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Beware Boiúna Drucken E-Mail
Misslungener Tierhorror von Mike P. Nelson Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Mittwoch, 07 Oktober 2026
 
Halloween-SPECiAL

 
Beware Boiúna
Originaltitel: Beware Boiúna
Produktionsland/jahr: USA/D 2026
Bewertung:
Studio/Verleih: Constantin Film
Regie: Mike P. Nelson
Produzenten: U.a. Jeremy Bolt & Robert Kulzer
Drehbuch: Mike P. Nelson, Alan B. McElroy & Tony Giglio
Filmmusik: Stephen Lukach
Kamera: Nick Junkersfeld
Schnitt: Tom Elkins
Genre: Horror
Kinostart Deutschland: 12. November 2026
Kinostart Südkorea: 02. Oktober 2026
Laufzeit: 104 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 16
Mit: Jessica Rothe, Logan Marshall-Green, Kiana Madeira, Jackson Bews, Will Close, Sergio Herrera, Mateo Moreno, Juan Pablo Shuk, Vicente Pena, Jaime Newball, Christophe de Geest, Nelson Camayo u.a.


Kurzinhalt: Die Medizinstudentin Alli begleitet die beiden Ärzte Proctor und Callum auf eine Hilfsmission in den Amazonas-Regenwald. Nach ihrem ersten Tag in einem Dorf, wo sie einige Patienten versorgt haben, treffen sie am Abend in der Bar auf die Gruppe rund um Brennan Malloy. Bei ihm und seinem Team handelt es sich um Kundschafter, die für Rohstoffunternehmen nach neuen Vorkommen suchen, die sich diese unter den Nagel reißen lassen. Diese Art der Ausbeutung schmeckt weder den Ärzten noch ihren aus der Umgebung stammenden Begleitern Jorge und Lena, deren Boot sie gemietet haben. Als Alli von Brennans jüngerem Bruder Shawn dabei erwischt wird, kommt ihr Lena zu Hilfe. Beim darauffolgenden Gerangel fällt Shawn mit seinem Kopf auf einen Poller und stirbt. Als seine Leiche am nächsten Morgen gefunden wird, nimmt der verständlicherweise fuchsteufelswilde Brennan mit seinem Team die Verfolgung auf. Das Boot mit den Ärzten an Bord nimmt daraufhin eine Abkürzung, die sie in ein Sperrgebiet führt. Dort soll der Sage nach die Riesenschlange Boiúna ihr Unwesen treiben. Das Ärzteteam hält dies – natürlich – für Aberglauben. Doch als sie auf ein paar scheinbar von einer riesigen Schlange verzehrte Leichen stoßen, und ihre entsprechende Überzeugung zu hinterfragen beginnen, ist es bereits zu spät…

Review (kann Spoiler enthalten): Szenenbild. Mike P. Nelson hat mich letztes Jahr mit seinem durchaus gewitzten Remake zu "Silent Night, Deadly Night" positiv überrascht (für ein Review im Zuge des diesjährigen Halloween-SPECiALs war leider kein Platz, aber irgendeines fernen Tages werde ich mich im Zuge des Advents-SPECiALs dem festlichen Horror zuwenden; dafür wäre dann auch er vorgesehen). Insofern war ich im ersten Moment durchaus positiv bestimmt, als sein jüngster Streich "Beware Boiúna" als Überraschungsfilm des heurigen SLASH Filmfestivals angekündigt wurde. Zumal ich a) durchaus ein Herz für Tierhorror habe (wenn auch tendenziell eher für die trashigeren Vertreter – zu denen der hier definitiv nicht zählt), und b) Jessica Rothe seit "Happy Death Day" (und seiner Fortsetzung) überaus schätze. Und tatsächlich beginnt "Beware Boiúna" auch recht vielversprechend. Der Einstieg ist durchaus atmosphärisch, und sorgt dafür, dass uns die Figuren in kurzer Zeit vorgestellt werden. Dies ist dann allerdings auch gleich der erste Knackpunkt, denn Sympathieträger konnte ich dabei nicht wirklich ausmachen. Im besten Fall sind sie einem egal, im schlimmsten Fall wünscht man ihnen die Riesenschlage richtiggehend an den Hals. Das ist der Spannung in weiterer Folge nicht gerade zuträglich.

Ich fand auch nicht, dass man dem Film damit einen Gefallen getan hat, wie ernst er sich nimmt. Zumal es zumindest mir auch sehr schwer fiel, diese Riesenschlange ernst zu nehmen (nicht zuletzt auch aufgrund der teils untypischen Bewegungen). Damit, dass sie ihre Opfer "einfach" so verschlingt, statt zuvor zu würgen, verliert man aus meiner Sicht auch einen wesentlichen Horror, den ähnliche Filme sonst bieten, liegt doch für mich genau darin der größte Schrecken hinter der Idee. Und auch mit der Art und Weise, wie man hier eine kritische Aussage im Hinblick auf Kolonialismus zu treffen versucht, tat ich mir schwer. Ich fand das nämlich sehr aufgesetzt; wäre ich gemein, würde ich unterstellen, dass diese Elemente Bedingung waren, um irgendwelche Förderungen einzustreifen und den Film so finanzieren zu können. Jedenfalls führt all dies dann schließlich zu einem (extrem vorhersehbaren) Ende, dass so eindeutig versucht, bewegend und bedeutungsschwer zu sein, dass es zumindest in meinem Fall das genaue Gegenteil erreichte, und ich es vielmehr unfreiwillig komisch fand. Die größte Schwäche von "Beware Boiúna" liegt aber in der Inszenierung. Das Bild ist viel zu dunkel, die Kamera wackelt ständig herum, ist zu nah am Geschehen, und als wäre all das nicht schon schlimm genug, ist das Ganze dann auch noch übertrieben hektisch geschnitten. All dies macht es praktisch unmöglich, dem Geschehen auf der Leinwand zu folgen. Ich vermute, damit wollte man so gut als möglich kaschieren, dass das Budget nicht allzu groß war. Wenn ich aber dann nicht mehr erkennen kann, was hier vor sich geht, kann mich das Geschehen nicht mehr packen, verängstigen, erschrecken, oder sonst etwas. Da kann dann selbst die Tatsache, dass man löblicherweise versucht hat, so weit als möglich auf CGI zu verzichten, nichts mehr retten.

Fazit: Szenenbild. Mit "Beware Boiúna" versucht sich Mike P. Nelson an einem Tierhorror mit geopolitischem Gewissen. Es bleibt beim Versuch. Denn eben aufgrund der damit einhergehenden Aussage, die man treffen wollte, ist "Beware Boiúna" ein bierernster Film – was sich damit gespießt hat, dass zumindest ich die Szenen rund um die Riesenschlange nur sehr bedingt ernst nehmen konnte. Eine trashigere Umsetzung hätte ich hier vorgezogen, auch wenn das bedeutet hätte, auf die "anspruchsvollen" Elemente zu verzichten. Schwerer als das wiegt aber ohnehin die Umsetzung an sich. "Beware Boiúna" ist klischeehaft, abgedroschen, und – von einer Ausnahme abgesehen – schrecklich vorhersehbar. Erschwerend kommt dann noch die Inszenierung hinzu, die es aufgrund des dunklen Bildes, des hektischen Schnitts und einer wackligen Kamera, die noch dazu die meiste Zeit viel zu nah an der Action ist, schwer bis unmöglich machte, zu erkennen, was vor sich geht. Am schwersten wiegt aber, dass mir fast alle Figuren hier herzlich egal waren, und ich dementsprechend niemanden hatte, mit dem ich mitfiebern konnte. Selbst die von mir überaus geschätzte Jessica Rothe konnte da leider nicht mehr viel retten.

Wertung: 3 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2026 Constantin Film)


Weiterführende Links:
Halloween-SPECiAL 2026





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