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Never After Dark Drucken E-Mail
Dave Boyle revitalisiert den J-Horror Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 15 Oktober 2026
 
Halloween-SPECiAL

 
Never After Dark
Originaltitel: Nebâ Afutâ Dâku
Produktionsland/jahr: Japan 2026
Bewertung:
Studio/Verleih: Signal181/XYZ Films
Regie: Dave Boyle
Produzenten: U.a. Dave Boyle & Kosuke Tsutsumi
Drehbuch: Dave Boyle
Filmmusik: Jonathan Snipes
Kamera: Patrick Ouziel
Schnitt: Chieko Suzaki
Genre: Horror/Thriller
Kinostart Deutschland: Noch nicht bekannt
Kinostart Japan: 05. Juni 2026
Laufzeit: 105 Minuten
Altersfreigabe: Noch nicht geprüft
Mit: Moeka Hoshi, Kurumi Inagaki, Kento Kaku, Tae Kimura, Bokuzo Masana, Mutsuo Yoshioka u.a.


Kurzinhalt: Airi ist ein Medium, das mit Geistern in Kontakt treten kann. Tatsächlich wird sie auf ihren entsprechenden Aufträgen immer von ihrer toten Schwester begleitet. Üblicherweise hilft sie aber den verlorenen Seelen, loszulassen, und in die nächste Welt überzutreten. Eben dies soll sie nun auch für jenen Geist machen, der das Haus von Teiko unsicher macht. Diese ist erst vor kurzem in das Anwesen, welches früher ein Hotel war, eingezogen. Ihr Sohn Gunji hält Airi für eine Schwindlerin; umso mehr, als diese meint, dass die beiden während der Séance das Haus verlassen sollen, da es sonst für sie gefährlich werden könnte. Doch mittels eines Rituals tritt Airi tatsächlich in die Zwischenwelt über, wo sie den ruhelosen Geist beobachtet, um herauszufinden, was ihn davon abhält, die Welt der Lebenden zu verlassen. Bis sie schließlich herausfindet, dass sie es mit einer Präsenz zu tun hat, die stärker und gefährlicher als alles ist, dem sie sich bis jetzt stellen musste…

Review (kann Spoiler enthalten): Szenenbild. Ok, ich gebe es zu, meine Begeisterung für den J-Horror Anfang der 0er-Jahre – insbesondere für "Ringu" und Ju-On: The Grudge" mag auch darin begründet sein, dass ich filmtechnisch sehr wohlbehalten aufgewachsen bin, und damals erst relativ wenig Kontakt zum (und Erfahrung mit dem) Horrorgenre hatte. Aber ich weiß noch, wie extrem ich mich bei diesen beiden besagten Filmen damals gegruselt habe. Liegt es daran, dass ich a) älter geworden bin, b) mittlerweile deutlich mehr Erfahrung im Genre habe, oder c) spielt "Never After Dark" tatsächlich gruseltechnisch nicht auf diesem Niveau? Das ist schwer zu beurteilen. Ich kann – und muss – nur festhalten, dass er bei mir leider keine ähnliche Wirkung entfalten konnte. Sieht man davon ab, erweist sich "Never After Dark" aber als gelungene Revitalisierung eines Genres, dass in den letzten Jahren (Jahrzehnten?) doch relativ eingeschlafen ist (oder vielleicht sind die entsprechenden Filme, im Gegensatz zu damals, einfach nicht in den westlichen Kulturkreis übergeschwappt?!).

Am besten haben mir die Szenen gefallen, in denen Airi in die Zwischenwelt übertritt. Dabei fand ich grundsätzlich schon mal die Überlegung hinter dem Ritual cool, dass sie durchführen muss. Aber auch das mit der Kerze, die sie ausblasen muss, um wieder in ihren Körper zurückzukehren, war ein netter Einfall. Zugegebenermaßen wirken die entsprechenden Momente zwar von "Insidious" abgekupfert, da sie aber gut inszeniert waren und einige echt effektive Spannungsmomente boten, was das zumindest für mich kein Beinbruch. Nett auch die Konstellation rund um Airi und ihre Schwester, die es einerseits erlaubt, uns die Hauptfigur näher vorzustellen, und ihr zugleich ein Trauma mitgibt, womit im Idealfall unsere Sympathien für sie geweckt (bzw. gestärkt) werden. Zumindest in meinem Fall hat das definitiv funktioniert. Nicht ganz so erfolgreich fand ich die Interaktionen mit den Hausbewohnern. Vor allem aber sehe ich eine spätere Entwicklung kritisch, wo sich "Never After Dark" von einem übernatürlichen Horror in einen bodenständigen (Serienmörder-)Thriller verwandelt. Das fand ich dann nämlich leider längst nicht so effektiv. Der Showdown, der dann beides miteinander verbindet, war eben deshalb dann zwar wieder besser, und hat in der Art und Weise, wie beide "Schauplätze" miteinander verbunden wurden, durchaus einen gewissen Reiz. Für mich kam "Never After Dark" dann aber selbst dann nicht mehr an die starke erste Hälfte heran. Zumal auch das hier wieder ein Film ist, der in seiner ersten Szene eine spätere Entwicklung teasert, und damit bis zu einem gewissen Grad wenn schon nicht das Ende so doch zumindest einen gewissen Teil des Showdowns vorwegnimmt. Im Hinblick darauf, dass selbst Kinofilme verstärkt für die Zweitauswertung aufs Streaming schielen, wo es wichtig ist, die Zuschauer möglichst rasch zu packen, wird uns das in Zukunft wohl noch öfter unterkommen. Glücklich bin ich darüber tendenziell (natürlich gibt es immer Ausnahmen, wo so etwas Interesse wecken und/oder die Spannung steigern kann) aber halt eher nicht.

Fazit: Szenenbild. Zwar eindeutig von den großen J-Horror-Klassikern inspiriert, die um die Jahrtausendwende veröffentlicht wurden ("Ringu", "Ju-On"), kann "Never After Dark" mit diesen leider nicht ganz mithalten. Am besten gefielen mir die von Airi abgehaltenen Séancen, in denen sie in die Zwischenwelt überwechselt (auch, wenn ich mich an diesen Stellen stark an "Insidious" erinnert fühlte). Aber generell gab es rund um den Spuk im früheren Hotel ein paar atmosphärisch dichte Momente, während sich "Never After Dark" mit billigen Schockmomenten erfreulich zurückhält. Auch, wie die einzelnen Visionen am Ende zusammenlaufen, war vom Aufbau her durchaus gelungen. Und das mit dem Geist ihrer toten Schwester gab dem Film einen netten emotionalen Unterbau. Der die zweite Hälfte dominierende Handlungsstrang rund um den Serienkiller hat für mich dann aber leider nicht mehr ganz so gut funktioniert. Zumal ich das Ende auch ziemlich absehbar fand. Und insgesamt war "Never After Dark" um gute 10-15 Minuten zu lang. Fans des J-Horrors, die zuletzt ja doch ziemlich ausgehungert wurden, bietet sich hier aber ein durchaus lohnenswerter neuer Vertreter, der Hoffnung auf eine Renaissance des Genres macht – idealerweise mit Filmen, die den zuvor genannten großen Klassikern noch etwas näher kommen, als es "Never After Dark" vermag.

Wertung: 6 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2026 XYZ Films)


Weiterführende Links:
Halloween-SPECiAL 2026





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