Kurzinhalt:
Kurz vor der atomaren Explosion, welche den Planet der Affen völlig vernichtete, ist es Zira, Cornelius und Dr. Milo mit Hilfe der von letzteren reparierten Raumkapsel der Astronauten rund um George Taylor gelungen, vom dem Untergang geweihten Planeten zu entkommen. Sie fliegen daraufhin durch den gleichen Zeitwirbel, der zuerst Taylor und danach John Brent in die Zukunft schleuderte, und landen auf der Erde des Jahres 1971. Dort staunt die Welt nicht schlecht, als sie auf einmal mit sprechenden Schimpansen in menschlicher Größe und vor allem den gleichen kognitiven Fähigkeiten konfrontiert werden. Während sich Dr. Lewis Dixon und Dr. Stephanie Brenton den Besuchern aus der Zukunft mit viel Zuneigung und Hingabe annehmen, sehen andere in der Ankunft der intelligenten Schimpansen eine Bedrohung. Umso mehr, als deutlich wird, dass diese von einer zukünftigen Erde stammen, in der intelligente Affen über die primitive Menschheit herrschten. Was, wenn ihre Ankunft eben diese Entwicklung erst auslöst? Als der Präsident auf Anraten von Dr. Otto Hasslein die Order gibt, die Affen zu sterilisieren und ihren Nachwuchs – hat sich Zira doch als schwanger herausgestellt – abzutreiben, verhelfen Lewis und Stephanie den affenartig Besuchern aus der Zukunft zur Flucht…
Review:
Zuerst einmal finde ich es interessant, dass man bei den Romanadaptionen der Filme für jedes Buch auf einen anderen Autor zurückgegriffen hat (während die Drehbücher – wenn auch teilweise mit Co-Autoren, fest in der Hand von Paul Dehn waren). Auf Michael Avallone bei "Rückkehr" folgt hier nun Jerry Pournelle. Die beiden Filmromane sind sich dabei insofern sehr ähnlich, als sie sich darauf beschränken, die Geschichte des Films bzw. Drehbuchs nachzuerzählen, aber nichts vertiefen und/oder erweitern. So hätte ich persönlich gehofft, dass Pournelle uns einen Prolog schenkt, der zeigt, wie Zira, Cornelius und Dr. Milo vom Planet der Affen entkommen – und dabei vielleicht sogar eine meiner Erinnerung nach zusätzliche Szene aus dem Vorgänger-Roman "Rückkehr" aufgreift, wo wir das Schimpansenpaar kurz vor der atomaren Explosion noch in ihrem Haus sehen. Theoretisch hätte man daran anknüpfen und zeigen können, wie unmittelbar darauf Dr. Milo hineinstürmt, ihnen sagt, dass es ihm gelungen ist, die Raumkapsel zu reparieren, und ihnen so die Möglichkeit zu geben, der drohenden Katastrophe zu entkommen. So hingegen ist der Übergang vom Vorgänger zu diesem Roman ebenso abrupt (und doch auch etwas holprig) wie beim Film. Aber auch in weiterer Folge hätte ich keine wesentlichen Änderungen und/oder Ergänzungen im Vergleich zum Film ausgemacht, was den Mehrwert des Romans – und den Reiz solcher Movie-Tie-Ins – doch deutlich reduziert. Eher sogar im Gegenteil: Ich fand, dass Pournelle alles ab der Flucht der Affen aus dem Gewahrsam der Menschen fast schon überhastet abarbeitet, weshalb sowohl der Showdown als auch der tragische Ausgang des Geschehens bei mir hier weniger Wirkung entfalten konnten, als im Film. Last but not least fehlen auf dem Papier natürlich auch die charmanten darstellerischen Leistungen von Roddy McDowall und Kim Hunter.
Trotz dieser Kritik: Schlecht ist "Flucht vom Planet der Affen" nicht. Die Grundidee der Geschichte, nämlich das Konzept aus dem ersten Film bzw. "Rückkehr" auf den Kopf zu stellen, und statt Menschen aus unserer Zeit mit der düsteren Zukunft nun vielmehr die intelligenten Affen aus eben dieser in die damalige Gegenwart zu verfrachten, hat durchaus ihren Reiz. "Flucht" hält auch, wie seine Vorgänger, mit Gesellschaftskritik – insbesondere unsere Angst vor dem Unbekannten – nicht hinterm Berg. Und nicht zuletzt auch aus der Art und Weise, wie eben diese Tendenz der Menschheit letztendlich genau das, was man eigentlich verhindern wollte, erst recht auslöst (weil Milo ja ausgetauscht wurde, und somit erst recht überlebt – allerdings in einer Welt, die seine Eltern kaltblütig ermordet hat, was der erste Schritt auf jenem Weg ist, den er dann schließlich im Nachfolger vollenden wird; wer weiß, wäre er in einer friedlichen Welt und unter ihrer Führung – pazifistischen – Führung aufgewachsen, hätte sich die Geschichte vielleicht anders entwickelt), bezieht "Flucht" doch einiges an Reiz; dies gilt für den Filmroman ebenso wie für den Film an sich. Und natürlich hat die mangelnde Tiefe auch eine durchaus positive Kehrseite, da sich die Geschichte rasch fortentwickelt, und der Roman somit von der ersten bis zur letzten Seite keine Langeweile aufkommen lässt. Was die Neuauflage durch den Apex-Verlag betrifft, freut es mich, festhalten zu können, dass die beim Vorgänger doch etwas störenden Fehler bei den Zeilenumbrüchen, insbesondere aber ein ähnlicher "kopieren & ersetzen"-Patzer wie rund um "der Schwarzer" hier nicht auftreten. Vereinzelt gibt es zwar schon noch Mängel, die man im Lektorat ruhig hätte bemerken und ausbessern dürfen, im direkten Vergleich zu "Rückkehr" war das aber eine deutliche Verbesserung. Dafür hätte auch hier wieder eine etwas höhere Auflösung beim (generell wieder sehr zweckmäßig rüberkommenden) Cover nicht geschadet. Letztendlich zählt aber eh der Inhalt – und auch wenn ich von "Flucht vom Planet der Affen" jetzt nicht übermäßig begeistert war, so ist es doch lobenswert, dass diese Romanadaption vom Verlag aus der Versenkung geholt wurde.
Fazit:
Jerry Pournelles Romanadaption zu "Flucht vom Planet der Affen" kam für mich nicht ganz an den Film heran. Dies liegt insbesondere daran, dass man hier – no na – auf die charmanten schauspielerischen Leistungen von Kim Hunter und Roddy McDowall verzichten muss, aber auch, als er durchs Finale dann ziemlich durchhetzt, und dadurch einzelne starke Momente und insbesondere das Ende nicht die gleiche Wirkung entfalten können, wie es im Film der Fall war. Parallel dazu hält er sich fast schon sklavisch ans Drehbuch, und wandelt dieses halt nur vom gängigen (und für eine Veröffentlichung nur bedingt geeignete) Format in eine Prosa-Erzählung um – was jedoch einen doch ziemlich überschaubaren Aufwand darstellt. Und so sind die größten Stärken des Romans die gleichen wie jene des Films, was neben der Umkehr des bis dahin gängigen Setups der Reihe insbesondere auch für den bereits erwähnen tragischen Ausgang des Geschehens gilt. Allerdings gilt dies eben auch für die Schwächen, insbesondere die doch etwas unglaubwürdige Flucht von Zira, Cornelius und Milo vom dem Untergang geweihten Planeten – ein Kritikpunkt, den Pournelle mit einem kurzen Prolog hätte zumindest abschwächen können. Fans der "Planet der Affen"-Reihe können somit zwar ruhig einen Blick riskieren, sollten sich aber kein Buch erwarten, dass über den Inhalt des Films hinausgeht.