Französischer Body-Horror von Marion Le CorollerKategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 25 Oktober 2026
Originaltitel:
Sanguine
Produktionsland/jahr:
Frankreich 2026
Bewertung:
Studio/Verleih:
Windy Production
Regie:
Marion Le Coroller
Produzenten:
U.a. Carole Lambert
Drehbuch:
Marion Le Coroller & Thomas Pujol
Filmmusik:
Benjamin Wallfisch
Kamera:
Guillaume Schiffman
Schnitt:
Jerome Eltabet
Genre:
Horror/Drama
Kinostart Deutschland:
Noch nicht bekannt
Kinostart Frankreich:
28. Oktober 2026
Laufzeit:
103 Minuten
Altersfreigabe:
Noch nicht geprüft
Mit: Mara Taquin, Karin Viard, Kim Higelin, Sami Outalbali, Clement Bresson, Sonia Faidi, Benjamin Mendes, Stefan Crepon u.a.
Kurzinhalt:
Die junge Ärztin Margot Loiseau hat ihren Traumjob gewonnen: Im einem angesehen Krankenhaus, als Ärztin im Team von Dr. Hélène. Eine ihrer ersten Patientin leidet unter akutem Schlafmangel und Hautausschlägen. Kurz darauf beobachtet sie ähnliche Symptome auch bei sich – und befürchtet einen Zusammenhang mit jener Krankheit, die zuletzt zahlreiche junge Menschen in Frankreich befällt. Diese arbeiteten allesamt in stressigen Jobs, und litten eben zuerst an diesen Symptomen, ehe sie schließlich völlig durchdrehten, und zuerst andere um sich herum angriffen, und sich schließlich selbst umbrachten. Sie versucht, Hélène von ihrem Verdacht einer eben solchen geheimnisvollen Seuche die um sich geht zu überzeugen, doch die Chefärztin will davon nichts wissen. Und so bleibt Margot nichts anderes übrig, als die Krankheit an sich selbst zu erforschen, in der Hoffnung, ein Heilmittel zu finden, ehe es für sie zu spät ist…
Review (kann Spoiler enthalten):
"Species" hat mich von der Thematik her stark an den ebenfalls beim SLASH Filmfestival gezeigten "Anymart" erinnert (für den ich jedoch im heurigen Halloween-SPECiAL keinen Platz gefunden habe; wobei der ohnehin noch stärker "nur" Sozialsatire und noch weniger Horrorfilm), geht es doch in beiden um Menschen, die in ihrem Job kaputtgehen. So gesehen hätten die ein cooles Double Feature abgegeben (stattdessen wurden sie leider an zwei unterschiedlichen Tagen gezeigt); umso mehr, als die erste Szene im Fast Food-Restaurant fast eine Art Sequel zu "Anymart" sein könnte. Jedenfalls gelang es "Species" mit diesem brutal-blutigen Einstieg ("Bloody Burger" – in der Tat!) gleich mal, mein Interesse zu wecken. Was auch insofern nicht geschadet hat, als er danach erstmal deutlich ruhigere Töne anschlägt, und sich Zeit nimmt, um uns Hauptfigur Margo – und die wichtigsten Personen um sie herum – vorzustellen. Mit seiner Darstellung des extrem stressigen Jobs sowie dem massiven Erfolgsdruck, unter dem Margot (und die anderen) stehen, wirkt "Species" kurzzeitig eher wie eine Fortsetzung von "Heldin" (was in keinster Weise negativ gemeint ist).
Bis sich bei Margot die ersten Symptome zeigen, und daraufhin die Body-Horror-Elemente stärker in den Mittelpunkt rücken. Und diese haben es in der Tat in sich. Zu Beginn tritt ja "nur" Blut aus der Haut aus, was zwar wenig spektakulär aussehen mag, für sich genommen aber schon ein zutiefst erschreckender und beunruhigender Gedanke ist. Dies ist aber nur die erste, noch relativ harmlose Stufe. So richtig übel wird es dann erst danach, wenn sich die ersten Ausschläge zeigen. Alle Body-Horror-Elemente waren dabei Makeup-technisch fantastisch umgesetzt; und vor allem die Szenen mit der Säure gingen mir durch Mark und Bein. All dies steigert sich dann schließlich zu einem wirklich packenden Finale, wo wir genau das erleben, was Margot zuvor von ihrer Kontaktperson – einst Journalist – geschildert wurde, wobei Regisseurin Marion Le Coroller insbesondere das kurzzeitige Hoch direkt nach der Transformation perfekt einfängt. Aber auch das kompromisslose Ende bleibt in Erinnerung. Neben Le Corollers hochwertiger Inszenierung sowie den gelungenen Body-Horror-Effekten ist es aber in erster Linie die phänomenale schauspielerische Leistung von Mara Taquin in der Hauptrolle, die in Erinnerung bleibt. Abzüge gibt es u.a. für die doch eine Spur zu lange Laufzeit, wobei ich insbesondere das (bisexuelle) Liebesdreieck entbehrlich (und aufgesetzt) fand. Auch, ob es die Intrige im Krankenhaus unbedingt gebraucht hat, erscheint mir zweifelhaft; zumal dieser Teil doch extrem vorhersehbar war. Vor allem aber hadere ich mit dem Epilog. Auf der einen Seite ist die Idee ja schon ganz witzig. Andererseits war es tonal ein doch ziemlich starker Bruch, und wirkte es inhaltlich für mich – trotz des "Abschlusses" für Margos Geschichte – doch eher unnötig. Insgesamt hat mir "Species" aber ziemlich gut gefallen.
Fazit:
Nach dem passend-blutigen Einstieg im "Bloody Burger"-Laden geht es "Species" erstmal etwas ruhiger an, und nimmt sich Zeit, zuerst die Hauptfigur Margot (und die wichtigsten Personen um sie herum) vorzustellen, und zugleich das zentrale Mysterium rund um die seltsame Krankheit die viele junge Menschen mit stressigen Jobs befällt anzuteasern. Doch nachdem man sich im ersten Drittel noch eher wie bei einer Fortsetzung zu "Heldin" vorkommt, dreht "Species" dann im Mittelteil im Hinblick auf die Body Horror-Elemente so richtig auf. Diese sind von Beginn an durchaus erschreckend (und Makeup-technisch fantastisch umgesetzt), aber vor allem die Szenen mit der Säure waren brutal. Getragen von einer famosen zentralen Performance von Mara Taquin, steuert "Species" so unaufhaltsam auf sein kompromissloses Ende zu. Zwar war der Film in einem Teilbereich sehr vorhersehbar, vielleicht die Spur zu lang, fand ich das Dreiecksverhältnis doch eher entbehrlich, und bin ich mir nicht sicher, ob er den Epilog wirklich gebraucht hat (auch wenn er mich zugegebenermaßen durchaus zum Schmunzeln brachte). Dennoch setzt "Species" den aktuellen Erfolgslauf des französischen Genre-Kinos im Body Horror-Bereich (Stichwort "The Substance") ungehindert fort.