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Poirot - 10x01: Der blaue Express Drucken E-Mail
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Episodenbild (c) BBC

Originaltitel: The Mystery of the Blue Train
Episodennummer: 10x01
Bewertung:
Erstausstrahlung UK: 01. Januar 2006
Erstausstrahlung D: 04. März 2016
Drehbuch: Guy Andrews
Regie: Hettie Macdonald
Besetzung: David Suchet als Hercule Poirot, James D'Arcy als Derek Kettering, Alice Eve als Lenox Tamplin, Nicholas Farrell als Major Richard Knighton, Bronagh Gallagher als Ada Mason, Tom Harper als Corky Evans, Jane How als Lady at Ball, Samuel James als Steward, Helen Lindsay als Sister Rosalia, Oliver Milburn als La Roche, Jaime Murray als Ruth Kettering, Roger Lloyd Pack als Inspector Caux, Etela Pardo als Dolores, Georgina Rylance als Katherine Grey, Josette Simon als Mirelle Milesi, Lindsay Duncan als Lady Tamplin, Elliott Gould als Rufus Van Aldin u.a.

Kurzinhalt: Hercule Poirot macht Urlaub in Paris. In seinem Hotel lernt er einige Gäste kennen, die am nächsten Tag so wie er mit dem blauen Express von Paris nach Nizza fahren werden. Dabei beobachtet er u.a. das angespannte Verhältnis zwischen Ruth Kettering, der Tochter des wohlhabenden Major Richard Kittering, und deren Ehemann Derek. Am nächsten Morgen freundet er sich mit der bezaubernden Katherine Grey an, der er anbietet, sie auf ihrer Zugfahrt zu begleiten. Zusammen mit den Ketterings und einigen anderen Hotelgästen steigen sie in den blauen Express, der sie von Paris nach Nizza bringen soll. In der darauffolgenden Nacht wird Ruth Kettering auf brutale Art und Weise in ihrem Abteil ermordet. Zudem wurde der Edelstein, den sie bei sich hatte – ein Rubin mit dem Namen "Das Herz des Feuers" – gestohlen. Poirot hat keine Gelegenheit, den Fall zu lösen, ehe der Zug in Nizza eintrifft. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, die Passagiere nacheinander zu befragen, Ermittlungen anzustellen, und letztendlich den Täter zu identifizieren…


Review (kann Spoiler enthalten): Episodenbild (c) BBC Der Auftakt der zehnten Staffel bietet nicht zuletzt auch wieder einige bekannte (oder sollte man besser sagen, seither bekannt gewordene?) Gesichter. Angefangen bei Alice Eve, über James D'Arcy, Bronagh Gallagher, Elliott Gould, Jaime Murray (die ein paar Jahre später ihre Stahma Tarr in "Defiance" ganz ähnlich anlegen sollte wie ihre Rolle hier), bis hin zu Lindsay Duncan. Damals wie heute eine her unbeschriebenes Blatt ist für mich Georgina Rylance, deren Performance mir hier aber wohl – natürlich abseits von David Suchet – am besten gefallen hat, da sie mir ihre Figur derart sympathisch machte, dass ich in erster Linie wegen ihr mit dem Geschehen mitfieberte. Hoffte ich doch einerseits, dass Katherine die Ereignisse unbeschadet überstehen würde, und andererseits, dass sie sich nicht als die Mörderin von Ruth Kettering herausstellen würde. In beiden Fällen will ich hier nichts verraten. Neben der Besetzung stach aber ganz allgemein die Figurenriege hervor. Diese mag sich zwar nicht mit den allerbesten messen, was die Poirot-Geschichten und/oder allgemein die Werke von Dame Agatha Christie zu bieten haben, dennoch gelang es den meisten von ihnen, Eindruck bei mir zu hinterlassen.

Das Setting im Zug war für mich hingegen ein bisschen eine durchwachsene Angelegenheit. Auf der einen Seite sorgte es für Abwechslung, und bot im Hinblick auf die Umstände des Mordes eine spannende Ausgangssituation für Poirots Ermittlungen. Andererseits denkt man wenn man "Poirot" und "Zug" hört natürlich sofort an "Mord im Orient-Express"; nicht einfach nur eine der besten Werke von Agatha Christie, sondern der besten Krimis, die jemals geschrieben wurden. Insofern ist es weder überraschend noch eine Schande, dass "Der blaue Express" da nicht mithalten kann; dennoch fühlt man sich halt unweigerlich an diesen deutlich hervorstechenderen Fall erinnert. Sieht man davon ab, ist aber auch das Mysterium rund um den blauen Express durchaus gelungen. Es sind dabei vor allem zwei Aspekte, die für Verwirrung sorgen. Einerseits, dass Ruth und Katherine das Abteil tauschen (was die Frage aufwirft, ob Ruth denn eigentlich das beabsichtigte Opfer war), und andererseits, dass das Gesicht der Leiche so entstellt ist, dass sich Ruth nicht eindeutig identifizieren lässt (was wiederum die Möglichkeit in den Raum stellt, dass sie ihren eigenen Tod vorgetäuscht haben könnte). Von diesen Punkten abgesehen sind allerdings weder der Fall noch die Auflösung etwas Besonderes. Generell muss ich "Der blaue Express" zu jeden Folgen zählen, die sich a) ein bisschen damit schwer taten, die Laufzeit zu füllen, und b) wo ich das Setup letztendlich interessanter fand, als den Verlauf der Ermittlungen. Die nun schon längere Abwesenheit der bekannten und sympathischen Dauergäste Captain Hastings, Inspektor Japp und Miss Lemon mag ihren Teil dazu beitragen. Last but not least: Auch wenn die Inszenierung durchaus hochwertig ist, aber musste die Kamera wirklich so viel herumwackeln. Ich weiß, das war damals in Mode – aber es verortet die eigentlich ja eine zeitlose Geschichte erzählende Produktion unnötig deutlich in der Mitte der 0er-Jahre.

Fazit: Episodenbild (c) BBC Den Auftakt der zehnten "Poirot"-Staffel fand ich leider doch "nur" ok. Der Fall ist sicherlich nicht schlecht, und wartet mit ein paar netten Elementen auf, aber den Schatten von "Mord im Orient-Express" – einer der besten Krimi-Erzählungen aller Zeiten – vermag man hier leider nie ganz abzuschütteln, und mit dem kann sich die Story hier nun mal nicht im geringsten messen. Auch mit der Inszenierung war ich nicht ganz glücklich; einige Einstellungen sind zwar ganz nett, die in den 0er-Jahren zunehmend in Mode kommende wackelnde Kamera spießt sich für mich aber mit dem zeitlosen Charakter der Geschichte. Gut macht sich in erster Linie die durchaus hochkarätige und mit einigen bekannten Namen und Gesichtern aufwartende Besetzung bemerkbar. Da ich zudem zu Katherine rasch eine Bindung aufbaute, habe ich entsprechend mitgefiebert. Und die klassische Poirot-Auflösung am Ende war schon auch recht fein. Und "recht fein" ist letztendlich auch das Prädikat, dass ich "Der blaue Express" insgesamt geben würde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wertung: 3 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)







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