Originaltitel: Come What May Episodennummer: 1x00 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 16. Januar 2004 Drehbuch: Jack Marshall Regie: Jack Marshall Besetzung:
James Cawley als Kirk,
Jeffery Quinn als Spock,
John M. Kelley als McCoy,
Jack Marshall als Scott,
Julienne Irons als Uhura,
Meghan King Johnson als Rand,
Ron Boyd als DeSalle,
Jasen Tucker als Chekov,
Shannon Quinlan als Chapel,
Jay Storey als Kyle,
Larry Nemecek als Cal Strickland,
John Winston als Captain Jefferies,
Eddie Paskey als Admiral Leslie,
Andrea Ajemian als Onabi,
Mark Strock als Ohn u.a.
Kurzinhalt:
Die Enterprise befindet sich in der zweiten Hälfte ihrer Fünfjahresmission. Sulu hat das Schiff in Richtung Kommando-Ausbildung an der Sternenflottenakademie verlassen, Pavel Chekov seinen neuen Posten als Sicherheitschef angetreten, und die frühere Yeoman Janice Rand kehrt als Offizierin an Bord zurück. Als man auf einen Notruf reagiert, ist man überrascht, als Director Strickland meint, dass ihre Hilfe nicht länger benötigt wird; Onabi hätte sich bereits darum gekümmert. Kurz darauf erscheinen Onabi – die sich als Frau mit gottähnlichen Fähigkeiten herausstellt – und ihr ominöser Begleiter Ohm im Transporterraum der Enterprise. Onabi warnt Captain Kirk vor einem bevorstehenden Angriff der Mot-nahp, einem mächtigen Volk, dass ihrer Aussage nach nur mit ihrer Hilfe zurückgeschlagen werden kann. Kurz darauf trifft die Enterprise tatsächlich auf das pyramidenförmige Schiff der Mot-nahp – und zieht im ersten Kampf klar und deutlich den Kürzeren. Dennoch fällt es James T. Kirk schwer, Onabi und Ohm sein Vertrauen zu schenken…
Review:
"Come What May" ist die Pilotfolge der "Star Trek"-Fan-Serie "New Voyages" (die mittlerweile auch unter dem Namen "Phase II" bekannt ist; ich bleibe aber für meine Besprechung bei der ursprünglichen Bezeichnung). Und das "Pilot" ist der Episode teilweise auch anzumerken. Man hat den Eindruck, dass es sich hier doch eher um einen Versuch bzw. ein "proof of concept" gehandelt hat, und es wichtiger war, herauszufinden, ob sie es denn überhaupt hinbekommen, als, was sie hinbekommen. Bemerkbar ist dies insbesondere beim Drehbuch, welches letztendlich nicht mehr ist als ein Mittel zum Zweck – im vorliegenden Fall vor allem, um massig Anspielungen und Fan-Service unterzubringen. Angefangen bei Onabi als weiblicher Q-Verschnitt, über den Auftritt der borg-ähnlichen Mot-nahp (dreht die Buchstaben mal um), bis hin zu den Flash Forwards zu je einer Szene aus den ersten sieben "Star Trek"-Filmen. All dies macht deutlich, dass hier erstmal der Hommage-Aspekt stärker im Vordergrund steht, als mit den bekannten Figuren spannende neue Geschichten zu erzählen.
Wenn ich schon bei der Kritik bin: Auch wenn ich niemand bin, der auf Laiendarsteller draufhaut, und sie auch nie nach den gleichen Maßstäben bewerten würde wie professionelle (und vor allem auch bezahlte) Schauspieler:innen, aber was Scottys typischen Akzent betrifft, hätte sich Jack Marshall ruhig ein bisschen mehr Mühe geben können. Und auch wenn man insgesamt den Ton der Serie bereits bei diesem ersten Versuch ziemlich gut einfängt, aber alles rund um "Amazing Grace" fühlte sich für mich Fehl am Platz an. Von diesen Punkten abgesehen erweist sich der "New Voyages"-Testpilot aber als größtenteils, und stellenweise sogar überaus, erfolgreich. Insbesondere die Besetzung der drei Hauptrollen – James Cawley als James T. Kirk, Jeffrey Quinn als Spock und John Kelley als Leonard McCoy – macht einen mehr als soliden Eindruck. Aber auch Julienne Irons als Uhura hat mich überzeugt (der Rest bekommt hier erstmal noch zu wenig zu tun, um es wirklich beurteilen zu können). Und Andrea Ajemian legt ihre Onabi bewundernswert genüsslich an. Positiv machen sich darüber hinaus die Gastauftritte der "Star Trek"-Veteranen Eddie Paskey und John Winston, sowie des Autors zahlreicher Hintergrundbücher Larry Nemecek, bemerkbar. In erster Linie ist es aber die Produktionsqualität, die für eine solche No-Budget-Fanserie positiv hervorsticht. Vor allem die CGI-Effekte haben mich wirklich beeindruckt. Zwar schwanken diese zugegebenermaßen im Verlauf der vierzig Minuten ein bisschen in ihrer Qualität, aber da waren schon einige Einstellungen dabei, die kaum mehr vom offiziellen "Star Trek"-Remaster zu unterscheiden waren. Aber auch die Sets machen einen guten Eindruck, und sind nicht weit von der Vorlage (wenn diese natürlich auch knapp fünfzig Jahre früher entstanden ist) entfernt. In erster Linie hat mich aber die Musikauswahl begeistert, da man hier nicht nur auf die Kompositionen für die Originalserie, sondern auch auf den Werken zu "Star Trek: Der Film", "Star Trek II: Der Zorn des Khan" sowie "Star Trek: The Next Generation" zurückgreift. Und zu meiner eigenen Überraschung funktioniert dieser Mix erstaunlich gut. Wenn sie nun in weiterer Folge dem Drehbuch noch mindestens so viel Aufmerksamkeit schenken wie den anderen Aspekten der Produktion, könnte sich "New Voyages" – trotz ihres Charakters als ("nur") Fanserie – als würdige Fortsetzung von "Raumschiff Enterprise" erweisen.
Fazit:
Da ich beides am Tag des sechzigsten Geburtstags von "Star Trek" bespreche, bietet sich unweigerlich der Vergleich zwischen dieser "New Voyages"-Pilotfolge und dem Fanfilm "Of Gods and Men" an. Dabei finde ich spannend, wie sie sich trotz der gleichen Wertung voneinander unterscheiden, ja ihre Stärken und Schwächen geradezu diametral zueinander verlaufen. Wo mich bei "Of Gods and Men" in erster Linie das Drehbuch begeistert hat (und man natürlich darüber hinaus von der Rückkehr bekannter, professioneller "Star Trek"-Darsteller:innen profitierte), mich Regie und CGI-Effekte aber doch ziemlich enttäuschten, ist es hier nun genau umgekehrt. Denn in produktionstechnischer Hinsicht lässt "New Voyages" – für eine Fanserie – bereits beim ersten Versuch kaum Wünsche offen, wobei ich insbesondere von den CGI-Effekten und der Musikauswahl positiv überrascht bis richtiggehend begeistert war. Auch die Regie macht einen deutlich hochwertigeren und professionelleren Eindruck. Demgegenüber ist es hier nun eben leider das Drehbuch, dass sich als größte Schwachstelle offenbart, denn zumindest bei diesem ersten Versuch wirkt dieses eher wie ein notwendiges Übel. Letztendlich ist dieses weniger dazu da, eine Geschichte zu erzählen, als den Rahmen für massig Fan-Service zu liefern. Für einen ersten Testballon (in dem es in erster Linie auch darum ging, herauszufinden, ob sie solch ein Projekt überhaupt stemmen können) ok – für den Rest der Serie erhoffe ich mir diesbezüglich aber eine (deutliche) Steigerung.