Originaltitel: Taken Episodennummer: 1x10 Bewertung: Erstausstrahlung US: 13. Dezember 2002 Erstausstrahlung D: 08. Januar 2004 Drehbuch: Leslie Bohem Regie: Michael Katleman Besetzung:
Emily Bergl als Lisa Clarke,
Eric Close als John,
Heather Donahue als Mary Crawford,
Dakota Fanning als Allie Keys,
Matt Frewer als Dr. Chet Wakeman,
Ryan Hurst als Tom Clarke,
Adam Kaufman als Charlie Keys,
Michael Jeter als Bill Jeffries,
James McDaniel als General Beers,
Brian Markinson als Ray Morrison,
Roger Cross als Captain Walker,
Gwynyth Walsh als Doctor/Abductee,
Nathaniel DeVeaux als Dale Watson,
Camille Sullivan als Nina Toth u.a.
Kurzinhalt:
Dank der Hilfe von John und der Kräfte von Allie ist dem Militär ein weiteres Mal entkommen. In einem Wald stellt Charlie John schließlich im Hinblick auf die Entführungen zur Rede, und man erfährt, worin der Plan der Aliens bestand. Danach nimmt Lisa Kontakt mit ihrem Onkel Tom auf. Zusammen bricht man zur alten Farm von Lisas Großmutter auf. Dr. Wakeman ahnt, dass es sie genau dorthin verschlagen könnte, allerdings sind sich Mary Crawford und er darüber uneins, wie sie nun weiter vorgehen sollen. Nachdem der Streit eskaliert, gelingt es Mary, General Beers trotz ihrer Taten davon zu überzeugen, dass sie für das Programm von unerlässlicher Bedeutung ist. Zusammen mit einem Militärtrupp bricht man in Richtung der Farm auf, wo Tom darauf wartet, dass ihm sein Kontaktmann die neuen Ausweispapiere für Lisa, Charlie und Allie vorbeibringt. Als klar wird, dass das Militär vor diesem eintreffen wird, bittet man UFO-Enthusiasten aus ganz Amerika um Hilfe…
Review:
Ich will diesmal mit der Kritik anfangen – sind es doch in erster Linie zwei Punkte, die verhindern, dass ich "Der Abschied" noch einmal stärker einschätzen würde als die Episode davor, und sie damit auch das Highlight der Miniserie darstellen würde. So muss ich halt schon sagen: Sich bei der Farm der Mutter/Großmutter/Urgroßmutter (je nachdem) zu verstecken, ist halt schon eine Schnapsidee, und straft eigentlich die Bedeutung des Wortes "verstecken" Lügen. Und zweitens störte ich mich daran, dass niemand auf die Idee zu kommen scheint, dass zumindest Lisa (ev. auch Charlie, aber für den wäre es zugegebenermaßen aufgrund seiner früheren Erfahrungen eine große Überwindung gewesen) mit Allie mitzukommen. Nicht falsch verstehen: Ich bin mir sicher, es wäre ein leichtes, sich Gründe dafür zu überlegen, warum dies keine Alternative ist. Was ich Leslie Bohem aber halt schon ankreiden muss, ist, dass sie keinen einzigen hier präsentiert, sondern wir es einfach als unmöglich hinnehmen müssen/sollen. Und das hat mich halt insofern gestört, als die Tatsache, dass niemand den Vorschlag auch nur aufs Tapet bringt, für mich die emotionale Wirkung des titelspenden Abschieds reduzierte.
Von diesen Punkten abgesehen ist "Der Abschied" aber ein famoses Finale für die Miniserie. Es beginnt bereits sehr spannend, als man uns im Hinblick auf Antworten bezüglich der genauen Absichten der Aliens nach neun Episoden nicht länger auf die Folter spannt, und gleich zu Beginn des Finales entsprechende Antworten von John präsentiert. Mit der Konfrontation an der Raststation gibt es zudem einen frühen ersten spannungstechnischen Höhepunkt. Kurz darauf fand ich dann auch den Abschied zwischen Allie und John wunderbar. Parallel dazu kommt es zur letzten, blutigen Konfrontation zwischen Mary und Chet – etwas, dass sich zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich abgezeichnet hatte. Dennoch war es schockierend, zu sehen, wie Mary nun auch diesen (weiteren, großen) Schritt in Richtung Abgrund unternimmt. In weiterer Folge sollte sich der Mord an Dr. Wakeman für sie aber als Wendepunkt herausstellen – insbesondere, wenn sie die Nachricht von ihm erhält. An dieser Stelle kann ich auch nur wieder Heather Donahue für ihre phantastische Performance hier (und über die ganze Miniserie hinweg) loben. Als sie sich kurz darauf aus der Schauspielerei zurückzog (um medizinisches Marihuana anzubauen), hat die Film- und Serienwelt ein großes Talent verloren. Und so dämlich ich das mit der Farm auch fand, aber wie hier viele Menschen auf Toms (bzw. seines Radio-Kontaktmanns) Hilferuf reagieren, und eintreffen, um eine Schutzmauer für Allie gegen das Militär zu bilden, war grundsätzlich schon auch ein erhebender (und hoffnungsvoller) Moment. Letztendlich ist es aber halt auch genau das, was Allie dazu zwingt, eben doch mit den Aliens mitzugehen. Sie will nicht, dass diese Menschen, die gekommen sind, um ihr zu helfen, wegen ihr verletzt oder gar getötet werden. Und so kommt es so, wie es wohl von Anfang an kommen musste. Das Finale, mit Allies Abschied, ist fantastisch inszeniert, gespielt, und auch von Laura Karpman musikalisch wunderbar vertont. Die Wiederholung des Eröffnungsmonologs am Ende, dessen wahre Bedeutung sich einem erst hier nun erschließt, sowie die perfekte letzte Einstellung, runden das überaus positive Gesamtbild, welches "Der Abschied" bei mir hinterließ, dann schließlich ab.
Fazit:
"Der Abschied" bietet ein spannendes, teils hochdramatisches und zum Ende hin auch zunehmend emotionales Finale der Mystery-Serie. Positiv fand ich dabei nicht zuletzt auch, dass wir im Hinblick auf die genauen Absichten der Aliens nicht im Unklaren gelassen werden, sondern dieser Punkt gleich zu Beginn der Folge (endlich) aufgeklärt wird. Eben diese Erklärung fand ich noch dazu sehr schön. In weiterer Folge hatten es mir dann unter anderem die gemeinsamen Szenen von Allie und John, das Spannungsverhältnis zwischen Mary und Chet, vor allem aber Marys Schuldgefühle ob ihrer vorhergehender Taten angetan. Aber auch, wie am Ende UFO-Enthusiasten aus ganz Amerika anrücken, um Allie und ihre Familie zu beschützen, hatte etwas herzerwärmendes. Und der titelspendende Abschied am Ende war durchaus berührend. Neben dem Inhalt tat sich "Der Abschied" auch wieder darstellerisch (insbesondere von Fanning, Bergl und Donahue), inszenatorisch und musikalisch hervor. Nur zwei Kritikpunkte verhindern eine höhere Wertung: Die doch etwas blöde Entscheidung, just zur Familienfarm zurückzukehren, vor allem aber, dass die Möglichkeit, dass Lisa und eventuell auch Charlie Allie begleiten könnten, nicht einmal zur Sprache kommt. Davon abgesehen war "Der Abschied" aber ein starkes Finale einer insgesamt ziemlich coolen Miniserie.