Star Trek: Strange New Worlds - 4x08: Verhältnismäßigkeiten
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Originaltitel: Orders of Magnitude Episodennummer: 4x08 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 10. September 2026 (Paramount+) Drehbuch: Alan B. McElroy Regie: Sharon Lewis Stammbesetzung:
Anson Mount als Captain Christopher Pike,
Ethan Peck als Lieutenant Spock,
Jess Bush als Nurse Christine Chapel,
Christina Chong als Lieutenant La'an Noonien-Singh,
Celia Rose Gooding als Ensign Nyota Uhura,
Melissa Navia als Lt. Erica Ortegas,
Babs Olusanmokun als Dr. Joseph M'Benga,
Martin Quinn als Lieutenant Montgomery Scott,
Rebecca Romijn als Commander Una Chin-Riley.
Gaststars:
Joe Morton als Admiral Simon Reeger,
Paul Wesley als James T. Kirk,
Currie Graham als Turr,
Dan Jeannotte als Sam Kirk,
Bianca Nugara als Cadet A'Sha,
Ewa Wolniczek als Yeoman Vanek u.a.
Kurzinhalt:
Captain Pike, Schwester Chapel, Ensign Uhura und Kadettin A'Sha sind auf einen Mond heruntergebeamt, um einem Notruf nachzugehen. Sie begeben sich in eine Höhle, welche sowohl die Kommunikation zur Enterprise unterbricht, als auch das Beamen verhindert. Dort stoßen sie auf eine Gruppe von Piraten, die es auf Sternenflotten-Technologie abgesehen haben. Währenddessen kommt Admiral Simon Reeger, der für seinen Triumph während des Krieges mit den Klingonen hoch angesehen wird, an Bord der Enterprise. Es ist ihm gelungen, ein getarntes Schiff aufzuspüren, dass mehrere Kolonien angegriffen und dabei unzählige Leben ausgelöscht hat. Die Enterprise soll eben diese Spur verfolgen, ehe sie verschwindet. In Abwesenheit von Captain Pike setzt er den sich gerade an Bord befindlichen Commander James T. Kirk als seinen ersten Offizier ein. Man verfolgt das Schiff bis zu einem Planeten, auf dem rund fünfundzwanzigtausend Lebewesen geben. Um zu verhindern, dass der Feind entkommt, gibt Admiral Reeger die Generalorder 24 – und ordnet damit die Vernichtung des gesamten Planeten an…
Review (kann Spoiler enthalten):
Man glaubt es kaum, aber nach sechs Episoden, die allesamt schwerpunktmäßig in einem anderen Genre beheimatet waren, kehrt die vierte "Strange New Worlds"-Staffel mit "Verhältnismäßigkeiten" tatsächlich wieder zu "Star Trek" zurück. Nun schließe ich nicht aus, dass ich darüber derart erleichtert – und begeistert – war, dass es meine Wertung verzerrte, und ich die Folge in einer anderen Staffel nicht ganz so herausragend gefunden hätte. Oder besser gesagt: Ich die dennoch vorhandenen Schwächen stärker bewertet hätte. So hatte die Nebenhandlung für mich ein bisschen den Charakter einer Beschäftigungstherapie. Ich fand den Plot rund um die andorianischen Piraten leider weder sonderlich spannend noch interessant. Immerhin muss ich aber anerkennen, dass er Nyota Uhura endlich wieder Gelegenheit gab, zu glänzen – mit der Art und Weise, wie sie die Piraten austrickst. Mit A'Shas Entscheidung am Ende hätte man aber anders umgehen sollen. Letztendlich war der Sinn der Übung ja, dass A'Sha herausfindet, ob die Sternenflotte der richtige Ort für sie ist. Genau dabei hat ihr Uhura geholfen. So gesehen ist die Entscheidung gegen die Sternenflotte keine Niederlage – ist es doch für alle Beteiligten besser, dass ihr dies jetzt schon (statt erst später) bewusst wurde. Darauf hätte Pike am Ende ruhig hinweisen können.
Auch die grundsätzlich hervorragende Haupthandlung rund um Admiral Reeger und Commander Kirk ist nicht gänzlich frei von Mängeln. Das beginnt schon damit, dass es mittlerweile echt nur mehr lächerlich ist, wie oft Jim auf der Enterprise auftaucht (etwas, dass nicht ganz so schlimm wäre, wenn dies hier sein erster Besuch in der Staffel wäre, und man sich dementsprechend die früheren, in meinen Augen ohnehin überflüssigen Auftritte, geschenkt hätte). Aber auch alles rund um seinen und Sams Vater fand ich unnötig. Warum konnte/durfte der nicht einfach nur ein normaler, halt nicht die höchsten Höhen erklimmende Sternenflottenoffizier sein, sondern muss sich hier als der wahre Held jener Schlacht, für die Reeger gefeiert wurde, offenbaren? Ich fand nicht, dass dieser Teil von "Verhältnismäßigkeiten" die Episode und/oder die Figuren irgendwie aufgewertet hätte. Und nicht zuletzt schädigt diese Offenbarung auch Reeger, und hätte ich es deutlich spannender – und ihn als Figur wesentlich ambivalenter – gefunden, wenn man ihn nicht auf diese Weise seines damaligen (angeblichen) Erfolgs beraubt hätte. Zumal so die Offenbarung, dass sein Verhalten auf der Enterprise auf das Cordrazin zurückzuführen war, dass ihm Kirk in den Kaffee gemischt hat, stark an Wirkung verlor. Dann ist da Paul Wesley als Kirk. Ich fand ihn hier zwar eine Spur besser, als das größtenteils in der Vergangenheit der Fall war, dennoch ist und bleibt er der Hauptgrund, warum ich tatsächlich hoffe, dass aus den Überlegungen eines "Year One"-Spinoffs nichts wird. Last but not least erinnert das mit dem Kommandanten, der auf Rache aus ist, und dafür bereit ist, eine Grenze zu überschreiten, an die TNG-Folge "Der Rachefeldzug".
Viel Kritik für eine Episode, die mir eigentlich wirklich verdammt gut gefallen hat. Aber: Auch wenn das Verhältnis in meinem Text nicht dafür spricht, zählt "Verhältnismäßigkeiten" für mich definitiv zu den Highlights von "Strange New Worlds" bisher (und das nicht nur der aktuellen Staffel, wo das keine große Leistung wäre). Joe Morton war als Reeger absolut fantastisch. Rund um die General Order 24 kam dann auch wirklich Spannung auf. Man merkt, dass jeder an Bord mit diesem Befehl hadert. Dass just James T. Kirk der Einzige ist, der auf sein Gewissen hört, und etwas dagegen unternimmt, ist (abseits eben von Paul Wesley) die beste und passendste Darstellung des späteren Captains aus "Raumschiff Enterprise", die uns "Strange New Worlds" bisher bescherte. Die Folge funktioniert zudem auch als Prequel wunderbar, da sie tatsächlich einen wichtigen Schritt von Kirks Entwicklung zu eben jenem späteren Captain zeigt. Auch die wunderbar klassische Inszenierung von Alan B. McElroy sowie die Musik von Nami Melumad werteten die Episode für mich auf. Und wie gesagt mochte ich auch die Offenbarung, dass Reegers irrationales Verhalten auf die Cordrazin-Vergiftung zurückzuführen war (was aber halt ohne den Twist rund um die damalige Schlacht für mich – noch – besser funktioniert hätte). Mit die größte Stärke war für mich aber, wie man hier darauf hindeutet, dass das Schiff jenes aus "Spock unter Verdacht" gewesen sein könnte – und man damit zumindest die Frage erlaubt, ob Kirks Entscheidung hier auch wirklich richtig war.
Fazit:
In einer bislang überwiegend enttäuschenden vorletzten Staffel strahlt "Verhältnismäßigkeiten" wie ein helles Leuchtfeuer. Zwar längst nicht perfekt, war das endlich wieder mal klassisches "Star Trek" wie ich es liebe, mit einem im Mittelpunkt stehenden moralischen Konflikt. Darüber hinaus hat "Strange New Worlds" bislang selten besser als Prequel funktioniert, als hier. Dies gilt insbesondere für James T. Kirk, der hier einen riesigen Schritt auf dem Weg zu jener Figur macht, die wir aus der klassischen "Star Trek"-Serie kennen. Die angedeutete Verbindung zu "Spock unter Verdacht" war diesbezüglich dann das Tüpfelchen auf dem "i". Auch die schauspielerische Leistung von Joe Morton sei ausdrücklich hervorgehoben. Und nicht zuletzt mochte ich die Offenbarung, dass Reeger auf der Brücke eigentlich nicht wirklich die Fassung verloren hat, sondern sein Zustand vielmehr auf eine bewusst herbeigeführte Cordrazin-Vergiftung zurückzuführen war. Trotz der Szenen rund um Uhura fiel der parallele Handlungsstrang hier leider deutlich ab. Zudem wird Paul Wesley, auch wenn er hier zumindest ein bisschen besser war, nie mein Kirk werden. Vor allem aber fand ich den Twist rund um George Kirk höchst entbehrlich. Dessen ungeachtet zeigt "Verhältnismäßigkeiten", welches Potential in "Strange New Worlds" stecken würde – und macht damit rückblickend, gerade auch im Wissen ob der Absetzung, den überwiegenden Teil der bisherigen Staffel umso frustrierender, da man viel zu viel Zeit/Episoden auf blöde Gimmicks verschwendete, statt uns mehr Folgen von diesem Kaliber zu liefern.