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Der schwarze Leib der Tarantel Drucken E-Mail
Mittelmäßiger Giallo von Paolo Cavara Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Dienstag, 20 Oktober 2026
 
Halloween-SPECiAL

 
Der schwarze Leib der Tarantel
Originaltitel: La tarantola dal ventre nero
Produktionsland/jahr: Italien 1971
Bewertung:
Studio/Verleih: Da.Ma. Cinematografica
Regie: Paolo Cavara
Produzenten: Marcello Danon
Drehbuch: Lucile Laks
Filmmusik: Ennio Morricone
Kamera: Marcello Gatti
Schnitt: Mario Morra
Genre: Horror/Thriller
Kinostart Deutschland: 07. Mai 1972
Kinostart Italien: 04. September 1971
Laufzeit: 88 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 18
Mit: Giancarlo Giannini, Claudine Auger, Barbara Bouchet, Rossella Falk, Silvano Tranquilli, Annabella Incontrera, Ezio Marano, Barbara Bach, Stefania Sandrelli, Giancarlo Prete u.a.


Kurzinhalt: Maria Zani wird ermordet in ihrem Haus aufgefunden. Da man Hinweise darauf findet, dass sie eine Affäre hatte, gerät verständlicherweise ihr Ehemann Paolo ins Visier des leitenden Ermittlers, Inspektor Tellini. Der Bericht des Gerichtsmediziners macht ihn allerdings stutzig, denn laut diesem wurde Maria bevor sie mit einem Messer erstochen wurde eine in Gift getränkte Akkupunkturnadel ins Genick gestochen, woraufhin sie gelähmt war. Als kurz darauf dann noch eine zweite Frau nach dem gleichen Muster ermordet wird, die keinerlei erkennbare Verbindung zu Paolo hatte, muss TEllini den Kreis seiner Ermittlungen erweitern. Als sich herausstellt, dass die beiden Frauen Kundinnen der gleichen Wellness-Einrichtung waren, befragt Tellini deren Leiterin Laura. Diese ist tatsächlich insofern eine zwielichtige Gestalt, als sie ihre Kundinnen mit deren Affären erpresst, wobei ihr Mario als Komplize dient. Damit ihre entsprechenden Taten nicht auffliegen, nehmen sie nun Tellini ins Visier. Dieser lässt sich zwar nicht einschüchtern, bringt jedoch mit seiner Beharrlichkeit sowohl sein Leben als auch das seiner Frau in Gefahr…

Review (kann Spoiler enthalten): Szenenbild. In der Blütezeit des Giallo-Thrillers entstanden, ist "Der schwarze Leib der Tarantel" ein geradezu prototypischer Vertreter des Genres. Einzige Ausnahme, dass der Ermittler hier tatsächlich ein Polizist, und kein Amateur ist (womit er mit mindestens einem Fuß im zeitgleich aufkommenden Poliziottesco-Genre steht). Davon abgesehen wird einem hier aber alles geboten, was man sich bei einem Giallo erwartet: Brutale Morde, viel nackte Haut, und eine überraschende Auflösung. Woran es ihm allerdings leider ziemlich mangelt, sind die originellen Elemente, die ihn aus der Masse hervorstechen lassen und damit zugleich dafür sorgen würden, dass er sich von eben dieser abheben kann. Mit einer rühmlichen Ausnahme: Die Mordmethode des Killers. Die war nämlich nicht nur einfallsreich, sondern auch wirklich perfide. Das bleibt somit definitiv in Erinnerung. Aus meiner Sicht ist das aber auch das Einzige am Film, wo man dies behaupten kann.

Was nicht heißen soll, dass es davon abgesehen nicht auch noch einige nennenswerte Stärken gäbe. So macht sich u.a. die hochkarätige Besetzung durchaus positiv bemerkbar, die u.a. mit Giancarlo Giannini, Claudine Auger, Barbara Bouchet und Barbara Bach aufwartet. Die Musik von Ennio Morricone mag meiner Einschätzung nach zwar nicht zu seinen besten und/oder einprägsamsten Arbeiten zählen (andererseits, so wie er die Anfang der 70er herausgehauen hat, kann man ihm kaum einen Vorwurf daraus machen), unterstützt aber dennoch die Atmosphäre des Films gekonnt. Und auch der Twist am Ende (den man zudem mit dem Fund eines entscheidenden Beweisstücks sehr gut vorbereitet) weiß durchaus zu gefallen. Leider aber wollte mich "Der schwarze Leib der Tarantel" irgendwie nie so recht packen. Teilweise mag dies daran liegen, dass wir die Ermittlungen hier eben, wie sonst im Genre üblich, aus der Perspektive des Polizisten verfolgen. Zumal ich mich Tellini leider nie ähnlich verbunden fühlte, wie dass bei anderen Hauptcharakteren in Giallo-Thrillern schon mal der Fall war. Darüber hinaus lernen wir auch abseits von diesem und seiner Frau, die potentiellen Opfer nicht näher kennen, so dass wir dann in weiterer Folge mit ihren mitfiebern könnten (bzw. mitleiden würden). Die Ermittlungen gestalten sich zudem meines Erachtens doch ein bisschen schleppend. Und zum Ende hin leistet sich "Der schwarze Leib der Tarantel" dann auch nochmal ein paar Momente, die mich doch eher mit den Augen rollen ließen. Angefangen dabei, dass Tellini selbst zur Rettung seiner Frau eilt (statt seine Kollegen zu verständigen, die vielleicht schneller vor Ort wären), bis hin zu seiner Entscheidung, sich völlig unnötigerweise auf einen Faustkampf mit dem Mörder einzulassen. Zuletzt sei noch (weniger als Kritikpunkt denn als Randnotiz) erwähnt, dass der Tierbezug – der auf den Originaltitel von "Das Geheimnis der Schwarzen Handschuhe, "Der Vogel mit dem Kristallfederkleid", zurückgeht – hier wieder einmal sehr behauptet ist, eben um eine Nähe zu Argentos Thriller-Meisterwerk zu suggerieren. Ein Versprechen, dass "Der schwarze Leib der Tarantel" halt leider, zumindest in meinen Augen, nicht wirklich einlösen konnte.

Fazit: Szenenbild. Natürlich: So wie die Giallo-Thriller Anfang der 70er in Italien aufgrund ihrer Popularität herausgehauen wurden – fast schon wie am Fließband – scheint es fast unvermeidlich, dass da dann auch jene Vertreter darunter waren, die sich zwar den typischen Elementen bedienten, das Endergebnis aber halt doch eher dem Mittelmaß zuzuordnen ist. "Der schwarte Leib der Tarantel" ist für mich genau so ein Fall. Er hat genau einen Aspekt, der wirklich in Erinnerung bleibt, nämlich die fiese Mordmethode. Davon abgesehen bietet er zwar die typischen Zutaten, das Endergebnis schmeckt aber doch irgendwie fahl. Echte Spannung wollte bei mir leider nie wirklich aufkommen, die Ermittlungen waren auch nie wirklich interessant, er lud in meinen Augen auch nie so recht zum Mitraten ein, und so nett der Twist am Ende auch war, so manche nicht nachvollziehbare Entscheidung Tellinis beim Showdown glichen diesen Pluspunkt leider gleich wieder aus. Die coole Besetzung und die zumindest solide Musik (auch wenn Morricone zu der Zeit auch weit besseres abgeliefert hat) machen ihn zwar zumindest anschau-(bzw. hör-)bar. Zu den großen Giallo-Klassikern, die man keinesfalls verpassen darf, würde ich ihn aber nicht zählen.

Wertung: 5 von 10 Punkten
Christian Siegel


Harrys Horror-Hintergründe:
Titel:
Als ich ihn zum ersten Mal gesehen hab, war ich enttäuscht. Mir war zwar bewusst, dass es hier nicht wirklich um Spinnen geht, aber der unglaubliche Titel hatte mir unterbewusst etwas suggeriert, das der Film dann nicht einlöste. Aber schon beim zweiten Ansehen hat er mich ganz unerwartet vom Sofa gehauen. Ist das wirklich derselbe Film? Warum ist der auf einmal bitte so geil? "The Black Belly of the Tarantula" (hach!) beziehungsweise "Der schwarze Leib der Tarantel" (doppel-hach!) gehört ganz sicher ins oberste Pantheon großartiger Giallo-Titel. Auch wenn es an Taranteln beziehungsweise deren schwarzen Bäuchen mangelt, tut das – wenn man den Titel ignoriert – nichts zur Sache. Es ist ein großartiger Film, der, obwohl er noch in der Frühphase des Genres entstanden ist, bereits gewaltig mit den "Regeln" des Giallo spielte und sich teilweise schon als eine Art Proto-Poliziottesco präsentierte.

Szenenbild. Der Titel an sich ist natürlich Wahnsinn – oder sagen wir: die Titel. Italienisch, Englisch, Deutsch: allesamt cool, aber sie unterscheiden sich in kleinen, aber feinen Details. Im Original heißt der Streifen "La tarantola dal ventre nero", also "Die Tarantel mit dem schwarzen Bauch", auf Englisch dagegen "The Black Belly of the Tarantula", also "Der schwarze Bauch der Tarantel". Im Deutschen wird der Bauch durch den Leib ersetzt, was wohl am elegantesten klingt und mir auch am besten gefällt. Bei alternativen Titeln hat sich besonders Skandinavien ausgetobt. Was die Nordlichter am Spinnenbauch so stört, ist mir nicht bekannt, aber auf jeden Fall haben sie ihn allesamt vermieden zu erwähnen: Schweden: "Med spindelns gift" = "Mit dem Gift der Spinne". Norwegen: "Den sorte edderkopp" = "Die schwarze Spinne". Finnland: "Salaperäinen tappaja" = "Geheimnisvoller Killer". Dänemark: "Nålemordene" = "Die Nadelmorde".

Fassungen:
Die originale italienische Fassung, die auf Scheibe auch am weitesten verbreitet ist, dauert 98 Minuten und kam im Full-Frame-Format 1,37:1 in die Kinos – im krassen Gegensatz zu den USA. Dort entfernte man - sowohl um ein R-Rating zu kriegen, als auch um "Black Belly..." generell ein wenig zu straffen - ganze zehn Minuten, darunter neben entschärften Gewaltszenen auch einige nebensächliche Dialogszenen, und änderte das Format in Widescreen 1,85:1. Die US-Fassung ist nur Leuten zu empfehlen, denen der Streifen zu langsam ist (Gell, Christian!). Wobei: Ich muss gestehen, dass mir das Widescreen-Format hier überraschenderweise besser gefällt und meiner Meinung nach sogar besser zum Film passt. Die soeben veröffentlichte UHD-Edition von "Celluloid Dreams" hilft dabei, das Beste aus beiden Welten zu kombinieren. Beide Cuts gibt es sowohl im einen als auch im anderen Format – und dazu noch einen "Grindhouse Cut" einer abgenudelten italienischen Spule, der so herrlich pinklastig ist, dass es einem die Augen raushaut, lol.

Noch was?
Ja klar, und zwar: Bond, James Bond. Tatsächlich haben sich hier gleich drei Bond-Girls verirrt: Claudine Auger – "Feuerball" (1965), Barbara Bouchet – "Casino Royale" (1967) und Barbara Bach – "Der Spion, der mich liebte" (1977). Aber auch Hauptdarsteller Giancarlo Giannini gehört zur Bond-Prominenz: Er spielte in den 2000ern gleich in zwei Bond-Vehikeln mit, nämlich in "Casino Royale" (2006) und "Ein Quantum Trost" (2008). Rossella Falk war zwar nie ein Bond-Girl, spielte aber immerhin in der weiblichen Bond-Parodie "Modesty Blaise" (1966) mit. Ist doch auch was.

Fazit:
Ein toller, optisch brillianter Film eines Ausnahme-Regisseurs, der einerseits alle bekannten und beliebten Giallo-Elemente miteinander vereint, andererseits aber auch neue Wege beschreitet und damit definitiv als kleines Unikum aus der Giallo-Masse heraussticht.
Harry
(Bilder © 1971 Da.Ma. Cinematografica)


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