Originaltitel: Sad Cypress Episodennummer: 9x02 Bewertung: Erstausstrahlung UK: 26. Dezember 2003 Erstausstrahlung D: 28. Februar 2018 Drehbuch: David Pirie Regie: David Moore Besetzung:
David Suchet als Hercule Poirot,
Elisabeth Dermot Walsh als Elinor Carlisle,
Rupert Penry-Jones als Roddy Winter,
Kelly Reilly als Mary Gerrard,
Paul McGann als Dr. Peter Lord,
Phyllis Logan als Nurse Hopkins,
Marion O'Dwyer als Nurse O'Brien,
Diana Quick als Mrs. Welman,
Stuart Laing als Ted Horlick,
Jack Galloway als Marsden,
Geoffrey Beevers als Seddon,
Alistair Findlay als Prosecuting Counsel,
Linda Spurrier als Mrs. Bishop,
Ian Taylor als Shopkeeper,
Timothy Carlton als Judge,
Louise Callaghan als Hunterbury Maid u.a.
Kurzinhalt:
Elinor Carlisle ist des zweifachen Mordes angeklagt. Ihr wird vorgeworfen, zuerst ihre reiche, zuletzt jedoch gesundheitlich angeschlagene Tante Sie soll sowohl ihre reiche, jedoch zuletzt gesundheitlich angeschlagene Tante Mrs. Welman mit Morphium getötet zu haben. Kurz darauf stirbt auch Mary Gerrard an einer Morphium-Vergiftung, nachdem sie ein Brötchen mit Lachspastete, welches ihr von Elinor gereicht wurde, gegessen hat. Zuvor hat Mary ihr ihren Verlobten Roddy Winter ausgespannt. Da sie zudem die Alleinerbin von Mrs. Welman ist, und diese nach einem anonymen Brief zu Hause besuchte, hatte sie zweifellos für beide Morde sowohl ein Motiv als auch die Gelegenheit. Doch im Gegensatz zur Polizei und dem Gericht ist Hercule Poirot von Elinors Schuld nicht überzeugt. Um sie vor dem Galgen zu bewahren, muss Poirot rasch den wahren Schuldigen finden…
Review (kann Spoiler enthalten):
Zu Beginn vermittelt "Morphium" den Eindruck, dass es sich nicht um ein klassisches Whodunit handelt, sondern die Täterin vielmehr von Beginn an festzustehen scheint. Im ersten Moment irritiert das zwar ein wenig, grundsätzlich hätte mir aber die Idee, 1x vom üblichen Konzept abzuweichen und sich stärker auf die Gründe für die Morde zu fokussieren – sowie darauf, wie es Hercule Poirot gelang, sie zu stellen (und damit ein bisschen im "Columbo"-Revier zu wildern) – durchaus gefallen. Ich würde es nicht jede Woche/Folge wollen, aber zur Abwechslung dürfte das ruhig mal sein. Jedoch stellt sich eben dieser Eindruck letztendlich als falsche Fährte heraus. Das mag so 1:1 der (mir noch nicht bekannte) Vorlage entnommen sein, ich fand es aber entbehrlich. Nicht zuletzt, als man sich bei Elinors eröffnenden Gedanken doch ordentlich verbiegen musste, um diesen Eindruck entstehen zu lassen. Sie spricht ja davon, sich den Tod der Menschen gewünscht und dementsprechend nun keinen Grund zu haben, Reue zu empfinden. Was für Mary gelten mag, aber doch nicht für ihre Tante?! Das hat mich leider überhaupt nicht überzeugt, weshalb es mir lieber gewesen wäre, man hätte sich dieses "Täuschungsmanöver" gespart.
Aber auch von diesem Punkt abgesehen gelang es "Morphium" in meinen Augen leider nicht, qualitativ an die großartige Folge davor anzuknüpfen. Wo diese von Anfang bis Ende kurzweilig war, schlichen sich hier zwischendurch leider doch immer wieder Längen ein, und tat man sich im Vergleich zu früheren TV-Filmen sichtlich schwerer, die Laufzeit von über neunzig Minuten zu füllen. Zudem ist die Fülle an Verdächtigen überschaubar, und waren sowohl Täter/in, Mordmethode (im Falle von Mary) und Motiv (nachdem man uns ca. 3x drauf hinweist) zu offensichtlich. Dass es am Ende dann mal statt einer großen Versammlung vielmehr eine Falle für den Täter/die Täterin gibt, war dann zwar durchaus gewitzt, zugleich aber leider ebenfalls zu durchsichtig. Und lasst mich bitte erst gar nicht von der Alptraum-Sequenz inklusive furchtbar getrickstem Morphing-Effekt anfangen. Dass "Morphium" trotz dieser Kritikpunkte immer noch eine überdurchschnittliche Wertung bekommt, spricht u.a. für die Qualität der Vorlage, die vor allem mit ihrem tragischen Kern besticht, der einen insbesondere mit Elenor mitfühlen lässt. Aber auch die gewohnt hohe Produktionsqualität macht sich bemerkbar. Und auch die Besetzung macht wieder einen überaus guten Eindruck. Zu Elisabeth Dermot Walsh habe ich persönlich zwar keinen Bezug, sie spielt Elenor aber sehr gut. Noch auffälliger als sie war für mich allerdings Kelly Reilly als Mary, noch vor ihrem internationalen Durchbruch mit "Eden Lake", und lange bevor sie mit Beth Dutton in "Yellowstone" die Rolle ihres Lebens finden sollte). Und auf David Suchet als Hercule Poirot – hier wie schon in der Folge zuvor der einzige Veteran aus der Stammbesetzung der Serie – ist sowieso immer Verlass. Er ist es dann auch, der "Morphium" zumindest noch knapp über den Durchschnitt heben kann.
Fazit:
Ich finde, dass man sich mit dem Einstieg rund um die Gerichtsverhandlung und dem vermeintlichen Geständnis von Elinor keinen Gefallen getan hat; zumal ihre Gedanken zumindest im Hinblick auf ihre Tante auch überhaupt keinen Sinn ergeben, weil die hatte sie ja ausgesprochen gern. Aus meiner Sicht versucht man hier zu verkrampft, uns davon zu überzeugen, dass sie schuldig ist, und "Morphium" dementsprechend vom üblichen "Poirot"-Schema – bzw. Whodunit-Konzept – abweichen würde. Was sich dann ohnehin schon recht bald als falsche Fährte herausstellt. Zudem hatte ich das Gefühl, dass man sich hier wieder etwas schwerer tat, die im Vergleich zu den kurzen Episoden doppelte Laufzeit zu füllen. Und nicht zuletzt war die Identität des Täters/der Täterin hier für mich doch etwas zu offensichtlich. Positiv machen sich in erster Linie die gewohnt hohe Produktionsqualität und die starken schauspielerischen Leistungen bemerkbar. Generell will ich "Morphium" nicht krampfhaft schlecht reden, sie bot durchaus solide Krimi-Unterhaltung. Und doch konnte ich das Gefühl nicht abschütteln, dass hier mehr drin gewesen wäre.