Originaltitel: The Engineer Episodennummer: 2x01 Bewertung: Weltweite Internet-VÖ: 15. November (Apple TV+) Drehbuch: Graham Yost Regie: Michael Dinner Besetzung:
Rebecca Ferguson als Juliette Nichols,
Harriet Walter als Martha Walker,
Ross McCall als Jeff,
Amelie Child Villiers als Young Juliette,
Ida Brooke als Young Shirley,
Peter Parker Mensah als Roy,
Finn Guegan als Tim,
Brian Bovell als Barney,
Pippa Winslow als Gladys,
Nick Haverson als Russell Conroy,
Joshua Merara als Younger Man,
Kosha Engler als Jean u.a.
Kurzinhalt:
Mit Hilfe des besseren Klebebands hat Juliette nachdem sie den Bunker verlassen hat länger überlebt als die meisten. Das vermeintliche Paradies, welches sie laut dem Video einer früheren Reinigung dort erwarten sollte, stellte sich allerdings als Trugbild heraus. Vielmehr stellt sich die Behauptung, dass außerhalb des Silos kein Leben möglich ist, als wahr heraus. Und so findet sich Juliette in einer leblosen Wüste wieder. Mehr noch: Ihr Anzug wird sie nicht lange vor der giftigen Atmosphäre schützen. Zum Glück gibt es in der Nähe noch mehrere Bunker, und das Außentor zum Silo 17 ist geöffnet. Was Juliette zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen kann: Dort kam es vor Jahren zu einem Aufstand, bei dem die Bevölkerung – davon überzeugt, dass sich die Erde wieder erholt hatte – darauf drängte, nach draußen zu gelangen. Rund um den Silo, sowie in dessen Zugang, findet sie lauter Leichen. Auch im Bunker selbst scheint niemand mehr am Leben zu sein. Falls es ihr nicht gelingt, einen weiteren Anzug zu finden, droht Juliette im Silo 17 festzusitzen…
Review:
Knapp 1-1/2 Jahre dauerte die Pause zwischen der ersten und zweiten "Silo"-Staffel (sofern man die "live" bei der Erstausstrahlung verfolgt hat; ein Abstand, der sich auch im Intervall zwischen meinen Reviews zu "Draußen" und "Die Ingenieurin" widerspiegelt) – und damit auch nach dem höchst effektiven Cliffhanger rund um Juliette, die es zwar über den Hügel schafft, jedoch statt des erwarteten Paradieses eine leblose Wüste vorfindet, und in der Ferne weitere Silos erblickt. Angesichts der langen Wartezeit dachten sich die Silo-Macher wohl, dass es auf ein paar Minuten (bzw. teilweise auch eine weitere Woche) nicht mehr ankommen würde. Und so greift "Die Ingenieurin" in den ersten Minuten nicht gleich den Cliffhanger rund um Juliette auf, sondern präsentiert eine Rückblende rund um die Ereignisse im Silo 17. Dort kam es zu einem Aufstand, da eine Gruppe von Menschen – davon überzeugt, dass außerhalb des Bunkers wieder Leben möglich sei – nach außen drängte. In der "Gegenwart" sehen wir die tragischen Auswirkungen dieser Rebellion (die dort, im Vergleich zu dem Silo aus dem Juliette stammt, eben nicht rechtzeitig niedergeschlagen werden konnte), findet Juliette doch rund um den Ausgang des Bunkers unzählige Leichen.
Im Hinblick auf die Fragen, welche das Ende von "Draußen" aufwarf (für mich gilt dies nach wie vor insbesondere für den Grund der Täuschung mit dem Hologramm einer paradiesisch-geheilten Welt, scheint man damit doch eine eben solche Rebellion wie sie im Silo 17 stattfand – inklusive der damit einhergehenden, tragischen Konsequenzen – förmlich herauszufordern), muss man sich hingegen vorerst noch in Geduld üben, denn zumindest "Die Ingenieurin" bleibt entsprechende Antworten erstmal noch schuldig. Angesichts der ohnehin schon recht langen Wartezeit empfand ich das doch ein bisschen als Manko. Schwerer wiegt jedoch, dass sich beim Auftakt der zweiten Staffel noch nicht wirklich viel tut. Ja, die Rückblenden zu den Ereignissen im Silo 17 verfehlen insbesondere in Verbindung mit Juliettes grausigem Fund die gewünschte Wirkung nicht. Und jene Momente, wo sie durch das leere, ausgestorbene Silo wandert, und dieses erkundet, waren teilweise auch recht eindringlich. Das allein war mir als Inhalt allerdings ein bisschen zu wenig; und scheinbar nicht nur mir, wird dieser Handlungsstrang in der Gegenwart doch um einige Rückblenden zu Juliettes ersten Arbeitstagen in der Mechanik angereichert. Wobei "angereichert" insofern nicht ganz das richtige Wort ist, als ich diese Flashbacks nicht als Bereicherung empfand. Nicht zuletzt auch in Verbindung mit den mangelnden Antworten fand ich die nämlich fast schon eher störend. Die erste Staffel machte ja einen guten Job dabei, die zehn Episoden sinnvoll zu füllen. Demgegenüber schien man sich bei "Die Ingenieurin" diesbezüglich doch anstrengen zu müssen. Hoffentlich nur ein einmaliger Ausrutscher, und kein Omen für Season Zwei.
Fazit:
Nachdem man als "Silo"-Fan eh schon 1-1/2 Jahre auf die Fortsetzung warten musste, wird man bei "Die Ingenieurin" im Hinblick auf die nach dem Ende von "Draußen" drängenden Fragen erst recht wieder vertröstet. Das kann man schon frustrierend finden. Schwerer wiegt allerdings, dass sich im Auftakt der zweiten Staffel erstmal noch nicht wirklich viel getan hat. Zwar fand ich alles rund um Juliettes Erkundung des verlassenen Silos – und ihre diversen (teils erschütternden) Entdeckungen – nicht uninteressant, die machen aber nur rund die Hälfte der Laufzeit aus. Der Rest wird mit Rückblenden zu ihrem ersten Arbeitstag in der Mechanik gefüllt, und das wiederum schien mir ein verzweifelter Versuch zu sein, um die angestrebte Laufzeit zu erreichen. Eine flottere Erzählweise – und ggf. einen parallelen Blick zu den weiteren Ereignissen in Juliettes Silo – hätte ich definitiv vorgezogen. Insgesamt hat "Die Ingenieurin" meine Wiedersehensfreude mit der Serie somit leider doch ein bisschen getrübt.