Originaltitel: The Condemned Woman Episodennummer: 2x16 Bewertung: Erstausstrahlung US: 16. Februar 1991 Erstausstrahlung D: 25. Januar 1992 Drehbuch: Tricia Brock Regie: Lesli Linka Glatter Besetzung:
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper,
Michael Ontkean als Sheriff Harry S. Truman,
Madchen Amick als Shelly Johnson,
Dana Ashbrook als Bobby Briggs,
Richard Beymer als Benjamin Horne,
Sherilyn Fenn als Audrey Horne,
Lara Flynn Boyle als Donna Hayward,
Warren Frost als Dr. Will Hayward,
Peggy Lipton als Norma Jennings,
James Marshall als James Hurley,
Everett McGill als Big Ed Hurley,
Jack Nance als Pete Martell,
Kimmy Robertson als Lucy Moran,
Joan Chen als Jocelyn Packard,
Piper Laurie als Catherine Martell,
Eric DaRe als Leo Johnson,
Michael Horse als Deputy Tommy 'Hawk' Hill,
Kenneth Welsh als Windom Earle,
Billy Zane als John Justice Wheeler,
Miguel Ferrer als FBI Agent Albert Rosenfield,
David Patrick Kelly als Jerry Horne,
Chris Mulkey als Hank Jennings,
Wendy Robie als Nadine Hurley,
David Warner als Thomas Eckhardt,
Dan O'Herlihy als Andrew Packard,
Michael J. Anderson als Man From Another Place,
Ron Blair als Randy St. Croix,
Frank Silva als Bob u.a.
Kurzinhalt:
Josie erlebt den Schock ihres Lebens, als ihr Ehemann Andrew Packard auf einmal lebend vor ihr steht – hat sie doch Hank auf Geheiß von Mr. Eckhardt darauf angesetzt, ihn zu töten. So erschüttert sie auch ist, Mr. Eckhardt Reaktion droht für sie verheerend zu sein. Nicht ganz uneigennützig lässt Andrew ihr einen Revolver zukommen, in der Hoffnung, dass sie sich seines Feindes für ihn entledigt. Parallel dazu kehrt Albert Rosenfield nach Twin Peaks zurück, um Jocelyn für den Mord an Jonathan zu verhaften. Benjamin Horne, der sich von seinem kürzlichen Nervenzusammenbruch wieder erholt hat, begrüßt indes in John Justice Wheeler einen neuen Geschäftspartner bei sich im Grand Northern Hotel. Dieser ist Experte dafür, Umweltauflagen zu benützen, um Bauprojekte zu stoppen. Eben damit möchte Ben Catherine Martells Plänen einen Strich durch die Rechnung machen. Und sowohl Donna, Audrey als auch Shelley erhalten einen seltsamen Brief von einem Unbekannten, der sie dazu anregt, noch am gleichen Abend dem Roadhouse einen Besuch abzustatten – nicht ahnend, dass Agent Coopers Nemesis Windom Earle hinter den anonymen Nachrichten steckt…
Review:
"Die Verdammte" bringt uns bei "Twin Peaks" den nächsten prominenten Gaststar, nämlich Billy Zane. Dieser bekommt hier als John Justice Wheeler vor allem auch ein paar nette Momente mit Sherilyn Fenn – deren Audrey momentan noch nicht so recht zu wissen scheint, was sie von ihm halten soll. Darüber hinaus gefiel mir aber auch der perfide Plan, den Ben hier mit seiner Hilfe schmiedet, um Catherines Bauplänen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Und auch davon abgesehen muss ich sagen, dass ich nach "Die Verdammte" gleich doppelt froh bin, dass der Handlungsstrang rund um Bens Nervenzusammenbruch endlich vorbei ist, weil irgendwie hat er mit seiner intriganten Art in den letzten Folgen halt schon gefehlt. Parallel dazu scheint Norma nach Hanks Verhaftung im Hinblick auf ihre Ehe endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Man gönnt ihr und Big Ed das gemeinsame Glück; und vor allem auch ihr Spruch in Richtung Hank, als sie diesen im Gefängnis besucht, war klasse: "I'd rather be his whore than your wife." Bäm! Das hat gesessen.
Der Schwerpunkt liegt aber auf jener Figur, auf die sich vermeintlich auch der Titel bezieht, nämlich Jocelyn "Josie" Packard. Zuerst erfährt sie, dass "ihr" Andrew doch noch am Leben ist, dann, dass die Polizei gegen sie im Fall des Verschwindens von Jonathan ermittelt, und schließlich steht ihr eine Begegnung mit Mr. Eckhardt im Grand Northern Hotel bevor. Da sie wohl nicht mehr lange leben würde, sobald dieser erfährt, dass Andrew nicht tot ist, sieht sie keine andere Möglichkeit, als Thomas zuvorzukommen. Die Szene war ja grundsätzlich noch ganz nett; sobald Dale und Harry ins Zimmer kommen, wurde es dann aber irgendwie ziemlich schräg. Ich weiß, dass Joan Chen damals den Wunsch hatte, die Serie zu verlassen (eine Entscheidung, die sie Jahrzehnte später – als "The Return" vorbereitet wurde – zu bereuen gelernt hat), und grundsätzlich habe ich ja auch gegen Josies Tod nichts – aber hätte man das nicht anders lösen können? So sieht sie Dale und Harry, hält sich die Waffe mit der sie gerade Thomas erschossen hat vor die Brust – und bricht tot zusammen. Ja, ich weiß, das kurze Auftauchen von Bob sowie das Abbild ihres Gesichts im Knauf der Schublade deuten an, dass hier irgendetwas mysteriös-übernatürliches im Gange war. Mir mutete ihr vermeintlich völlig grundloser Tod aber eher unfreiwillig komisch an – in jedem Fall aber verfehlte diese Wendung jegliche schockierende oder gar berührende Wirkung bei mir. Schade. Trotz dieses Mankos war "Die Verdammte" aber sicherlich wieder stärker als der Großteil der Episoden davor. Neben der Tatsache, dass ich mit fast allen Handlungssträngen hier wieder mehr anzufangen wusste, lag das nicht zuletzt auch am spannenden Ausklang im Roadhouse, in das Donna, Audrey und Shelley von Windom Earle gelockt wurden, und wo die drei ihre Nachrichtenschnipsel zusammenlegen. Was immer er mit ihnen vor hat, es kann nichts Gutes sein.
Fazit:
Ich fand es schade, dass Josies Tod aufgrund der seltsamen (und unerklärlichen) Art ihres Ablebens bei mir keinerlei schockierend-berührende Wirkung entfalten konnte. Trotz dieses Mankos war "Die Verdammte" aber definitiv wieder besser als der Großteil der Episoden davor. So gab es diesmal keinen Handlungsstrang, der für mich deutlich abgefallen wäre (dass Nadine hier nicht in Erscheinung tritt, und die Beverly Marsh-Storyline nun endlich vorbei ist, haben hier sicherlich viel geholfen). Ich finde es auch sehr gut, den "alten" Benjamin wieder zurückzuhaben; zumal es auch abseits des Auftritts von Billy Zane Spaß macht, ihm dabei zuzusehen, wie er nach Wegen sucht, um seiner Nemesis Catherine in die Suppe zu spucken. Und nicht zuletzt sorgte die Art und Weise, wie Windom Earle hier Shelley, Donna und Audrey ins Roadhouse lockt, für einen spannenden Ausgang des Geschehens.