Mit: Walter Koenig, Nichelle Nichols, Alan Ruck, Garrett Wang, William Wellman Jr., J.G. Hertzler, Gary Graham, Tim Russ, Chase Masterson, Daamen J. Krall, Crystal Allen, Ethan Phillips, Cirroc Lofton, Lawrence Montaigne, Grace Lee Whitney u.a.
Kurzinhalt:
Zwölf Jahre sind vergangen, seitdem Admiral James T. Kirk an Bord der Enterprise-B vermeintlich sein Leben gegeben hat, um das Schiff und die Nexus-Flüchtlinge zu retten. Zu diesem Anlass statten Nyota Uhura, Pavel Chekov und John Harriman dem frisch in Betrieb genommenen Museumsschiff der Constitution-Klasse einen Besuch ab. Dieses lautet auf dem Namen Enterprise, und steht unter dem Kommando von Kirks Neffen. Während des Fluges empfängt man eine Energiesignatur, die von jenem Planeten ausgeht, auf dem sich der Wächter der Ewigkeit befindet. Dort angekommen stößt man auf Charlie Evans. Dieser wollte sich eigentlich an James T. Kirk rächen, musste dann jedoch erfahren, dass dieser mittlerweile gestorben ist. Stattdessen reist er nun in der Zeit zurück, um zu verhindern, dass Jim überhaupt geboren wird. Als Resultat daraus verändert sich die Zeitlinie dramatisch. Die friedliebende Föderation wurde von einer neuen, finsteren und tyrannischen galaktischen Ordnung abgelöst. Nyota Uhura, die sich mit ihrem Ehemann Stonn auf Vulcan befindet, hat jedoch immer wieder Visionen der alten Zeitlinie. Tuvok gelingt es schließlich mit einer Gedankenverschmelzung, ihre alten Erinnerungen wieder zum Vorschein zu bringen. Nachdem Vulcan von der galaktischen Ordnung ausgelöscht wurde, versucht man zusammen mit Pavel Chekov – der den Rebellen angehört – und seinen Kameraden Ragnar, die alte Zeitlinie wieder herzustellen. Doch dafür benötigen sie die Hilfe des der galaktischen Ordnung treu ergebenen John Harriman…
Vorwort:
Happy Birthday, Star Trek! Vor genau sechzig Jahren wurde die erste Folge von "Raumschiff Enterprise", "Das letzte seiner Art", im US-Fernsehen ausgestrahlt. Zur Feier des Tages werfe ich einen Blick auf zwei Fan-Produktionen, nämlich den Film "Of Gods and Men", sowie die erste Folge der Serie "New Voyages". Die weiteren Episoden dieser sowie der zweiten großen Fan-Serie, "Continues", werde ich ab sofort dann immer mittwochs besprechen.
Review:
Vor rund zehn Jahren habe ich mir, damals zum fünfzigsten Geburtstag von "Star Trek", u.a. den nachfolgenden von Sky Conway produzierten Fan-Film "Renegades" und deren – dann aufgrund der von Paramount ausgegebenen Fanfilm-Regeln nicht mehr im "Star Trek"-Universum angesiedelten – Fortsetzung "Requiem" vorgeknöpft. Im Review zu "Renegades" hielt ich noch fest, dass es aufgrund des Fanfilm-Charakters nicht wirklich Sinn macht, ihn wie einen regulären Film zu besprechen. Was hat sich also geändert? Nun, die letzten zehn Jahre waren trotz des rekordverdächtigen Outputs für mich als Trekkie doch eher ernüchternd, denn wie ich nicht müde werde zu betonen, abseits von "Lower Decks" sowie einzelnen hervorstechenden Episoden von "Strange New Worlds" ist diese "New Trek"-Ära einfach nicht (mehr) meins. Eben dies ließ mich auch wieder stärker in Richtung Fan-Produktionen blicken. Und in Anbetracht des nunmehrigen sechzigsten Jubiläums scheint es mir nun eben doch durchaus angebracht, sich hochwertigen Fan-Produktionen wie "New Voyages", "Continues", sowie zum Auftakt eben "Of Gods and Men" zu widmen.
Eingangs sei nochmals erwähnt: Produktionstechnisch muss man hier definitiv einige Abstriche machen. Und das nicht einfach nur, weil es sich um eine No-Budget-Fanproduktion handelt. Weil das ist ein Aspekt, den sich "Of Gods and Men" mit, unter anderem, der finnischen Fan-Parodie "In the Pirkinning", oder auch der 2004 (und damit ein paar Jahre vor Veröffentlichung dieses Films) gestarteten Fan-Serie "New Voyages" teilt. Und die haben insbesondere was die CGI-Effekte betrifft leider recht deutlich die Nase vorn. Bei "Of Gods and Men" hat man teilweise den Eindruck einer bei Hollywood-Filmen heutzutage gängigen "Pre-Viz"-Animation. Es wirkt so, als würde es sich um Rohmodelle handeln, die nie durch die letzte, dann wirklich hochauflösend(er)e Rechenphase gegangen sind. Dabei sieht die Enterprise-M zu Beginn eh noch relativ gut aus; aber insbesondere alles was es dann nach der Veränderung der Zeitlinie an CGI zu sehen gibt ist leider überwiegend sehr enttäuschend (bis richtiggehend indiskutabel) ausgefallen. Was deutlich weniger dramatisch wäre, wenn man aus mir unerfindlichen Gründen nicht meinen würde, so viel CGI-Szenen präsentieren zu müssen. Vor allem die Schlacht am Ende wirkt sowohl in ihrer Größe, insbesondere aber auch ihrem Umfang, völlig überflüssig. Hier scheint man sich eher an "Deep Space Nine" denn der klassischen Serie (und ihren Filmen) zu orientieren – und, ganz ehrlich: Ich fand eigentlich nicht, dass "Of Gods and Men" das nötig hatte. Zumal man mit dem Anspruch, ein Spektakel auf einem bis dahin selbst in den offiziellen "Star Trek"-Filmen nie gesehenen Niveau zu bieten, eben aufgrund der billigen Optik der CGI-Effekte ja ohnehin scheitert. Da das mit "No Budget" so natürlich nicht stimmt, weil sehr wohl von Fans hier Geld in die Hand genommen wurde, wäre eben dieses in meinen Augen in andere Bereiche der Produktion besser investiert gewesen.
Doch es sind nicht nur die CGI-Effekte; auch die Regie von Tim Russ – und mehr noch, die Kameraarbeit von Douglas Knapp – bewegen sich auf unterstem Amateur-Niveau. Bis zu einem gewissen Grad liegt das natürlich auf den verwendeten Kameras, und trotz meiner Allergie gegen eine "Camcorder"-Optik bin ich im Bereich von Fan-Filmen bereit, hier ein Auge zuzudrücken. Bei "Of Gods and Men" wäre es aber teilweise besser, man würde überhaupt gleich beide Augen zudrücken. Einzelne Einstellungen wissen zwar gefallen – wechseln aber leider mit solchen, wo das Staging überhaupt nicht überzeugen kann. Allzu oft ist die Kamera auch zu nahe an den Figuren/Gesichtern dran; auch das ein untrügliches Zeichen des geringen bis nicht-vorhandenen Budgets – das andere solche Produktionen aber halt trotzdem besser in den Griff bekommen haben. Produktionstechnisch hält "Of Gods and Men" jedenfalls leider dem Vergleich mit den zuvor genannten, ungefähr zur selben Zeit entstandenen Fan-Produktionen, nicht stand.
Trotz dieser Kritikpunkte gibt es aber halb eben auch jene Aspekte, wo "Of Gods and Men" positiv heraussticht. Diese sind es dann auch, die ihn für mich trotz der schwachen Produktionsqualität durchaus für Trekkies lohnens- und empfehlenswert machen. Einer der größten Pluspunkte ist zweifellos die Beteiligung von "Star Trek"-Veteranen, die hier neuerlich (und überwiegend zum letzten Mal) in ihre ikonischen Rollen schlüpfen. Angefangen bei Nichelle Nichols als Nyota Uhura, über Alan Ruck als John Harriman, Tim Russ als Tuvok, Lawrence Montaigne als Stonn, Grace Lee Whitney als Janice Rand, Arlene Martel als vulkanische Priesterin, bis hin zu Walter Koenig als Pavel Chekov. Darüber hinaus treten hier auch einige bekannte Gesichter in neuen Rollen auf, wie u.a. Garrett Wang, Gary Graham, J.G. Hertzler, Chase Masterson, Cirroc Lofton, sowie Ethan Phillips. Mehr noch als ihr Auftritt an sich begeistert aber die Tatsache, dass die meisten von ihnen mit viel Elan bei der Sache waren. Vor allem das zentrale Duo Nichelle Nichols, Alan Ruck und Walter Koenig ist ihr zu loben; und dabei ganz besonders letzterer. Die Autoren haben Koenig hier deutlich mehr zu spielen gegeben, als dies in fünf Jahrzehnten offizieller "Star Trek"-Produktionen der Fall war, und er stürzt sich darauf mit einer Spielfreude, gerade auch im Hinblick darauf, dass er so wie alle anderen gerade mal mit dem SAG-Mindestlohn abgespeist wurde, beachtlich ist. Aber auch dort, wo man die früheren Darsteller – warum auch immer – nicht für eine Rückkehr gewinnen konnte, wie bei Charlie Evans (eine weitere Figur möchte ich ganz bewusst nicht ansprechen, um nicht zu viel zu verraten), ist die Neubesetzung gut gelungen. Und auch die Laiendarsteller:innen – darunter u.a. auch die "New Voyages"-Darsteller James Cawley und Jeffrey Quinn – schlagen sich neben ihren Idolen wacker (an einer Stelle sagt Cawley in seiner Rolle als Kirks Neffe "Your presence really honors us" – dafür war wohl nicht viel Schauspielerei vonnöten).
Die letzte wesentliche Stärke von "Of Gods and Men" ist dann das Drehbuch. Man hat sich hier eine wunderbare Zeitreisegeschichte ausgedacht, die vor allem auch im Hinblick auf Anspielungen auf den etablierten Kanon aus den Vollen schöpft – nicht zuletzt mit der Rückkehr von Charlie Evans als (anfänglicher) Haupt-Antagonist, sowie natürlich dem Wächter der Ewigkeit. Darüber hinaus gibt es für "Star Trek"-Fans ein paar nette Easter Eggs zu entdecken. Erstaunlich fand ich auch die Parallele zum nächsten offiziellen Film, nämlich dem Reboot von J.J. Abrahms – dahingehend, dass auch dort Vulcan zerstört wurde. Vor allem aber gefällt mir, wie "Of Gods and Men" mit Uhura und Chekov zwei Figuren aus der zweiten in die erste Reihe holt, und (neben Harriman) zu den Helden der Geschichte macht. Doch es ist nicht nur die Story, auch unter den Dialogen haben sich ein paar wirklich sehr schöne Schmankerl eingeschlichen (u.a. "We've done nothing to deserve death." "And what have you done to deserve life?!"). An anderen Ecken und Enden mag es hapern; aber ich wünschte echt, ein Großteil von "New Trek" wäre nur halb so gut geschrieben (und dem "Star Trek"-Erbe gegenüber respektvoll) wie "Of Gods and Men".
Fazit:
Langjährige Trekkies sollten sich von meiner Wertung bitte nicht abschrecken lassen. Denn für meine Kritik muss sich "Of Gods and Men" mit professionellen, kommerziellen Produktionen messen – und dementsprechend für die entsprechenden Mängel Abzüge hinnehmen. Schwerer als der Vergleich mit damaligen professionellen Produktionen wiegt aber ohnehin, dass "Of Gods and Men" leider selbst mit ähnlichen "No Budget"-Fanwerken der damaligen Zeit nicht mithalten kann, wobei neben der Inszenierung bzw. der Kameraarbeit vor allem die CGI-Effekte deutlich abfallen. Hier hat man sich in meinen Augen einfach völlig überhoben, was insofern doppelt schade ist, als ich nicht finde, dass der Film die große Schlacht am Ende – die ohnehin nie begeistern kann – gebraucht hat. Denn die Stärken von "Of Gods and Men" liegen vielmehr in der kleineren Geschichte – jedoch mit großen kosmischen Auswirkungen – die hier erzählt wird. Dass man dabei mit Uhura und Chekov zwei Figuren in den Mittelpunkt rückt, die in der Serie und den Filmen kaum Gelegenheit bekamen, zu glänzen, macht dabei einen ganz wesentlichen Reiz von "Of Gods and Men" aus. Wie auch die Rückkehr von so vielen "Star Trek"-Veteranen, teils in ihren alten, und teils in neuen Rollen. Zumal sie alle nicht einfach nur für einen – ohnehin geringfügigen – Gehaltsscheck vor der Kamera stehen, sondern auch wirklich mit Inbrunst bei der Sache sind. Für niemanden gilt das mehr als für Walter Koenig, der hier vom Drehbuch mehr Gelegenheit bekommt, zu glänzen, als in zwei Staffeln und sieben Filmen offiziellem "Star Trek". Vor allem aber merkt man "Of Gods and Men" das Herzblut an, dass in diese Produktion geflossen ist. Aus Gründen der Objektivität und Vergleichbarkeit mag ich ihm nur eine durchschnittliche Wertung geben können; mir ist solch ein Film mit zwar produktionstechnischen Schwächen, der aber vor allem auch den Geist von Roddenberrys "Star Trek" atmet, mit einem tollen Skript aufwarten kann, und dem vor allem das Herzblut welches in ihn hineingeflossen ist in jedem Einzelbild anzumerken ist, tausendmal lieber, als die x-te seelen- und/oder einfallslose "New Trek"-Produktion.