Solides Sequel zu einem soliden FilmKategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Montag, 05 Oktober 2026
Originaltitel:
Black Phone 2
Produktionsland/jahr:
USA 2025
Bewertung:
Studio/Verleih:
Blumhouse Productions/Universal Pictures
Regie:
Scott Derrickson
Produzenten:
U.a. Jason Blum, Scott Derrickson & C. Robert Cargill
Drehbuch:
Scott Derrickson & C. Robert Cargill
Filmmusik:
Atticus Derrickson
Kamera:
Pär M. Ekberg
Schnitt:
Louise Ford
Genre:
Horror/Drama
Kinostart Deutschland:
23. Oktober 2025
Kinostart USA:
17. Oktober 2025
Laufzeit:
114 Minuten
Altersfreigabe:
FSK ab 16
Mit: Ethan Hawke, Mason Thames, Madeleine McGraw, Demian Bichir, Miguel Mora, Jeremy Davies, Arianna Rivas, Maev Beaty, Graham Abbey, James Ransone u.a.
Kurzinhalt:
Vier Jahre ist es her, dass Finney vom Greifer geschnappt wurde, und es ihm in weiterer Folge mit Hilfe von dessen früheren Opfern, die über ein schwarzes Telefon in seiner Zelle mit ihm in Kontakt traten, diesen zu töten, und so aus seiner Gefangenschaft zu entkommen. Dennoch hat er das daraus resultierende Trauma nach wie vor nicht gänzlich überwunden. Parallel dazu leidet seine Schwester Gwen zuletzt zunehmend unter düsteren Alpträumen, mit denen ihre Mutter über ein solches Telefon mit ihr in Kontakt tritt, und auf grauenhafte Vorgänge aufmerksam macht, die sich vor fünfundzwanzig Jahren im Jugendcamp am Alpine Lake zugetragen haben. Entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, brechen Finney und Gwen, begleitet von ihrem Freund Ernesto, zum Alpine Lake auf. Dort angekommen, beginnt auf einmal die eigentlich längst vom Netz genommene Telefonzelle zu läuten. Als Finney den Hörer abhebt, meldet sich der Greifer…
Review (kann Spoiler enthalten):
Natürlich stehen, wenn eine Fortsetzung zu einem erfolgreichen Film in Auftrag gegeben werden, immer in erster Linie finanzielle Interessen dahinter. Manchen Sequels ist dies aber stärker anzumerken, als anderen. Ausschlaggebend ist, ob es gelingt, sich auch wirklich eine sinnvolle Fortsetzung der Geschichte auszudenken, die noch dazu im Idealfall genau den richtigen Mittelweg zwischen bekannten und neuen Elementen findet. In meinen Augen ist dies bei "Black Phone 2" der Fall. Ich weiß, dass manche mit dem Bruch gehadert haben. Zwar gab es im ersten Film ebenfalls bereits übernatürliche Elemente, allerdings stand dort noch die recht bodenständige Story rund um den Greifer, und die Entführung von Finney, im Mittelpunkt. Hier nun ist es genau umgekehrt, und rücken die übernatürlichen Aspekte in den Vordergrund, als sich Gwen als eine Art Medium offenbart, die – so wie ihre Mutter fünfundzwanzig Jahre zuvor – von den schrecklichen Ereignissen im Camp Alpine Lake träumt.
Auf den ersten Blick könnte man den Eindruck haben, dass der Greifer völlig vergessen wurde. Wie er hier dann eben doch eingebunden wird, war für mich das Beste an "Black Phone 2". Im ersten Film haben ja die früheren Opfer des Greifers mit Finney über das in seiner Zelle hängende (nicht mit dem Netz verbundene) Telefon Kontakt aufgenommen. Hier nun ist es der Greifer selbst. Das erscheint fast schon folgerichtig, und war für mich die spannendste Idee der Fortsetzung. Zumal man damit das Plot-Konstrukt des Vorgängers dazu nutzt, Finneys Trauma zu thematisieren, und wie er – eben nicht nur bildlich, sondern wortwörtlich – vom Geist des Greifers verfolgt wird. Zugleich brachte man mit Gwens – atmosphärisch inszenierten – Träumen ein interessantes neues Element hinein. Ich verstehe alle, denen man hier in weiterer Folge ein bisschen zu deutlich in die "Nightmare on Elm Street"-Richtung ging. Da ich es hier aber sehr gut umgesetzt fand, und zudem diese Idee im Horror-Genre im Gegensatz zu anderen vergleichsweise wenig ergründet ist, hat es mich aber nicht gestört, sondern sah ich darin sogar vielmehr eine weitere Stärke. Die letzte wesentliche sind dann die schauspielerischen Leistungen. Mason Thames war hier jedenfalls stärker als im Vorgänger – so wie bei diesem ist es aber auch hier wieder Madeleine McGraw, die am meisten Eindruck hinterlässt. Insofern war es in meinen Augen auch genau die richtige Entscheidung, den Fokus im Sequel stärker auf sie und ihre Figur zu lenken. Dass das solide Sequel den soliden ersten Teil letztendlich trotz dieser Stärken nicht übertrifft, liegt in erster Linie daran, dass er auch dessen größte Schwäche teilt: Er ist zu lang. Die grundsätzlich interessante Story wird mit fast zwei Stunden einfach auf zu viel Laufzeit gestreckt, was sowohl der Spannung als auch der Dramaturgie nicht förderlich sind. Daran kann dann leider auch der wirklich launige und packende Showdown auf dem zugefrorenen See nichts mehr ändern.
Fazit:
Ich fand ja den ersten "nur" ok – und hatte dementsprechend auch nicht den Eindruck, dass die ebenfalls "nur" gute Fortsetzung im Vergleich zu diesem groß abgebaut hätte. Beide Filme eint, dass man sich dann doch etwas zu viel Zeit nimmt, um die grundsätzlich ja coole und interessante Story zu erzählen, was auf Kosten der Spannung und der Dramaturgie geht. So wie beim Vorgänger gefiel mir aber auch hier die Idee hinter der Story – in diesem Fall ganz besonders, wie man sich hier nun dem Konzept rund um dem Telefon, über das die Toten mit Finney in Kontakt treten, um ihn dadurch nun vom Geist des Greifers verfolgen zu lassen. Mehr noch als davon wird "Black Phone 2" aber von der neuen Idee rund um Gwens Alpträume dominiert. Dass der Film dadurch dann zunehmend in eine "Nightmare on Elm Street"-Richtung geht, wird nicht jedem gefallen, ich fands aber klasse. Zumal die betreffenden Szenen auch super inszeniert waren. Und auch der Showdown war gut umgesetzt. Ein bisschen mehr Disziplin am Schnittpult, und "Black Phone 2" hätte das rare Horror-Sequel sein können, dass den Vorgänger sogar noch übertrifft. So hält er aber zumindest dessen – solides – Niveau.