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Her Private Hell Drucken E-Mail
NRWs schale filmische Oper Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Freitag, 23 Oktober 2026
 
Halloween-SPECiAL

 
Her Private Hell
Originaltitel: Her Private Hell
Produktionsland/jahr: USA 2026
Bewertung:
Studio/Verleih: byNWR/Neon
Regie: Nicolas Winding Refn
Produzenten: U.a. Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn & Esti Giordani
Filmmusik: Pino Donaggio
Kamera: Magnus Nordenhof Jønck
Schnitt: Matthew Newman
Genre: Horror/Science Fiction
Kinostart Deutschland: 12. November 2026
Kinostart USA: 24. Juli 2026
Laufzeit: 110 Minuten
Altersfreigabe: Noch nicht geprüft
Mit: Sophie Thatcher, Charles Melton, Havana Rose Liu, Kristine Froseth, Shioli Kutsuna, Aoi Yamada, Dougray Scott, Diego Calva, Hidetoshi Nishijima u.a.


Kurzinhalt: In einer futuristischen, in Nebel getauchten Welt bereitet sich die Schauspielerin Elle auf ihr nächstes Projekt vor, welches von ihrem berühmten Vater Johnny Thunders gedreht wird. Zusammen mit ihrer Stiefmutter Dominique sowie ihrer Kollegin Hunter beobachtet sie, wie im gegenüberliegenden Hochhaus eine Frau brutal ermordet wird – das jüngste Opfer des geheimnisvollen Leathermans. Die entsprechenden Bilder wollen Elle auch in den darauffolgenden Tagen, bei den Dreharbeiten, nicht aus den Kopf gehen. Parallel dazu leidet sie unter dem angespannten Verhältnis zu ihrem Vater, welches nicht zuletzt auch darunter leidet, dass Dominique einst ihre beste Freundin – und kurz auch Geliebte – war. Darüber hinaus wird sie von den Geschichten rund um den Leatherman geplagt, der immer aus dem Nebel heraus zuschlägt. Und wie stehen die aktuellen Ereignisse mit jenen vor ein paar Jahrzehnten in Verbindung, als der in Japan stationierte amerikanische Soldat K, davon überzeugt, dass der Leatherman seine Tochter geschnappt hat, sich auf die Suche nach ihr machte?!

Review (kann Spoiler enthalten): Szenenbild. Die perfekte Beschreibung für den cineastischen Beziehungsstatus zwischen mir und Nicolas Winding Refn ist wohl die geflügelte Bezeichnung "Es ist kompliziert". "Drive" ist ein absolutes Meisterwerk, dass ich bis zum Ende meiner Tage verteidigen werde. "The Neon Demon" sowie "Bronson" fand ich zumindest ok. Demgegenüber hätte mich "Valhalla Rising" fast in den Schlaf gewogen. Und "Only God Forgives" fand ich einfach nur furchtbar. Den Rest von ihm – inklusive die diversen Miniserien der letzten Jahre – kenne ich (noch) nicht. Angesichts meiner doch ziemlich durchwachsenen Ansicht zu seinem bisherigen Output bin ich jedenfalls mit doch ziemlich verhaltenem Interesse in seinen jüngsten Film (der zum Eröffnungsfilm des diesjährigen SLASH Filmfestivals auserkoren wurde) gegangen. Und was soll ich sagen: Ich habe nicht viel erwartet, und auch nicht viel bekommen. Was insofern schade ist, als ich normalerweise solchen (alp-)traumhaften Stoffen durchaus zugeneigt bin (ich denke da u.a. an so Klassiker wie "Suspiria" oder "Possession"). So gesehen hätte ich gehofft, dass ich mit NRWs jüngstem Film, den er selbst als filmische Oper bezeichnet, mehr würde anfangen können.

Leider aber war mir das alles zu diffus. Refn wirft uns hier ohne jegliche Erklärung und/oder Vorbereitung in eine postapokalyptische Welt, und gibt uns auch danach nicht die erforderlichen Hintergrundinfos, die zumindest ich benötigt hätte, um in die Story hineinzufinden. Dadurch bleibt alles sehr vage und zumindest für mich nicht greifbar; ein bisschen so wie ein unfertiges Bild. Die Story war generell ausgesprochen dünn, vor allem auch für die Laufzeit von knapp zwei Stunden, weshalb sich immer wieder ordentliche Längen einschleichen. Und die für NRW so typischen plötzlichen Gewaltexzesse wirkten hier auf mich enorm beliebig, erzwungen und aufgesetzt. Erschwerend kommt hinzu, dass er der von mir seit "Prospect" überaus geschätzten Sophie Thatcher die längste Zeit nichts zu tun gibt, als hübsch auszusehen (was ihr immerhin nicht schwer fällt), weshalb sie auf mich teilweise fast schon mehr wie ein Model denn eine Schauspielerin wirkte. Bis das dann irgendwann bricht, und sie wiederum völlig überdreht (was ich eher NRW vorwerfe, als ihr). Der Kontrast zwischen beiden Darstellungen war viel zu heftig, als dass es auf mich stimmig gewirkt hätte. Last but not least ist NRWs Inszenierung teilweise derart "male-gazey" – sprich, die körperlichen Vorzüge der weiblichen Besetzung zelebrierend – dass es fast schon an eine Parodie grenzt. Was wiederum die (nichtsdestotrotz ja auch vorhandenen) positiven Aspekte betrifft, drängt sich – natürlich – in erster Linie die wirklich bestechende visuelle Gestaltung in den Vordergrund. Dies bezieht sich sowohl auf die Bilder an sich, die Neon-Optik, die Kostüme, das Set Design, und so weiter. Optisch beeindruckende Filme zu schaffen, das kann NRW nun mal. Die Idee, eine Art moderndes Märchen für Erwachsene zu erzählen ("böse" Stiefmutter inklusive), fand ich grundsätzlich ebenfalls reizvoll (es haperte in meinen Augen halt "nur" an der Umsetzung). Die entrisch-jenseitige Atmosphäre hatte es mir ebenfalls durchaus angetan. Und immerhin, nachdem ich mich in der ersten Stunde mit ihm leider überwiegend gelangweilt hatte, dreht "Her Private Hell" im letzten Drittel dann doch noch ein bisschen auf. Die größte Stärke liegt aber in Pino Donaggios Musik. Vom Film losgelöst angehört nutzen sich die von ihm komponierten und grundsätzlich wunderschönen Melodien relativ rasch ab, in der Kombination mit den Bildern hat das aber wunderbar funktioniert. Mit mehr – und interessanterem (oder ich sollte wohl besser sagen: mich mehr ansprechendem) Inhalt hätte das somit durchaus was werden können. So hingegen war es für mich leider ein Fall von "Viel Schein, wenig sein".

Fazit: Szenenbild. "This is gonna be hell" meint Sophie Thatchers Elle relativ zu Beginn des Films. Ganz so weit würde ich zwar nicht gehen, aber ja, vom (filmischen) Himmel ist "Her Private Hell" in meinen Augen leider in der Tat ziemlich weit entfernt. Optisch natürlich wieder höchst beeindruckend, mit einer grundsätzlich ja ganz netten Grundstimmung, einem nicht uninteressanten Setting, und vor allem einem famosen Score von Pino Donaggio, mäandert "Her Private Hell" mehr als eine Stunde lang vor sich hin. NWR verlegt sich hier völlig auf die Visuals und die Atmosphäre, ich fands aber leider doch ziemlich dröge. Zumal das alles enorm vage und diffus blieb, und ich sowohl deswegen als auch aufgrund einiger doch ziemlich schräger Elemente leider nie so recht in den Film fand. Sophie Thatcher ist zudem die meiste Zeit verschwendet, und Charles Melton ungemein farblos. Wie sein Handlungsstrang auf mich generell die längste Zeit wie ein Fremdkörper wirkte. Erst im letzten Drittel dreht der Film dann langsam – zumindest ein bisschen – auf, und steigert sich dann zu einem ordentlichen Finale. Bis dahin dürfte nur halt leider ein Großteil des Publikums schon entweder im Kinosessel oder zu Hause auf der Couch eingeschlafen sein.

Wertung: 4 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2026 Neon)


Weiterführende Links:
Halloween-SPECiAL 2026





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