HOME PROJEKTE LINKS CHAT JOBS DATENSCHUTZ ARCHIV
Startseite arrow Filme von A-Z arrow Das Geheimnis der grünen Stecknadel
Das Geheimnis der grünen Stecknadel Drucken E-Mail
Was ist mit Solange geschehen? Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Sonntag, 04 Oktober 2026
 
Halloween-SPECiAL

 
Das Geheimnis der grünen Stecknadel
Originaltitel: Cosa avete fatto a Solange?
Produktionsland/jahr: Italien 1972
Bewertung:
Studio/Verleih: Rialto Film
Regie: Massimo Dallamano
Produzenten: Fulvio Lucisano & Leo Pescarolo
Drehbuch: Massimo Dallamano & Bruno Di Geronimo
Filmmusik: Ennio Morricone
Kamera: Joe D'Amato
Schnitt: Antonio Siciliano
Genre: Thriller/Drama
Kinostart Deutschland: 09. März 1972
Kinostart Italien: 23. März 1972
Laufzeit: 107 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 16 (geschnitten)
Mit: Fabio Testi, Karin Baal, Cristina Galbó, Joachim Fuchsberger, Günther Stoll, Claudia Butenuth, Camille Keaton, Maria Monti, Giancarlo Badessi, Pilar Cstel u.a.


Kurzinhalt: Der Turnlehrer Enrico Rossini hat eine Affäre mit seiner Schülerin Elizabeth. Die beiden sind gerade in einem Boot auf der Themse unterwegs, als Elizabeth glaubt, am Ufer einen Mord beobachtet zu haben. Zuerst nimmt Enrico sie nicht ernst – bis die Polizei kurz darauf an der Stelle eine Leiche entdeckt. Dass er daraufhin dem Tatort einen Besuch abstattete, macht ihn in den Augen des die Ermittlungen leitenden Inspektors Barth verdächtig. Um seine Unschuld zu beweisen, beginnt Enrico daraufhin selbst nach dem Täter zu suchen. Doch bevor er dabei Fortschritte macht, wird die Leiche einer weiteren Schülerin gefunden. Diese ging nicht nur auf die gleiche Schule, sondern die gleiche Klasse wie das erste Opfer. Sowohl Enrico als auch Barth schließen daraus, dass die Opfer nicht zufällig ausgewählt wurden – was jedoch die Frage aufwirft: Was könnte das Motiv für die Morde sein? Als Enrico zufällig hört, wie der Name Solange erwähnt wird, bringt ihn dies auf die Fährte eines schrecklichen Geheimnisses, von dem die Mädchen nun scheinbar eingeholt werden…

Review (kann Spoiler enthalten): Szenenbild. (Auch) "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" ist kein reinrassiger Giallo, bietet aber durchaus ein paar charakteristische Elemente. Nicht zuletzt natürlich, dass auch hier ein Amateur in einer grauenhaften Mordserie ermittelt, sowie mit dem Setting in Europa (in diesem Fall London). Auch die klassischen schwarzen Handschuhe, die der Mörder verwendet, dürfen hier natürlich nicht fehlen. Und im ersten Moment wirken auch die brutale (und vermeintlich misogyne) Mordmethode, sowie dass es sich bei den Opfern allesamt um junge Mädchen handelt, Giallo-typisch. Erstere wird dann jedoch bei der – durchaus schockierenden – Auflösung erklärt. Und an letzterem fällt auf, dass die Opfer eben nicht, wie man zu Beginn denken könnte, zufällig gewählt sind, sondern den Täter/die Täterin ein klares Motiv (Rache) antreibt. Was das betrifft, kann man "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" durchaus als Vorreiter solcher Teenie-Slasher wie "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" sehen. Last but not least setzt man sich hier, zumindest noch nach dem ersten Mord, stärker mit der Trauer der Hinterbliebenen auseinander, als das im Genre sonst üblich ist. Auch das stach für mich positiv heraus.

Aus heutiger Sicht eher ungünstig gewählt ist der Protagonist. Vor fünfzig Jahren sah man das wohl noch lockerer (was nicht heißt, dass es damals deshalb ok gewesen wäre), aber dass Enrico hier eine Affäre mit einer seiner Schülerinnen pflegt empfiehlt ihn jetzt nicht unbedingt als Sympathieträger, mit dem man mitfiebert (dass sich Elizabeth letztendlich als Jungfrau herausstellt, macht es im Hinblick darauf, wie er sie zuvor darauf gedrängt hat, dies zu ändern, nicht wirklich besser). Daran kann auch die charmante Performance von Fabio Testi (der hier aussieht wie ein italienischer Sean Connery) nur bedingt etwas ändern. Dessen ungeachtet sind die Ermittlungen aber durchaus spannend, und führen schließlich, als man das Geheimnis der Mädchen aufdeckt, zu einer erschütternden Offenbarung, die für mich in den dazwischenliegenden Jahrzehnten nichts an ihrer Schockwirkung verloren hat. Die Mordszenen sind zudem packend umgesetzt. Wie es Massimo Dallamano generell versteht, die Spannung über die gesamte Laufzeit hinweg hochzuhalten – und das, obwohl er den Thriller immer wieder mit amüsanten, romantischen oder erotischen Momenten auflockert. Aber auch die in schwarz/weiß gehaltene Rückblende, welche uns die damaligen Ereignisse zeigt, ist großartig inszeniert. Aus deutschsprachiger Sicht sticht darüber hinaus der Auftritt von Joachim Fuchsberger (und in geringerem Maß Karin Baal) heraus. Und auch die Musik des unvergleichlichen und unvergesslichen Ennio Morricone (der uns im Zuge des heurigen Halloween-SPECiALs aufgrund der Giallo-Retrospektive noch öfter unterkommen wird) wertet den Film deutlich auf. In erster Linie ist es aber eben der Auflösung rund um das Mordmotiv zu verdanken, dass "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" – trotz des unscheinbaren deutschen Titels – länger in Erinnerung bleibt, als das für manch anderen (insgesamt vielleicht sogar noch bessere) Giallo-Thriller gilt.

Fazit: Szenenbild. Manche sehen in "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" ein Meisterwerk des Giallo-Kinos. Ganz so weit würde ich zwar nicht gehen, aber er ist definitiv ein sehr guter Vertreter dieses Horror-Subgenres, an dem mir nicht zuletzt gefiel, dass er zwar auf der einen Seite zahlreiche typische Elemente übernimmt, sich in manch anderer Hinsicht aber vom Genre-Standard abhebt. Letzteres gilt nicht zuletzt für das Rache-Motiv des Täters/der Täterin. Zudem widmet man sich hier der Trauer der Hinterbliebenen zumindest nach dem ersten Mord ausführlicher als üblich. Tonal bietet "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" dank der eingestreuten Romantik- und (zarten) Erotik-Elemente einiges an Abwechslung, wobei es Massimo Dallamano sehr gut versteht, die Spannung wohl zu dosieren, so dass es bis zum nächsten packenden Moment (und/oder Mord) nie zu lange dauert. Vor allem aber sind die Ermittlungen von Anfang bis Ende interessant – und münden dann vor allem auch in einer Auflösung, die einem noch lange in Erinnerung bleibt.

Wertung: 7 von 10 Punkten
Christian Siegel


Harrys Horror-Hintergründe:
Titel:
Hach, "What Have You Done to Solange?" Da hat man einmal so einen wunderschönen Titel – und was machen die Deutschen? "Das Geheimnis der grünen Stecknadel", pff. Davon abgesehen, dass die besagte Stecknadel keine allzu große Rolle spielt, klingt das doch wie ein Edgar-Wallace-Film! Ähem… äh, ja… Was überall in der weiten Welt als relativ reinrassiger Giallo bzw. Thriller vermarktet wurde, war in Deutschland tatsächlich ein "Edgar-Wallace-Film" – und dann auch noch der allerletzte!

Rialto Film, die Produktionsfirma hinter den Wallace-Filmen, hatte in den 60ern ja einen Wahnsinnslauf. Aber Ende der 60er begann man erfolgstechnisch zu straucheln, da sich der Massengeschmack änderte und diese überkandidelten Krimis inzwischen eher altbacken wirkten. Um weniger finanzielles Risiko einzugehen, entschied man sich, weitere Filme nur noch in Koproduktion mit anderen Ländern zu produzieren. So entstand mit Spanien unter Jess Franco's Regie "Der Teufel kommt aus Akasava" (1970) und mit Italien Riccardo Freda's "Double Face" (a.k.a. "Das Gesicht im Dunkeln", 1969), Umberto Lenzis "Seven Blood-Stained Orchids" (a.k.a. "Das Rätsel des silbernen Halbmonds", 1972) – und eben unsere gute "Solange".

Szenenbild. Als reguläre Gialli wären diese Filme wohl in deutschen Landen gut aufgenommen worden; als Wallace-Filme fielen sie beim Publikum jedoch völlig durch. Und so entschied man sich, aus einer weiteren geplanten Koproduktion frühzeitig und rechtzeitig auszusteigen: Duccio Tessaris "The Bloodstained Butterfly", der in der BRD als "Das Geheimnis der schwarzen Rose" hätte veröffentlicht werden sollen. Damit legte man das Thema Edgar Wallace schließlich vollends ad acta (der besagte "Butterfly" erschien später unter den Titeln "Das Messer" und "Blutspur im Park").

In den USA wurde "Solange" in Grindhouse- und Autokinos unter diversen eher haarsträubenden Titeln wiederaufgeführt, z. B. "The School That Couldn't Scream", "The Rah Rah Girls", "Blood Relations", "Terror in the Woods", "Foul Play" – und sogar unter einer Variation des Edgar-Wallace-Titels: "The Secret of the Green Pins". In England war man mit "Who's Next?" und "Solange" dagegen weniger einfallsreich.

Dank des immer wieder sensationellen GIALLO FILES-Blogs weiß ich jetzt auch über einen kleinen, aber feinen Unterschied Bescheid: "The original Italian title ('Cosa Avete Fatto a Solange?') uses the plural form of 'You', which doesn't translate exactly into English. The closest we can get would be the colloquial 'What Have Y'all Done to Solange?' It's a subtle difference, but it changes the meaning of the title dramatically." Wieder was gelernt!

Fassungen:
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Fassungen von Solange: den italienischen/internationalen Cut und den deutschen Edgar-Wallace-Cut. Letzterer ist ganze 10 Minuten kürzer. So ziemlich alle härteren Szenen wurden entschärft, alle "Messer-in-der-Muschi"-Szenen wurden entfernt, und zur Straffung der Filmlänge hat man noch diverse Dialogszenen etc. gekürzt. Dafür gibt’s einen anderen Vorspann, denn wir sind ja schließlich in einem Edgar-Wallace-Film – und was darf da natürlich niemals fehlen? Richtig: "Hallo! Hier spricht Edgar Wallace!"

Noch was?
Klar! "Solange" ist der erste Teil der gemeinhin als "Schoolgirls in Peril" bekannten Trilogie, zu der auch noch "What Have They Done to Your Daughters" (1974) – im deutschsprachigen Raum als "Der Tod trägt schwarzes Leder" bekannt – sowie "Enigma Rosso / Red Rings of Fear" (1978) gehören, der im Deutschen den ach so subtilen Titel "Orgie des Todes" trägt. Alle drei Filme stammen aus der Feder des großartigen Massimo Dallamano, der ursprünglich für die Regie jedes Teils vorgesehen war. Leider starb der Gute 1976 bei einem Autounfall; so wurde der dritte Teil schließlich von TV-Regisseur Alberto Negrin abgedreht.

Szenenbild. Das Grundthema ist immer dasselbe: Teenager-Schulmädchen mit Geheimnissen werden reihum von einem mysteriösen Killer gemeuchelt. In "Solange" wird diese Geschichte als Giallo mit einigen Poliziottesco-Elementen inszeniert. "Daughters" ist mehr Poliziottesco als Giallo; selbiges gilt für "Red Rings", wobei der – im Gegensatz zu seinen trocken-düsteren Vorgängern – höchst launig, unterhaltsam und actionlastig ist. Man merkt hier sehr stark die fehlende Handschrift Dallamanos, was von vielen immer wieder stark kritisiert wird – ich hingegen hab "Red Rings" am liebsten, speziell weil ich seinen starken Fokus auf Entertainment und Absurditäten mehr als sensationell finde. Besonders in der deutschen Synchro ist der Streifen der reinste Kracher. Ein Thomas Danneberg in bester Laune und mit unsterblichen Zitaten wie: "Angela wurde mit einem Stahlschwanz umgebracht und Sie halten mir hier Vorträge über Kunstwerke!"

Fazit:
Auch wenn ich vielleicht nicht ganz so begeistert bin wie andere, hab ich "Solange" trotzdem sehr gern – ganz besonders wegen des illustren Casts, inklusive kleinem Auftritt von Camille "I Spit On Your Grave" Keaton, einigen Mini-Szenen mit der legendären Akkord-Statistin Carla Mancini und einem Cameo vom noch viel legendäreren Regisseur/Kameramann Joe D’Amato. Tja, und dann noch diese eine Sequenz in Schwarzweiß… inszenatorisch wie schauspielerisch absoluter Wahnsinn!

Harry
(Bilder © 1972 Rialto Film)


Weiterführende Links:
Halloween-SPECiAL 2026





Artikel kommentieren
RSS Kommentare

Kommentar schreiben
  • Bitte orientiere Deinen Kommentar am Thema des Beitrages.
  • Persönliche Angriffe und/oder Diffamierungen werden gelöscht.
  • Das Benutzen der Kommentarfunktion für Werbezwecke ist nicht gestattet. Entsprechende Kommentare werden gelöscht.
  • Bei Fehleingaben lade diese Seite bitte neu, damit ein neuer Sicherheitscode generiert werden kann. Erst dann klicke bitte auf den 'Senden' Button.
  • Der vorgenannte Schritt ist nur erforderlich, wenn Sie einen falschen Sicherheitscode eingegeben haben.
Name:
eMail:
Homepage:
Titel:
BBCode:Web AddressEmail AddressBold TextItalic TextUnderlined TextQuoteCodeOpen ListList ItemClose List
Kommentar:




  fictionBOX bei Facebook   fictionBOX bei Twitter  fictionBOX als RSS-Feed

TV-Planer
Im Moment keine TV-Einträge vorhanden