Nia Costas Sequel übertrifft den VorgängerKategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Samstag, 03 Oktober 2026
Originaltitel:
28 Years Later: The Bone Temple
Produktionsland/jahr:
UK/USA 2026
Bewertung:
Studio/Verleih:
Sony Pictures
Regie:
Nia DaCosta
Produzenten:
U.a. Danny Boyle & Alex Garland
Drehbuch:
Alex Garland
Filmmusik:
Hildur Guðnadóttir
Kamera:
Sean Bobbitt
Schnitt:
Jake Roberts
Genre:
Horror/Drama
Kinostart Deutschland:
15. Januar 2026
Kinostart UK:
14. Januar 2026
Laufzeit:
109 Minuten
Altersfreigabe:
FSK ab 16
Mit: Jack O'Connell, Alfie Williams, Connor Newall, Erin Kellyman, Maura Bird, Ghazi Al Ruffai, Robert Rhodes, Emma Laird, Sam Locke, Gareth Locke, Chi Lewis-Parry, Ralph Fiennes u.a.
Kurzinhalt:
Nachdem er Dr. Kelsons Knochentempel hinter sich gelassen hat, gerät Spike auf der Flucht vor Infizierten vom Regen in die Traufe, als er von Jimmy Crystal und seiner Finger-Gang aufgelesen wird. Ihm wird die Möglichkeit geboten, sich ihnen anzuschließen. Dafür muss er sich aber in einem Kampf auf Leben und Tod beweisen. Nicht nur zur Überraschung der Gang, sondern auch von Spike selbst, gelingt es ihm, sich gegen seinen deutlich größeren und stärkeren Gegner durchzusetzen. Doch damit beginnt sein Leidensweg erst. Denn als Mitglied der Gang ist er auch dazu gezwungen, sich an deren Gräueltaten gegen unschuldige Menschen zu beteiligen. Als sich die Wege von Jimmys Fingern mit jenen von Dr. Kelson kreuzen – der in der Zwischenzeit seine Forschungen an Alpha fortgesetzt hat – sieht Spike die Chance, sich dem Griff der Gang zu entziehen. Doch seine Freiheit verlangt einen hohen Preis…
Review (kann Spoiler enthalten):
Ich gebe zu, im Vorfeld ein bisschen skeptisch gewesen zu sein. Einerseits fand ich den direkten Vorgänger zwar gut (wobei ich ihn mittlerweile tendenziell noch um einen Punkt auf 6/10 abwerten würde), aber den alten Filmen (ja, einschließlich "Weeks") doch recht deutlich überlegen. Zudem kritisierte ich dort ja nicht zuletzt auch den Epilog rund um Jimmys Gang, die hier nun eben in den Mittelpunkt rückten. Und last but not least fand ich Nia DaCostas vorherigen Film – den Reboot von "Candyman" – ziemlich schwach. Entgegen meiner Befürchtungen sollte sich "The Bone Temple" aber als dem Vorgänger in fast jeglicher Hinsicht überlegen erweisen. Besonders überrascht war ich, dass dies auch die Inszenierung betraf. Das ist jetzt bitte gegenüber DaCosta nicht böse gemeint, aber eben aufgrund meiner verhaltenen Reaktion zu "Candyman" und wiederum meiner Hochachtung vor Danny Boyle als Regisseur hätte ich mir das im Vorfeld der beiden Filme eigentlich genau umgekehrt erwartet. Auch, weil rund um den ersten "28 Years Later"-Film ja viel bezüglich der ach-so-innovativen Kameratechnik geschwärmt wurde. Wobei zumindest mir diese (ohnehin nur sporadisch eingestreuten) Einlagen, wo man von einem Einzelbild zu einem anderen springt, nicht wirklich viel gegeben haben.
Nia DaCosta verzichtet auf ähnliche Spielereien, inszeniert "The Bone Temple" sehr klassisch – und liefert mit ihrem Kameramann Sean Bobbitt einen Film ab, der den Vorgänger in visueller Hinsicht klar und deutlich aussticht. Doch es ist nicht nur das, auch die Story hat mir besser gefallen. Schon allein aus dem Grundkonzept, dass Spike hier vor die Wahl gestellt wird, sich Jimmys brutaler Gang anzuschließen oder zu Sterben, und zu welchen Gräueltaten er in weiterer Folge gezwungen wird (zuerst im Kampf auf Leben und Tod, dann beim Überfall auf die Siedlung), ist überaus spannend, und lädt zu interessanten Streitgesprächen rund um Moral, Gruppenzwang und so weiter ein. Aber auch die gesamte Dynamik innerhalb der Jimmy-Gang hatte es mir enorm angetan. Und ohne zu viel verraten zu wollen, aber wie Religion und Glauben dann beim Showdown eine entscheidende Rolle spielen, fand ich in der Aussage dahinter ebenfalls fantastisch. Nicht unbedingt besser als beim Vorgänger, aber mindestens auf dem gleichen Niveau, bewegen sich auch die schauspielerischen Leistungen. Alfie Williams bekommt hier deutlich mehr Gelegenheit, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Jack O'Connell gibt sich dem Wahnsinn und der Abscheulichkeit seiner Figur schonungslos hin. Und dem Rest der Gang gelingt es ebenfalls sehr gut, ihre Mitläufer:innen um interessante Nuancen zu bereichern, sei es, dass sie in den Gräueltaten aufgehen, oder aber so wie Alfie ihr Möglichstes tun, um daran nicht zu zerbrechen. Und Ralph Fiennes war hier wie schon bei "28 Years Later" unheimlich magnetisch, und zog mit seiner Performance meine Aufmerksamkeit in jeder Sekunde wo er auf der Leinwand zu sehen war an sich. Ebenfalls nicht unwichtig: Die Musik von Hildur Guðnadóttir war der Kompositionen der Young Fathers in meinen Ohren ebenfalls deutlich überlegen. Das (für mich) überraschende Ende rundete den höchst positiven Gesamteindruck dann schließlich ab. Das Original bleibt zwar auch für "The Bone Temple" knapp außer Reichweite, aber Platz Zwei im Franchise ist ihm (aktuell) sicher – was im Hinblick darauf, dass ich (im Gegensatz zu vielen anderen) auch von "Weeks" schon sehr angetan war, keine kleine Leistung ist.
Fazit:
Erst vor wenigen Tagen hat Danny Boyle angekündigt, dass der dritte Teil der geplanten "28 Years Later"-Trilogie definitiv umgesetzt wird (was ja in Anbetracht der leider relativ schwachen Performance von "The Bone Temple" an den Kinokassen bis dato nicht sicher schien). Ich halte das für eine ausgesprochen gute Nachricht, denn nachdem mich sein erster Teil doch ein bisschen enttäuscht hatte, war ich von "The Bone Temple" überaus angetan. Einerseits aufgrund der spannenden Ausgangssituation rund um Spike, der hier vor der Herausforderung steht, als Teil einer unmenschlichen Gruppe irgendwie seine Menschlichkeit zu bewahren. Aber auch aufgrund der interessanten Dynamik sowohl innerhalb von Jimmys Fingern. Großartig fand ich auch, wie man hier Glauben und Religion behandelt, und sich dabei überaus kritisch mit eben diesen Themen – und der mit ihnen einhergehenden Macht – auseinandersetzt. Darstellerisch war "The Bone Temple" ebenfalls wieder überaus fein, nicht zuletzt dank einem neuerlich famos aufspielenden Ralph Fiennes. Und nicht zuletzt das Ende sorgt dafür, dass ich mich jetzt schon enorm auf den Abschluss der Trilogie freue; bevorzugt ("nur") produziert von Danny Boyle, geschrieben von Alex Garland, und inszeniert (wieder) von Nia DaCosta.