Originaltitel: After the Funeral Episodennummer: 10x03 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 02. April 2006 Erstausstrahlung D: 01. April 2016 Drehbuch: Philomena McDonagh Regie: Maurice Phillips Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Philip Anthony als Vicar,
Robert Bathurst als Gilbert Entwhistle,
Anna Calder-Marshall als Maude Abernethie,
John Carson als Richard Abernethie,
Kevin Doyle als Inspector Morton,
Michael Fassbender als George Abernethie,
Fiona Glascott als Rosamund,
Geraldine James als Helen Abernethie,
Dominic Jephcott als Dr. Larraby,
Vicky Ogden als Janet,
Julian Ovenden als Michael Shane,
Lucy Punch als Susannah Henderson,
William Russell als Lanscombe,
Annabel Scholey als Miss Sorrel,
Anthony Valentine als Giovanni Gallaccio,
Benjamin Whitrow als Timothy Abernethie,
Monica Dolan als Miss Gilchrist u.a.
Kurzinhalt:
Der wohlhabende Richard Abernethie ist gestorben. Nach dem Begräbnis findet die Verlesung seines Testaments statt. Alle Anwesenden sind schockiert, dass sein Haus verkauft und der Erlös unter allen Verwandten aufgeteilt werden soll, mit Ausnahme seines Sohns George, der von ihm offenbar enterbt wurde. Dies ist vor allem auch deshalb so überraschend, als bislang alle – einschließlich seines Anwalts Gilbert Entwhistle, davon ausgegangen sind, dass George vielmehr der Alleinerbe sein würde. Denn eben diese Absicht hat Richard vor seinem Tod mehrmals offen kundgetan. Bei der nachfolgenden Trauerfeier schockiert Tante Cora die versammelte Verwandtschaft dann mit dem beiläufigen Kommentar, dass Richard offenbar von einem von ihnen ermordet wurde. Zwar ist man bemüht, dies als Spinnerei einer älteren Dame abzutun. Als Cora Gallaccio dann jedoch am nächsten Morgen selbst ermordet aufgefunden wird, scheint dies ihre Theorie zu stützen. Offenbar hat sie jemand getötet, um sie so zum Schweigen zu bringen. Doch wer? Und könnte es sein, dass jemand das Testament gefälscht hat? Eben dies soll Hercule Poirot für seinen Freund Gilbert herausfinden…
Review (kann Spoiler enthalten):
Der Titel "Der Wachsblumenstrauß" sollte allen Fans von Agatha Christie-Filmen bekannt sein, ist doch in den 60ern ein gleichnamiger Film mit Margaret Rutherford als Miss Marple erschienen. Davon ausgehend, dass die Poirot-Verfilmung hier, wie üblich, nahe an der Vorlage liegt, scheint dieser jedoch mit Christies Roman nicht mehr viel gemein gehabt zu haben. So oder so, eben weil ich den Film mit Margaret Rutherford kenne und liebe (dass es – so wie "Vier Frauen und ein Mord", eigentlich ein Fall von Hercule Poirot war, wusste ich bereits), war ich auf diese originalgetreuere Version schon sehr gespannt. Und tatsächlich war ich von "Der Wachsblumenstrauß" sehr angetan. Bereits das Setup fand ich sehr interessant, mit der Verlesung des Testaments, dass alle Anwesenden – selbst die Begünstigten – überrascht. Dann der Verdacht von Tante Cora, dass Richard ermordet wurde – und alle bis auf George aufgrund des geänderten Testaments ein gutes Motiv dafür gehabt hätten. Und schließlich der nachfolgende, brutale Tod von Cora selbst.
Die Besetzung macht sich ebenfalls positiv bemerkbar, wobei aus heutiger Sicht natürlich insbesondere Michael Fassbender hervorsticht. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten zu "Der Wachsblumenstrauß" war er noch ein paar Jahre von seinem großen, internationalen Durchbruch entfernt. Sein Talent und sein unvergleichliches Charisma sind jedoch auch hier bereits augenscheinlich. Aber auch Geraldine James ist mir aus einigen kleineren Rollen ein Begriff. Grundsätzlich liefern aber alle hier, wie von der Serie eigentlich auch nicht anders gewohnt, eine sehr gute Leistung ab, wobei ich neben David Suchet (no na) vor allem auch noch Monica Dolan lobend erwähnen will. Die Inszenierung von Maurice Phillips ist ebenfalls vorbildlich, und vor allem auch wieder angenehm klassisch (und damit zugleich zeitlos). Und auf der französischen Blu-Ray stach für mich vor allem auch das nette Surround-Sound-Design positiv hervor. In erster Linie ist es aber der wieder einmal wunderbar ausgeklügelte, vielschichtige Fall, waren es die zahlreichen spannenden Wendungen und Offenbarungen, und nicht zuletzt dann auch die clevere und für mich trotz der Kenntnis des Rutherford-Films überraschende Auflösung, die es mir angetan hatten. Zwar fand ich die Episode davor doch noch die Spur interessanter, packender und allgemein besser. Zudem kamen die Figuren bei früheren Folgen auch schon mal ein bisschen besser zur Geltung, und hinterließen bei mir vor allem auch mehr (und bleibenderen) Eindruck. Das ändert aber nichts daran, dass auch "Der Wachsblumenstrauß" wieder mal 1-1/2 Stunden wunderbare Krimi-Unterhaltung bot.
Fazit:
Der Film mit Margaret Rutherford mag mir zwar – obwohl er mit der Vorlage nicht mehr wirklich viel gemein hat – ein klein wenig besser gefallen, einfach, da ich ihn aufgrund des ganzen (hinzugefügten) Humors noch die Spur unterhaltsamer fand. Dennoch hatte es mir auch diese (vermeintlich werksgetreue) Adaption von Agatha Christies "Der Wachsblumenstrauß" sehr angetan. Angefangen bei der starken Besetzung, über die elegante Inszenierung, bis hin zum Fall an sich, der wieder einmal clever konstruiert ist, und mit einigen interessanten und/oder überraschenden Wendungen aufwartet. Für eine Bewertung unter den allerbesten Poirot-Episoden mag zwar das letzte Quentchen fehlen (auch, weil ich die Figuren in anderen Folgen auch schon mal erinnerungswürdiger fand), dennoch hat mich auch "Der Wachsblumenstrauß" wieder einmal sehr gut unterhalten.