Kurzinhalt:
Freddy ist eines von vier Kindern, die Teil der Fernsehsendung "Buddy" sind. Die Hauptrolle spielt ein großes Plüsch-Einhorn, eben Buddy. Nebend en Kindern sind u.a. noch eine Krankenschwester, ein Briefkasten, ein Zug, ein Brunnen und ein Rucksack – die natürlich allesamt sprechen können – mit von der Partie. Alles ist bunt und fröhlich, während die Kinder wichtige Lektionen fürs Leben lernen. Bis Freddy eines Tages das Gefühl hat, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Denn mit einem Mal ist eines der Kinder verschwunden, und wurde durch ein anderes ersetzt – und außer ihr scheint sich niemand darüber zu wundern. Noch schlimmer: Als sie erkennt, dass Buddy sie offen angelogen hat, muss sie befürchten, dass er etwas mit dem Verschwinden zu tun hat. Ist die Welt, in der sie sich befindet, nicht so heil, wie sie das bisher angenommen hat? Als es ihr schließlich gelingt, die anderen Kinder von ihrem Verdacht zu überzeugen, versucht man gemeinsam, zu fliehen. Das jedoch gefällt Buddy so gar nicht…
Review (kann Spoiler enthalten):
Sowohl aufgrund meines Alters (1980 geboren) als auch meinem Heimatort (Wien) kann ich es zwar nicht zu 100% beurteilen, da ich jene Kindersendungen, die "Buddy" imitiert (und persifliert), nicht persönlich mitverfolgt habe. Ausgehend von meinen überschaubaren Vorkenntnissen schien es Caspar Kelly hier aber fantastisch zu gelingen, die US-amerikanischen Kindersendungen der frühen neunziger – insbesondere natürlich das Vorbild "Barney und seine Freunde" – zu rekonstruieren. Darin liegt dann auch gleich der erste Reiz des Films, insbesondere in den ersten paar Minuten. Es macht Spaß, in diese Welt mit all ihren Klischees – wie die wandelnde Plüschfigur, die sprechenden Gegenstände, die moralisierenden Geschichten, die Songs – einzutauchen. Wobei es nicht lange dauert, bis eben diese Welt erste Risse bekommt – bis sie schließlich dann völlig bricht, und sich die vermeintlich harmlose, freundliche Kindersendung in einen Alptraum verwandelt. Jedenfalls fand ich alles bis zur Flucht der Kinder fantastisch umgesetzt.
Danach vollzieht "Buddy" einen völligen tonalen und narrativen Bruch, auf den ich mich erstmal einstellen musste. Weil im ersten Moment ist einem überhaupt nicht klar, wie das, was davor kam, mit diesem neuen Handlungsstrang in Verbindung steht. Es dauerte allerdings nicht lange, bis mich auch diese Storyline rund um Grace abgeholt hat; vor allem auch, weil es Cristin Miliotti und Caspar Kelly sehr gut gelingt, Grace' diffuses Gefühl, dass irgendetwas nicht richtig ist, bzw. etwas – oder genauer gesagt, jemand – fehlt, sehr gut einzufangen. Es dauert dann auch nicht lange, bis einem im Hinblick auf die Verbindung beider Handlungsstränge ein Licht aufgeht. Jener Moment, zu dem dies dann schließlich hinführt, zählt für mich zu den stärksten des Films – war das doch schon richtiggehend emotional (die wenigsten hätten wohl nach den albernen ersten paar Minuten erwartet, dass sich der Film in eine derart berührende Richtung entwickeln wird). Aber auch davon abgesehen fand ich das Finale super. Und die Auflösung, was es mit Buddys Welt genau auf sich hat – sowie, dass diese, sagen wir mal, nur Teil eines größeren Systems ist – hatte es mir auch angetan. In erster Linie waren es für mich aber die wunderbaren tonalen Schwenks, die Kelly hier fantastisch hinbekommen, die mich an "Buddy" begeisterten. Dazu gesellt sich dann noch die eine oder andere überraschend brutale Szene, die durch die Bank fantastischen schauspielerischen Leistungen (wobei ich insbesondere Delaney Quinn nicht genug loben kann; was für ein Talent!), die wunderbare Umsetzung sowohl von Buddys kleinem Reich als auch der Welt dahinter, der geniale Twist rund um Diamond City, ein paar coole (sowohl stimmliche als auch "körperliche") Gastauftritte, sowie das flotte Erzähltempo, welches in Verbindung mit der überschaubaren Laufzeit keine Langeweile aufkommen lässt. Vor allem aber ist "Buddy" wunderbar originell und einfallsreich. Bleibt nur zu hoffen, dass sich ein Verleih erbarmt, und dieses herrliche Horror-Kleinod offiziell in den deutschsprachigen Raum bringt.
Fazit:
Auch wenn ich mit dieser Art von Kindersendung nicht aufgewachsen bin, war ich doch von der überzeugenden Nachstellung der damaligen TV-Fernsehunterhaltung für Kinder enorm angetan. Es dauert dann auch nicht lange, bis sich in dieser kuschelig-vertrauten Fassade (aus der "Buddy" viel Reiz und Humor bezieht) erste Risse zeigen, und der Film dann zunehmend bricht. Casper Kelly und seinen Kinderdarsteller:innen gelang es ausgezeichnet, mich in ihren wenigen Szenen eine Bindung zu ihnen aufbauen zu lassen, so dass man dann, wenn die Hölle losbricht, mit ihnen mitfiebert. Parallel dazu lernen wir Grace kennen (gespielt von der wunderbaren Cristin Milioti); auch deren Handlungsstrang hat es mir angetan, vor allem aufgrund ihres diffusen Gefühls, dass irgendetwas fehlt. Wie die beiden Storylines dann zusammenkommen, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, ich fand es aber jedenfalls absolut wunderbar, und sogar richtiggehend berührend. Die Fantasiewelt ist zudem wunderbar gestaltet, und kann mit einigen netten Einfällen wie rund um die Umsetzung von Diamond City aufwarten. Gleichermaßen originell, spannend, witzig, brutal und bewegend, zählte "Buddy" für mich definitiv zu den Highlights des diesjährigen SLASH Filmfestivals!