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Review zu Kane Parsons Horror-Sensation Kategorie: Filme - Autor: Christian Siegel - Datum: Donnerstag, 01 Oktober 2026
 
Halloween-SPECiAL

 
Wolf Man
Originaltitel: Backrooms
Produktionsland/jahr: USA 2026
Bewertung:
Studio/Verleih: North Road Films/A24
Regie: Kane Parsons
Produzenten: U.a. Kori Adelson, Michael Clear, Dan Cohen & Chris Ferguson
Drehbuch: Will Soodik
Filmmusik: Kane Parsons & Edo Van Breemen
Kamera: Jeremy Cox
Schnitt: Greg Ng
Genre: Horror/Thriller
Kinostart Deutschland: 18. Juni 2026
Kinostart USA: 29. Mai 2026
Laufzeit: 126 Minuten
Altersfreigabe: FSK ab 16
Mit: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Lukita Maxwell, Avan Jogia, Robert Bobroczkyi, Ember Ambrose, Krista Kosonen, Philip Granger, Katharine Isabelle u.a.


Kurzinhalt: Clark ist der Besitzer eines Elektronikgeschäfts, welches er von seinem Vater übernommen hat, und für das er als Pirat auf lokalen Fernsehsendern Werbung macht. Zuletzt hat er immer wieder Probleme mit dem Licht bzw. dem Strom. Ein Elektriker findet bei seiner Untersuchung plötzlich einen geheimnisvollen Schalter, deren Funktion sich beiden nicht erschließt. Kurz darauf erkennt Clark, dass eine der Wände im Keller als Tor in eine fremde Welt fungierte. Diese scheint auf eine seltsame, surreale Art und Weise eine Spiegelung unserer eigenen zu sein, wobei einzelne Elemente auf bizarre Art und Weise miteinander verschmolzen sind. Zögerlich und vorsichtig beginnt er, diesen scheinbar endlosen Raum hinter der Wand zu erkunden. Eines Tages erzählt er dann seiner Therapeutin Mary davon, die ihm natürlich nicht glaubt. Um sie zu überzeugen, und auch für den Rest der Welt einen Beweis zu haben, beauftragt er zwei Mitarbeiter, ihn mit einer Kamera in die Welt hinter der Wand zu begleiten. Als er von eben dieser Expedition nicht mehr zurückkehrt, beschließt Mary, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie findet den gleichen Durchgang, und folgt Clark in die bizarre Welt, die dahinter lauert…

Review (kann Spoiler enthalten): Szenenbild. "Backrooms" ist hierzulande mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet. Ich schließe nicht aus, dass ich aufgrund der überschwänglichen Reaktionen aus Übersee – sowohl von Kritikern als auch Publikum – von ihm letztendlich ein bisschen zu viel erwartet habe. Ich kann auch nicht einschätzen, inwiefern er in meinem Fall darunter leidet, dass ich mit der zugrundeliegenden TikTok(?)-Sensation überhaupt nicht vertraut bin. Und ich möchte ihn auch gar nicht schlecht reden, er bietet schon einige ziemlich coole Aspekte, und begeistert vor allem damit, in einem Genre, dass zuletzt doch ein bisschen von den ewig gleichen Formeln dominiert war, neue Impulse zu setzen. Und doch muss ich gestehen, nicht 100%ig in die allgemeine Begeisterung einstimmen zu können. Dabei hat alles noch enorm vielversprechend begonnen. Denn obwohl ich im Allgemeinen kein Fan des "Found Footage"-Genres bin, fand ich die ersten paar Minuten noch fantastisch (und hätten diese einen herausragenden Kurzfilm ergeben). Das ganze war einfach ungemein stimmungsvoll inszeniert, und wie es Kane Parsons hier mit geringen Mitteln schafft, für eine beklemmende Stimmung zu sorgen, war fast schon meisterlich.

"Backrooms" profitiert dabei vor allem vom faszinierenden Grundkonzept dieser leeren bzw. auch surrealen Räume. Es gibt beunruhigende Geräusche, alles sieht irgendwie verzerrt und nicht richtig aus – all dies sorgt für ein konstantes Gefühl der Unruhe, welches ich als enorm effektiv fand. Es hat aber auch noch eine zweite Wirkung: Ich starrte wie gebannt auf die Leinwand, um fast schon wie bei einem Such- oder Wimmelbild nach Hinweisen, Bedrohungen und so weiter Ausschau zu halten. Insofern muss ich, bei aller noch folgender Kritik, "Backrooms" hoch anrechnen, dass er definitiv keiner dieser "Second Screen"-Filme ist, die man mal beiläufig beim Bügeln oder während man am Handy scrollt im Hintergrund laufen lässt – denn in der Tat erfordert er, dass man ihm seine ganze Aufmerksamkeit schenkt. Auch nach dem coolen Prolog gelang es dem Film noch lange, das Spannungsniveau konstant oben zu halten. Clarks kurze Session bei der Psychiaterin Mary gibt uns zudem einen Einblick in seine Vergangenheit und seine Persönlichkeit, und stellt ihn so ausreichend vor, damit wir eine Bindung zu ihm aufbauen, und wenn er dann die Welt hinter dem mysteriösen Riss im Keller seines Geschäfts erforscht, mit ihm mitfiebern. Auch eben diesen ersten Ausflug in die titelspendenden Backrooms fand ich sowohl faszinierend als auch enorm packend. Die aus meiner Sicht letzte spannungstechnisch herausragende Einlage folgt dann, wenn er sich Kat und Bobba als Videocrew schnappt, um die Welt hinter der Wand zu dokumentieren, und auch für ihn bislang nicht zugängliche Bereiche zu erforschen. Danach vollzieht der Film einen perspektivischen Schwenk hin zu Mary. Und leider, alles was ab da kam, konnte für ich an die starke und effektive erste Hälfte nicht mehr ganz anknüpfen.

Szenenbild. Generell hat "Backrooms" für mich, je länger der Film dauerte, desto mehr abgebaut. Oder, noch besser ausgedrückt: Je konkreter er wurde. Denn aus dem ganzen Mysterium baute er nicht nur eine Spannung, sondern noch eine Faszination auf. Je mehr wir darüber erfuhren, desto mehr ging Letzteres – no na – flöten. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mit den Erklärungen teilweise auch schwer tat. Exemplarisch sei das Monster genannt. Solange wir es nur hören oder flüchtige Blicke darauf erhaschen, funktionierte es ausgesprochen gut. Mit unserem ersten klaren Blick darauf war aber zumindest in meinem Fall jegliche Spannung verflogen, da ich leider fand, dass es doch eher lächerlich aussah. Zuletzt vollzieht "Backrooms" dann noch einen weiteren narrativen Sprung, den ich mit dem Unterschied zwischen "Cube" und dem Prequel "Cube: Zero" vergleichen würde. Sprich, auf einmal spielt eine Regierungsorganisation eine Rolle, welche die Backrooms erforschen will. Und auch hier wieder: Je mehr man erklärt, desto konkreter man wird, desto schlechter hat das alles für mich funktioniert. Weshalb ich auch der angesichts des riesigen Erfolges an den Kinokassen unvermeidlichen Fortsetzung nicht mit allzu viel Vorfreude entgegenblicke.

Fazit: Ich will "Backrooms" nicht krampfhaft schlecht reden. Er ist schon ein guter Film, an dem mir vor allem gefiel, wie er dem Horrorgenre neue Impulse gibt. Aber auch, dass Kane Parsons hier fast ausschließlich auf eine gruselige Atmosphäre setzt, statt auf typische Schockeffekte, rechne ich ihm hoch an. Die titelspenden Backrooms waren zudem famos gestaltet (in einer gerechten Welt würde es fürs "production design" einen Oscar geben), und vor allem im ersten Drittel gab es einige herausragende, spannende Momente. Das Hauptproblem von "Backrooms" war für aber leider, dass er deutlich stärker anfängt, als es aufhört, und fast mit jeder Minute Laufzeit tendenziell eher abbaut. Vor allem aber: Je konkreter das alles wird, desto mehr verliert er nicht nur an Mysterium (eh klar), sondern vor allem auch an Spannung und Atmosphäre. Und so verläuft er, nach einem noch famosen Auftakt, in weiterer Folge doch etwas im Sande. Zwar gönne ich Kane Parsons und seinem Team den großartigen Erfolg; im Hinblick auf eine wohl unvermeidliche Fortsetzung bin ich aber tendenziell doch eher skeptisch.

Wertung: 6 von 10 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © 2026 A24)


Weiterführende Links:
Halloween-SPECiAL 2026





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