Originaltitel: Cards on the Table Episodennummer: 10x02 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 19. März 2006 Erstausstrahlung D: 19. Februar 2016 Drehbuch: Nick Dear Regie: Sarah Harding Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
James Alper als Shaitana's Butler,
Philip Bowen als Mr. Luxmore,
Cordelia Bugeja als Mrs. Luxmore,
Zigi Ellison als Mrs. Craddock,
Tristan Gemmill als Major Despard,
Alex Jennings als Dr. Roberts,
Lucy Liemann als Miss Burgess,
Lesley Manville als Mrs. Lorrimer,
Lyndsey Marshal als Miss Meredith,
Jenny Ogilvie als Millie,
Robert Pugh als Colonel Hughes,
Douglas Reith als Serge Mureau,
Alexander Siddig als Shaitana,
Zoë Wanamaker als Ariadne Oliver,
Honeysuckle Weeks als Miss Dawes,
David Westhead als Supt. Jim Wheeler,
Philip Wright als Sgt. O'Connor u.a.
Kurzinhalt:
Der mindestens so ominöse wie wohlhabende Mr. Shaitana lädt acht Dinnergäste zu sich. Vier – mehr oder weniger – Detektive, nämlich Superintendent Jim Wheeler von Scotland Yard, Polizei-Sergeant O'Connor, Krimi-Autorin Ariadne Oliver, sowie natürlich Hercule Poirot. Die anderen vier Dinnergäste waren Verdächtige bei Mordermittlungen, wurden jedoch weder angeklagt noch verurteilt: Mrs. Lorrimer, Anne Meredith, Dr. Geoffrey Roberts, sowie Major John Despard. Beim Abendessen erwähnt Mr. Shaitana beiläufig verschiedene Mordarten, die ganz bewusst auf die jeweiligen Fälle der vier Gäste anspielen. Nach dem Essen ziehen sich die beiden Gruppen in separate Räume für ein Bridge-Spiel zurück. Nachdem dieses beendet ist und die "Detektive" wieder in den Hauptsaal zurückkehren, finden sie ihren Gastgeber ermordet wieder. Offenbar wurde er zuerst mit einem Schlafmittel betäubt, und danach mit einem Dolchstoß ins Herz ermordet. Um den Fall zu lösen, müssen sich die vier Detektive der Vergangenheit der vier Verdächtigen zuwenden…
Review (kann Spoiler enthalten):
Das Setup von "Mit offenen Karten" ist überaus clever. Wie der geheimnisvolle Mr. Shaitana acht Dinnergäste – vier "Detektive" (bewusst unter Anführungszeichen gesetzt, weil Ariadne Oliver nur bedingt dieser Bezeichnung entspricht) und vier Mörder – oder zumindest Mordverdächtige. Am Ende des Abends ist ihr Gastgeber tot. Das allein war ja schon sehr cool, was den Fall aber halt so richtig auszeichnet ist die Tatsache, dass man, um den Mord an Mr. Shaitana aufzuklären, sich zugleich den vier ungelösten Fällen aus der Vergangenheit zuwenden muss, bei denen die vier geladenen Verdächtige des Mordes nicht überführt werden konnten. Dementsprechend haben Poirot und seine Kollegen hier nicht nur einen, sondern gleich fünf Morde aufzuklären – was die Ermittlungen so umfang- wie abwechslungsreich macht, und ein hohes Erzähltempo bedingt, was wiederum dazu führt, dass "Mit offenen Karten" überaus kurzweilig ist. Mir gefiel dabei nicht zuletzt auch, dass sich mancher Verdacht als falsch herausstellt, während sich andere wiederum bestätigten. Und generell hat die Episode ein paar überraschende Wendungen zu bieten – und schaffte es auch, mich im Hinblick auf den Mörder von Mr. Shaitana auf eine falsche Fährte zu führen.
Auch die Besetzung macht einen überaus guten Eindruck. Gleich zu Beginn begeistert "Mit offenen Karten" nicht zuletzt mit Alexander Siddig (aka Julian Bashir aus "Deep Space Nine") als Mr Shaitana. Siddigs Ausstrahlung und Charisma passen perfekt zur Figur, und werteten diese für mich auf. Wunderbar fand ich zudem Zoe Wanamaker als Mrs. Ariadne Oliver (dazu gleich noch mehr). Weitere (mir) bekannte Gesichter waren dann u.a. noch Lesley Manville ("Maleficent") und Honeysuckle Weeks ("Foyle's War"). Doch egal ob mir bekannt oder unbekannt, die Leistung von allen konnte mir gefallen. Auch die Inszenierung von Sarah Harding hatte es mir angetan. Nachdem mir jene von Hettie Macdonald bei der Episode davor unnötig auf modern getrimmt erschien, wählt Harding einen klassischeren Zugang, der in meinen Augen auch besser zum historischen Setting – und dem letztendlich zeitlosen Charakter der Geschichte – passt. Zum Ende hin gibt es dann noch zwei Offenbarungen, die sicher nicht auf Christies Vorlage zurückzuführen sind, da es zu ihrer Zeit absolute Tabuthemen waren. Diese Art der Modernisierung hat mich aber wiederum überhaupt nicht gestört, sondern wurde vielmehr von mir begrüßt. Die letzte wesentliche Stärke liegt dann in der zuvor bereits kurz erwähnten Figur von Mrs. Oliver. Es ist unverkennbar, dass diese als Stellvertreterin für Dame Agatha Christie selbst fungiert. Dabei beweist die Autorin auch einiges an Humor und Selbstironie. Ich fand jedenfalls das Zusammenspiel zwischen Ariadne Oliver und Hercule Poirot wunderbar, und freue mich dementsprechend schon auf die weiteren Auftritte der Figur.
Fazit:
Bereits das Setup von "Mit offenen Karten" – mit der Dinnerparty, zu der Mr. Shaitana (ungemein charismatisch gespielt von Alexander Siddig) vier Detektive und vier angebliche Mörder einlädt – fand ich klasse. Dann der Mord an ihm, und die Frage, wer von ihnen es wohl gewesen sein mag. Vor allem aber bedingt das Setup, dass hier nicht etwa in einem, sondern gleich fünf Fällen ermittelt wird. Es ist vor allem das, was für mich an "Mit offenen Karten" so positiv herausstach. Aber auch so manch überraschende Wendung, sowie auch die – wieder klassisch während einer Versammlung der Verdächtigen inszenierte – Auflösung hatten es mir angetan. Darüber hinaus bekommt Poirot hier gleich drei andere Ermittler zur Seite gestellt, wobei ich vor allem von seinen gemeinsamen Szenen mit der Krimiautorin Mrs. Oliver höchst angetan war. Der letzte wesentliche Pluspunkt war dann die stilvolle und angenehm klassische Inszenierung durch Sarah Harding. Mich hat "Mit offenen Karten" jedenfalls bestes unterhalten.