Originaltitel: Wounds and Scars Episodennummer: 2x17 Bewertung: Erstausstrahlung US: 28. März 1991 Erstausstrahlung D: 01. Februar 1992 Drehbuch: Barry Pullman Regie: James Foley Besetzung:
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper,
Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman,
Madchen Amick als Shelly Johnson,
Dana Ashbrook als Bobby Briggs,
Richard Beymer als Benjamin Horne,
Sherilyn Fenn als Audrey Horne,
Lara Flynn Boyle als Donna Hayward,
Warren Frost als Dr. Will Hayward,
Peggy Lipton als Norma Jennings,
James Marshall als James Hurley,
Everett McGill als Big Ed Hurley,
Jack Nance als Pete Martell,
Kimmy Robertson als Lucy Moran,
Joan Chen als Jocelyn Packard,
Piper Laurie als Catherine Martell,
Eric DaRe als Leo Johnson,
Harry Goaz als Deputy Andy Brennan,
Michael Horse als Deputy Tommy 'Hawk' Hill,
Kenneth Welsh als Windom Earle,
Russ Tamblyn als Dr. Lawrence Jacoby,
Billy Zane als John Justice Wheeler,
Ian Buchanan als Dick Tremayne,
Heather Graham als Annie Blackburn,
David L. Lander als Tim Pinkle,
Wendy Robie als Nadine Hurley,
Don S. Davis als Maj. Garland Briggs,
Gary Hershberger als Mike Nelson,
Catherine E. Coulson als The Log Lady,
Mary Jo Deschanel als Eileen Hayward,
Brenda Strong als Jones,
Ron Blair als Randy St. Croix u.a.
Kurzinhalt:
Der Tod von Josie trifft Scheriff Truman schwer. Er verfällt in eine Tiefe Depression, und zieht sich in die Hütte der Bookhouse Boys zurück. Norma Jennings begrüßt indes ihre Schwester Annie bei sich, und stellt sie auch gleich als Kellnerin im Double R Diner ein. Holzscheit-Lady Margaret Lanterman spricht eben dort Major Briggs an; zusammen suchen sie daraufhin Dale Cooper auf. Denn so wie Garland hat auch Margaret ein geheimnisvolles Symbol auf ihrer Haut eingebrannt. Windom Earle ist indes erzürnt, als er herausfindet, dass Dale in ihrem Schachspiel auf ein Patt zusteuert – und sich vor allem auch offensichtlich Hilfe von außen geholt hat. Er überlegt daraufhin, wie er ihn fürs Schummeln bestrafen soll. Und im Grand Northern Hotel laufen die Vorbereitungen für die Spendenaktion zur Rettung des Kiefern-Wiesels. Nach einer Modenschau wird ein Exemplar eben dieses Tieres auf die Bühne gebracht. Als es ausbricht, nimmt die Gala einen chaotischen Ausgang…
Review:
"Wunden und Narben" bringt einen weiteren – aus heutiger Sicht prominenten – und vor allem auch für den weiteren Verlauf der Handlung bedeutsamen Neuzugang: Heather Graham (wohl nach wie vor am Bekanntesten aus dem zweiten "Austin Powers"-Film), die Normas jüngere Schwester Annie spielt. Gleich zu Beginn deutet man eine gewisse problematische Vergangenheit an, jedoch ohne hier erstmals näher darauf einzugehen. Ihre erste gemeinsame Szene mit Kyle MacLachlans Dale Cooper macht zudem die gegenseitige Anziehung, welche die beiden Figuren füreinander empfinden, offensichtlich. Dies macht auch gleich ihre hauptsächliche Funktion in der Geschichte deutlich, nämlich – nachdem man eine Romanze mit Sherilyn Fenns Audrey aufgrund des jungen Alters der Figur nicht weiterverfolgt hat – als "love interest" für Dale zu dienen; womit sie natürlich zugleich neben Shelley, Audrey und Donna zu einer weiteren Zielscheibe für Windom Earle wird. Jedenfalls macht die Figur, nicht zuletzt dank Heather Grahams charmanter Ausstrahlung, von Beginn an einen sympathischen Eindruck.
Parallel dazu widmet man sich Harrys Reaktion auf den Tod von Josie. Dieser ist hier ein gebrochener Mann; selbst sein guter Freund Dale kann ihn hier vorerst nicht aufmuntern. Den bislang so gefestigten Harry derart verzweifelt zu sehen, tut doch weh – und gibt nicht zuletzt auch Michael Ontkean die Gelegenheit, eine bislang unbekannte Facette seiner Figur zu zeigen. Und auch der Abschluss der Episode sticht dann hervor, mit der von Benjamin initiierten Benefizveranstaltung für das Kiefern-Wiesel, welches in einem Tumult endet, als das auf die Bühne gebrachte Wiesel Dick in die Nase beißt. Das war schon ein ziemlich amüsanter Moment. Trotz dieser hervorstechenden, positiven Eigenschaften kommt aber auch "Wunden und Narben" über eine durchschnittliche Wertung nicht hinaus, und ist vor allem auch von den Höhen einiger frühere Episoden (und insbesondere Anfang und Ende der ersten Staffel) weit entfernt. Zwar thematisiert man mit der Szene, in der die Log Lady und Major Briggs Dale Cooper in der Polizeistation aufsuchen auch kurz wieder das größere Mysterium rund um das Blue Book-Projekt. Leider aber geht dieser Aspekte zugunsten der Seifenopern-, Comedy – und/oder Drama-Elemente doch ziemlich unter. Auch aus Windoms verärgerter Reaktion auf Dales nächsten Zug konnte "Wunden und Narben" leider nicht wirklich Spannung beziehen. Und alles andere, was sonst noch so los war, hinterließ bei mir leider keinerlei Eindruck, und wirkte auf mich eher wie Füllmaterial, um die Laufzeit voll zu bekommen. Rückblickend denke ich jedenfalls, dass mehr noch als die frühe Auflösung des Mordes an Laura Palmer vielmehr die Entscheidung, von einer relativ kurzen auf die damals übliche Staffellänge zu erweitern, "Twin Peaks" enorm geschadet hat. Einerseits, weil der Event-Charakter verloren ging. Vor allem aber, weil man die Laufzeit mit zu vielen uninteressanten "Soap"-Handlungssträngen füllen musste, und so nicht nur an Spannung verlor, sondern vor allem auch die Krimi-, Thriller- und Mystery-Elemente in den Hintergrund drängte. Und eben das hat der Serie, zumindest in meinen Augen, überhaupt nicht gut getan.
Fazit:
Trotz einzelner zumindest leicht überdurchschnittlicher Episoden, in denen ein bisschen mehr (Interessantes) los war, will die zweite Staffel nach der Auflösung rund um den Mord an Laura Palmer einfach nicht in die Gänge kommen. Auch hier gab es zwar einzelne gute Szenen (insbesondere rund um Harrys Trauer), interessante Entwicklungen (wie die Ankunft von Serien-Neuzugang Annie Blackburn) und amüsante Momente (vor allem die außer Kontrolle geratende Benefizveranstaltung für das Kiefern-Wiesel am Ende) – aber zu wenig, um die Laufzeit von fünfundvierzig Minuten zu füllen, und so die Folge durchgehend unterhaltsam zu machen. Generell drängt "Twin Peaks" aktuell die Mystery- und/oder Thriller-Elemente zu sehr in den Hintergrund. Momentan tröstet mich in erster Linie das Wissen, dass die Serie zum Ende der zweiten Staffel nochmal so richtig aufdrehen will. Der Weg dorthin offenbart sich aber leider doch als zunehmend mühselig.