbild. Viel gibt es hier nicht zu berichten. Der Film ist in Sachen Gewalt relativ dezent, daher war in Sachen Zensur quasi nichts zu bemängeln. Vergleicht man VHS- mit DVD-Veröffentlichungen, gibt es hier und da oft einzelne Szenen, die um ein paar Frames länger sind, bzw. einige wenige minimale alternative Einstellungen – aber nichts, was ins Gewicht fällt. Zumindest das britische Shameless-Label hat einen auf ganz besonders dreist gemacht und seine Veröffentlichung als weltweit längste Fassung angepriesen – völliger Quatsch. In einer Mordszene gibt's statt fünf Messerstichen nun acht. Diese drei Extrastiche stammen aus dem Trailer, waren NUR für den Trailer gedacht und NICHT für den fertigen Film. Shameless war das aber egal; also haben sie die drei Zusatzstiche einfach in den Film reingeschnitten. Eigentlich unfassbar.

Fazit:
Das ist so ein Film, der mir mal mehr, mal weniger gefällt. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, hat mich die extreme Nähe zu "Wenn die Gondeln Trauer tragen" vom Sitz gehauen. Bei weiteren Sichtungen blieb das aus, und so hat er mich – warum auch immer – mal mehr, mal weniger beeindruckt. Insgesamt aber schon ein sehr guter Giallo, wenn auch nicht oberste Liga.
Harry
(Bilder © 1972 Doria G. Film)


Weiterführende Links:
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