HOME PROJEKTE LINKS CHAT JOBS DATENSCHUTZ ARCHIV
Startseite
Poirot - 9x03: Tod auf dem Nil Drucken E-Mail
< Vorherige Episode | Nächste Episode >

Episodenbild (c) BBC

Originaltitel: Death on the Nile
Episodennummer: 9x03
Bewertung:
Erstausstrahlung UK: 12. April 2004
Erstausstrahlung D: 25. Dezember 2005
Drehbuch: Kevin Elyot
Regie: Andy Wilson
Besetzung: David Suchet als Hercule Poirot, James Fox als Colonel Race, Emma Griffiths Malin als Jacqueline De Bellefort, JJ Feild als Simon Doyle, Emily Blunt als Linnet Ridgeway, Judy Parfitt als Miss Van Schuyler, Daisy Donovan als Cornelia Robson, Barbara Flynn als Mrs Allerton, Daniel Lapaine als Tim Allerton, David Soul als Andrew Pennington, Frances de la Tour als Salome Otterbourne, Zoe Telford als Rosalie Otterbourne, Alastair Mackenzie als Ferguson, Steve Pemberton als Dr Bessner, George Antoni als Cruise Manager, Elodie Kendall als Joanna Southwood, Félicité Du Jeu als Louise Bourget u.a.

Kurzinhalt: Hercule Poirot nimmt an einer Kreuzfahrt auf dem Nil teil. Am Abend bevor sie ablegen lernt er einige der anderen Passagiere kennen, darunter das frisch verheiratete Ehepaar Simon und Linett Doyle. Zu deren Unmut hat Jacqueline De Bellefort Wind von ihrer Hochzeitsreise bekommen, und nimmt ebenfalls an der Kreuzfahrt teil. Dies sorgt insofern für eine angespannte Stimmung, als Jackie und Linett einst eng befreundet waren, ehe Linett Jacqueline ihren damaligen Verlobten Simon ausgespannt hat. Hercule Poirot warnt die junge Dame davor, sich dem Hass hinzugeben, dennoch nutzt Jacqueline daraufhin jede sich ihr bietende Gelegenheit, um die frisch Vermählten bloßzustellen. Eines Abends eskaliert die Lage dann schließlich, als die betrunkene Jackie eine Waffe auf Simon anlegt, schießt, und ihn im Bein trifft. Völlig verstört wird sie daraufhin in die Kabine gebracht, während man den Arzt in die Lounge ruft. Am nächsten Morgen wird dann schließlich Linett tot in ihrer Kabine aufgefunden – doch Jacqueline kann es nicht gewesen sein, die stand nämlich aufgrund ihres aufgerüttelten Zustands die ganze Nacht unter Aufsicht…


Review (kann Spoiler enthalten): Episodenbild (c) BBC Bei der TV-Adaption zu Agatha Christies "Tod auf dem Nil" stand man in meinem Fall insofern vor einer fast schon herkulischen Aufgabe, als die Verfilmung mit Peter Ustinov in der Hauptrolle nicht einfach nur mein Lieblings-Poirot und/oder Christie-Verfilmung, sondern mein Lieblingskrimi überhaupt ist. Das wunderbare Setting, die schrulligen Figuren, die bis in die kleinste Rolle grandiose Besetzung, das Drehbuch, die Regie, sowie der wunderbar ausgeklügelte Fall verbinden sich in John Guillermins Film trotz einer überlangen Laufzeit von mehr als zwei Stunden zu einem ungemein unterhaltsamen Mix, der mich jedes Mal aufs Neue zu begeistern vermag. Trotz eines großen Budgets und einer ebenfalls hochkarätigen Besetzung ist Kenneth Branagh vor rund vier Jahren daran gescheitert, an diesen Erfolg anzuknüpfen – und auch der iTV-Verfilmung gelang dies nicht, wenn ich sie auch immerhin eine Spur besser fand als Branaghs Versuch (der in erster Linie unter einem teilweise ziemlich künstlichen Look, sowie der in meinen Augen unnötigen und auch nicht der Vorlage entstammenden, überdramatisierten Twist rund um Bouc litt).

Beginnen wir mit dem Positiven: In Anbetracht dessen, dass sich das Budget hier sicherlich nicht mal mit der dreißig Jahre früher entstandenen (Kino-)Verfilmung vergleichen lässt, war ich von der Produktionsqualität durchaus angetan, und teilweise sogar richtiggehend positiv überrascht. So hätte ich beispielsweise gedacht, dass man die Aufnahmen von Ägypten auf ein Minimum beschränkt, und die Besuche auf dem Land vielleicht sogar ganz einspart. Ich war sehr froh, vom TV-Film diesbezüglich Lügen gestraft zu werden. Darüber hinaus profitiert natürlich auch die TV-Adaption, so wie jede Verfilmung, von der wunderbar ausgeklügelten Vorlage. Die Auflösung mag zwar nicht an "Mord im Orient-Express" heranreichen (aber welche tut das schon?), ist aber trotzdem sehr clever (wenn es auch für mich natürlich keine Überraschung mehr war). Die Besetzung kann zwar mit keiner der beiden Kino-Verfilmungen mithalten, ist aber im Hinblick auf bekannte Gesichter dank – unter anderem – Emily Blunt, Barbara Flynn und Frances de la Tour jedenfalls über den Serienschnitt einzuschätzen. Vor allem von Blunt als Linnet war ich ziemlich begeistert. Der Rest der Besetzung – egal ob mir bekannt oder unbekannt – machte in ihren jeweiligen Rollen ebenfalls einen guten Eindruck, wobei sich natürlich nicht zuletzt auch David Suchet als Hercule Poirot wieder als ganz wesentliche Stärke erweist. Allerdings gibt es von diesem Lob auch eine wesentliche Ausnahme – und damit hätte ich auch gleich die Brücke zu den Schwächen geschlagen. Ich will auf ihr echt nicht herumhacken, aber Emma Griffiths Malin fand ich als Jacqueline leider ziemlich schwach. Klar, Mia Farrow aus dem ersten Kinofilm hat die Messlatte enorm hochgelegt, aber auch Emma Mackey in der Brannagh-Verfilmung schlug sich in der Rolle ungleich besser. Und um ein kürzliches Beispiel aus der Serie zu nehmen, denke ich, dass es mir lieber gewesen wäre, wenn Emma Griffiths Malin mit Tamzin Malleson aus "Das Böse unter der Sonne" die Rollen getauscht hätte. Der wäre die (vermeintlich) verrückte, geschasste Ex-Verlobte wohl mehr gelegen.

Episodenbild (c) BBC In erster Linie war es aber die Adaption von Kevin Elyot, mit der ich nicht ganz glücklich war (und das sage ich als jemand, der die Vorlage bislang nicht gelesen hat). So fand ich es erstaunlich, dass sich dieser TV-Film trotz einer um ein knappes Drittel kürzeren Laufzeit länger anfühlte, als der Kinofilm aus 1978. Für meinen Geschmack legte man auch zu viel Fokus auf den Nebenschauplatz des Diebstahls der Halskette; vor allem im Mittelteil verbringt Poirot mehr Zeit damit, darin zu ermitteln, als im eigentlichen Mordfall. Dass mein absoluter Lieblingsspruch von Hercule Poirot hier fehlt ("Do not allow evil into your heart, it will make a home there."), will ich Elyot insofern nicht anlasten, als dieser wohl Anthony Shaffer und nicht Agatha Christie selbst anzurechnen ist, schade fand ich es aber trotzdem. In erster Linie war ich aber mit der Art und Weise der Auflösung nicht glücklich. In beiden (Kino-)Verfilmung war das eine klassische Versammlung aller Verdächtigen in einem großen Raum, hier ist es eine vergleichsweise intime Angelegenheit, da es in Simons Quartier stattfindet, und Jacuqeline nichtmal anwesend ist. Auch hier wieder: Das mag vorlagengetreu sein (ich kann es noch nicht sagen), ich fand es aber sehr antiklimaktisch und enttäuschend. Daran konnte auch der tragische "Romeo und Julia"-Ausgang des Geschehens nichts ändern.

Fazit: Zugegeben, vor einer solch großen Herausforderung wie bei "Tod auf dem Nil" stand das Team hinter der iTV-Serienadaption sämtlicher von Dame Agatha Christie für Hercule Poirot geschriebenen Fälle noch nie, und wird es auch nie wieder – zumindest in meinem Fall. Denn "Tod auf dem Nil" ist mein absoluter Krimi-Favorit aller Zeiten. Insofern war es von vornherein sehr unwahrscheinlich, dass des dem TV-Film gelingen würde, daran anzuknüpfen. Und doch denke ich, dass mehr drin gewesen, als hier erreicht wurde. An der Produktionsqualität lag es jedenfalls nicht, die hat mich nämlich positiv überrascht. Andy Wilsons Regie fand ich allerdings doch eher zweckmäßig und wenig unauffällig. Die Besetzung ist grundsätzlich solide und wartet mit mehr bekannten Gesichtern auf, als ich das erwartet hätte, kommt aber an beide Kino-Verfilmungen – wenig überraschend – nicht heran; vor allem aber war ich mit Emma Griffiths Malin als Jackie nicht ganz glücklich. In erster Linie halte ich aber Kevin Elyot für hauptverantwortlich, der in seiner Adaption auf den Diebstahl der Halskette zu viel Augenmerk ver(sch)wendet, und vor allem bei der Umsetzung der Auflösung am Ende enttäuscht. Vor allem aber fand ich es beachtlich, dass ich den um eine knappe Dreiviertelstunde längeren Kinofilm mit Peter Ustinov kurzweiliger und unterhaltsamer fand. Daran konnte auch der in der Hauptrolle wieder hervorragende David Suchet nichts ändern.

Wertung: 3.5 von 5 Punkten
Christian Siegel
(Bilder © iTV)







Artikel kommentieren
RSS Kommentare

Kommentar schreiben
  • Bitte orientiere Deinen Kommentar am Thema des Beitrages.
  • Persönliche Angriffe und/oder Diffamierungen werden gelöscht.
  • Das Benutzen der Kommentarfunktion für Werbezwecke ist nicht gestattet. Entsprechende Kommentare werden gelöscht.
  • Bei Fehleingaben lade diese Seite bitte neu, damit ein neuer Sicherheitscode generiert werden kann. Erst dann klicke bitte auf den 'Senden' Button.
  • Der vorgenannte Schritt ist nur erforderlich, wenn Sie einen falschen Sicherheitscode eingegeben haben.
Name:
eMail:
Homepage:
Titel:
BBCode:Web AddressEmail AddressBold TextItalic TextUnderlined TextQuoteCodeOpen ListList ItemClose List
Kommentar:




  fictionBOX bei Facebook   fictionBOX bei Twitter  fictionBOX als RSS-Feed

TV-Planer
Im Moment keine TV-Einträge vorhanden