Ein Film wie ein Schlag in die MagengrubeKategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Montag, 19 Oktober 2026
Originaltitel:
Itt érzem magam otthon
Produktionsland/jahr:
Ungarn 2025
Bewertung:
Studio/Verleih:
FP Films
Regie:
Gábor Holtai
Produzenten:
U.a. Ádám Farkas, Péter Fülöp & Zoltán Mártonffy
Drehbuch:
Attila Veres
Filmmusik:
Gábor Holtai
Kamera:
Dániel Szöke
Schnitt:
Gábor Holtai & Vica Éva Kovács
Genre:
Thriller/Drama
Kinostart Deutschland:
Noch nicht bekannt
Kinostart Ungarn:
19. Februar 2026
Laufzeit:
124 Minuten
Altersfreigabe:
Noch nicht geprüft
Mit: Rozi Lovas, Aron Molnar, Tibor Szervet, Bettina Jozsa, Istvan Znamenak, Kornel Simon, Dorka Gryllus, Soma Simon u.a.
Kurzinhalt:
Rita hat gerade ihren letzten Arbeitstag hinter sich gebracht; ihr Chef kann sich die zusätzliche Unterstützung nicht mehr länger leisten. Auf dem Weg nach Hause wird sie überfallen und entführt. Als sie wieder zu sich kommt, findet sie sich in einem spartanisch eingerichteten, abgesperrten Raum wieder. Ihr gegenüber sitzt ein junger Mann, der sich ihr als Marci vorstellt – und behauptet, bei Rita würde es sich in Wahrheit um seine lang verschollene Western Szilvi handeln. Er händigt ihr deren Tagebücher aus, die sie sich, zusammen mit dem Familienstammbaum, genau einprägen soll. Erst, wenn sie all dies gelernt und ihre – aus seiner Sicht – wahre Identität akzeptiert hat, will er sie aus dem Zimmer lassen. Anfangs weigert sich Rita – bis ihr Widerstand schließlich gebrochen wird. Sie beschließt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, in der Hoffnung, sobald sie aus dem Zimmer entlassen wird einen Weg zu finden, um aus der Wohnung zu entkommen und die Behörden zu verständigen. Schon bald erkennt sie, dass sie nicht die einzige ist, die gegen ihren Willen in der Wohnung festgehalten und dazu gezwungen wird, eine Rolle zu spielen…
Review (kann Spoiler enthalten):
Zu Beginn macht "Feels Like Home" noch den Anschein eines ziemlich gewöhnlichen Thrillers, und man meint, man ahnt, was jetzt kommen wird. Natürlich wird Rita, entführt und gepeinigt, nachdem sie sich der scheinbar verrückten Familie unentwegt daran arbeiten, einen Weg zu finden, um zu entkommen, und den Spieß im Hinblick auf ihre Peiniger umzudrehen. Man erwägt auch einen blutigen Showdown, wo sich Ritas Zorn entlädt, und sie brutale Rache nimmt. Nun will ich hier im Hinblick darauf, wo sich das alles hinentwickelt, nicht zu viel verraten, aber es ist für mich die größte Stärke von "Feels Like Home", dass er uns eine entsprechende (primitive) Befriedigung vorenthält (was bitte schön nicht heißen soll, dass so etwas nicht auch seinen Reiz hätte), und durch etwas ungleich Interessanteres, zugleich aber auch Erschütterndes, ersetzt. Mehr kann und will ich über den Ausgang des Geschehens nun aber wirklich nicht sagen. Das, was "Feels Like Home" damit aber über solche korrupte Machtsysteme aussagt, ist für mich zugleich auch das, was den Film an meisten auszeichnet.
Doch es ist nicht nur das Ende; auch der Weg dorthin konnte mir ausgesprochen gut gefallen. Angefangen bei der Ausgangssituation, die auch sofort dafür sorgt, dass wir uns in Rita hineinversetzen, und eine Bindung zur ihr aufbauen. Man kann angesichts der brutalen Art und Weise, wie sie aus ihrem Leben gerissen und dazu gezwungen wird, in ein anderes zu schlüpfen, eigentlich gar nicht anders, als mit ihr mitzuführen und -fiebern. Neben dem Setup an sich sorgt dafür nicht zuletzt auch Rozi Lovas mit ihrer Performance, einerseits wenn sie zu Beginn unsere Sympathie auf sich zieht, andererseits aber auch mit der weiteren Entwicklung der Figur, welche sie überaus überzeugend spielt. Aber auch der Rest der Besetzung weiß zu gefallen; zumal auch die anderen Charaktere im Verlauf des Films Seiten von sich erkennen lassen, die man im ersten Moment nicht erwartet hätte. Um es mit G'Kar zu sagen: Niemand hier ist genau das, was er zu sein scheint. So packend das ganze auch ist, so findet "Feels Like Home" doch überraschenderweise auch immer wieder mal Platz für Humor – der teilweise auch herrlich bitterböse ausfällt. Und dann ist da noch die wunderbare Art und Weise, wie die kleine Gemeinschaft in der Wohnung als Analogie auf ein größeres (korruptes) politisches System fungiert. Gerade auch in dieser Hinsicht sagt "Feels Like Home" einfach so ungemein viel (mindestens so erschütterndes wie cleveres) aus. Was das betrifft, spielt dann eben auch wieder das Ende des Films hinein. So wie bei "Buddy" kann man somit auch hier nur hoffen, dass sich ihm ein deutscher Verleih finden wird, um ihn einem breiteren Publikum vorzustellen – vermittelt er doch eine Lektion darüber, wie (und wieso) korrupte politische Machtstrukturen funktionieren; und ist eben deshalb gerade jetzt vielleicht so wichtig wie schon lange nicht mehr.
Fazit:
Auf mindestens so erschütternde wie bitterböse Art und Weise rechnen Drehbuchautor Attila Veres und Regisseur Gábor Holtai hier mit korrupten politischen Systemen jedweder Art ab. Mehr noch als die Tatsache, wie man die Mechaniken dahinter an den Pranger stellt, besticht "Feels Like Home" mit der Art und Weise, wie der Film aufzeigt, wie und vor allem auch warum sie funktionieren. Es ist vor allem dieser Aspekt, der einen an "Feels Like Home" so hart trifft, und dafür sorgt, dass er zumindest mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Darüber hinaus gelang es dem Film von Beginn an, mich in den Bann zu ziehen, und mit Rita mitfiebern zu lassen. Insbesondere Rozi Lovas spielt ihre Figur dabei absolut herausragend, wobei letztendlich das gesamte Ensemble zu überzeugen weiß, und es versteht, ihren anfänglich sehr eindimensional erscheinenden Figuren im Verlauf des Films unerwartete Facetten abzuringen. Aus der packenden Grundidee entwickelt sich in weiterer Folge ein faszinierendes Spiel mit Macht, welches dann eben vor allem mit dem Finale, und der bedrückenden Aussage dahinter, besticht. Definitiv kein "Feel Good"-Film, aber ein ungemein wichtiger und aktueller – und das weit über die ungarische Landesgrenze hinaus.